Marlene Streeruwitz - Die Schmerzmacherin

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Die Schmerzmacherin: краткое содержание, описание и аннотация

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Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.
>Die Schmerzmacherin.< wurde mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

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Sie starrte auf ihren Teller. Sie schaute zu, wie der Teller weggezogen wurde. Der Platzteller. Wie ihre Brotbrösel mit einem silbernen Tischbesen weggekehrt wurden.

Gregory legte seinen Zahnstocher auf das Silbertellerchen zurück. Gregory richtete sich auf und deutete dem maitre d’ vorne, dass er die Rechnung haben wolle. Sie beugte sich vor und nahm den Zahnstocher. Vorsichtig. Nur an den Enden. Sie nestelte ein Papiertaschentuch aus ihrer Tasche. Legte den Zahnstocher darauf. Wickelte ihn in das Papiertaschentuch. Dann nahm sie ihre Stoffserviette. Sie wickelte den Zahnstocher im Papiertaschentuch in die Stoffserviette. Steckte das Bündel in ihre Tasche. Gregory starrte sie an. Sie schaute zurück. Prüfend. Sie konnte fühlen, wie sie ihn prüfend ansah. Gregory wollte gerade nach ihrer Tasche greifen. Er war aufgesprungen und griff über den Tisch nach ihrer Tasche. Sie hielt die Tasche an sich gedrückt. Marina kam zurück. Der maitre d’ mit ihr. Sie redeten miteinander. Marina setzte sich.

Eine Stoffserviette käme noch auf die Rechnung, sagte sie zum maitre d’ gewandt. Der schaute erstaunt. Dann schüttelte er den Kopf und legte das Lederetui mit der Rechnung auf den Tisch. Gregory steckte eine Kreditkarte hinein. Der Mann nahm das Etui und ging. Marina saß am Rand der Bank. Sie sah müde aus. Tiefe Ringe unter den Augen. Ihr Alter offenkundig. Es sei noch heißer draußen. Sie hätte in die Bar gehen können, aber sie genieße es, wie ein Dieb draußen zu stehen und zu rauchen. Sie hätte die nettesten Kontakte gemacht. So. In ihrem Alter ein outcast zu sein. Und. Sie wandte sich an Gregory. Er könne als Double von Strauss-Kahn auftreten.

Amalia, wandte Marina sich an sie. Was solle jetzt geschehen. Ein für alle Mal. Ganz einfach, antwortete sie. Sie käme jetzt mit ihr mit. Sie führen jetzt zu Marina, Wellington Square. Ein Taxi bekäme man ja vor dem Hotel. Sie schaute Gregory an. Sie zwang sich, Gregory anzuschauen. Der strich sich über die Stirn. Sie stand auf und schaute ihn an. Sie konnte im Augenwinkel sehen, wie Marina zwischen ihnen beiden hin- und herschaute. Wie sie sich nicht auskannte. Gregorys Wut. Sie nahm ihre Tasche unter den rechten Arm. Klemmte die Tasche da fest. Sie bot Marina den linken Arm. Sie solle kommen. Sie sollten jetzt gehen. Marina schaute noch einmal zu Gregory. Dann nahm sie den angebotenen Arm. Sie gingen. Sie ließ Marina vor sich gehen. Schob die alte Frau zwischen den Tischen durch. Sie zwang sich, nicht zu laufen zu beginnen. Presste die Tasche an sich. Marina ging vor ihr. Kopfschüttelnd. Sie war verwirrt. Sie drehte sich einmal zu ihr zurück. Sie lächelte sie beruhigend an und schob sie weiter. Marina konnte es nicht begreifen, dass sie am Ziel war. Konnte es nicht glauben. Aber wie sollte sie ihr das erklären. Wie sollte sie ihr den Zusammenhang klarmachen. Zwischen dem kleinen Mädchen aus dieser Tschernobyldokumentation. Wegen Japan zeigten alle Fernsehstationen Tschernobyldokus. Damit man wusste, was auf einen zukam. Und wie sie im kleinen Gemeinschaftsraum sitzend. Am Rand von Nottingham. Ferngesehen. Wie dieses kleine Mädchen in der Nähe von Tschernobyl. Wie das auf die Kinderschwester in dem Kinderheim zulief und es erst beim Hochheben zu sehen war. Das kleine Mädchen hatte keine Beine. Die Füße waren an den Hüften angewachsen. Es waren Flossen. Entenbeinchen. Die Kinderschwester hob das Kind in die Höhe, und unter dem Nachthemdchen war es zu sehen gewesen. Nur einen Augenblick. Und alle hatten gelacht. Im kleinen Gemeinschaftsraum mit dem Fernsehapparat. Alle, die mit ihr dagesessen. Die hatten gelacht. Ned und Bennie hatten gelacht und zum Lachen ihre Zahnstocher aus dem Mund genommen. Wie sollte sie ihrer alten Großtante Marina erklären, dass sie dieses Mädchen war. Und weil sie dieses Mädchen war. Dass deshalb das alles gleichgültig. Die Anliegen von der Marina. Sie waren nicht wichtig. Sie selbst war nicht wichtig. Sie hatte keinen Augenblick mitgelacht. Sie war sofort erschrocken gewesen. Sie hatte die Hände vors Gesicht schlagen müssen. Das hatte niemand bemerkt. Die hatten gleich über die Atombombe zu reden begonnen.

