Marlene Streeruwitz - Die Schmerzmacherin

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Die Schmerzmacherin: краткое содержание, описание и аннотация

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Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.
>Die Schmerzmacherin.< wurde mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

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Es kam dann eine Krankenschwester. Der Arzt rief in den Gang hinter sich, und eine Krankenschwester kam. Nach langem. Eine Afrikanerin beugte sich über sie. Ob sie aufstehen könne. Sie rappelte sich auf und ging hinter der Frau her. Sie sollte sich setzen. Ein Warteraum. Niedrige Decken. Alles beigegelb gefärbt. Die Sessel. Die Wände. Die Decken. Die Türen. Die Türschnallen. Sie hörte Lachen. Die Krankenschwester ging in einen Raum nach rechts. Das Gelächter kam von da. Frauenstimmen. Sie saß und wartete.

Sie wartete. Es gab kein Fenster in dem Raum. Nur Wände. Helles Licht, aber kein Tageslicht. In dem Raum nach rechts wurde geredet. Das Lachen schwoll an. Ebbte ab.»Happy Birthday «wurde gesungen. Applaus. Geschrei. Gläsergeklingel. Sie wartete. Sie fand Tränen auf ihre Hände tropfen. Sie schien zu weinen. Sie wusste es aber nicht so genau. Sie wartete.

Eine sehr junge Frau kam aus dem Zimmer. Sie lachte noch. Sie drückte einen Schalter neben der Tür. Es wurde heller auf dem Gang. Ob sie ihre NHS card habe. Sie wandte sich dieser Frau zu. Sie käme aus Wien. Sie habe eine Gesundheitskarte von da. Die Frau runzelte die Stirn. Warum sie denn hier sei. Sie holte die Glasdose aus der Tasche. Die Frau kam zu ihr und schaute kurz. Sie hob die Dose und schaute von unten das Ding da an. Sie brummelte. Sie nahm ihre e-card. Dann verschwand die Frau, und sie wartete. Die Frau kam wieder. Stellte ihr einen Papierbecher hin. Eine Urinprobe war verlangt. Woher wusste sie das. Sie folgte den Hinweisschildern. Alles war in Piktogrammen vorgeschrieben. Sie brachte das Becherchen zurück. Wartete.

Eine andere Frau kam aus dem Zimmer. Sie deutete ihr, mit ihr zu kommen. Sie stand auf. Sie schwankte. Dann ging es aber. Sie gingen den Gang hinunter. Dann in ein Zimmer mit einer großen Ziffer 3 auf der Tür. Sie musste sich ausziehen und auf ein Untersuchungsbett legen. Die Frau zog sich Gummihandschuhe an.

Das Ultraschallgerät summte leicht. Die Krankenschwester schaute auf den Bildschirm. Sie fuhr ihr über den Bauch. Führte das Gerät in ihre Scheide ein. Sie schüttelte den Kopf. Wiederholte das Ganze. Schüttelte den Kopf. Dann setzte sie sich an einen Computer. Sie solle sich anziehen und warten. Dann ging die Krankenschwester hinaus. Sie wartete dann wieder vorne. Sie setzte sich vor die Tür zu dem Zimmer, in dem gelacht wurde. Sie hatte Angst, vergessen zu werden, wenn sie nicht im Blickfeld dieser Personen blieb. Der junge Mann kam vorbei. Sie wartete.

Dann eine Ansage. Ms. Schreiber. Room one. Sie verstand erst beim dritten Mal, dass sie gemeint war. In room one saß der junge Mann. In der Ecke hing ein Riesenbildschirm. Ein Ultraschallbild auf dem Bildschirm. Der Mann stand auf und deutete ihr, sich auf den Sessel vor dem Schreibtisch zu setzen. Sie habe einen positiven Schwangerschaftstest. Das da. Er deutete auf den Bildschirm. Das sei ein Ultraschallbild ihrer Gebärmutter. Es gäbe kein Anzeichen eines Lebens. Auch die intravaginalen Aufnahmen zeigten kein Leben. Sie holte die Dose aus der Tasche. Er wehrte ab. Diese Aufnahmen wären Dokumentation genug. Sie solle jetzt nach Hause gehen. In diesem Land würde man jetzt nichts unternehmen. Sie sei ja eine gesunde junge Frau. Die Natur würde das selbst erledigen. Sie solle sich Schmerzmittel besorgen und, nachdem alles abgegangen sei, ihren Gynäkologen aufsuchen.

Der Mann stand auf. Sie blieb sitzen. Sie konnte sich nicht bewegen. Der Mann schob seine Krawatte zurecht. Er könne nichts sonst für sie tun, sagte er. Sie stand auf. Sie konnte ihr Gewicht kaum in die Höhe ziehen. Ihre Knie waren weich und schnappten zu schnell nach hinten. Sie fiel fast nach vorne. Der Mann ging zur Tür voraus. Ob man an dem, was sie da habe. Sie hob die Glasdose in die Höhe. Ob man an dem die DNA des Vaters des Kindes feststellen könne.»Certainly. «sagte der Mann desinteressiert. Das müsse sie aber privat bezahlen. Das übernähme der NHS nicht. Er machte ihr die Tür auf. Er lächelte sie an. Sie ging. Der junge Arzt verschloss die Tür hinter ihr und überholte sie auf dem Weg hinaus. Er drückte auf die Knöpfe des Lifts. Dann lief er zu einer anderen Tür und verschwand. Sie konnte das Schleifen seiner Schuhe auf den Stiegen hinunter hören. Den Müllsack ließ sie dann im Lift zurück.

