Marlene Streeruwitz - Die Schmerzmacherin

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Die Schmerzmacherin: краткое содержание, описание и аннотация

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Leute werden verschleppt, verschwinden, werden eingesperrt oder gefoltert. Amy arbeitet für einen privaten Sicherheitsservice, sie kann die Korruption und Gewalt nur ahnen, die sich als Abgrund hinter den geheimen Operationen abzeichnet. Als sie beschließt auszusteigen, gerät sie endgültig in die Fänge einer undurchsichtigen, aber brutalen Organisation.
Amys Verlorenheit korrespondiert mit dem Ringen um die Wahrnehmung der Realität. Was kann sie glauben? Wer ist sie selbst? Und vor allem: Was passierte an dem Tag, an den sie sich nicht erinnern kann?
Marlene Streeruwitz entwirft in ihrem meisterhaften Roman ein unheimliches und unvergessliches Szenario und fragt nach dem Ort des Individuums in einer zunehmend privatisierten Öffentlichkeit.
>Die Schmerzmacherin.< wurde mit dem Bremer Literaturpreis ausgezeichnet und stand auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis.

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Ob sie denn dabei gewesen wäre, fragten die beiden Pflegerinnen sie dann. Es sei ja gerade so, als hätte sie einen Schock. Die Frauen musterten sie. Sahen ihren Körper entlang. Sie schüttelte den Kopf. Nein. Sie wäre im Hotel gewesen. Sie hätte geschlafen. Die Frauen sahen einander an. Ob sie Wasser trinken wolle. Was jetzt geschähe, fragte Amy. Sie müsse sich einmal um nichts kümmern. Irgendwann solle sie in die Aufnahme gehen und die administrativen Dinge regeln. Aber normalerweise blieben die Angehörigen einmal da. Bei ihren Lieben. Die Frauen sahen sie an. Ob Ginos Mutter benachrichtigt sei. Fragte Amy. Gino habe eine Mutter. Die müsse doch geholt werden. Das sei doch wichtig. Wirklich wichtig. Ginos Mutter. Gino und seine Mutter. Die hätten ein gutes Verhältnis. Ein wirklich gutes Verhältnis und deswegen.»Gino. «fragte die Pflegerin rechts. Ja. Eigentlich Ingo. Ingo nenne sich Gino, weil er Ingo nicht mochte. Als Name. Gino sei kein Ingo, hätte Gino gesagt, aber natürlich stünde in seinen Ausweisen Ingo. Man könne sich ja in Deutschland nicht so einfach umbenennen, und das wäre das Blödeste daran, keinen englischen Pass zu haben. In England. Da könne man sich ganz einfach anders nennen. Da müsse man nicht so Dinge tun. Wie heiraten. Oder adoptieren. Es koste auch gar nicht viel. Wäre das denn so wichtig für sie, fragte die Frau links. Und sie solle einen Keks essen. Da. Sie habe sicherlich noch kein Frühstück gehabt. Die Cafeteria hätte dann um 8.00 Uhr auch wieder offen. Da könne sie dann etwas Ordentliches essen. Sie müsse sich jetzt gut um sich selber kümmern. Regelmäßig essen. Viel trinken. In diesen Räumen hier. In der Intensivstation. Da wäre die Luft sehr trocken. Sehr trocken. Die beiden Frauen lachten. Deshalb wären sie beide auch so früh gealtert.

Und das waren sie. Amy schaute den Frauen ins Gesicht. Die Haut dieser beiden Frauen war aber nicht so krümelig und faltig und bleich, weil sie in einer trockenen Umgebung arbeiten mussten. Sie konnte sehen, dass diese beiden Frauen rauchten. Wie ihre Mutter. Sie kannte das von der Betsimammi. Und das Mammerl erinnerte sie immer daran.»Rauch nicht. «sagte sie immer.»Du ruinierst dir die Haut. Wie deine Mutter. Was hat die für eine schöne Haut gehabt. Wie du. Meine Almeline. «In Wirklichkeit hoffte das Mammerl, dass sie kein Haschisch zu rauchen begann. Das Mammerl dachte, dass es genügte, nicht zu rauchen, und die Drogenkarriere war schon beendet, bevor sie beginnen hatte können. Ach. Das Mammerl. In Wien. Und die Betsimammi. Wahrscheinlich in Amsterdam. Und sie selber. In Cham. Im Kreiskrankenhaus in der Intensivstation. Und niemand wusste, wo sie gerade war. Niemand konnte ihr helfen. Nicht einmal Onkel und Tante Schottola. Die kannten sich schon gar nicht aus. Die wussten schon überhaupt nichts von der Welt. Von dieser Welt. Obwohl. Der Onkel Schottola war ja schon mit einem Herzinfarkt ins Spital eingeliefert worden. Aber es war dann nur ein Verdacht gewesen, und er war auch gleich in ein normales Zimmer gebracht worden.

