Gemäß einigen Quellen hat sich Vishnu in seiner neunten Inkarnation als der Buddha manifestiert, um ein Gegengewicht gegen das allzu dominante Brahmanentum und den Ritualismus zu schaffen.
Nach einer anderen Interpretation hat Vishnu in der Gestalt Buddhas eine Irrlehre verkündet, um seine wahren Anhänger zu erkennen, die sich nicht von einer falschen Lehre irreführen lassen und im Gegensatz zu den Fehlgeleiteten nicht zugrunde gehen.
Siehe auch Buddhismus und Yoga.
Buddhāsana n die Buddha-Haltung, erleuchtete Haltung.
buddha – erleuchtet; āsana - Haltung.
Buddhi f Intelligenz, Weisheit, Erkenntnis, Vernunft. Im Sānkhya entsteht Buddhi als erstes und feinstes Prinzip aus der Urnatur, Prakriti, und ist das Organ der Unterscheidung und Erkenntnis, woraus sich als nächstes Ahamkāra, der Ich-Macher, entfaltet.
In einem bekannten Bild in der Katha-Upanishad 3.3 heißt es: „Wisse, dass der Ātman, das Selbst, der Herr der Kutsche ist, und der Körper die Kutsche; Buddhi, die Vernunft, ist der Kutscher und Manas, das Sinnesvermögen, sind die Zügel.“
Buddhismus und Yoga. Der Buddha war im ersten Stadium seiner Suche Schüler bedeutender Yogīs, deren Lehren er aufnahm und meisterte. Dazu gehörten Meditations- und Atemtechniken ebenso wie extreme asketische Praktiken. Doch da ihn diese letztlich nicht befriedigten, wandte er sich seinem eigenen Weg einer fortwährenden stillen Meditation zu, die ihm das Ziel der Erleuchtung brachte. In einigen Texten des Buddhismus wird er als Yogī bezeichnet, andere nennen ihn einen großen Meditierenden.
Im Laufe der Zeit haben sich Buddhismus und Hinduismus vielfach gegenseitig befruchtet und speziell im Tantra kam es zu einem regen Austausch und parallelen Entwicklungen.
Auch viele Yoga-Anhänger unserer Zeit, besonders in den USA, suchen eine Verbindung von Yoga und Buddhismus, indem der Hatha-Yoga vor allem zur Kräftigung und Stabilisierung des Körpers eingesetzt wird, während der Buddhismus vertiefte Meditationstechniken beisteuert. Diese existieren an sich auch in der Tradition des Yoga, jedoch weniger ausgeprägt und weniger aktiv praktiziert. Das Wort „Zen“ ist eigentlich von dhyāna, Meditation, abgeleitet.
Rein philosophisch besteht eine Differenz insofern, als der Buddhismus das Konzept des Ātman, des ewigen und unvergänglichen Selbstes, zurückweist und stattdessen das Nicht-Selbst lehrt, Anātman. Allerdings sind solche Differenzen aus der Sicht mancher Befürworter einer Synthese nicht signifikant, da diese Begriffe nur verschiedene Bemühungen seien, das Unsagbare in Worte zu fassen.
Buddhi-Yoga m Yoga der Erkenntnis durch Buddhi, Unter-
scheidungsvermögen, wird in der Bhagavadgītā mehrfach erwähnt.
Budha adj oder m weise, klug; Weiser. Name des Planeten Merkur, der als Sohn Somas gilt. budhavāra bedeutet im Sanskrit Mittwoch.
Siehe auch Navagraha.
Büffel [Skrt. Mahisha] in der Mythologie das Tragetier des Todesgottes Yama.
Bulle [Skrt. Vrishabha] der Bulle wird als Symbol der Kraft und Männlichkeit verehrt, er dient Shiva als Tragetier (Nandin).
Business-Yoga m Yoga für Geschäftsleute, wird erfolgreich unterrichtet von dem Schweden Göran Boll, zu dessen Schülern Mitarbeiter und Führungskräfte von über 150 Firmen mit zum Teil weltbekannten Namen gehörten. Boll erweckt Interesse am Yoga, indem er darauf hinweist, dass die Übungen helfen, Stress abzubauen und Energie zu tanken.
Auch die therapeutischen Effekte, wie etwa bei Rückenproblemen, werden herausgestellt. Sogar Abgeordnete des schwedischen Parlaments haben Kurse bei Boll gebucht, der vor seiner Tätigkeit als Yoga-Lehrer in der Wirtschaft gearbeitet hat.
C
Caitanya, Chaitanya m Name eines großen Heiligen und Yogī (1485-1534), auch bekannt unter dem Namen Krishna Caitanya.
