Christoph Ruf - Kurven-Rebellen

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Für viele Politiker und Medien ist die Sache klar: Ultras sind notorische Störenfriede, gewaltbereit, dialogunfähig, zuweilen auch rechtsextrem. Aber treffen diese Etiketten zu? Christoph Ruf wollte es genauer wissen und hat das Gespräch mit ihnen gesucht. Bei seinen monatelangen Recherchen war der Karlsruher Journalist bei ihren Veranstaltungen, bei Gruppentreffen, Auswärtsfahrten und im Fanblock. Er traf dabei auf Fußballfans, die wissen, dass sie an manch negativer Schlagzeile selbst schuld sind, die sich aber dennoch zu Unrecht stigmatisiert fühlen. Und das aus gutem Grund: Ohne ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Kreativität würde in kaum einem Stadion die stimmungsvolle Atmosphäre herrschen, für die der deutsche Fußball derzeit gerühmt wird. Zwar schaden manche Ultragruppen mit ihrer Gewaltfaszination und ihren unreflektierten Feindbildern der ganzen Bewegung. Doch deren Zerfall wäre fatal: Wo die Ultras auf dem Rückzug sind, haben in vielen Kurven Neonazis und Nachwuchs-Hooligans das Sagen übernommen. Schon heute.

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In der Nacht vom 3. auf den 4. April 2013 wurde das Vereinsheim der Sportfreunde Ronhof zum zweiten Mal innerhalb eines halben Jahres zum Ausflugsziel Nürnberger Ultras. Sie brachen nachts ein, brachen mehrere Türen auf und stahlen deren Zaunfahne. Der Angriff war zielgerichtet, weder die Bar noch sonst irgendetwas in den Räumlichkeiten wurde zerstört. Es ging den Dieben offenbar einzig und alleine darum, den verhassten Fürther Ultras den Gegenstand zu klauen, der den allermeisten Ultra-Gruppen der Republik heiliger ist als einem niederbayrischen Katholiken die Grabtücher von Jesus höchstpersönlich.

Die Rede ist von dem Stück Stoff, auf dem bei allen Ultra-Gruppen der Republik der Name dieser Gruppe verewigt ist, das im Stadion zu Hause wie auswärts aufgehängt wird und das gehütet wird wie ein rohes Ei. Wir reden von der „Gruppenfahne“. Die war den Fürthern also nun entwendet worden. Nicht, weil die unachtsam gewesen wären (dann hätte merkwürdigerweise kaum eine Ultra-Gruppe viel Mitleid mit den Kollegen gehabt), sondern weil nachts eingebrochen wurde. Und das gilt in der Szene aus gutem Grund als tabu. Man rühmt sich schließlich auch nicht seiner Angelkünste, wenn man einen fetten Köder ins Aquarium statt ins offene Meer hält.

Wer die Täter waren? Nürnberger Ultras, so viel scheint klar. Aber ob die von der größten Gruppe Ultras Nürnberg kommen oder von der „Banda di Amici“, die sich im Oktober 2010 von den Ultras Nürnberg abgespalten haben, weil sie politischer, aber auch „gewaltmäßig härter drauf“ seien, wie es übereinstimmend in Fürth und Nürnberg heißt, ist umstritten. Dabei zählt weder die eine noch die andere Nürnberger Gruppe zu den unreflektierten, tumben im Lande. Im Gegenteil: Ultras Nürnberg äußert sich sowohl auf ihren Veranstaltungen als auch in ihrem hervorragend aufgemachten und unbedingt lesenswerten Magazin „Ya basta“ reflektiert und klug. Zudem ist die Nürnberger Ultra-Szene kritisch und hartnäckig, der Blick in Richtung Nordkurve lohnt in Nürnberg bei fast jedem Heimspiel. Schließlich machen beide Gruppen mit ihren Transparenten immer wieder auf Fehlentwicklungen aufmerksam und vertreten – zum Beispiel mit ihrer Initiative für die Umbenennung der Arena in „Max-Morlock-Stadion“ – Forderungen, die in Nürnberg auch traditionelle Fans teilen. Doch die große Stärke der Nürnberger Ultras, ihre zahlenmäßige Größe, sorgt eben offenbar auch dafür, dass an ihren Rändern Leute agieren, deren Gewaltfaszination überbordet. Und so wahr es ist, dass mancher Ultra die Überfälle auf die Fürther insgeheim (oder in gruppeninternen Gesprächen) kritisieren mag – offiziell distanziert sich weder Ultras Nürnberg noch Banda di Amici davon. Und eines stimmt eben auch: Es gibt in der deutschen Ultra-Szene durchaus kluge und gelassene Menschen, die alle paar Wochen den Adrenalinkick suchen, den ihnen offenbar nur Gewalttaten bieten.

In der bürgerlichen Gesellschaft ist Gewalt aus gutem Grund geächtet, sie wird von den meisten Bürgern als Randphänomen und als Ausdruck geistiger Schwäche wahrgenommen. Mancher in der Ultra-Szene widerlegt diese Gleichsetzung – so gruselig die Vorstellung sein mag, dass möglicherweise derjenige, der einem Journalisten am Donnerstagabend zwei Stunden lang sachlich und geistreich Rede und Antwort steht, schon 24 Stunden später Gleichaltrige in der Nachbarschaft verprügelt. Es ist vor allem das, was Ultras meinen, wenn sie sagen, dass nicht alles, was sie tun, von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert werden soll und kann.