Nein, antwortete sie der Frau links. Nein, sie hätte nicht gewusst, dass Gino mit dem Auto unterwegs gewesen wäre. Die Frauen schauten einander an. Das wäre er ja auch nicht. Die Krankenschwester kam in den Vorraum. Sie räusperte sich. Das alles wäre nicht interessant für die Frau Denning. Amy schaute sie fragend an. Die Frau starrte zurück. Abweisend. Dann fiel Amy ein, dass sie die Frau Denning war. Sie beugte sich vor. Sie war rot geworden. Unter dem vorwurfsvollen Blick der Krankenschwester war sie rot geworden. Sie beugte ihr brennendes Gesicht über die Kaffeetasse. Sie war sogar dazu zu dumm. Die Verzweiflung stieg wieder auf. Das Gefühl, eigentlich weit weg zu sein, aber mithören zu müssen, wie alle schlecht über sie sprachen. Böse. Vorwurfsvoll. Anklagend. Und es stimmte ja auch. Es war nicht so, wie diese Frauen das dachten. Aber es war mindestens so schrecklich. Mit ihr. Und plötzlich war sie diesen Frauen dankbar für ihre schlechte Meinung von ihr.

Sie stand auf und ging in den Saal zurück. Gino lag unverändert. Das Licht war abgedreht. Draußen. Hinter den großen Fenstern hatte der Morgen begonnen. Sie ging um das Bett herum und schaute zum Fenster. Gino würde hauptsächlich Himmel zu sehen bekommen.

«Du musst dann aufwachen. «sagte sie zu ihm. Sie stand hinter ihm und redete von da auf ihn ein.»Du musst aufwachen und denen sagen, was los war. Und warum sitzt die Cindy da draußen. Wo wart ihr denn. Ihr seid doch nicht auf dem Weg in diese Disco gewesen. Die im Internet angegeben ist. Da sind wir doch gewesen. Die haben wir doch gesucht. Da gibt es doch das Haus nicht mehr. Aber ich weiß schon, ihr seid nach Kötzting ins Casino gefahren. Oder doch nach Tschechien. Seid ihr nach Strazny gefahren. Na ja. Ist ja gleichgültig. Ich kann auch gar nicht dableiben. Ich kann mich nicht um dich kümmern. Du weißt doch. Ich muss nach London, und das ist wichtig. Und ich will natürlich gar nicht wissen, was passiert ist. Ich will nur, dass es dir gutgeht. Du bist doch der Stärkere von uns beiden. Wie kannst du hingehen und einen Unfall bauen. Ich nehme an, dass es ein Unfall gewesen ist. Ihr seid doch nicht. Sag. Das kommt davon. Wie kannst du dich mit jemandem wie dieser Cindy einlassen. Du hast nichts verstanden. Ich habe dir doch gesagt, dass das komisch ist. Das ist alles komisch da, und wenn du mit der ausgehst, dann musst du damit rechnen, dass du überfallen wirst. War es das? Seid ihr in einen Hinterhalt. Ja? Ich habe es ja gewusst. Diese Geschichte mit diesem Grotowski. Die hat dich dazu benutzt, Kontakt aufzunehmen. Das heißt, ihr wart in Strazny, und sie hat da mit irgendwelchen Russen geredet. Weil die da Kontakte haben. In Afghanistan haben die noch ihre Kontakte. Ist ja klar. Und es waren die Falschen. Ingo. Ingo. Warum hast du mich nicht gefragt. Die haben da ein riesiges Problem. Die sind verzweifelt. Da muss man sich heraushalten. Nein. Du glaubst immer, dass das eine Spielerei ist. Aber da wird nicht gespielt. Weil du mich nicht ernst nimmst. Du. Du Dummkopfi, du.«

Der Pfleger schob sie zur Seite. Der Patient dürfe nicht berührt werden. Jetzt noch nicht. Und sie solle gehen. Sie habe den Blutdruck des Patienten so erhöht, dass da eine Pause. Er stellte etwas an der Infusion ein. Die Krankenschwester kam von der Tür auf sie zu. Sie ging. Sie hätte weinen können. Aber sie weinte nicht. Sie ging an allen vorbei hinaus. Sie ging steif. Sie spürte sich selbst steif gehen. Die Gelenke widerständig. Beugten sich nicht rechtzeitig. Eine Holzpuppe. Ich bin eine Holzpuppe, dachte sie und ging. Sie machte die Tür betont leise hinter sich zu. Sie konnte noch kurz hören, wie die Frauen sprudelnd zu reden begannen. Die redeten jetzt über sie. Sollten sie doch. Die verstanden auch von nichts etwas. Solchen Leuten ging es aber ohnehin nur ums Reden. Da musste so ein Redefluss aufrecht bleiben. Das war alles.

Auf dem Gang. Cindy saß nicht mehr da. Sie war allein. Sie ging zum Lift. Geschlossene Türen. Schilder, dass der Eintritt nur Befugten erlaubt war. Einen Augenblick stellte sie sich vor, wie das mit den Befugten sein konnte. Wie so ein Arzt in Weiß mit Fugen versehen werden konnte und dann befugt war. Sie schüttelte den Kopf. Das war der Stress. Bei Stress geriet sie in solche Wörtlichkeiten. Eine von diesen überflüssigen Begabungen. Sie lachte wenigstens nicht mehr laut. Sie blieb allein im Lift. Sie konnte sich in Ruhe befugte Personen vorstellen. Es war dann wohl eine Stilentscheidung, welche Art von Fugen diese Personen wählten. Oder erwarb man da die Befugung und musste nehmen, was da kam. Dehnungsfugen. Dichtungsfugen. Anschlussfugen. Sanitärfugen. Glasfugen. Der Onkel Schottola hätte für alles die richtige Technik gewusst. Sie wären zum ÖBAU Fetter in der Horner Straße gefahren und hätten lange Gespräche über Fugen geführt und ob man sie betonen sollte oder ob man sie zum Verschwinden brachte und man sie nicht sehen musste.

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