empirische Einheitensiehe S. 59
Als empirische Einheiten kommen in der Psychologie beliebige statische oder dynamische Systeme infrage (z. B. Personen, Gruppen, Situationen, Abläufe), in denen sich psychische Gesetzmäßigkeiten äußern.
empirisches Systemsiehe S. 57
In der psychologischen Methodenlehre unterscheidet man zumeist ein empirisches System, das die Forschungsdaten liefert, und ein → theoretisches System , das die Gesetze und Erklärungen zu formulieren gestattet, und bezeichnet die Vorgangsweisen, Methoden und Instrumente, die zwischen beiden eine Verbindung herstellen, als Korrespondenzsystem. Im empirischen System werden Phänomene menschlicher Erfahrung ausgewählt und in ihren konkreten Erscheinungsweisen (Tatsachen) verbal oder symbolisch (über Indikatoren) protokolliert.
Encoding-Specifity Principlesiehe S. 238
Entsprechend dem Encoding-Specifity Principle von Tulving und Thomson (1973) werden Gedächtnisinhalte dann besser reproduziert, wenn in der Prüfsituation die gleichen Merkmale als Abrufhilfen herangezogen werden, die auch bei der Aufnahme der Information als deren Charakteristika wahrgenommen wurden (Meyer & Schvaneveldt, 1971). Dies kann man auch im Alltag beobachten, wenn man zum Beispiel beim Gehen in ein anderes Zimmer eine beabsichtigte Tätigkeit vergessen hat und sich bei der Rückkehr in die ursprüngliche Situation wieder daran erinnert. Besonders wirksame Retrieval Cues sind solche, die in enger logischer oder kausaler Beziehung zu den Merkinhalten stehen und bereits in der Einprägungssituation mit diesen assoziiert waren (Kenealy, 1997).
Endorphinesiehe S. 162 f.
Endorphine sind körpereigene Opiate. Ihre Ausschüttung kann als körpereigene Schmerzbekämpfung angesehen werden, die bei Verletzungen oder großen körperlichen Belastungen (z. B. Marathonlaufen, Extrembergsteigen) eine Stimmungsaufhellung und größere Schmerztoleranz bewirkt (Corder et al., 2019).
Enkodierungsiehe S. 227
Hier ist die Aufnahme von Wissen gemeint. Entscheidend für die Gedächtnisleistung sind die Formen, in denen Informationen dem Gedächtnis zugeführt werden (z. B. als Melodien, sprachliche Inhalte, Vorstellungen, Gedanken usw.), und die Bedingungen, unter denen dies geschieht (z. B. Aufmerksamkeit, Bedürfnislage, Kontext, Gliederung der Inhalte, Reihenfolge der Einprägung usw.). Jeder Enkodierung von Speicherinformation geht eine Filterung voraus, die durch Gestaltbildung, Aufmerksamkeitsausrichtung und Begriffskategorisierung zustande kommt, wobei auch irrelevant wirkende Details Einfluss ausüben, wie etwa die jeweilige Stimmung, der räumliche Kontext, verbale Kommentare oder Ähnliches.
Entfernungsiehe S. 146
Der Anblick von Gegenständen ändert sich mit der Tageszeit, Beleuchtung, Perspektive und Entfernung. Damit sie dennoch konstant als die gleichen identifiziert werden können, müssen ihre möglichen situativen Veränderungen in Helligkeit, Farbigkeit, Größe und Betrachtungswinkel bekannt sein. So kann das aktuelle Wahrnehmungsbild korrigiert werden. Durch diese Leistungen der → Wahrnehmungskonstanz werden entfernte Erwachsene nicht als Kinder gesehen, Bäume werden in der Dämmerung immer noch als grün erlebt, und bekannte Formen (z. B. Kreise, Rechtecke, Säulen) können trotz perspektivischer Verzerrung erkannt werden. Für die Größeneinschätzung von Gegenständen, deren absolute Ausdehnung nicht bekannt ist, wird die Größe des Netzhautbildes mit der geschätzten Entfernung (Tiefenwahrnehmung) in Beziehung gesetzt. Ein gutes Beispiel dafür ist die jedem aus eigener Erfahrung bekannte, bereits früh erforschte Mondtäuschung (Kaufman & Rock, 1972). Sie besteht darin, dass der Mond am Horizont um etwa 50 % größer erscheint als im Zenit. Dies ist damit zu erklären, dass er am Horizont aufgrund der dazwischen liegenden Landschaftselemente als weiter weg eingestuft wird als am Zenit. Je nachdem also, ob ein Objekt als eher nah oder als eher fern erscheint, wird es vergleichsweise als kleiner oder als größer eingeschätzt.
