Gebrauchslyrik
Gedämpfte Stimmen (Pandemische Bedrohung 2020/21)
Nachwort zum Vorwort
Kapitel 1
MENSCH UND TIER
Der Förster und die Rehe
Der Hamster
Spitz-Bub-Idylle
Hund vor dem Dom
Die Hoffnungen der Regenwürmer
Ein Sack Flöhe
Ratte im Trockendock
Nachtgeschrei
Der Bär und sein Anwalt
Herbstnüsse
Krischna
Stiller Amur-Tiger
Singvögel-Zukunft
Kapitel 2
FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Das Klonschaf
Die Wunderpille
Huhnmenschen
Die Lochkartenschnitzer
Die Evolution des Gemüsebeets
Die Entschlüsselung des Menschen
Kapitel 3
AUF REISEN
Nasentanz der Südsee
Des Müllers Lust
Urlaubsbericht
Wolkenlose Freiheit
Stillgelegt
Brandung
Kreuzfahrt
Der Indio
Am See Genezareth
Die Piloten von Flug MH 370
Kapitel 4
LEBENSKUNST
Ereignis nach Plan (Event Management)
Ehrung, vierfach
Der Dreisternekoch
Die Zeit des Zahns
Der Meisterkoch und sein Wildknochenleim
Tiefbettpantoletten
Scheidung altkölnisch
Menschenliebe
Romantische Liebe
Regenlied
Kapitel 5
BILDUNG
Ein gebildetes Gespräch
Die Installation
Die Logik vom Spaß (Uni-Wissen 1)
Zukunft, volkswirtschaftlich (Uni-Wissen 2)
Philologischer Wörterkampf (Uni-Wissen 3)
Juraprofessorenlied (Uni-Wissen 4)
Kapitel 6
LEBENSART UND UMGANGSFORMEN
Frühling der Biker
Mein Abendkrimi
Gespräche der Jungen
Erfolgreiche Männer und Frauen
Verfehlung
Schöne Lilofee
Begrüßung und Abschied mit Brillen
Nachtischbuffet
Kapitel 7
WÖRTERLIEBE
Sommerblumen
Hörfehler
Rap (Wörterhass?)
Poesie im Wörterregen
Zwei Unwörter
Der Chairman
Leserbrief
Ballade von Lucinde, der Liebe und dem Hund
Rapunzel mehrsprachig
Kapitel 8
EINIGE EIGENARTEN DER DICHTKUNST
Der gut gelaunte Dichter
Lyrik-Leitfaden (I) Verrätselung
Lyrik-Leitfaden (II) Erotica
Kinderreim
Das Dementi
Unter den Erlen
Der Mond der Dichter
Kapitel 9
PHILOSOPHIE ZUM SELBERMACHEN
Pandemisches Lied der Freiheit 2020/21
Stein und Zeit
Nichts Besonderes
Das letzte Fersengeld
Philosophische Worte
Hoffnungen
Verstehen
Es hapert
Nachruf
Fingerzeig
Meine Rente
Altenpflege
Kapitel 10
WEGE UND BERUFE
Schatzsuche 1945
Wanderungen
Auf der Spur der Zeit
Kapitän und Reh
Die Rede
Die Vorrede
Die Marktnische
Der Anwalt und die hohe See
Der Chefarzt
Schiedsrichterlied
Des Pfarrers Job
Kapitel 11
BUCH DER KINKERLITZCHEN
Die Kinkerlitzchen und das All
Der goldene Kinkerlitz
Das Geheimnis der Konkerlotzen
Kinkerlitz im Lenz
Die Rettung des Kunkerlutz
Crèpe Kinkerlitz
Kapitel 12
ERNSTE EURO-GESÄNGE (2011, 2020)
Wülkes Bauernregeln für Rettungsschirme (2011)
Das Wülke-Memo: Euroland spart
Nachtrag 2020: Wülkes Geduld
Wülkes lateinische Euro-Spielregeln (2011; 2020)
Nachtrag 2020: Ein pandemisches Geschenk
Wülkes Menschenrecht
Kapitel 13
WIRTSCHAFT UND GESELLSCHAFT
Verkaufserfolge
Die Milliardenunschuld
Der Abgang
Leerverkauf
Verschmutzungsrechte
Weltbank-Weihnacht
Kapitel 14
AUS HAUS UND GARTEN
Die Rosenkatze
Der freundliche Lono
Zwiegesprächs-Monolog
Die Fliege und die Kaltmamsell
Die Wurmkur
Ratten im Garten
Nestbau
Die Käferin
Eidechsen im Bohnenbeet
Kapitel 15
LEISERE WORTE
Nachtschicht
Das Mofa
Das Kriterium des ersten Schnees
Das Auge im Dreieck
Ein Schiff auf dem Rhein
Streueffekt
Kölner Lichtblick
Elegie
Im Garten
Kapitel 16
STREUBLUMEN
Ballade vom dichten Leben
Unbeholfener Antrag
Kein Abschied
Vorfreude, erinnert
Glücksgewitter
Alles was grünt
Wie diesen Sommer
Neujahrsschnee
Traumforschung
Strauchmalven
Hintergrundinformationen
Alphabetisches Verzeichnis der Gedichte nach Titeln
Hinweis:
HIam Ende eines Gedichts bedeutet, dass es zu diesem Gedicht eine Hintergrundinformation gibt; s. S. 197 ff.
