(HI)
Die Evolution des Gemüsebeets
Mitten im einsamsten Schwarzwald steht
auf einer Lichtung, die niemand begangen
und die von dichten Tannen umfangen,
ein herrliches Gemüsebeet.
Der Wirsing steht stolz in schnurgrader Reih’
mit schwellenden Köpfen und üppig gebaut,
parallel die Möhren mit hellgrünem Kraut,
und dann ist ein Beet mit Zwiebeln dabei.
Der Wind hat den Samen dort hingeweht,
auch Vögel brachten ihn herauf,
Maulwürfe lockern den Boden auf,
und so entstand allmählich das Beet.
Das Wild wollte oft ans Gemüse gehen.
Das schwitzte Stresshormone in Reihe;
das Wild äste nur das vom Stresshormon freie
Gemüse und ließ die Reihen stehen.
Kaum waren fünftausend Jahre vergangen,
schon stand das Beet in voller Pracht,
vom Zufall in schnurgrade Ordnung gebracht.
Mehr kann man vom Zufall nicht verlangen.
Man weiß, dass Natur nur sehr langsam entsteht.
Der Schwarzwald brauchte Jahrtausende Zeit.
Natur kommt ausschließlich durch Zufall sehr weit
und schuf so das Gemüsebeet.
Wer zweifelt, nehm’ selbst es in Augenschein
auf der Lichtung. Und wer die nicht finden kann,
trifft anderswo Naturwunder an,
noch größer als Wirsing und Möhren in Reih’n.
(HI)
Die Entschlüsselung des Menschen
Das Rätsel des Menschen-Genoms ist enthüllt!
Sein Code ist erkannt und ins Netz gestellt.
Man sagt, ein großer Wunsch sei erfüllt:
ein Schritt zur Entschlüsselung der Welt.
Der Code erklärt dem Menschen sein Wesen,
er lehrt, was mit unseren Genen los.
Wie schön, ihn den Kindern vorzulesen!
Das Kleinste sitzt auf meinem Schoß.
Der Code, das sind endlose Datenreihen.
Die Kinder seufzen, ich lese geschwind.
Es ist halt viel, ihr müsst mir verzeihen.
Im Arm schläft fest das jüngste Kind.
Die andern schleichen leise davon
und lärmen im Zimmer daneben sehr.
Die Lesung stockt, und ich frage mich schon:
Wo haben die Kinder die Lärm-Gene her?
Kapitel 3
AUF REISEN
Nasentanz der Südsee
I.
Die Insel Malaua mit endlosen Stränden
hat in der Südsee den feinsten Sand.
Der schmeichelt dem Fuß, rinnt weich durch die Hand
der Gäste aus allen Kontinenten.
Die Malauaner pflegen am Strand
den Nasentanz. Mit Handstand fängt’s an.
Dann dreht auf den Händen den Körper, wer kann,
und taucht die Nase zugleich in den Sand.
Der Körper kreist um die Spitze der Nase.
Touristen werden behutsam trainiert,
wie man den Körper austariert,
das Gleichgewicht hält in der Drehungsphase.
Um die Touristennasen zu schonen,
gibt es Plastiknasen zum Schutz
der Haut und Atmung vor Sand und vor Schmutz.
Der Nasentanz soll sich für jedermann lohnen.
Ein Zeugnis gibt es, wenn alles gelungen.
Drin steht, dass dieser Tourist dann und wann
sich selbst auf der Nase herumtanzen kann.
Der Gipfel der Freiheit sei damit errungen.
II.
Doch zeigt die Befragung der großen Zahl
von Kunden: Die Sache strengt dermaßen an,
dass keiner die Freiheit genießen kann.
Das Freiheitserlebnis bleibt vage und schal.
Drum bricht sich ein neuer Nasentanz Bahn.
Man tanzt auf den Füßen, zu zweit, ganz befreit
auf der Terrasse zur Abendzeit.
Die Nasen ganz nah. Das fühlt sich gut an.
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