Die Negative waren leider nicht im Geheimfach, die mussten noch beim Fotografen sein.
Rosa hatte bereits begonnen mit den Betroffenen Kontakt aufzunehmen, es waren viele ihrer Freunde darunter, um dem Unfug ein Ende zu bereiten.
Nach ihrer Scheidung zog Rosa in eine Gemeinde an der Goldküste am Zürichsee.
Die Schreinerei wurde abgerissen und an ihrer Stelle entstand ein Wohnblock, Rosa nannte ihn ihre Altersvorsorge.
Als Otto vor dem Konkursgericht stand, wollte er noch möglichst viele mit in den Strudel reissen, aber er musste alleine für seine Schulden geradestehen. Bei der Untersuchung stellte sich noch heraus, dass er sowohl die Kirchenkasse wie auch den Gemeindesäckel geplündert hatte und zwar ziemlich dreist und unverschämt.
Er versuchte nun mittels seiner „Erpressermaschine“ falsche Zeugen und finanzielle Hilfe zu finden aber ohne Erfolg.
In jenen Tagen gab es an der Bahnhofstrasse einen Hausbrand. Das Geschäft des Fotografen brannte vollständig aus und gleichzeitig wurde seine Wohnung im Nachbardorf ausgeraubt, das heisst es verschwand alles fotografische Material, das er dort gelagert hatte.
Er selber wurde eine Woche später tot aufgefunden hinter Ottos Villa. Man stellte fest, dass er aber an einem anderen Ort erschossen worden war und man seine Leiche dann in Ottos Garten gelegt hatte.
Otto hatte ein Alibi, er sass im Bezirksgefängnis in Untersuchungshaft.
Seine Villa kam unter den Hammer und wurde zu einem Schundpreis verkauft.
Das Christbäumchen musste auch ausziehen aus ihrer feudalen Villa und die einst reiche Frau sass von nun an, der Sozialhilfe auf der Tasche.
Nach reiflicher Überlegung beschloss ich an der ETH in Zürich Forstwirtschaf zu studieren.
Wann es mir möglich war arbeitete ich auf meinem Beruf um mein Studium zu finanzieren bekam aber noch ein Stipendium von der Gewerkschaft, in der ich immer noch tätig war. Auch Alfred und meine Mutter steckten mir hie und da etwas zu aber meine grosse Gönnerin war Rosa.
Wenn ich mir etwas Freizeit gönnte verbrachte ich sie bei Rosa und dem Kleinen, der mir, wie ich später erfahren hatte, weit näher verwandt war als ich in meiner Naivität geglaubt hatte.
In meinem Studium spezialisierte ich mich auf tropische Hölzer und fand nach meiner Diplomierung eine Stelle bei einem holländischen Holzhändler, der Edelhölzer aus Südostasien nach Europa brachte.
Nun konnte ich meine Idee verwirklichen aus dem Flugzeug heraus, mittels Spezialkameras, die Standorte von Edelhölzern zu finden. Ich erstellte Karten einzelner Waldpartien, die für grosse Maschinen zugänglich gemacht werden konnten, oder an Flussläufen lagen, die ein Flössen der Stämme erlaubten.
Ich hatte meinen Flugschein noch vor meiner Abreise gemacht, aber mir fehlte noch die nötige Flugerfahrung über tropischen Wäldern und so bestieg ich die Maschine zu meinem ersten Waldflug mit gemischten Gefühlen.
Aber es ging alles gut und unser Pilatus Porter erwies sich als zuverlässiges Vehikel.
Meistens war ich am Steuer und meine Kollegin Sandra, eine Schweizerin und Fachfrau für Optik und Fotografie machte die Fotos und die entsprechenden Kreuzchen auf der Karte. Wenn dann alles kartographiert war, begaben wir uns, von einheimischen Führern begleitet auf einen „Augenschein“ in das Gebiet und machten Aufnahmen von einzelnen Exemplaren, die wir auch noch vermessen mussten. Diese Expeditionen im Halbdunkel des Dschungels liebte ich über alles. Was da nicht alles kreuchte und fleuchte, was da an Blattformen, an Früchten und Blüten zu sehen war, begeisterte mich. Freilich an Blüten war kein Überschuss (dafür aber an Insekten).
Hatten wir ein Gebiet erforscht, so gingen alle Unterlagen an unsere Firma und uns winkte jedes Mal eine Spezialprämie, wenn wir gut gearbeitet hatten, das heisst, viele Kandidaten für die Motorsäge gefunden hatten.