Norbert Horn
Gesamtausgabe
Kapitel 1
MENSCH UND TIER
Der Förster und die Rehe
Beim Försterexamen wurde er Erster
und war zeitlebens ein sehr guter Förster.
Er hat seine Rehe im Wald stets gehegt
und fertig gehegte Rehe erlegt.
Des Försters Frau briet prächtige Braten
mit dunkler Soße, vorzüglich geraten.
Der Förster war heiter in all diesen Jahren,
die für die Rehe nicht einfach waren.
Sein Dienstabschied stimmte die Rehe heiter,
bis rauskam: der Nachfolger macht so weiter.
Der Hamster hamstert, was er kann,
und legt sich einen Vorrat an
in seiner Höhle fressbereit.
So kommt er durch die Winterzeit:
Im Frühjahr taucht er auf ans Licht,
ganz schlank, mit Idealgewicht.
Auch du, Mensch, hamsterst, was du kannst
in deinem gut genährten Wanst.
Die Winterzeit bringt Eis und Schnee
und Gänsebraten, Crème brulée.
Das Frühjahr taucht dich neu ins Licht.
Doch abgenommen hast du nicht.
Am Seeufer liegt ziemlich abgeschieden
im Sonnenschein das Bauernhaus.
Der Hahn verkündet Sieg und Frieden.
Die Wache tritt jetzt auf die Treppe heraus.
Ein Wurstbrot mit Bub erscheint soeben.
Der Bub nimmt die sonnige Treppe als Sitz.
Danach tritt auf und setzt sich daneben
majestätisch ein großer Spitz.
Der Bub beißt ins Brot, streckt’s dann hin dem Hund.
Auch der beißt ab. Der Bub nimmt’s zurück.
So geht’s hin und her, zwischen Schnauze und Mund,
friedlich geteiltes Wurstbrotglück.
Wanderer kommen mit knirschendem Tritt.
»Der Hund frisst mit«, ruft einer heiter.
»Servus, und guten Appetit!«
Gelächter verklingt; die Gruppe zieht weiter.
Spitz und Bub, unbewegtes Gesicht.
Wir wachen am Haus. Da wird nicht gelacht.
Auch für die andern gehört sich das nicht,
wenn die Wachmannschaft Brotzeit macht.
Warum nur darf Caro, mein treuer Hund,
nicht in den hohen Kölner Dom?
Er fiele nicht auf im Besucherstrom,
und Caro ist höflich und kerngesund.
– Was mancher Besucher nicht aufweisen kann;
da hustet oft einer den anderen an.
Man sagt, Hunde kläffen und heben das Bein.
Doch täte mein Tier im Dom so was nicht.
Es weiß, in der Kirche übt man Verzicht,
und Caro ist dom- und stubenrein.
Soll er für andere Hunde büßen,
die sich nicht zu benehmen wissen?
Man sagt auch, der Dom sei für Menschen gemacht.
Doch ist er für Gott, und der hat erschaffen
Menschen und Hunde, Vögel und Affen
und hat auch an meinen Caro gedacht.
Zwar kann der Caro nicht richtig beten;
– ach, wenn das nur alle Touristen täten!
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