Birgit Jennerjahn-Hakenes - Zeit verteilt auf alle Wunden

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Martin Wachs, Gymnasiallehrer Mitte fünfzig, hat sich festgefahren in der täglich neu frustrierenden Routine seines Daseins zwischen Schule und Singlewohnung. Fassungslos steht er eines Tages am Sterbebett seiner Großmutter, seiner letzten noch lebenden Verwandten. Erinnerungen an ein traumatisches Ereignis in seiner Kindheit werden wach, sorgsam vergrabene Empfindungen wollen sich Bahn brechen. Er fasst den Entschluss, mit einer außergewöhnlichen Idee in der Mitte des Lebens wieder ganz von vorne zu beginnen und trifft dabei auf die quirlige Anouk May. Besitzt sie den Schlüssel, um in sein verkrustetes Gefühlsleben einzudringen?

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Manchmal beginnt das Leben in der Mitte von vorne und schiebt so das Ende nach hinten.

Martin trat einen Schritt zurück und lehnte sich an die Wand; las den Spruch noch einmal und ging dann mit dem Kalender in der Hand nach unten. Es klackerte beim Auftreten, etwas haftete wohl unter einer seiner Schuhsohlen. Auf der viertletzten Treppenstufe nahm er Platz, legte den Kalender beiseite und sah nach. Ein Reißnagel. Sicher hatte damit der Kalender an der Wand gehangen. Martin entfernte ihn.

Manchmal beginnt das Leben in der Mitte von vorne und schiebt so das Ende nach hinten.

Konnte das Leben in der Mitte wirklich von vorne beginnen? Gab es diese Löschtaste? Was hieß es für ihn, zurück auf Anfang zu gehen? Er nahm den Kalender wieder zur Hand und las nun alle Sprüche. Keiner beschäftigte ihn so sehr, wie der zuerst entdeckte, einzig über die Gedanken Konfuziusʼ musste er ebenfalls grübeln:

Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte.

Sofort dachte er an Angelika. Nicht willentlich. Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen, willentlich an ihr » Ich liebe dich« zu denken. Denn wenn er daran dachte, hörte er sie laut und bestimmt sagen: » Ich liebe dich nicht mehr« . Worte, die bis heute ein Hungergefühl auslösten, wenn er sie erinnerte.

Er erhob sich, stöhnte kurz dem Flur seinen Rückenschmerz entgegen, ging in die Küche und setzte sich an den Esstisch. Worte. Manch einer würde sagen, Worte seien nur Worte. Für ihn waren Worte Möglichkeiten. Lehrer. Ich bin Lehrer.

Martin spielte mit dem Wort und ersetzte gedanklich das H durch ein E. Er tat so etwas öfter, es gefiel ihm. Andere lösten Kreuzworträtsel, um das Gehirn auf Trab zu halten, er kreierte Worte. Nun nahm er einen Zettel und schrieb drei Worte auf: Leerer. Leeren. Beleeren. Beleeren haftete ein Nachklang an. Ein Ton, den man noch hörte, als längst alle Instrumente in ihren Koffern eingeschlossen waren. Ihm gefiel das Wort. Es war das Gegenstück zu dem Wort befüllen . Das Wort beleeren war sehr viel aussagekräftiger als das im Duden stehende ausleeren . Denn Beleeren bedeutete nichts anderes als etwas mit Leere zu befüllen. Manche Menschen gingen in ihrem Beruf auf, weil er sie ausfüllte. Martin fühlte sich von seinem Beruf beleert. Wenn er an die Pausen im Lehrerzimmer dachte, wie sich manche Lehrer über ihre Schüler lustig machten, als seien sie selbst nie Schüler gewesen, sondern schon mit einem Wissen und einer Weisheit auf die Welt gekommen, das sie mit Eimern in sich hineingeschüttet haben mussten … dann platzte ihm fast der Kragen. Wer sah denn noch hin, wer hörte denn noch hin? Jedes Kind besaß eine eigene Geschichte, aber in seinem Schulbetrieb ging es um die Masse, nicht um den Einzelnen. So hatte er es erfahren. Er hatte damals gerade mal die Angel nach den Schülern ausgeworfen, da rissen Zwänge sie ihm nach kurzer Zeit vom Haken.

Was treiben Sie im Unterricht? Die Schüler sollen den Faust in ihren eigenen Worten niederschreiben? Das steht alles nicht auf dem Lehrplan.

Er hätte nicht so schnell aufgeben sollen. Nun war es zu spät. Zu spät, um ein guter Lehrer zu werden. Zu spät, um ein guter Lehrer zu sein. Er ließ seinen Kopf sinken und stützte ihn auf seine Hände. Das Ticken der goldenen Armbanduhr drang an sein Ohr.

Ein Uhr war es. In vierundzwanzig Stunden war offiziell Ferienbeginn. Seine Lüge würde danach leicht enttarnt werden, wenn er sich nicht noch eine Krankmeldung besorgte für die drei Fehltage bis Ferienbeginn. Hätte das Konsequenzen? Wenn er an den Schulleiter Herrn Sassen dachte, hieß die Antwort Ja. Und wie sähen die Konsequenzen aus, wenn er gar nicht mehr erschiene? Er stand auf und ging ins Wohnzimmer, von dort aus in die Küche, wieder zurück ins Wohnzimmer, in den Flur, von dort aus in das Arbeitszimmer …

Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe und hinter tausend Stäben eine Welt.