Nach Beendigung unserer Mission verkaufte ich mein Flugzeug, das mit Spezialkameras ausgerüstet war der Luftwaffe als Spionageflugzeug.
Vor meiner Abreise erlebte ich noch ein Erdbeben schmerzlich am eigenen Leib.
Etwa zwei Jahren später liess ich mich nach Ghana versetzen, denn mich interessierte auch noch der westafrikanische Regenwald, von dem ich durchs Studium ein breites Wissen erworben hatte.
Die Arbeit war dieselbe wie auf Borneo, nur hier starteten wir von bestehenden Holzfällercamps aus und erforschten das angrenzende Gebiet. Der Wald unter uns war nicht mehr kompakt und „jungfräulich“, sondern da waren breite Narben, lange Schneisen im Wald, da klafften riesige Lücken, dort wo die Bauern den Holzfällern gefolgt waren und nun durch Brandrodung neues Kulturland gewannen.
Wenn ich tief flog, konnten wir die grossen Felder mit Ananas, mit Zuckerrohr oder mit Maniok sehen, manchmal winkten uns die Leute zu, vor allem Kinder hatten grossen Spass an unserer Cessna.
Im Camp bekam ich eine Ahnung, wie gefährlich es war, so einen Urwaldriesen zu fällen.
Die Arbeiter standen meist auf einem Gerüst in mindestens zwei Metern Höhe und von dieser Plattform aus wurde der Stamm durchgesägt, so wie es Fachleute tun. Aber da ihr Arbeitsplatz in luftiger Höhe war, hatten sie keinerlei Fluchtmöglichkeit, wenn der Baum nicht so stürzte wie geplant.
Knochenbrüche waren dabei die einfachsten Verletzungen.
Kurz vor Abschluss unserer Mission wollte ich noch die Gegend auf eigene Faust erkunden.
An einem trüben Morgen in der Trockenzeit beschloss ich eine grössere Tour zu machen in eine Bergregion im Norden des Landes, wo man mir gesagt hatte, dass dort nach Gold geschürft werde und das wollte ich mir einmal ansehen, denn schliesslich hiess Ghana damals Goldküste, also musste doch irgendwo Gold sein.
Ich fand auf der Karte auch mehrere Landeplätze eingezeichnet, einen sogar in der Nähe einer Missionsstation, der schien mir der beste zu sein.
Die Landepiste erwies sich dann aber als schwierig und hätte mich beinahe das Fahrgestell gekostet. Die heiligen Männer der Mission schienen Fussgänger zu sein. In Wirklichkeit hatte ich den alten Flugplatz erwischt, aber das wusste ich damals noch nicht.
Ich machte mich auf den Weg zu den Goldminen, begleitet von meinem Boy. Nach etwa einer Stunde Fussmarsch setzten wir uns in den Schatten einer Akazie und wollten frühstücken.
Da verspürte ich plötzlich in der rechten Wade einen furchtbaren, brennenden Schmerz, der mich richtiggehend umwarf.
Eine Schlange, vermutlich eine Kobra hatte mich erwischt.
Ich konnte den Unterschenkel noch mit einem Riemen abbinden und dann wurde ich ohnmächtig.
Als ich wieder erwachte, hatte ich jeden Zeitbegriff verloren und ich verspürte nur dieses Brennen im ganzen Körper, dann wurde mir schwindlig und ich fiel in die nächste Ohnmacht, aber irgendwo im Hintergrund hörte ich Stimmen, dann spürte ich eine Hand auf meiner Stirn, dann war wieder Nacht.
Irgendwann kam ich wieder zu mir und konnte die Augen öffnen.
Ich lag scheinbar in einem weiss bezogenen Bett. Ich versuchte mich zu erinnern, aber da war nichts, nur dieses Brennen im ganzen Körper und dann hörte ich eine Stimme, die ich kennen musste.
Dann spürte ich die Hand auf meiner Stirn, dann wurde mir der Puls gemessen und dann sah ich ein Gesicht, ein bekanntes Gesicht. Wo war ich nur? Das war das Gesicht von Ida, da war ihre Stimme ihre Hand. War ich verrückt geworden?
Nein, es war tatsächlich die Wirklichkeit, es war die Krankenschwester Ida, die mich in diesem Buschspital pflegte. Ich konnte es kaum fassen. Das sind doch Dinge, die nur in Romanen geschehen, Zufälle von denen man träumt aber die einem nie zustossen. Aber da stand Ida, das Mädchen, das mir vor langer Zeit ein Butterbrot zugesteckt hatte mit echter Butter und einem goldenen Schimmer von Honig darauf.
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