Februar

Hell, und vom Bett nur der Himmel. Ein bedeckter Himmel. Eine dünne Wolkendecke. Das Licht gefiltert. Studiobeleuchtung für die Welt. Sie lag. Lang ausgestreckt. Das Fenster im Blickfeld. Rechts. Sie musste den Kopf nicht einmal richtig drehen. Die Wand. Braunrosabeige. Die Trageelemente beige. Jedes Spital hatte einen eigenen colour code. Es war nichts mehr weiß in Spitälern. Die Decke niedrig und braunrosabeige. Sie dachte, sie lag genauso da, wie sie sich hingelegt hatte. Lang ausgestreckt auf dem Rücken und den linken Arm gerade neben dem Körper, damit die Infusionskanüle nicht einschnitt.

Sie hatte geschlafen. Sie hatte lang geschlafen. Die Uhr an der Wand vorne. Eine große Uhr und ein leises Ticken. Die ganze Zeit in leises Ticken zerteilt. Die Uhr war aber tröstlich gewesen. Beim Warten auf das Abgeholtwerden. Sie hatte dem Zeiger zugesehen und hatte sich mit allen verbunden gefühlt, die je einem Uhrzeiger so zugesehen hatten. In Erwartung eines Eingriffs. Sie müsse sich keine Sorgen machen, es handle sich nicht einmal um eine Operation. Es handle sich um einen Eingriff, und sie müsse im Spital bleiben, weil sie nicht gleich am Morgen drangekommen wäre. 12 Stunden müsse man sie schon beobachten, und dann könne sie sich ausschlafen. Das könne nie schaden. Die Ärztin hatte sie noch kurz prüfend angesehen. Das könne sie sicherlich brauchen. Es wäre doch immer ein Schock.

Sie musste fürchterlich ausgesehen haben. Alle hatten sie mitleidig angeschaut. Am Ticketschalter in Heathrow. Beim Gepäck-drop-off. Ob sie das wirklich einchecken wolle, hatte der Mann sie gefragt. Sie hatte nur nicken können. Wie hätte sie diesem frischen jungen Mann erklären sollen, dass sie die Prada-Tasche eincheckte, weil sie eine Tupperware-Dose aus Glas mit einem Spurenträger transportierte. Einem Klumpen blutiges Gewebe, den sie eigentlich trocknen lassen sollte. Den sie aber zur Analyse bringen wollte. Und wie sollte sie bei der Sicherheitskontrolle erklären, was das war. Hätte sie diesen Klumpen Gewebe und Blut als» liquids «deklarieren müssen.»My shampoo. «hätte sie dann flüstern müssen.

Ihr angegriffenes Aussehen. Es hatte ihr die Untersuchung bei der Dr. Immervoll eingetragen. Der Mann, der dann im Laboratorium für Kriminaltechnik und forensische Chemie geholt werden hatte müssen. Der hatte sie ganz vorsichtig behandelt. Er hatte auf die Dose gestarrt. Der weiße Plastikdeckel machte das Ding drinnen unsichtbar. Man müsse von ihrer DNA eine Probe nehmen. Für das Ausschlussverfahren. Ob sie in der letzten halben Stunde etwas gegessen habe. Sie hatte da zwei Tage schon nichts gegessen gehabt. Der Mann hatte Gummihandschuhe angezogen und den Abstrich genommen. Die Innenseite der linken Wange. Ein Auftragsformular. 500 Euro in bar. Man konnte nicht mit Kreditkarte bezahlen. Im Kriminaltechniklabor. Ein Bankomat wäre vorne. Da. Bei der U-Bahn-Station. Der sorgenvolle Blick von der Immervoll. Sie müsse sich selber einliefern. Am Morgen. Um 7.00 Uhr. AKH. 2. gynäkologische Abteilung. Ob sie das schaffen würde. Und nein. Man könne nicht warten. Sie könne zwar eine Tubenschwangerschaft ausschließen, aber nichtbetreute Fehlgeburten wären die Todesursache Nummer 2 für Frauen ihrer Altersgruppe. Sie müsse das ernst nehmen. Hier. In Wien. In Österreich. Da würde das ernst genommen werden. Ohne curettage. Unvorstellbar. Das Risiko reiche von Unfruchtbarkeit bis zu Sepsis, und sie wolle da jetzt gar nicht mehr diskutieren. Und jetzt war ja auch schon alles vorbei. Sie konnte sich kaum an den Tag erinnern. Sie hatte nur geschlafen. Mit Narkose und ohne, und die Klarheit innen war weiter da. Und alle sagten ihr ja, sie solle nicht traurig sein. Sie wäre ja jung, und da könne sie jederzeit wieder schwanger werden, und jede 5. Schwangerschaft ende mit einer Fehlgeburt. Es wäre also alles ganz normal.

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