Christoph Ruf - Kurven-Rebellen

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Für viele Politiker und Medien ist die Sache klar: Ultras sind notorische Störenfriede, gewaltbereit, dialogunfähig, zuweilen auch rechtsextrem. Aber treffen diese Etiketten zu? Christoph Ruf wollte es genauer wissen und hat das Gespräch mit ihnen gesucht. Bei seinen monatelangen Recherchen war der Karlsruher Journalist bei ihren Veranstaltungen, bei Gruppentreffen, Auswärtsfahrten und im Fanblock. Er traf dabei auf Fußballfans, die wissen, dass sie an manch negativer Schlagzeile selbst schuld sind, die sich aber dennoch zu Unrecht stigmatisiert fühlen. Und das aus gutem Grund: Ohne ihr ehrenamtliches Engagement und ihre Kreativität würde in kaum einem Stadion die stimmungsvolle Atmosphäre herrschen, für die der deutsche Fußball derzeit gerühmt wird. Zwar schaden manche Ultragruppen mit ihrer Gewaltfaszination und ihren unreflektierten Feindbildern der ganzen Bewegung. Doch deren Zerfall wäre fatal: Wo die Ultras auf dem Rückzug sind, haben in vielen Kurven Neonazis und Nachwuchs-Hooligans das Sagen übernommen. Schon heute.

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Wohlgemerkt: Diese Gewaltexzesse sind Randerscheinungen einer Ultra-Kultur, die zwar fast in ihrer Gänze gewaltfasziniert ist, von der aber nur eine Minderheit selbst gewalttätig ist. Dass diese Feststellung im krassen Gegensatz zur öffentlichen Wahrnehmung steht, hat tatsächlich auch mit manch grotesk überzeichnetem Fernsehbericht zu tun. Und damit, dass seit der Fußball-WM 2006 der Hype um den Fußball einfach nicht abklingen will.

Zu Hochzeiten des Hooliganismus in den achtziger und neunziger Jahren bevölkerten mancherorts mehrere hundert Gewalttäter die Stadien und gelangten zum Teil mit Messern und anderen Waffen auf die Tribünen. Nicht selten wurde mit Leuchtspurmunition in den gegnerischen Fanblock gezielt, Massenschlägereien waren an der Tagesordnung.

Früher war also nicht alles besser – im Gegenteil. Doch heute gelangt jede noch so kleine Schubserei ins Internet, tausendfach kommentiert und nicht selten von denjenigen gepostet, die sich nachher über die vermeintliche Hysterie aufregen. Auch Ultras filmen und fotografieren jede Minute ihres Daseins wie selbstverliebte Schauspieler, sie sind Kinder ihrer Zeit, Junkies des hyperventilierenden Internetzeitalters.

Und dennoch: Verglichen mit den achtziger und frühen neunziger Jahren, geht es beim Fußball heutzutage geradezu idyllisch zu – auch wenn das außerhalb der Fußballszene ganz anders wahrgenommen wird. Ultras stehen allerdings nicht nur gegenüber der kritischen Öffentlichkeit unter Rechtfertigungsdruck, sondern in vielen Städten auch gegenüber Teilen der Fanszene. Dabei haben die Ultras mit einem Hinweis recht: Als sie das Kommando in den Fankurven übernahmen, gab es weder Tote noch Verletzte: Junge, engagierte Leute stießen in das Vakuum, das dort entstanden war. Was sie vorhatten, beobachteten auch viele Ältere mit Wohlwollen. Denn Jungen wie Alten war klar, dass etwas Neues kommen musste, dass die traditionelle Fankultur in Langeweile erstarrt war und sich in immer mehr Stadien eine träge Masse dem Anpfiff entgegenlangweilte. Zugleich dienten die Fans auf den Rängen einer immer dreister werdenden Entertainment-Industrie mit Cheerleadern und Dauer-Werbejingles nur noch als Staffage („Und jetzt die Nordkurve …“). Seit die Ultras auch zahlenmäßig zu einem wichtigen Machtfaktor geworden sind, überlegen sich die Marketingabteilungen der meisten Vereine ganz genau, was sie ihrem Publikum noch zumuten wollen. Denn sie ahnen, dass sie ihm nicht alles zumuten können. Die Ultras haben es ihnen beigebracht. Und spätestens seit der „12:12“-Kampagne, mit der die bundesdeutsche Ultra-Szene ihren Widerstand gegen ein von den Vereinen geplantes Sicherheitskonzept bündelte und damit auch in den Medien viel Wohlwollen erntete, werden Ultras auch als politische Akteure ernst genommen.

Auch mit ihrer Kommerzkritik haben die Ultras viele Forderungen der kritischen Fanszene übernommen und modernisiert, sie sprechen vieles aus, was den meisten im Stadion aus der Seele spricht. Und solange das so ist, wird es nicht gelingen, „die normalen Fans“ gegen „die Ultras“ auszuspielen, wie das der eine oder andere Vereinsfunktionär schon probiert hat. Sie kalkulieren dabei mit ein, dass Ultras ja durchaus Dinge tun, die dem Mehrheitswillen im Stadion zuwiderlaufen. Wenn zwei Minuten vor Abpfiff in einem hochdramatischen Spiel die Gästekurve meint, mit Licht und Rauch auf sich aufmerksam machen zu müssen, stößt das bei 90 Prozent der zahlenden Zuschauer bestenfalls auf Unverständnis, und wenn die 60 Quadratmeter große Schwenkfahne Hunderten von Menschen die Sicht aufs Spielfeld versperrt, wird der friedlichste Familienvater zum Berserker.