Es steht jedenfalls fest, dass es schon häufig zu „vermummten Hausbesuchen“ bei Fürther Ultras gekommen ist. Wenngleich offenbar seltener als im Ruhrgebiet, wo „Hausbesuche“ häufiger und brutaler sein sollen, medial aber nicht dokumentiert sind. Dabei ist „Hausbesuch“ ein verniedlichendes Wort. Es geht um nicht mehr und nicht weniger als um Hausfriedensbruch, Nötigung und Körperverletzung. Weniger juristisch ausgedrückt: Der Gegner soll eingeschüchtert und demoralisiert werden. Im Falle der Fürther ist das insofern grotesk, als die Horidos im Gegensatz zu anderen Gruppen, die mit Gegenangriffen geantwortet hätten, nicht die geringste Lust auf Auseinandersetzungen haben und am liebsten in Ruhe gelassen würden. Und – noch bemerkenswerter –das auch gar nicht hinter dem üblichen Ultra-Posing verbergen wollten. Stattdessen stellten sie ein paar Tage nach dem Überfall auf ihr Vereinslokal eine bemerkenswerte Stellungnahme auf ihre Seite:

„Unsere Gedanken, unsere Beziehungen untereinander, unsere Werte und Ideale, unsere Ziele und Träume habt ihr nicht – ihr werdet sie niemals bekommen, ihr werdet sie uns niemals entreißen, ihr könnt sie nicht einmal verstehen. Sie passen nicht in euer enges, verkapptes – ja gar reaktionäres und destruktives – Weltbild. Ein Weltbild, das euch besagt, ‚in Franken nur der FCN‘, und das durch das Drehen, Biegen und Verschieben von Tatsachen, nach denen alle FürtherInnen und insbesondere Horidos ‚Lutscher‘, ‚Fotzen‘ oder mittlerweile auch, Juden‘ sind, die sowieso nur Kindergarten machen und mit Bullen labern, konkrete Realisierung erfährt. Welche Affekte und Triebe bewegen Menschen, die sich durch an Vernichtungswahn grenzenden blinden Hass gegenüber anderen definieren, sich zeitgleich jedoch gegenüber der ‚Mainstreamgesellschaft‘ als etwas ‚Ehrenhaftes‘ und ‚Rebellisches‘ darstellen und verstehen?“

Dreieinhalb Stunden vor dem Heimspiel gegen Hannover 96 warten Domi und Fabian an der Tür zum Vereinslokal der Sportfreunde Ronhof, das nur einen Steinwurf von der Haupttribüne entfernt liegt. Genau das ist der Ort, an dem andere Ultra-Gruppen (offenbar längst nicht nur die Nürnberger) in den vergangenen Jahren eingebrochen sind. Eine Plastikplane schützt die Kneipe im Souterrain vor neugierigen Blicken, ein Türsteher wacht am Eingang. Wenn man weiß, was in den vergangenen Monaten hier passiert ist, wundert man sich auch darüber nicht mehr.

Die Spuren des Einbruchs sind immer noch gut zu sehen. Mehrere Türen wurden aufgebrochen, mit einem Stemmeisen, wie an den Türrahmen unschwer zu erkennen ist. Mitten in der Nacht standen die Nürnberger dann in dem Raum, in dem in Fürth das Allerheiligste einer jeden Ultra-Gruppierung gelagert ist. Das war vor drei Wochen. Doch noch immer schwingt Wut in der Stimme mit, wenn Domi darüber spricht: „Fahnenklau hat mit unserem Verständnis von Ultra nichts zu tun.“

Lange haben sie überlegt, wie sie weitermachen sollen. „Wir haben das wichtigste Material geklaut gekriegt, das, was seit den Anfangstagen unserer Gruppe da ist. Auch wenn’s eine feige Aktion ist, kann man nicht so tun, als wäre nichts passiert.“ Beim kommenden Auswärtsspiel in Gladbach und dem Heimspiel gegen den BVB haben sie dann geschwiegen, sie mussten sich dazu nicht zwingen. Eines aber haben sie nicht gemacht: Sie haben sich nicht als Gruppe aufgelöst, wie es 2008 die Gladbacher Ultras getan haben, als ihnen Kölner Ultras die Materialien gestohlen haben. Die hatten allerdings nicht eingebrochen, sie waren mit einem Trick in die Räumlichkeiten der Gladbacher Ultras gelangt.

Mit der Weigerung, sich aufzulösen, haben die Horidos etwas zurückgewiesen, das die allermeisten Gruppen als festen Bestandteil von „Ultra“ sehen. Wer seine Zaun- oder Blockfahne verliert, hat seine Existenzberechtigung als Gruppe verloren. Zumindest, schieben Insider nach, wenn sie im Stadion, also „im Kampf“ verloren geht. Wer zu blöd ist, die Fahne zu verteidigen, ist selbst schuld. So sind die ungeschriebenen Regeln der Szene. Aber wie verhält es sich mit dieser Regel, wenn die andere Seite gar nicht danach spielt? Wenn sie einfach nachts einbricht und sich nimmt, was sie will?

Die Horidos haben jedenfalls nicht eingesehen, warum sie ein Spiel mitspielen sollen, auf das sie keine Lust haben. Die Überschrift der Stellungnahme vom 9. April war eine trotzige Ansage: „Horidos lebt weiter!“ Stumpfere Zeitgenossen und Ultra-Orthodoxe dürften sich in ihrer Einschätzung der Fürther bestätigt gesehen haben. Zu weich, zu lasch, eben NICHT Ultra. Aber stimmt das? Wenn „Ultra“ bedeutet, unbequem zu sein, stellen sich nach solchen Aktionen Fragen, die an den Kernbestand der Ultra-Szene gehen. Was ist rebellisch an solchen Kindergarten-Ritualen? Was ist ihr Sinn?

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