Der Co-Pilot nickte. „Und wann starten wir in Richtung Mond?“ Die drei Gäste lauschten gespannt. „Was sollen wir noch Zeit vertun, wir fliegen sofort ab. Schließlich müssen wir dann wieder zurück auf die Erde, um dort in einer der geheimen Basen in Deutschland zu landen. Vorn dort aus sehen wir dann weiter. Und ihr könnt euch ja von dort auch wieder in menschliche Gesellschaft begeben“, sagte er zu den drei Aufgenommenen. „Es steht dann jedem frei, was er machen will.“
„Wäre es denn möglich, einen Rat zu geben“, ließ sich jetzt Hahnfeld vernehmen.
„Immer heraus damit!“
„Ich möchte nur vorschlagen, bei einer Landung nicht die Basis im Eulengebirge anzufliegen. Ich komme von dort. Sie liegt im besetzten Polen. Man könnte zwar die Basis selbst nutzen, aber ein Wegkommen von dort wäre überaus kompliziert. Ich nehme an, Sie haben noch einen anderen Punkt.“
„Ja, diese Anlage ist mir bekannt“, antwortete Gelhaar. Wir werden aber zu der auf deutschem Gebiet fliegen. Dort ist ja wahrscheinlich auch ‚Thor‘ gelandet. Vom Voralpenraum aus, denke ich, können wir dann auch leichter operieren.“
Es wurden noch einige Absprachen und Anweisungen zum nun unmittelbar bevorstehenden Mondflug getroffen, dann gingen alle auf ihre Plätze. Das Raumschiff startete zwei Stunden später aus dem erdnahen Raum in Richtung des Himmelstrabanten, der als leuchtende Kugel schon auf den Bildschirmen in der Steuerzentrale erschienen war. Der Normalflug dann zum Mond dauerte zwar drei Tage, verlief völlig unspektakulär. Die Annäherung an das Gestirn wurde optisch nur durch die sich stetig vergrößernde Mondkugel auf den Bildwiedergaben deutlich. Der Co-Pilot las die sich rasch reduzierende Entfernung von den Instrumenten ab. Schließlich hatte „Isais“ eine solche Nähe zum Erdtrabanten erreicht, daß dessen Oberfläche fast den ganzen Hauptbildschirm ausfüllte. „Höhe über Grund 11000“, ließ sich Strox vernehmen. „Schwenken Sie in Umlaufbahn ein. Wir fliegen die Rückseite an.“ Während das befohlene Flugmanöver ausgeführt wurde öffnete Gelhaar eine mit einem Zahlenschloß gesicherte kleine Panzertür unter dem Bedienpult, hinter der sich wichtige und streng geheime Unterlagen befanden. Er zog eine Karte heraus, auf der die Mondrückseite in Form zusammenkopierter Luftaufnahmen dargestellt war. Mittels einer großen Lupe untersuchte er zwinkernd das Fotopapier. „Aha“, entfuhr es ihm schließlich. „da haben wir sie ja.“ Der Co-Pilot grinste. „Ich kenne auch so die Stelle, zu der wir fliegen müssen.“
Gespenstisch still zog die unheimlich öde lunare Landschaft unterdessen auf den Bildschirmen vorüber. Die riesigen Kratersenken, zerborsten wirkenden Gebirgsrücken und die riesigen flachen Ebenen vermittelten dem Betrachter einen bedrückenden Eindruck. Hier herrschte seit Anbeginn der Zeiten wohl schon absolute Stille, Verlassenheit und Schweigen. „Isais“ erreichte schließlich an einer Stelle zwischen Mondrückseite und Vorderseite. Hier, im harten Spiel von grellstem Licht und tiefstem Schatten, zog sich ein mächtiger Gebirgskamm im weiten Halbkreis aus einer zerrissenen Mondebene heraus. Das grelle Licht und abgrundtiefe Finsternis zerteilte die wüsten Felswände. Sie schwebten schließlich über einer Stelle, an der die rauhe Gebirgswand von der Ebene zurücktrat und sich etwas nach innen wölbte. Auch hier waren die Hänge steil und sicher über 400 Meter hoch. Der Boden vor den lunaren Bergzügen zeigte sich allenthalben rissig und mit Geröllbrocken unterschiedlichster Größe übersät. Nur die Einbuchtung an dieser Stelle hatte eine ebene Grundfläche, auf der kaum Steine lagen. Und sie war hier glatt wie ein Tischtuch. Langsam schwebte „Isais“ hinab. Die tote Gesteinswelt leuchtete gespenstisch im grellen Sonnenlicht. Tiefschwarze Schatten hingegen hüllten breite Felsklüfte der Gebirgswand ein, in denen man nicht das Mindeste erkennen konnte.
