Unterhalb der Uhr hing an eisernen Haken, die in die nackte Betonwand eingelassen waren, eine große Zahl unterschiedlicher Stöcke, Gerten und Peitschen. Darunter wiederum fanden sich Stricke, Riemen und Ketten verschiedener Stärken und Längen sowie eine kleine Sammlung von Brustklammern mit und ohne Verbindungsketten.
In der nächsten Ecke – der nordwestlichen also, an die sich oberirdisch das Türmchen mit Miguels Büro anschloss – stand die wichtigste und meistverwendete Vorrichtung des »Spielzimmers«: Ein Käfig, bestehend aus dicken, anderthalb Zentimeter starken Eisenstangen. Er hatte eine Grundfläche von einem mal anderthalb Metern und eine Höhe von einem Meter. Eine kleine, mit zwei Vorhängeschlössern gesicherte Tür, durch die sich die Sklavin zwängen musste, bildete den einzigen Zugang. Der Käfig wies einige Besonderheiten auf: Eine alte, mit einem blauen Gummituch bespannte Matratze nahm beinahe die gesamte Grundfläche ein; darauf lag ein kleines, ebenfalls mit Gummi überzogenes Kissen. Und außen, an der Seitenwand, hing in etwa einem halben Meter Höhe ein fünf Liter fassender Wasserbehälter. Dieser Behälter verfügte unten über ein dickes, penisförmiges Plastikrohr, das in den Käfig hineinragte und mit dessen Hilfe die Insassin Wasser trinken konnte, indem sie ihre Lippen um das Rohr schloss und dieses zusammenpresste, woraufhin sich ein dünner Strahl in ihren Mund ergoss. Miguel erinnerte sich noch gut an Marías Begeisterung über diese ihre eigene Idee, als sie den Behälter eingebaut hatte.
Miguels Blick ruhte nun auf der breiten Westwand, die der Eingangstür gegenüberlag. Links an den eisernen Käfig schloss sich ein Utensil an, das in keinem derartigen Raum fehlen durfte: das Andreaskreuz. Es bestand aus zwei langen, gekreuzten Balken aus lackiertem Holz. Lederne Hand- und Fußfesseln hingen an eisernen Ketten von den vier Enden, und in der Mitte – dort, wo sich die Balken kreuzten – hing ein breiter, lederner Bauchgurt, mit dem die Bewegungsmöglichkeiten des »Opfers« noch weiter eingeschränkt werden konnten.
Neben dem Andreaskreuz stand jenes enge, hölzerne Gefängnis, das María gemeinhin »die Box« nannte und das Cristina – und vor ihr auch bereits Consuela – fürchten gelernt hatte. Es bestand aus dicken Holzbohlen, die nicht nur die Seitenwände, sondern auch Boden und Decke bildeten, und maß innen weniger als einen Meter im Kubik. Verfügte der Käfig noch durch die Matratze und das Kopfkissen über eine gewisse Bequemlichkeit, so fehlte so etwas in der »Box« völlig. Einer Sklavin, die darin ausharren musste, begannen alsbald sämtliche Glieder zu schmerzen. Im Gegensatz zum Käfig war in dieser Box auch keinerlei Möglichkeit zur Versorgung mit Wasser vorgesehen. Ein Ein- oder Ausgang wurde dadurch geschaffen, dass man einige der Bohlen, die die Frontseite bildeten, einfach aus ihrer eisernen Führungsschiene hob und später wieder einsetzte.
Die »Box« war ein vollkommenes Gefängnis – und ein grausames dazu. Sogar María setzte sie nur sehr sparsam ein, und Miguel hatte seine Frau erst ein einziges Mal, und da nur für eine Stunde, darin eingesperrt. Allerdings hatte er ihr vorher gesagt, sie müsse die ganze Nacht darin verbringen. Als er sie herausgelassen hatte, hatte er dann feststellen müssen, dass sie sich vor Angst, er würde seine Drohung wahr machen, nass gemacht hatte.
Die Ecke links von der »Box« war frei. Nicht, dass María dafür keine Verwendung gehabt hätte – sie sprach oft davon, dort eine richtige, gemauerte mittelalterliche Kerkerzelle einzubauen. Der Eingang dazu sollte sich auf der Oberseite befinden, in etwa anderthalb Metern Höhe. Der Boden, so Marías detaillierter Plan, sollte ebenfalls gemauert und dann mit Stroh bedeckt werden, und an den Innenwänden müsste natürlich eine Vielzahl eiserner Ringe und Ketten zur Befestigung der Insassin eingelassen werden.
