Wahr ist, im Dom riecht es nirgends nach Hund,
und Caro könnte dort nirgends an Ecken
Hündisches schnüffeln oder entdecken.
Zum Dombesuch gibt’s für ihn keinen Grund.
Man muss auch mal an die Tiere denken.
Komm, Caro, den Dom sollten wir uns schenken!
Die Hoffnungen der Regenwürmer
Tausend Regenwürmer leben
in den Beeten rings um’s Haus,
graben still nach Futter aus
Pflanzenresten, Faulgeweben.
Trocken und wie Stein die Erde
in dem sommerheißen Garten.
Regungslos die Würmer warten,
dass die Erde feuchter werde.
Wolkenbruch stürzt auf den Garten,
treibt die Regenwürmer-Herde
aus der überschwemmten Erde
an die Luft. Die Amseln warten
auf ihr Futter, Frucht der Erde.
Mancher Wurm ist längst ersoffen.
Und die andern Würmer hoffen,
dass die Erde trockner werde.
Willst du einen Sack Flöhe hüten,
brauchst du Flöhe und einen Sack.
Fängst die Flöhe, musst das Pack
nur noch in den Sack eintüten.
Hörst du dann die Flöhe husten,
denkst du, dass sie Hunger haben,
lässt am nackten Arm sich laben
Floh für Floh, die husten mussten.
Kriegst du dann die Cholera,
weil die Flöhe die schon hatten
von den feuchten Kellerratten,
ist dein Ende ziemlich nah.
Hast zum Jammern keinen Grund.
Hättest, bevor dich die Flöhe bissen,
schon am Husten merken müssen,
dass die Tiere nicht gesund.
Merk’ dir eins: Ein kranker Floh
macht am Ende keinen froh.
Und selbst mit gesunden Flöhen
geht’s im Grunde ebenso.
Die Sonne hat den Schiffsrumpf erhitzt.
Die Ratte draußen im Trockendock sitzt
auf ihren nackten Hinterpfoten,
die Schnauze hoch dem Wind geboten.
Wo Futter ist, wo Hunde sind,
muss Ratte wittern sehr geschwind.
Wachsam muss sie sein und schnell,
zu retten ihr struppiges Rattenfell.
Es läuft die eilige Lebensuhr.
Als Ratte lebt man einmal nur.
Plötzlich nachts die Vögel klagen,
zischeln, gackern, zetern lange.
Hat die Eule zugeschlagen
oder macht die Katze bange?
Auf und nieder wogt das Klagen.
Wenn es wieder still geworden,
kann die Eule weiter jagen
und die Katze weiter morden.
Und wir wollen weiter schlummern,
wohlig fern vom Krieg der Tiere.
Doch dann schreckt uns leises Wummern.
Ein Dieb ist im Haus, ein zweiter steht Schmiere.
Hilft uns jetzt ein Nachtgeschrei?
Wär‘ wohl die falsche Reaktion.
Oder hilft die Polizei?
Habe den Notruf im Handy schon.
Der Bärenanwalt der Ostschweizer Kantone,
Herr Jäggi, trat ein und schüttelte Hände,
nahm Platz an des Tisches oberem Ende
und sagte dann ernst in brummendem Tone:
Meine Damen und Herren, der Bär ist los!
Jetzt heißt es, kühlen Kopf zu bewahren.
Damit sind wir Schweizer stets gut gefahren.
Wir hören den Bericht von Herrn Hürlimoos.
Der sprach: Der Bär ward am Corvatsch gesehn.
Tags drauf überstieg er die Bonderchrinde,
riss dort eine Gams und etwas Gesinde
und scheint jetzt zum Monte Rosa zu gehn.
Herr Flückiger rief: So ein Mörder und Würger!
Reißt Gamsen und wertvolle Arbeitskräfte,
verdirbt uns Hoteliers die Geschäfte;
am Ende frisst er noch Schweizer Bürger!
Sprach Skilehrer Badrutt aus Samnaun:
Der Bär ist ein wertvolles Stück Natur.