„Eine verdammt ungemütliche Gegend“, murmelte Hahnfeld leise Brandt zu, der dicht neben ihm in der Kabine saß. Hier waren jetzt alle fünf Männer anwesend. Ihre Augenpaare starrten gespannt und fasziniert auf die unwirkliche Kulisse, die sich ihnen auf den Bildschirmen darbot. Langsam senkte sich „Isais“ noch tiefer hinab.
„Hundert über Grund“, meldete der Co-Pilot mit angestrengter Stimme. „Fünfzig über Grund ...“
„Alles ruhig da draußen“, merkte der Kommandant an, während er angespannt die sich immer mehr nähernden Gebirgswände nun auch durch eine dicke Panzerglasscheibe beobachtete, von der sich die stählerne Abdeckung zückgeschoben hatte. Schon seit geraumer Zeit sendete „Isais“ ein bestimmtes Kennungssignal aus. Ohne dies wären wahrscheinlich schon lange die vernichtenden Abwehrmechanismen der geheimen Mondbasis in Aktion getreten.
„Achtung, Landung in zehn Sekunden“, rief Co-Pilot Strox mit verhaltener Stimme und setzte wenig später die Flugscheibe sanft und präzise am markierten Landepunkt auf der Mondoberfläche auf. Die Magnetfeldkonverter blieben sicherheitshalber noch in Betrieb. Wiederum beobachteten alle die fremdartige Mondlandschaft aufmerksam, aber sie konnten nichts Beunruhigendes feststellen. Einmal war etwas wie ein kurzes Aufblinken in einer Felswand zu sehen, doch es konnte auch ein Lichtreflex sein. Draußen herrschte im Sonnenlicht tödliche Hitze auf den Gesteinen und durch völlige Luftleere zugleich absolute Stille. Die jetzt eingeschalteten Außenmikrofone übertrugen keinen noch so geringen Laut ins Innere der Flugscheibe. Mit ihren fernen, strahlenden Augen standen glänzende Sterne über ihnen im nachtschwarzen All.
„Strox, Sie gehen. Und nehmen Sie ruhig einen von den Männern hier mit. Die sind auf solche Abenteuer ja geradezu geeicht.“ Gelhaar wandte sich zu seinen Passagieren um. „Wer geht mit, meine Herren?“ Sie hoben alle schweigend gleichzeitig die Hand. Schließlich einigte man sich darauf, daß Brandt den Co-Piloten begleiten würde. Während in der Steuerzentrale die automatischen Kontrollen alles überwachten und die Bildschirme dem dort gebliebenen Strauß weiter die kargen Mondebenen und die nahen Gebirgswände zeigten, halfen Hahnfeld und Gelhaar den beiden Kameraden in die schweren Skaphander.
„Und macht die Abblendung der Sichtscheiben am besten jetzt schon runter“, mahnte der Kommandant, als er ihnen zum Schluß die klobigen Helme aufsetzte. Dann standen sie wie zwei unheimliche Wesen in ihren silbrig schimmernden Schutzanzügen im Vorraum zur Luftschleuse. Hahnfeld drehte das Sicherungsrad zum Schleusenraum auf und hatte dabei deutlich mit der verminderten Schwerkraft zu kämpfen. Mit einem schmatzenden Geräusch öffnete sich die dicke Stahltür. Die zwei in ihre unförmigen Druckanzüge gehüllten Gestalten winkten noch einmal schwerfällig zum Abschied, dann schoben sie sich vorsichtig durch die ovale Öffnung des Luks. Ihre Gesichter waren schon nicht mehr erkennbar, nur die elektrische Beleuchtung spiegelte sich auf den nachtschwarz glänzenden Blenden der Helmvisiere.
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