Doch dieser Plan war bislang noch nicht in die Tat umgesetzt worden, und Miguel wusste auch nicht, wann dies geschehen sollte. In dieser Hinsicht war María völlig unberechenbar: Manchmal ließ sie ein oder gar zwei Jahre verstreichen, ehe sie dann, völlig überraschend, mit einer Anhängerladung voll Baumaterial ankam. So war es gewesen, als sie die »Box« konstruiert hatte.
Die Südwestecke des »Spielzimmers« war somit in voller Absicht freigehalten worden. Derzeit stand dort eine eiserne Liege aus ausgemustertem Krankenhausbestand, zwei Meter lang und mit relativ schmaler und harter, grün gepolsterter Liegefläche. Eine Anzahl Lederriemen, die es ermöglichten, jemanden darauf beinahe zur völligen Bewegungsunfähigkeit zu verurteilen, hing daran herunter.
Nicht weit von der Liege entfernt nahmen zwei hölzerne Böcke den freien Raum zwischen dieser und der kleinen Duschkabine ein. Beide waren jeweils einen Meter lang und hoch. An ihren vier Füßen waren Hand- und Fußschellen befestigt. Der einzige Unterschied zwischen den beiden Böcken bestand in ihrer »Auflagefläche«: Während die eine knapp zehn Zentimeter breit und einigermaßen gut gepolstert war, so dass es eine Sklavin darauf auch längere Zeit aushalten konnte, konnte man bei dem zweiten Bock von einer »Fläche« überhaupt nicht sprechen, denn er lief nach oben hin spitz zu und bildete so eine beinahe einen Meter lange und höchstens einen Millimeter breite, scharfe Kante. Auf dieser »Sitzfläche« mehr als nur wenige Minuten verbringen zu müssen war eine harte Strafe – härter noch als die »Box«. An einigen Stellen war die Kante durch runde Vertiefungen unterbrochen, in die nach Bedarf Dildos unterschiedlicher Größe eingeschraubt werden konnten.
Die Südostecke, vom Eingang gesehen also auf der linken Seite, wurde beherrscht durch die kleine Duschkabine, die María nach anfänglichem Zögern eingebaut hatte. Mittlerweile hatte sie sich aber als äußerst praktisch erwiesen. Eines der vier kleinen Kellerfenster befand sich in dieser Kabine, so dass auch eine ausreichende Entlüftung gewährleistet war. Sie war nur etwas mehr als einen Meter breit und zweieinhalb Meter lang. Den hinteren Teil nahm eine Duschwanne mit durchsichtiger Plexiglastür ein, davor befand sich ein Waschbecken, neben dem zwei Eimer standen. Der eine diente bisweilen als Sklavinnentoilette; der andere hingegen war ein normaler Plastikeimer, in dem sich einige Putzlappen befanden. Denn manchmal gab es doch etwas aufzuwischen im »Spielzimmer«. Die komplette Kabine war ebenfalls von Plexiglas umkleidet, damit jemand, der sich außerhalb befand, genau beobachten konnte, was innen vorging.
Sklavinnen hatten schließlich keine Geheimnisse vor ihren Herrinnen und Herren.
Zwei weitere Gegenstände vervollständigten die Einrichtung des großen Raums: Links neben der Tür hing ein runder, eiserner Käfig von der Decke. Sein aus metallenen Streben bestehender Boden schwebte einen halben Meter über dem Parkett. Sehr zu Marías Leidwesen konnte er nicht elektrisch gehoben und gesenkt werden, denn die Kosten eines Motors, der in der Lage war, das schwere Gewicht des Käfigs mitsamt Insassin zu bewegen, überstiegen den María von Miguel für das »Spielzimmer« zugestandenen Etat um einiges.
Das Zentrum des Raums schließlich wurde durch eine dicke, bis zur Decke reichende hölzerne Säule gebildet, die allerdings keinerlei tragende Funktion hatte. Auch an ihr waren lederne Hand- und Fußschellen sowie weitere Riemen befestigt. María zog diese Säule dem Andreaskreuz vor, wenn es darum ging, die Sklavin einmal gründlich auszupeitschen.
Schließlich schweiften Miguels Blicke zurück zu Cristina, die nach wie vor nackt und reglos, mit gesenktem Blick und auf dem Rücken verschränkten Händen, vor ihm stand.
Er fasste einen Entschluss.
Mit einer Geste bedeutete er ihr, sich zum anderen Ende des Raums zu begeben – dorthin, wo die beiden Böcke standen. Als sie den ersten, den mit der gepolsterten Liegefläche, erreicht hatte, sagte er: »Halt!«
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