Man sollte ihn hegen auf freier Flur,
doch brauchen wir jetzt einen Bärenzaun!
Am besten im Nationalparkgelände.
Der Bär kann die Hirsche dort dezimieren,
bevor die unseren Wald ruinieren.
Zum Beifall regten sich viele Hände.
Herr Frutiger sagte: Es kann uns passieren,
der Bär fängt am Zaun zu klettern an
und bricht uns aus, sobald er kann.
Wir müssen den Zaun elektrifizieren.
Eine Dame meinte: Der Zaun hat viel Reiz.
Der Bär tat vom Ausland hierher immigrieren;
man sieht’s an den schlechten Essmanieren.
Wir brauchen den Zaun um die ganze Schweiz!
Plötzlich hat Jäggis Handy geschellt.
Der lauschte und sagte: Ich hab’ grad’ erfahren:
am Julier wurde der Bär angefahren
und hat sich der Polizei gestellt.
Die unmittelbare Gefahr ist vorbei!
Wir müssen die Sache noch ausdiskutieren,
wo wir den Bär und den Zaun installieren.
Die nächste Sitzung ist Dienstag halb drei!
(HI)
Herbst ist, mit lauter Haselnüssen.
Das Eichhörnchen hat sie verstecken müssen.
Die Katze hat es totgebissen.
Kein Tier wird von den Nüssen wissen.
Still liegt es unterm Pflaumenbaum.
Die Katze interessiert das kaum.
Am Morgen drauf ist es verschwunden.
Die Raben hatten es gefunden.
Das Eichhörnchen ist bald vergessen.
Kein Tier wird seine Nüsse fressen.
Die liegen unter Moos – und Eis.
Vielleicht wächst draus ein Haselreis.
Frühmorgens, als es tagte,
ging Krischna in den Wald.
Er traf dort die Schlange; die sagte:
Der einfache Weg endet bald.
Lianen verdecken den Pfad.
Du musst dich durch’s Dickicht winden.
Und Krischna folgte dem Rat,
doch konnte den Weg nicht mehr finden.
Müde fiel er in Schlaf.
Auf ihm ruhte ein Falter.
Da zielte auf Krischna und traf
ein Jäger, der hieß »Hohes Alter«.
(HI)
Das hat es im Zoo noch nie gegeben:
Amur-Tiger und Tierpflegerin
zur gleichen Zeit im selben Raum.
Lautloses Spiel um Tod und Leben,
geschmeidig, mit stummer Gewalt. Der Beginn
war schon das Ende. Ein böser Traum.
Nach dem Angriff sitzt er still
bei der toten Pflegerin
und der winzigen roten Lache.
Weiß nicht, was er weiter will.
Lange Minuten rinnen dahin.
Beute oder Totenwache?
Die Tür ins Außengehege verschlossen.
Saß dort oft an Wintertagen
still im Wassergraben kalt,
hat die Kälte des Amur genossen.
Spürt jetzt kaum den Schuss einschlagen,
der den ganzen Zoo durchhallt.
(HI)
I.
Am Morgen meines Lebens,
nach durchfeierter Nacht,
sangen die Vögel. Vergebens;
bin spät erst aufgewacht.
Am Mittag meines Lebens
machte ich früh mich auf.
Die Vögel sangen. Vergebens;
ich war halt nicht so drauf.
Die sind immer wieder am Singen.
Heut’ achte ich auf den Klang
und suche herauszubringen
den Sinn von ihrem Sang.
Sie kennen nur alte Lieder,
ein kunstvolles Einerlei.
Die singen sie immer wieder. –
Sie singen die Zukunft herbei!
II.
Sie singen im Feld unverdrossen,
sobald der Gefechtslärm schweigt,
nach Springflut, die abgeflossen.
Wird Kernschmelze angezeigt,
dann singen sie: Frühling werde!
Sie wissen ja sonst nicht viel.
Dann fallen sie tot zur Erde,
verendet ihr kleines Spiel.
Doch andere Orte wird’s geben,
wo Vögel noch singen können,
berichten von neuem Leben,
und dass sie die Zukunft gewönnen.
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