Brahmacārya steht ebenfalls für die erste von vier Lebensstufen oder Āshramas. Es ist die Zeit der Schülerschaft, wo weltliches und religiöses Wissen aufgenommen und die erste Grundlage für ein späteres spirituelles Leben gelegt wird.
Brahmacaryāsana n die Enthaltsamkeitshaltung.
brahmacarya – Enthaltsamkeit; āsana – Haltung.
Brahmadvāra n der „Eingang (dvāra) zum Absoluten“, liegt an der Basis der Wirbelsäule und ist Ausgangspunkt des feinstofflichen Kanals Sushumnā. Dieser Eingang ist zunächst blockiert und kann durch die Techniken des Hatha-Yoga geöffnet werden. Er wird auch Brahma-Granthi (s.u.) genannt.
Brahma-Granthi m der „brahmische Knoten“. Der unterste Granthi im menschlichen Körper, der den Fluss des Prāna, der Lebenskraft, in der Sushumnā, dem zentralen feinstofflichen Energiekanal, blockiert.
Brahmaloka m die himmlische Wohnstätte Brahmās, eine Region jenseits der Wiedergeburt, auch Satyaloka genannt.
Siehe auch Loka.
Brahmamuhūrta m „die Stunde Brahmans“. Die Zeit der Morgendämmerung, wenn nach der Lehre der Yogīs die Zeit für die Meditation am günstigsten ist.
Es wird die Zeit von 3-4 oder auch 3-6 Uhr genannt.
Brahman n abgeleitet von der Wurzel bṛh, wachsen, sich weiten, bedeutet Brahman im Vedānta das Weite, Unendliche, Absolute. Es ist das höchste Wesen, das über und hinter allen Dingen steht, auch den Göttern; der universelle Geist, zugleich Ursache des Weltalls und alles erfüllend.
Im Veda bedeutet Brahman jedoch das heilige, inspirierte Wort, Mantra.
Die Mundaka-Upanishad II.1.2 erklärt zum unendlichen Brahman: „Selbstleuchtend ist jenes Wesen und formlos. Er wohnt in allem und außerhalb von allem, er ist ungeboren, rein, größer als das Größte, ohne Atem und Denken.“
Ein bekannter Erkenntnisspruch der Chāndogya-Upanishad (II. 14.1) lautet: sarvam khalvidam brahma – „wahrlich, alles ist Brahman“: Diese ganze Schöpfung mit ihren unzähligen Manifestationen und ihrem endlosen Werden ist das höchste göttliche Wesen. Es ist „das Eine ohne ein Zweites“, ekam advitīyam, aber nur schwer können Worte es überhaupt erfassen oder beschreiben, weshalb die Seher bisweilen nur wiederholen, neti, neti: es ist nicht dies, nicht jenes, es ist unsagbar und unfassbar.
Brāhmana (1) [brāhmaṇa] n alte vedische Texte, die eine Anleitung zum praktischen Gebrauch der Verse und Sprüche in den Samhitās enthalten, zudem auch viele weitere Erklärungen und Erläuterungen zu rituellen Opfern etc.
Brāhmana (2) [brāhmaṇa] m ein Brahmane, Veda-Gelehrter; Angehöriger des Standes der Priester und Gelehrten.
Brahmana (3) oft in Verbindung mit Langhana genannt in der Bedeutung stärkend, kräftigend, Einatmung. Siehe Brimhana.
Brahmanādī f der Kanal (nāḍī) zum Brahman; ein feinstofflicher Kanal in dem Energiekanal Sushumnā, worin die Kundalinī, die verborgene Schlangenkraft, aufsteigt.
Brahmanaspati [brahmaṇaspati] m der Herr und Schöpfer des göttlichen Wortes (Brahman); ein Name Brihaspatis.
Brahmānda [brahmāṇḍa] n das Ei Brahmās, aus dem alles geworden ist, die Welt, das Universum.
Brahmāndapurāna [brahmāṇḍapurāṇa] n eines der 18 Purānas, enthält einen Bericht über das Brahmānda und die künftigen Weltzeitalter, Kalpas.
Brahmane siehe Brāhmana (2).
Brahmanirvāna [nirvāṇa] n das völlige Aufgehen und Erlöschen im Brahman. Eine transzendente Realisation, die der Teilhabe am Irdischen ein Ende setzt.
Brahmapurāna, Brāhmapurāna [brahmapurāṇa] n eines der 18 Purānas, auch Ādipurāna genannt. Es wurde von Brahmā dem Daksha offenbart und enthält viele vishnuitische Elemente der Krishna-Verehrung.
Brahmaputra m der Sohn (putra) eines Brahmanen; ein Sohn Brahmās (wie z.B. Sanatkumāra). Name eines Flusses, der in Tibet entspringt und in das bengalische Meer mündet.
