Internationale Richtlinien dürfen nicht beachtet werden
Im Jahr 1969 veröffentlichte die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature and Natural Resources) erstmals ihre Empfehlungen für die Zielsetzung von Nationalparken. Darin wurde festgelegt, dass dort „wo ein oder mehrere Ökosysteme durch menschliche Nutzung oder Inanspruchnahme in der Substanz nicht verändert wurden, … und wo die oberste zuständige Behörde des Landes Maßnahmen getroffen hat, um im gesamten Gebiet baldmöglichst die Nutzung oder Inanspruchnahme zu verhindern oder zu beseitigen und die Erhaltung ökologischer, geomorphologischer oder ästhetischer Eigenarten durchzusetzen“ , dieses Gebiet als „Nationalpark“ bezeichnet werden kann. Die IUCN wurde am 5. Oktober 1948 als „International Union for the Protection of Nature“ (IUPN) gegründet und ist eine internationale Nichtregierungsorganisation. Ihr Ziel ist die Sensibilisierung der menschlichen Gesellschaften für den Natur- und Artenschutz. Eine nachhaltige und schonende Nutzung der Ressourcen soll sichergestellt werden. 1956 änderte sie ihren Namen in „International Union for Conservation of Nature and Natural Resources“ (IUCN), welcher heute rechtlich immer noch gültig ist. Auf der Nationalpark-Weltkonferenz 1972 wurden die erarbeiteten Richtlinien von den IUCN-Mitgliedern bestätigt.
Als wir diese internationalen Regelungen als Grundlage für unsere Argumentation zur Einschränkung der Holznutzung benutzten, wurde dies von Ministerialdirektor Hermann Haagen abgelehnt: „Rechtsgrundlage für den Nationalpark Bayerischer Wald ist der Landtagsbeschluss. Solange dieser nicht geändert wird, werden internationale Richtlinien für den Nationalpark Bayerischer Wald nicht akzeptiert.“
Das bekamen die Nationalparkbesucher zu sehen. Auf den Parkplätzen wurden schon 1970 riesige Mengen von frisch geschlagenem Holz gelagert. Entlang des neu geschaffenen Lehrpfades in der Waldabteilung Tanzboden bei Neuschönau wurden mächtige alte Tannen gefällt, obwohl dort auf einem Lehrpfad die naturnahen alten Fichten-Tannen-Buchenbestände des Bayerischen Waldes den Besuchern nahe gebracht werden sollten. Am Waldschmidthaus am Gipfel des Rachel wurden alte Fichten eingeschlagen und lagen den Sommer über dort, wo viele Nationalparkbesucher vorbei kamen. Nicht wenige fragten nach, warum in einem Nationalpark solche alten Bäume nicht stehen bleiben dürften.
Im Jahr 1972 riss ein Herbststurm im Nationalparkgebiet ungefähr 5.000 Fichten zu Boden. Wir wollten, dass wenigstens ein paar Hundert davon nicht aufgearbeitet werden sollten, sondern als Biomasse im Wald verbleiben durften. Zur Kennzeichnung umwickelten wir diese mit Plastikschleifen. Obwohl die Forstamtsleiter dem zustimmten, wurden dann in drei Revieren im Forstamt St. Oswald trotzdem viele der markierten Windwürfe aufgearbeitet und als Stammholz verkauft. In einer Vormerkung für das Nationalparkamt schrieb Hartmut Strunz damals: „Ich vermute, dass es sich um eine „Demonstration“ der betroffenen Revierbeamten gegen meine Außendiensttätigkeit handelt, um zu zeigen, dass sie selbst in ihrem Revier alleinige Ausweisungsbefugnis haben. Revierförster Liegl gebrauchte in einem Gespräch mit einem Dritten bei der Trophäenschau in Freyung den Ausdruck: „Wenn die Deppen vom Nationalparkamt nicht wären…“ “
Ein Windwurf aus dem Jahr 1972 (Bild oben) zeigt, wie in wenigen Jahren auf solchen Flächen neuer, abwechslungsreicher Wald entsteht. 1983 (Bild Mitte) sind Vogelbeeren bereits wieder 2 Meter hoch und darunter siedeln sich Buchen und Fichten an. 1986 (Bild unten) sind die Stämme bereits nahezu niedergebrochen. Der neue Wald wächst auf.
(Fotos: Hans Bibelriether)
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