Klaus Dörner - Bürger und Irre

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Wie geht die bürgerliche Gesellschaft mit denen um, die, gemessen an ihrem Begriff der Vernunft, unvernünftig sind? Klaus Dörner zeigt die Tatsache und die Gründe, warum die bürgerlichen Gesellschaften in England, Frankreich und Deutschland erst im Zusammenhang mit der industriell-kapitalistischen Revolution ihre psychisch Kranken als «die Irren» wahrnahmen: eine reich dokumentierte Geschichte der Psychiatire-Geschichtsschreibung, mit kritischem Überblick der klassischen Werke und ihrer Tendenz. «Bürger und Irre» war seit seinem ersten Erscheinen 1969 bahnbrechend bei der Entstehung der Psychiatriebewegung in der Bundesrepublik und in Italien. Die zahlreichen Einzeluntersuchungen, die in der Folge entstanden, die Übersetzungen in alle europäischen Sprachen zeigen, dass die Wirkung dieses Werkes ungebrochen ist. «Solange psychisch Kranke bestenfalls nur den halben Pflegesatz im Vergleich zu körperlich Kranken zugesprochen bekommen, dauert die ungleiche Auseinandersetzung zwischen 'Bürgern' und 'armen Irren' an.» Klaus Dörner

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Warum ist ausgerechnet kurz nach 1945, also nach Beendigung der Nazi-Zeit, erstmals systematisch und weltweit in allen entwickelten Gesellschaften neben die herkömmliche moderne Ausgrenzung eine immer wirksamer werdene Bewegung der Emanzipation und Integration psychisch Kranker und anderer Behinderter getreten? Man wird es wohl nicht beweisen können, aber vieles spricht dafür, daß wenn schon kein Wissen, so doch ein Ahnen durch die Welt gegangen ist, daß die Vernichtungspolitik der Nazis vielleicht nur die Konsequenz aus der Institutionalisierungs- und Ausgrenzungspolitik der letzten 150 Jahre gewesen ist, daß sich damit der Weg als falsch oder zumindest als überholt erwiesen und daß man daher alle Anstrengungen zu unternehmen habe, auf dem Wege der De-Institutionalisierung die Wiederherstellung des unmittelbaren Miteinanders von Stärkeren und Schwächeren mit zeitgemäßen Mitteln zu versuchen. Auch das spricht dafür, daß ebenfalls seit der Nachkriegszeit neben die beiden anderen Kolonisierungsrichtungen im Hinblick auf die nicht industrialisierten Länder der Welt und im Hinblick auf die Natur erstmals systematisch De-Kolonisierungsbewegungen treten, wenn auch mit wechselndem Erfolg. Seit den 80er Jahren scheint nun die Bewegung der De-Institutionalisierung in eine kritische Phase gekommen zu sein. Diese ist nicht nur gekennzeichnet durch strukturelle Arbeitslosigkeit und Wohnungsnot, sondern auch dadurch, daß nun wieder das Reden vom »lebensunwerten Leben« öffentlich erlaubt ist, daß gefordert wird, pflegebedürftige Menschen sollen sich von ihrem Arzt den Tod geben lassen, daß eugeniknahe pränatale Diagnostik verlangt wird, daß mit dem Hirntod die Todesdefinition ein Stück weit ins Leben vorgeschoben wird, daß behinderte Neugeborene nicht unbedingt leben müssen, daß Eingriffe an Behinderten vorgenommen werden sollen, daß genetische Eingriffe die Identität des Menschen fraglich machen sollen, daß Träger psychiatrischer Krankenhäuser sich an ihren letzten Anstaltsinsassen wie an Geiseln festklammern, um ihre Existenz zu sichern, usw. Das ganze wird garniert von einem merkwürdigen Ethik-Boom, von dem aber nur die utilitaristischen Bioethik-Konzepte öffentliche Aufmerksamkeit finden, also gerade die philosophische Tradition, die auch schon durch Philosophen wie J. Bentham um 1800 zur Akzeptanzbeschaffung für das Projekt der Moderne diente. Im Gesundheits- und Sozialwesen wird jetzt nicht mehr nur von Rationalisierung, sondern von Rationierung gesprochen, weil »nicht mehr alles bezahlt werden« könne. Die profitträchtigen Grenzen des technisch Machbaren immer weiter hinauszuschieben und sich hier gegen die Konkurrenz zu behaupten, koste so viel Geld, daß für die Grundbedürfnisse aller Menschen im Kernbereich der Gesellschaft nicht mehr genug Geld da sei. Die abstrakt-bürokratische Form der Solidarität zwischen Stärkeren und Schwächeren über den Finanzausgleich zwischen Wirtschafts- und Sozialsystem der 150jährigen Zeit der Moderne beginnt zu bröckeln, während noch nicht gesichert ist, wie weit sie durch eine neue, postmoderne gemeindepsychiatrische kommunale Solidarität ersetzt werden kann, während die Teilhabe der psychisch Kranken am Arbeitsmarkt als Beweis für eine gelungene Emanzipation und Integration bestenfalls unterwegs ist.

