Peggy löschte alle Lichter hinter sich und sah noch einmal nach Purple. Der war gerade damit beschäftigt, sein Gefieder zu putzen. Sie wünschte ihm eine gute Nacht und ging dann in ihr Schlafzimmer. Ihre Gedanken an die Möglichkeit, das Haus zu verkaufen, ließen sie erst nicht einschlafen. Immer wieder wog sie die Vor- und Nachteile gegeneinander ab und stellte sich vor, wie Mark damit umgehen würde. Auch er hätte es in einer neuen Wohnung ohne Feuchtigkeit und bröckelnden Putz an den Wänden besser und könnte sich dort in einer moderneren Umgebung seine Zukunft aufbauen. Vielleicht sollte sie doch auf das Angebot von Schwarz eingehen.
Nach einigen Minuten schlief sie dann doch ein und träumte von tanzenden Erdbeermuffins und singenden Cappuccino Tassen in einem Meer aus Erdbeermilch mit Sahne-Eisbergen.
*
Endlich ging auch das letzte Licht im Haus der Wetterfests in der Pistazienstraße Nr. 17 aus. Der Mann im dunklen Mercedes lehnte sich in seinen Sitz zurück und steckte sich noch eine Zigarette an. Er parkte in Sichtweite zum Haus und wollte heute Nacht seinen Plan in die Wirklichkeit umsetzen. In ein paar Stunden würde sich alles ändern.
„Der große Tollini wird sich noch wundern. Eines Tages werde ich ihn zusammenscheißen, dann bin ich der Boss. Dann werde ich seinen Namen durch den Kakao ziehen. Ha. Großer Tortellini, haha! Aber erst muss ich in dieses Haus rein. Egal wie.“
Schwarz zog genüsslich an seiner Zigarette und malte sich aus, wie er aussehen würde, im teuren weißen Maßanzug hinter einem dicken Eichenschreibtisch.
Das Telefongespräch vor einer halben Stunde mit den beiden Kleinkriminellen hatte ihn auf eine Idee gebracht. Sie hatten den Plan gefasst, diese Wetterfest und ihren vorlauten Nachwuchs richtig in Angst und Schrecken zu versetzen. Schwarz hatte die Nummer über einen befreundeten Versicherungsvertreter bekommen. Der meinte, er hätte da Verbindungen, die ihm schon öfter in Versicherungsangelegenheiten geholfen hätten. Na ja, war wohl auch eine Art von Versicherungsverkauf, nahm er an – und musste dabei grinsen. Dieser Ede – Nachnamen gab es nicht und waren in dem Milieu auch nicht wichtig –, kam am Telefon ganz professionell rüber. So kam es Schwarz jedenfalls vor. Er hätte da auch schon ein paar Ideen, meinte er. Mit Einbrüchen und Hausdurchsuchungen kannte er sich wohl aus. Er würde seinen Kollegen mitbringen, weil sie immer zu zweit arbeiten würden. Das war Schwarz nur recht, dann brauchte er sich die Hände gar nicht schmutzig machen.
Er war sich jetzt ziemlich sicher, seine Zeit begann genau heute Abend. Er zog noch einmal genüsslich an seiner Zigarette, drückte sie dann langsam aus und kurbelte den Sitz nach hinten. Er wollte sich noch ein wenig entspannen, bevor er loslegen würde.
*
„Endlich! Wir dachten schon, du kommst gar nicht mehr wieder.“ Mir kam es so vor, als ob Mark stundenlang weg gewesen wäre. Das kam wohl daher, weil wir es kaum erwarten konnten, endlich loszukommen, um die Frage zu klären, was wir wohl am Ende des Tunnels vorfinden würden.
„Laber nicht rum, schnapp dir lieber ein Paddel, du Paddel“, maulte Mark außer Atem zurück und warf die Bretter auf den Holzboden. Im selben Moment hielt er auch schon den Bolzenschneider an die Kette und durchtrennte sie. Scheppernd fiel die Kette gegen die Felswand und gab das Floß frei. Greg und ich steckten die Paddel ins Wasser und zogen sie langsam nach hinten, um uns fortzubewegen. Unsere Lichtkegel wanderten in Richtung Ende des Tunnels, doch sie fanden kein Ziel. Auf unserer langsamen Fahrt auf dem ruhigen Wasser leuchteten wir auch immer wieder die Felsenwände und die Decke des Tunnels ab. Es schien, als sei dieser Teil nicht von Menschenhand erschaffen, sondern auf natürliche Weise entstanden. Die Felsvorsprünge ragten immer wieder schroff hervor und waren unserer Meinung nach nicht bearbeitet worden. Hin und wieder hingen Stalaktiten von der Decke und wirkten bedrohlich wie Speerspitzen, die auf uns gerichtet wurden. Immer wieder konnten wir auch Moos und anderes algenartig glitschiges Grünzeug zwischen den Felsen sehen. Glücklicherweise waren keine Ratten oder andere Tiere hier unten zu sehen. Die Mädels wären wahrscheinlich kreischend auf unsere Schultern gesprungen oder über das Wasser zur Treppe zurückgelaufen. Es war absolut ruhig. Nur das Plätschern unserer Paddel im Wasser und das Gluckern an den Wänden, dass unser Floß durch die leichten Wellen verursachte, waren zu hören.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.