Dass „die Ultras“ ein Ärgernis sind, hört man jedenfalls in manch einem Stadion – und zwar von den gleichen Leuten, die ehrlicherweise zugeben, dass ohne „die Ultras“ gleich gar nichts mehr los wäre.

Dabei gibt es „den Ultra“ tatsächlich nicht. Jede Gruppe interpretiert die Erfordernisse der Szenezugehörigkeit anders. Und das von der Gewaltfrage über die Organisationsstruktur bis zur politischen Orientierung. Wenn kein Außenstehender zuhört, kann es vorkommen, dass die einen den anderen absprechen, echte Ultras zu sein. Was als Vorwurf dann natürlich gleich zurückgegeben wird. Es gibt Gruppen, die eine hierarchische Struktur haben. Wer als Jungspund zur Gruppe stößt, stellt sich erst einmal hinten an. Bei anderen Gruppen herrscht strikte Basisdemokratie, sie spotten über das „Führerprinzip“. Und auch über die Art und Weise, wie Ultra-Anfeuerung heutzutage zu klingen habe, wird munter gestritten. Dass die dann getroffenen Entscheidungen von allen mitgetragen werden, kann man bedenklich finden, oder bemerkenswert solidarisch. Es ist wohl beides.

Philipp Köster, Chefredakteur des Fußball-Magazins „11 Freunde“, hat die von Ultras praktizierte Form des Dauer-Supports in einem Leitartikel einmal mit nordkoreanischen Massenaufläufen verglichen. Damit sprach er vielen älteren Fußballfans aus der Seele, die die jugendliche „Stimmungsdiktatur“ anprangern. Sie verstehen nicht, warum die Atmosphäre in der Kurve so prächtig ist, wenn die eigene Mannschaft kurz vor Schluss 0:4 zurückliegt. Allerdings sitzt diese Kritik einem Missverständnis auf: Ultras bejubeln ja nicht die eigenen Spieler, sie wollen stattdessen „dem Verein“ (was auch immer das sein mag, es hat für Ultras viel mit dessen Tradition zu tun) durch ihren Support ein Denkmal setzen. Das klingt für ältere Semester befremdlich, die als Kinder Autogramme gesammelt haben und den Schützen des 1:0-Tores beim Derbysieg hochleben ließen. Beides würden Ultras eher nicht tun. Warum sollten sie einem Spieler zujubeln, der schon morgen, ohne mit der Wimper zu zucken, zu einem Verein wechseln würde, der ihm den größeren Dienstwagen in die Garage stellt?

Dieses Kosten-Nutzen-Denken unterstellen Ultras zumindest den meisten Vertretern der heutigen Spielergeneration, weshalb Profis wie Kevin Großkreutz, dessen Liebe zu Borussia Dortmund wohl selbst der eingefleischteste Schalker als aufrichtig interpretieren würde, auch szeneübergreifend als Ausnahmeerscheinungen wahrgenommen werden. Was – viel Feind, viel Ehr – natürlich auf Schalke dazu führt, dass er dort besonders lautstark angefeindet wird.

Ultras denken anders. Sie drücken sich auch anders aus. Wenn ein Dortmunder Ultra sagt, dass „Schalke heute gut war“, kann der BVB gegen eine grottenschlechte Schalker Mannschaft 8:0 gewonnen haben. Unser Ultra meint mit seinem Lob die gegnerische Fankurve. Viele waren’s. Gute Choreografie, und gehört hat man sie in der gegenüberliegenden Kurve auch. Keine Frage: Schalke war gut.

Doch die Ultra-Bewegung sah sich zumindest bei ihren italienischen Gründern nicht als jubelnde Staffage, als dauer-emotionalisierte Jubelperser, sondern als kritische Gegenöffentlichkeit. Im Zuge der 68er-Umwälzungen machten in Bologna, Rom oder Mailand linksgerichtete Studenten die Fankurven zum selbstverwalteten gesellschaftlichen Experimentierfeld. Die noch heute typischen Ultra-Aktionsformen (Megafon, Doppelstockhalter, Transparente) entstammen dieser linken Demo-Subkultur genauso wie die Antihaltung gegen Polizei, Politik und Medien. Bis weit in die Neunziger waren dann auch viele italienische Ultra-Kurven linksgerichtet – nicht zuletzt die des AC Milan, deren „brigate rossenere“ (rotschwarze Brigaden) nicht zufällig sowohl auf die Vereinsfarben als auch auf die politische Gesinnung verwiesen.

Hierzulande gibt es einige wenige Gruppen, die kein Problem damit zu haben scheinen, dass sich Neonazis in ihrer Mitte tummeln. Es gibt aber weitaus mehr, die sich als Linke begreifen. Und es gibt die große Masse an Gruppen, die sich als „unpolitisch“ verstehen, aber keine rechte Agitation in ihrer Mitte dulden. Wenn rassistische Pöbeleien, wie sie Mario Balotelli in Italien ertragen muss, hierzulande kaum noch zu hören sind, liegt das auch an der Dominanz der Ultra-Szenen, die ihr Fandasein mit einer ungeheuren Energie betreiben.

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