In der Nacht darauf aber begab sich an Bord der „Eleanor“ folgendes:
Mr. Philips, der, von innerer Unruhe um die Juwelen seiner Brotherrin getrieben, einen Rundgang durch das Schiff machte, fand in der Bibliothek den Kapitän geruhsam hinter einer Batterie von Flaschen fitzend und in einem Buche blätternd. Das selige Biest sass genau so breit und unverrückbar da wie in einer Hamburger Hafenkneipe, anscheinend fest entschlossen, sich selber hier unter den Tisch zu trinken.
Mr. Philips lehnte die freundliche Einladung zum Mittrinken mit Entrüstung ab. Er war überzeugter Abstinenzler. Aber als er nach einer Stunde noch einmal in die Bücherei zurückkehrte, fand er den Kapitän immer noch an Ort und Stelle.
Mr. Philips räusperte sich.
„Haben Sie denn heute nacht gar keine Wache, Kapitän?“
„Nein, Sie tüchtiger Detektiv. Ich hab mich mit meinem Ersten geeinigt. Wir machen Dauerwachen. Er bei Nacht und ich bei Tag!“
Mr. Philips wagte noch eine zweite Frage. „Warum halten Sie Ihre Orgien denn nicht in Ihrer Kabine ab, Kapitän? Sie haben sonst doch nicht hier gesessen.“
„Stimmt genau!“ Jep hob würdevoll einen Zeigefinger. „Sonst hab’ ich in meiner Kabine gebechert. Da wurde es mir zu langweilig auf die Dauer. Das hier“— das selige Biest sah sich wohlgefällig um — „ist auch ein schöner, stiller Ort. Hier kommt bei Nacht auch niemand her, nicht wahr? Und hier bleib ich vorläufig. Prost!“
Mr. Philips eilte in den Rauchsalon zurück, wo er zum Glück noch Konsul Fahrendorf und Mr. Brooks fand und seine merkwürdige Wahrnehmung brühwarm berichten konnte.
„Was sagen Sie dazu, Mr. Fahrendorf?“ Brooks schlug erregt die flache Hand auf den Tisch. „Das ist doch höchst verdächtig, dass er sich ausgerechnet die Bücherei zum Kneipen aussucht! Er will an die Juwelen, das ist sonnenklar! Ich lege Ihnen zehn zu eins, dass der Kerl gar kein Kapitän ist, sondern ein ganz grosser Gangster!“
Auch Konsul Fahrendorf wurde nachdenklich.
„Ein Seemann ist er ohne Zweifel“, wandte er bedächtig ein. „Er versteht seinen Kram und kann ein Schiff führen. Fragt sich nur, ob er nebenbei nicht noch etwas anderes ist. Sie haben recht, Mr. Brooks, jetzt müssen wir der Sache auf den Grund gehen.“
Eine halbe Stunde später, nach eingehender Beratung mit den beiden anderen Herren, gab Konsul Fahrendorf in der Funkerkabine ein drahtloses Telegramm an sein Handelshaus in Hamburg auf. Es lautete, aus dem Code dechiffriert:
„Funkt dringend amtliche Auskunft über Kapitän Jep Boysen aus Hamburg Code B an Fahrendorf Jacht ,Eleanor‘.“
Jep Boysen aber schüttete zur gleichen Zeit den Inhalt von drei der aufgebauten Whiskyflaschen nicht hinter die Binde, sondern bedächtig aus dem Bullauge, wie ein amerikanischer Prohibitionsagent. Eine nur behielt er gefüllt vor sich auf dem Tisch. Auch wie ein Prohibitionsagent.
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