Diese kritische Phase, diese Krise ist ernst zu nehmen, jedoch nur bei mangelndem historischen Bewußtsein ein Grund zur Resignation. Die Grundkenntnisse von »Bürger und Irre«, die sich bis heute eher zunehmend bestätigt haben und aus sich heraus weiterentwickelt werden können, wie ich dies in diesem Vorwort hoffe gezeigt zu haben, dürften hinreichend tragfähig sein, um auch für unsere Gegenwart zu handlungsleitenden Perspektiven zu führen. Wenn die umfassende aufklärerische Vernunft mit Beginn der Moderne sich in ein konkurrierendes Verhältnis zwischen instrumentelier Individualvernunft (oder Ethik) und bezie-hungsstiftender Sozialvernunft (oder Ethik) aufgespalten hat, die erstere während des 150jährigen Projektes der Moderne federführend war, während die letztere nur um den hohen Preis der Institutionalisierung der schwächeren Bevölkerungsteile überwintern konnte, dann hat die Sozialvernunft seit der Bewegung der De-Instutionalisierung der Nachkriegszeit erheblich aufgeholt. Wir befinden uns also heute in einer wesentlich besseren Lage als noch vor 50 oder 100 Jahren, nämlich in der Lage, in der beide Ausformulierungen der Vernunft (oder der Ethik) sich in einem wesentlich gleichberechtigteren Gleichgewicht oder Spannungsverhältnis befinden. Beide nämlich sind von gleicher Notwendigkeit für eine gedeihliche Weiterentwicklung der Gesamtgesellschaft, wobei wir aus der Geschichte der Moderne gelernt haben dürften, daß es unsere Aufgabe ist, dafür zu sorgen, daß keine Seite die andere dominieren darf, daß das Spannungsverhältnis erhalten bleibt. Selbst das Fernziel als Beweis für die Vollständigkeit einer gelungenen De-Institutionalisierung, nämlich die Wiedervereinigung von Wirtschafts- und Sozialsystem als wesentlichen Spaltprodukten des Urknalls der Moderne, ist zunehmend wahrnehmbar und erlebnisfähig: Die Werkstätten für Behinderte sowie die Selbsthilfe- und Zuverdienstfirmen sind Zonen der Wiedervereinigung von produktivem und sozialem Tun – sowohl im einzelnen Menschen als auch in der Gesellschaft. Wer’s nicht glaubt, suche einen solchen Ort auf und lasse die Atmosphäre auf sich wirken.

Klaus Dörner

Januar 1995

Vorwort zur zweiten Auflage

1962 fing ich in Berlin an mit den Vorarbeiten zu »Bürger und Irre«. 1967 begann ich mit der Niederschrift des Buches am Vormittag des Tages, an dem Benno Ohnesorg während der Anti-Schah-Demonstration erschossen wurde. In der Folge war ich während des Schreibens aktiv an der antiautoritären Studentenbewegung beteiligt. Die Ereignisse dieser Zeit haben mich beim Schreiben beeinflußt. Als das Buch 1969 erschien, war es nicht nur zeitlich, sondern auch inhaltlich ein Produkt dieser Bewegung.

Inzwischen gibt es das Buch in einer italienischen, spanischen und englischen Übersetzung. Es scheint wahrhaft von interdisziplinärem Interesse zu sein; denn es hat mich in Diskussionen verwickelt, nicht nur mit Medizinern und Soziologen, sondern auch mit Psychologen, Pädagogen, Romanisten, Anglisten, Germanisten, Ökonomen, Politikern und Historikern. Schließlich war diese Arbeit über die Entstehung der Psychiatrie hilfreich bei der Entstehung der Psychiatrie-Bewegung in der Bundesrepublik und in Italien.

Gleichwohl ging ich mit einigem Bangen an die Überarbeitung, als mir der Verlag die Absicht mitteilte, eine Neuauflage herauszugeben. Die Studentenbewegung liegt 13 Jahre zurück. Fast ebenso alt ist inzwischen die Psychiatrie-Bewegung. Neue psychiatrie-historische Arbeiten sind inzwischen erschienen. Und ich selbst habe inzwischen ohne Unterbrechung in der Psychiatrie praktisch gearbeitet, habe mich dadurch auch selbst geändert und bin ein Teil des psychiatrischen Versorgungssystems und der Wissenschaft Psychiatrie geworden, die ich damals, nicht gerade zimperlich, vom hohen Roß der Theorie herab beschrieben und beurteilt habe.

Nach Abschluß der Überarbeitung nehme ich es mir heraus, einigermaßen selbstzufrieden zu sein. Zwar mußte die Einleitung über weite Strecken neu geschrieben werden, um die nicht nur theoretische, sondern auch praktische Absicht der Arbeit verständlicher zu formulieren. Mein gestelztes Akademikerdeutsch, das ich mir im Studium mühsam angequält hatte, habe ich an vielen Stellen mit ebensoviel Mühe wieder aufs Alltagsdeutsch heruntergeschraubt. Gedanken neuerer Untersuchungen waren einzuarbeiten. Zahlreiche Streichungen und Ergänzungen waren fällig, da ich mit vielen Einzelheiten nicht mehr einverstanden sein konnte. Das betrifft inhaltlich vor allem drei Fragen, die mir heute aus meiner Praxis heraus wichtiger sind als damals: Erstens die Frage, ob und in welcher Weise Psychiatrie mehr eine medizinische oder eine philosophische Wissenschaft ist, ein Problem, das bei jeder Teamarbeit mit Angehörigen anderer Berufe unabweisbar ist. Zweitens die Frage nach der anthropologischen Orientierung der Psychiatrie, da ich ohne eine solche viele meiner psychiatrischen Alltagshandlungen weder begründen noch rechtfertigen kann. Und drittens die Frage, in welcher Weise ich die Psychiatrie der Zeit des Dritten Reiches als einen Teil meiner Berufsgeschichte insgesamt annehmen kann, eine Frage, die damit verknüpft ist, daß in der Psychiatriegeschichte unterschiedliche Traditionen sich verweben, die den Anderen, den psychisch Kranken, als Feind, als Freund oder als Gegner sehen.

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