… und dann dachte er sich, dass er hier ein eigenes Dach über dem Kopf hatte. Eine Weile würde er die üblichen Kosten für Heizung, Strom und Wasser durch seine Ersparnisse und das Erbe decken können. Eine lange Weile. Gab es überhaupt einen Grund, nach den Ferien in die Schule zurückzukehren? Ihm fiel keiner ein.

Mama, wie war das, als ich auf die Welt kam?

Du hattest es sehr eilig, ich habe es nicht mehr ins Krankenhaus geschafft.

Und dann?

Dann wurdest du zu Hause geboren.

Zu Hause. Ich bin zu Hause. Wieder zu Hause. Endlich zu Hause. Martins Kopf wurde nicht müde, diesen Gedanken zu variieren, der im Ergebnis gleich blieb: Der Körper war nach einer langen Reise sehr müde und mochte sich nicht mehr wegbewegen – jetzt, da er am Ziel war. Die Gedanken konnten sich austoben, der Bewegungsapparat durfte ruhen, ausruhen. Und tat ihm nicht der Rücken weh? Vom Sitzen auf den harten Stühlen in den Klassenzimmern, die immer grau auf ihn wirkten, weil die meisten Schüler für sein Empfinden den Enthusiasmus entbehrten, den er sich gewünscht hätte. Nur zu oft merkte er ihnen an, wie sehr sie den Gong herbeisehnten, der die Pause einläutete. Ihm war es als Schüler ganz anders ergangen. Er hatte gar nicht genug bekommen können vom Lernen und war immer der Letzte, der in die Pause ging. Meist hatte er eher lustlos in sein Pausenbrot gebissen.

Brot. Er hatte gar kein Brot mehr zu Hause und machte sich auf den Weg zum Supermarkt, in dem es jetzt auch einen Bäcker gab. Früher hatte es im Dorf nur einen Kiosk gegeben, einen Bäcker und einen Metzger, dachte er. Heute gab es einen großen Supermarkt. Man bekam hier alles, was man zum Leben brauchte. Das Dorf war größer geworden, Neubauten eroberten Grünflächen. Damit etwas wachsen konnte, musste anderes weichen.

Er lief auf einem Weg, der gleichermaßen Rad- und Fußweg war, und prompt ertönte eine Fahrradklingel hinter ihm. Er ging zur Seite. Eine Frau überholte ihn, sie grüßte im Vorbeifahren, er grüßte zurück, wie man das eben tat auf dem Dorf. Es war ähnlich wie in den Bergen beim Wandern, wo ein jeder zu jedem Grüß Gott sagte. Kaum war die Frau an ihm vorbeigefahren, bremste sie und stieg ab.

»Ach, das sind ja Sie!« Sie schob ihr Rad in seine Richtung.

Da stand sie wieder vor ihm. Die Frau aus dem Hospiz, die Frau von der Tankstelle.

»Fahren Sie ruhig weiter«, sagte er, aber sie blieb stehen.

»Wie geht es Ihnen?«

»Geht, danke.«

»Wann ist denn die Beisetzung von Frau Vollmer? Ich würde mich gerne noch einmal von ihr verabschieden.«

»Meine Großmutter wünscht eine anonyme Beisetzung.«

»Ach, wie schade. Also ich meine, ich hätte gerne … wie sagt man denn da?«

Am besten, man redet nicht zu viel, dachte Martin und blieb stumm.

»Ich hätte ihr gerne die letzte Ehre erwiesen. Darf ich Sie bitten, ihr einen Gruß von mir mit auf den Weg zu geben? Sicher werden Sie dabei sein.«

Hatte er nicht anonym gesagt? Statt weiterer Worte nickte er.

»Und mit Ihrem Rücken ist alles okay?«

»Mein Rücken?«

Sie deutete auf seine Körperhaltung. Er hielt sich den unteren Rücken mit beiden Händen, seine Wirbelsäule vertrug das Stehen nicht. Als hätte sie ihn ertappt, ließ er nun die Arme lässig neben dem Körper baumeln.

»Das ist nichts«, sagte er.

»Wirklich?«

»Ja.«

»Dann wünsche ich Ihnen noch einen schönen Tag.«

Sie wandte sich ab. Dann drehte sie sich noch einmal um. »Tut mir leid«, sagte sie »… bestimmt kann ein Tag nicht schön werden, wenn man gerade einen Angehörigen verloren hat.«

Martin wusste nicht, was er sagen sollte und beobachtete, wie sie auf ihr Rad stieg. Bevor sie davonfuhr, schenkte sie ihm ein sanftes Lächeln. Er setzte seinen Weg zum Supermarkt fort, kaufte das Brot und langte auf dem Heimweg in die Brottüte. Manchmal gab es nichts Besseres im Leben, als das Randstück eines noch warmen Brotes in den Mund zu stecken. Er fühlte sich draußen so wohl, dass er zum Vogelpark abbog. Dort setzte er sich auf eine Bank, griff nach seinem Smartphone und rief Herrn Richter an.

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