Des Weiteren lässt sich mit einer präzisen Beschreibung von Zielen der Erfolg Ihres Unterrichts besser überprüfen. Dafür sollten Sie die Tätigkeiten, die Sie von den Lernenden während des Unterrichts erwarten, in die Zielformulierung einfliessen lassen, und Sie sollten die Kriterien nennen, die Sie für ein ausreichendes Niveau dieser Tätigkeiten festgelegt haben.
Zielformulierungen schaffen idealerweise eine nachvollziehbare Verbindung von einerseits fachlichen und andererseits überfachlichen, personalen und sozialen Zielen. Zudem empfiehlt es sich, mit Blick auf eine Differenzierung und Individualisierung des Unterrichts immer basale und erweiterte Ziele zu unterscheiden.
Kompetenzen
Wie bereits erwähnt, ist die Kompetenzorientierung ein zurzeit omnipräsentes Schlagwort in der Unterrichtsforschung wie auch der Bildungspolitik. Da aber zur «Theorie kompetenzorientierter Didaktik […] aktuell lediglich Facetten, Bausteine und Vorüberlegungen» 31vorliegen, ist es sinnvoll, einem vorläufigen und pragmatischen Vorschlag für einen kompetenzorientierten Unterricht zu folgen, wie ihn Andreas Feindt und Hilbert Meyer skizziert haben.
Wenn Sie kompetenzorientiert unterrichten, bedeutet das gemäss den beiden Autoren, dass Sie die Lernergebnisse der Lernenden in den Mittelpunkt stellen und mit dem Ziel unterrichten, dass diese nicht nur Wissen erwerben, sondern mit diesem Wissen auch konkrete Anforderungssituationen bewältigen können. Als Lehrperson müssen Sie sich an vorgegebenen gestuften Kompetenzmodellen orientieren, die vom neuen Lehrplan vorgegeben und in den einzelnen Schulen konkretisiert werden, und dann Lernangebote entwickeln oder übernehmen, durch die sich die Lernenden in Richtung der formulierten Kompetenzen entwickeln können. Eine genaue Beobachtung der Lernenden und ihrer Lernfortschritte sowie eine immer wieder erfolgende Überprüfung ihres Leistungsstandes ist nötig, um passende Lernangebote im Unterricht zum Einsatz bringen zu können. 32Lernaufgaben rücken damit ins Zentrum des kompetenzorientierten Unterrichts – deren Entwicklung wird nicht nur eine Aufgabe der einzelnen Lehrperson, sondern auch der Fachdidaktiken sein. Erste Ansätze dazu werden in der von Marcel Naas herausgegebenen Publikation Kompetenzorientierter Unterricht auf der Sekundarstufe I vorgestellt. 33
1. Gütekriterien von Unterricht: Was gelingt Ihnen bereits gut, was wollen Sie noch verbessern?
2. Unterrichtsklima: Was sagen Ihre Lernenden?
3. Klassenführung I: Wie gelingt Ihnen die Anwendung von Kounins Empfehlungen?
Wiederholen Sie diese Aufgabe in nachfolgenden Stunden und nehmen Sie sich dabei vor, eine Strategie von Kounin speziell zu beachten, die noch nicht gut geklappt hat.
4. Klassenführung II: Wie gestalten Sie die Beziehung zu Ihren Lernenden?
Diskutieren Sie die Fragen aus dem Selbsttest von Rüedi 34mit anderen. Ergänzen Sie die Gespräche mit dem Kollegium nach Möglichkeit mit gegenseitigen Schulbesuchen, in denen Sie den Selbsttest als Checkliste für Beobachtungen verwenden, über die Sie sich nach dem Besuch unterhalten können. Machen Sie sich Notizen dazu.
A Wie steht es mit meiner Beziehung zu den Lernenden? Kann ich Beziehungen zu ihnen aufbauen?
B Kenne und berücksichtige ich die Bedürfnisse der Lernenden?
Ermögliche ich den Lernenden Lernerfolge?
Finde ich in meinem Unterricht einen sinnvollen Ausgleich zwischen Spontaneität, Spass, Humor, Freude, Lust und Pflichterfüllung, Unlust?
Anerkenne und bestätige ich meine Lernenden?
Achte ich auf deren soziale Integration in der Klasse?
Achte ich auf Umgangsformen und Umgangston in der Klasse?
Helfe ich beim Erarbeiten demokratischer Regeln und wertschätzender Umgangsformen?
Erkenne ich die Selbstwertbedürfnisse der Lernenden? Ermutige und stütze ich diese?
C Ist mein Unterricht gut vorbereitet und interessant? Erkläre ich den Stoff klar und prägnant?
D Kenne ich die Eltern meiner Lernenden? Habe ich sie über meine Schulführung informiert? Unterstützen sie meine disziplinarischen Bemühungen?
E Ist meine Klassenführung wirksam? Befolgen die Lernenden meine Anweisungen?
F Kann ich auftretende Disziplinschwierigkeiten erklären und analysieren?
G Reagiere ich bei Disziplinschwierigkeiten und Konflikten angemessen? Zeigen meine Reaktionen Wirkung? Habe ich ein gewisses Repertoire an Reaktionsmöglichkeiten?
H Kenne ich die Möglichkeit von «Verträgen»?
I Wie gehe ich mit Strafen um?
J Sehe ich in meiner beruflichen Arbeit die Chancen zu persönlichem Wachstum?
K Habe ich ein persönliches Konzept zu Disziplin und Klassenführung? Habe ich ein Konzept zur mittel- und langfristigen Beeinflussung der sozialen Entwicklung meiner Klasse?
1 Helmke:Unterrichtsqualität erfassen, bewerten, verbessern, 2003, S. 47
2 Beywl/Schmid:Lehren als Profession, 2014, S. 10–14
3 Hattie:Lernen sichtbar machen für Lehrpersonen, 2016, vor allem S. 277 ff.
4 Helmke:Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität, 2012, vor allem S. 168 ff.
5 Meyer:Was ist guter Unterricht?, 2016, S. 23 ff.
6 Nolting:Störungen in der Schulklasse, 2012
7 Kounin:Techniken der Klassenführung, 2006
8 Rüedi:Disziplin und Selbstdisziplin in der Schule, 2013
9 Bandura:Self-efficacy: The exercise of control, 1997
10 Schwarzer/Jerusalem:Das Konzept der Selbstwirksamkeit, 2002, S. 28–53
11 Grell/Grell:Unterrichtsrezepte, 2010, S. 103–116
12 Aebli:Zwölf Grundformen des Lehrens, 2011
13 Städeli et al.:Kompetenzorientiert unterrichten – Das AVIVA-Modell, 2013, S. 29 ff.
14 Grell/Grell:Unterrichtsrezepte, 2010, S. 232–273
15 Vgl. Möller:Curriculare Didaktik, 2015
16 Vgl. Klafki:Das pädagogische Problem des Elementaren und die Theorie der kategorialen Bildung, 1964
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