Sie führte Marina durch die Lobby hinaus. Ein Taxi wurde herbeigewinkt. Sie half Marina hinein. Stieg nach. Schloss die Tür. Sie befahl sich, nicht zurückzuschauen. Marina sagte dem Fahrer die Adresse. Sie beugte sich über sie und schaute zum Hoteleingang zurück. Gregory hätte sich verabschieden können, sagte sie. Sie sagte das auf Deutsch und lachte. Sie lehnte sich zurück. Sie könne jetzt schlafen. Das sei alles so anstrengend. Diese Gefühle. Diese Aufregungen. Marina lehnte sich gegen sie und seufzte. Sie war starr. Sie hätte stundenlang mit diesem Taxi herumfahren mögen und so starr sitzen bleiben. Aber es war nicht weit bis zu Wellington Square.

August

Sie saß auf dem Bett. Das Fenster. Die nächtliche Stadt. Lichter. Ein dunkel wolkiger Himmel. Keine Sterne. Die Flugzeuge aus dem Westen unter den Wolken zu sehen. Es musste Ostwind sein. Die Flugzeuge flogen den Flughafen vom Westen an. Überflogen die Stadt. Sie zählte die Flugzeuge. Sie kam aber gleich durcheinander. Sie hatte sich umgedreht. Es waren Schritte auf dem Gang zu hören gewesen. Sie hatte sich umgedreht, um zu sehen, ob man die Füße sehen konnte. Unter der Tür ein breiter Spalt. Das Licht fast eine Handbreit. Sie hatte sich gewünscht, diese Füße gehen sehen zu können. Sie hatte sich gewünscht, eine Person draußen zu wissen. Die Schritte. Sie hatte gehofft, es käme jemand ins Zimmer. Irgendjemand. Sie war allein. Nach einer Viertelstunde. Es konnte nicht viel länger gewesen sein. Sie fühlte sich einsam, als wäre sie die letzte Person auf der Welt. Sie sehnte sich nach einer Person. Nur irgendeine Person, die ins Zimmer kam. Die das Licht aufdrehte. Die sich vergewisserte. Die sah, dass sie da war. Die ihr zunickte. Sie etwas fragte. Die etwas holte. Etwas brachte. Die nachsah. Jedes Wort hätte ihr geholfen. Der Anblick einer anderen Person. Die Anwesenheit.

Es konnte noch nicht lange sein. Sie verbat sich, auf die Uhr zu schauen. Dazu hätte sie das Licht über dem Bett einschalten müssen. Kurz. Wenigstens. Das Licht über dem Bett schaltete sich mit einem Geräusch ein. Ein klickendes Geraschel, bis die breite Leuchtröhre zu strahlen begann. Das war dann gedämpft. Aber das Geräusch weckte auf. Die regelmäßigen Atemzüge. Sie würden ins Taumeln kommen. Es war zu sehen. Wenn die Tante Trude aus dem Schlaf gerissen wurde. In ihrer Vorstellung war sie vor etwas davongelaufen und hatte mit den Armen um ihre Balance gerudert. Erschöpft und verwirrt. Als wäre sie gelaufen und hingefallen und wieder aufgetaumelt. So wachte sie auf.

Später in der Nacht. Die Tante Trude. Sie begann dann zu reden. Stöhnte. Seufzte. Greinte. Sie greinte trostlos. Ein zweijähriges Mädchen. Dann wollte sie auch reden. Am Anfang der Nacht. Am Anfang der Nacht schlief sie tief. Man war überflüssig. Noch. Sie hätte den Rat der Krankenschwester befolgen sollen.»Setzen Sie sich in die Ecke und lesen Sie. Das Licht wird Ihre Mutter nicht stören. Im Gegenteil. Und Sie können sich beschäftigen. Nächte sind lang. Ich weiß das.«

Es waren 15 Minuten gewesen. Sie hatte ihr handy aus der Tasche gefischt und unter das Bett gehalten. Das bläuliche Licht des displays unter dem Bett. Es waren genau 15 Minuten vergangen, seit die Nachtschwester das Licht abgedreht hatte. Sie konnte nicht hier sitzen. Es ließ sich nicht machen. Ruhig sitzen. Sie stand auf. Ging zur Tür. Sie horchte. Die Atemzüge gleichmäßig. Sie ging an die Tür. Sie wartete wieder. Horchte. Sie zog die Tür auf und drängte sich aus dem Krankenzimmer hinaus. Schloss die Tür hinter sich.

Die Station war schon geschlossen. Die Tür zum Liftfoyer hinaus zu. Ein Schild.»Geschlossen. Bei Wiedereintritt bitte klingeln. «Sie stand auf dem Gang. Eine Frau weit unten. Da, wo das Mineralwasser zu holen war. Sie ging dahin. Sie hatte die falschen Schuhe an. Jeder Schritt. Die Absätze. Sie ging. Kam an den Tisch. Kekse. Mineralwasser. Äpfel. Tee. Sie nahm eine Flasche Mineralwasser und ging zurück.

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