Brahmarandhra n und m eine feinstoffliche Öffnung (randhra) zum Brahman: der Scheitelpunkt des Kopfes, durch den das Bewusstsein im Verlaufe bestimmter Yoga-Praktiken zu höheren Ebenen aufsteigen kann.
Siehe auch Kundalinī.
Brahmarshi [brahmarṣi] m ein großer Seher oder Weiser. Ein Rishi, der fest im Brahman ruht.
Brahmasākshātkāra [brahmasākṣātkāra] m die direkte Offenbarung (sākshātkāra) oder Erfahrung des Brahman.
brahmāsmi, aham brahmāsmi.
Brahmasūtra n Aphorismensammlung der Vedānta-Philosophie, von Bādarāyana oder Vyāsa; auch bekannt als Vedāntasūtra. Der bekannteste Kommentar ist Shankaras Brahmasūtrabhāshya.
Brahmavādin m ein Lehrer des vedischen Wissens, ein Seher oder Weiser.
Brahma-Vaivartapurāna [brahmavaivartapurāṇa] n eines der jüngsten der 18 Purānas, enthält Gebete und Anrufungen an Krishna und einen Bericht seiner Liebschaften mit Rādhā und den Gopīs.
Brahmavid m jemand, der das Brahman kennt.
Brahmavidyā f das Wissen von Brahman; Selbstverwirklichung.
Brahma-Vidyā-Upanishad [upaniṣad] f eine Yoga-Upanishad in 111 Versen, die Themen wie Nāda-Yoga, Kundalinī-Shakti und Hamsa-Yoga abhandelt.
Brahmavihāra m Verweilen (vihāra) im Brahman. Bezeichnet eine Meditation, bei der Gedanken der Güte, des Mitgefühls, der Freude und des Gleichmuts unterschiedslos auf alle Wesen gerichtet werden.
Brahmo Samāj m „Gesellschaft der Brahmos“, eine Reformbewegung im Hinduismus, die 1828 von Ram Mohan Roy in Kalkutta gegründet wurde und Verbreitung in Bengalen und anderen Provinzen fand.
Ziel der Bewegung war es, das Leben der Hindus grundlegend zu verändern. Die Praxis der Witwenverbrennung wurde ebenso zurückgewiesen wie Opferrituale und das Errichten und Verehren von Götterbildern und Statuen. Anstelle der vielen Götter der Veden, deren Tradition nicht anerkannt wurde, sollte die Verehrung des einen Gottes treten, der im Geist verehrt wird und Gebete erhören kann, sich aber nicht in menschlicher Form inkarniert.
In den 1860er und 1870er Jahren kam es zu Differenzen unter den Brahmos, welche zu einem Schisma innerhalb der Gemeinde führten. So entstanden der Ādi Brahmo Samāj, geleitet von Debendranath Tagore, dem Vater von Rabindranath; der Brahmo Samāj of India unter der Leitung von Keshab Chandra Sen; und der Sādhāran Brahmo Samāj mit Mitgliedern, die sich von Sen lossagten. Dabei ging es jeweils um die Radikalität und die Umsetzung der Reformideen.
Der Brahmo Samāj fand in der indischen Gesellschaft nie eine signifikant große Anhängerschaft, konnte jedoch erfolgreich einige notwendige soziale Veränderungen durchsetzen. Seine Blütezeit ging vorüber mit dem Tod Rabindranaths, der den Ādi Brahmo Samāj seines Vaters unterstützt hatte.
Brihadāranyaka-Upanishad [bṛhadāraṇyaka-upaniṣad] f die „große Wald-Upanishad“, eine der ältesten Upanishaden. Sie lehrt, mittels einer Unterweisung des Yajñavalkya an seine Gattin Maitreyī, die absolute Identität von Ātman und Brahman und macht in Kap. IV.1-7 bereits signifikante Aussagen zum Thema Karma und Reinkarnation.
Brihaspati [bṛhaspati] m vedische Gottheit, Priester der Götter und Meister des schöpferischen Wortes, in den vedischen Texten auch oft Brahmanaspati genannt.
In späteren Zeiten ist Brihaspati ein Rishi und steht dem Planeten Jupiter vor, der nach ihm benannt wurde. Er ist auch ein Lehrer der Astrologie und Astronomie.
In den Purānas erscheint Brihaspati wiederum als Ratgeber der Götter und insbesondere Indras.
Brimhana [bṛṁhaṇa] n Weitung, Stärkung. Im Prānāyāma energetisierende Einatmung. Im Āyurveda meist in Verbindung mit Langhana genannt, als zwei komplementäre energetische Prinzipien.
Brindāvan siehe Vrindāvan.
Buddha m ein Erwachter, Erleuchteter, insbesondere auf Gautama Siddhārtha bezogen.
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