Entspannungstechniksiehe S. 418
Durch eine erlernte Entspannungstechnik (z. B. durch ein »Loslassen« der Muskeln nach Vortraining in Progressiver Muskelentspannung; Jacobson, 2006) kann physiologische Aktivierung in Stresssituationen reduziert werden.
Entspannungstherapiensiehe S. 426
Entspannungstherapien und → Hypnosetherapien (Progressive Muskelentspannung, → Autogenes Training , Meditation, → Hypnose ) bezwecken eine Harmonisierung der physiologischen und vegetativen Körperfunktionen, insbesondere eine Senkung des allgemeinen Aktivierungsniveaus und eine Senkung der Intensität emotionaler Aktivierungs- und Stressreaktionen.
Entzugserscheinungensiehe S. 119
Bei → Abhängigkeit von einem Stoff entsteht ein zunehmend unwiderstehlicher Drang danach, bei → Sucht bewirkt das Absetzen des Stoffes Entzugserscheinungen, die sich in Konzentrationsmangel, Schläfrigkeit, Unruhe, Niedergeschlagenheit, emotionaler Labilität, Schlafstörungen, Angstzuständen, Ungeduld, vermehrter Aggression, Herzrasen, Schwitzen, Gänsehaut, Zittern, Benommenheit, Erbrechen oder sogar in tödlichen Komplikationen äußern können.
episodischsiehe S. 225
Meint hier episodische Inhalte, eine Komponente des → Langzeitgedächtnisses . Episodische Inhalte (räumlich und zeitlich definierte Erlebnisse) werden überwiegend in den Assoziationszentren der rechten, semantische Inhalte überwiegend in jenen der linken Gehirnhemisphäre mit wesentlicher Beteiligung des Hippocampus vermutet, während das → limbische System eher für den Aufbau des Gedächtnisses und der frontale und temporale Kortex eher für den Abruf wichtig zu sein scheint.
Erbkoordinationensiehe S. 169
Erbkoordinationen (Angeborene Auslösermechanismen/AAM) sind reizabhängige Verhaltensprogramme, die nicht durch individuelle Erfahrungen erworben werden, sondern in einem bestimmten Alter des Lebewesens ausreifen. Als angeborener Auslöser darf das sogenannte Kindchenschema gelten (Lorenz, 1943), auf welches der Mensch (und andere Säuger) gefühlsmäßig reagiert (»süß«, »herzig«, »niedlich«) und mit »Pflegereaktionen« antwortet (z. B. streicheln, liebkosen). In Cartoons und bei Puppen werden die typischen Merkmale (relativ großer Kopf, große Augen, pummelige Gliedmaßen) zur Steigerung des Effektes oft übertrieben dargestellt.
Erblichkeitsschätzungsiehe S. 287
Ausmaß des genetischen Einflusses auf ein Persönlichkeitsmerkmal.
Erfolgsintelligenzsiehe S. 286
Das Konzept der Erfolgsintelligenz (»Theory of Successful Intelligence«) von Sternberg (1997) bezweckt eine besondere Annäherung der Intelligenzmessung an Alltagserfordernisse. Sie wird definiert als
•Fähigkeit, im persönlichen Rahmen innerhalb des soziokulturellen Kontextes Erfolg zu haben,
•als Begabung zur Nutzung eigener Stärken und zur Kompensation eigener Schwächen,
•und erfordert eine Balance zwischen analytischer (schulischer, akademischer), kreativer und praktischer Intelligenz.
Erfolgslernensiehe S. 190
Erfolgslernen (instrumentelles Konditionieren) ist eine Form des Lernens. E. L. Thorndike formulierte 1898 mit seinem »Gesetz des Effektes« (engl. »law of effect«) als Erster das Grundprinzip der → instrumentellen Konditionierung : Verhalten ändert sich durch den Effekt, den es auslöst, belohnende Konsequenzen stärken die Verhaltenstendenz, bestrafende Konsequenzen schwächen sie.
Ergebniswissensiehe S. 196
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