Caitanya wurde als zehntes Kind einer Brahmanen-Familie in Westbengalen geboren. Schon als er noch Säugling war, bemerkten seine Eltern, dass er, wenn er einmal weinte, nur durch das leise Singen von Krishnas Namen zu beruhigen war. Aus seiner Kindheit und Jugend wird berichtet, dass Schlangen ihn nicht angriffen und dass er oft auf wundersame Weise geschützt wurde. Nimai (wie er zu diesem Zeitpunkt hieß) studierte auf der Schule mit großem Eifer und wurde alsbald zum geliebten und respektieren Lehrer von Sanskrit und Grammatik.
Mit 23 Jahren begab er sich auf eine Pilgerfahrt nach Gaya, wo einst Gautama Buddha unter dem Bodhi-Baum meditiert hatte. Als Nimai dort Riten für seinen lange zuvor verstorbenen Vater durchführte, hatte er eine überwältigende innere Erfahrung, die sein ganzes Leben verändern sollte.
Ein Asket namens Ishvara Puri, der in der Tradition der bengalischen Bhakti-Bewegung stand und unter den Pilgern war, verstand Nimais Erfahrung, gab ihm das Krishna-Mantra und vermittelte ihm jene Form von Gottesliebe, deren lebendige Verkörperung Teil seiner Mission sein sollte.
Nimai wurde in der Folgezeit zu einem tief inspirierten, oft ekstatischen Anbeter Krishnas. Sogar während des Unterrichts fiel er oft in Trance und hatte viele spirituelle Erfahrungen. Mit 24 Jahren beschloss er, sich zum Mönch weihen zu lassen, und erhielt von seinem zweiten Guru, Keshava Bharati, den Namen Krishna Caitanya, d.h. (frei übersetzt) derjenige, der Krishna in den Herzen aller erweckt. In seinem letzten Lebensabschnitt unternahm er viele Pilgerreisen in Begleitung seiner Schüler, und häufig sangen sie in Gruppen von Anbetern gemeinsam Kīrtans zum Lobe Krishnas.
Caitanya gilt seinen Anhängern als Avatār Krishnas, den er einerseits, als Bhakta, glühend verehrte, andererseits, als dessen Inkarnation, in bestimmten Augenblicken höchster Identifikation in seiner ganzen Herrlichkeit direkt offenbarte.
In einmaliger Intensität verkörperte Caitanya den Bhakti-Yoga und die Praxis des Nāma-Japa, die Wiederholung des heiligen Namens Krishnas. Das Hauptmantra lautete:
Hare Krishna Hare Krishna Krishna Krishna Hare Hare
Hare Rāma Hare Rāma
Rāma Rāma Hare Hare.
Das Wort Caitanya steht im Sanskrit für Bewusstheit, Wachheit; transzendentes Bewusstsein.
Siehe auch Bhaktivedanta, Swami, Acintya-Bhedābheda-Tattva.
Caitra m Name des ersten Monats im Hindu-Kalender (März/April).
Caitya m die individuelle Seele; Altar, Tempel.
Cakorāsana n die Rebhuhn-Haltung.
cakora – Rebhuhn; āsana - Haltung.
Cakra, Chakra n wörtl. Rad, Kreis; Wurfscheibe. Feinstoffliche Energiezentren im Subtilkörper, deren Funktion darin besteht, die sie durchströmende Kraft zu transformieren und zu verteilen.
Nach der Lehre des Tantra gibt es sieben Cakras, von denen sechs entlang der Wirbelsäule im physischen Körper visualisiert werden, wobei sie jedoch tatsächlich einer anderen Ebene angehören, die mit der physischen korreliert. Das siebte, der „tausendblättrige Lotus“, befindet sich über dem Scheitelpunkt des Kopfes.
Die Cakras bilden gleichsam Schnittstellen zwischen dem Körperlichen und dem Psychischen und werden durch das Aufsteigen der Kundalinī, der verborgenen Schlangenkraft, aktiviert, was jeweils mit bestimmten Erfahrungen verbunden ist.
Yogīs sahen diese Zentren in ihrer inneren Schau, und so existieren auch bildliche Darstellungen in Form von Lotusblüten mit einer verschiedenen Anzahl von Blütenblättern, die jeweils die Nādis symbolisieren, feine Energiekanäle, welche vom Cakra ausgehen. Im Inneren der Darstellungen finden sich Yantras wie Dreiecke, ferner Keimsilben (Bījas) und auch Tiersymbole.
Die einzelnen Cakras werden detailliert beschrieben unter den Einträgen Mūlādhāra-, Svādhishthāna-, Manipūra-, Anāhata-, Vishuddha-, Ājñā-, Sahasrāra-Cakra.
Siehe auch Kundalinī, Kundalinī-Yoga.
Cakrāsana n Rad-Haltung, Brücke.
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