David G. Haskell - Das verborgene Leben des Waldes

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Die Welt in einer Nussschale: Über ein Jahr hat der amerikanische Biologe David Haskell einen Quadratmeter altgewachsenen Wald immer wieder besucht und bis ins Detail studiert. Ausgerüstet nur mit Objektiv, Lupe und Notizbuch, Zeit und Geduld, richtet der Biologe seinen Blick auf das Allerkleinste: Flechten und Moose, Tierspuren oder einen vorbeihuschenden Salamander, Eiskristalle oder die ersten Frühlingsblüten. Und entfaltet mit dem Wissen des Naturforschers und der Beschreibungskunst eines Dichters ein umfassendes Panorama des Lebens im Wald, des feingewobenen Zusammenlebens in einem jahrhundertealten Ökosystem. Eine Grand Tour zwischen Wissenschaft und Poesie, die die Natur in ihrer ganzen Komplexität und Schönheit erfahrbar macht.
»David Haskell führt den Leser zu einer neuen Form der Naturbetrachtung, in der das Unsichtbare zum Vorschein kommt, das Kleine zu großen Fragen führt und die unendliche Komplexität und Schönheit alles Lebendigen sich immer deutlicher entfaltet.« E.O.Wilson

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Meisen sehen zudem mehr Farben als ich. Wenn ich das Mandala betrachte, müssen meine Augen mit drei Farbrezeptoren, den Zapfen, auskommen, mit denen ich drei Primärfarben und vier Hauptkombinationen der Primärfarben erkenne. Meisen besitzen einen zusätzlichen Zapfen für ultraviolettes Licht. Sie sehen vier Primärfarben und elf Hauptkombinationen, und ihr sichtbares Spektrum ist damit wesentlich größer als alles, was wir sehen oder uns auch nur vorstellen können. Die Zapfen der Vögel sind zudem mit farbigen Öltröpfchen ausgestattet, die als Lichtfilter fungieren und dafür sorgen, dass jeder Zapfen nur von einem schmalen Farbspektrum stimuliert wird. Ihr Farbsehen ist daher präziser. Wir besitzen keine derartigen Filter, daher sehen Vögel auch in unserem sichtbaren Lichtspektrum Farbnuancen, die uns verborgen bleiben. Die Meisen leben in einer farbenprächtigen Hyperrealität, zu der unsere trüben Augen keinen Zugang haben. Und hier im Mandala nutzen sie ihre Fähigkeiten zur Futtersuche. Die spärlichen vertrockneten Beeren, die hie und da auf dem Waldboden liegen, reflektieren das ultraviolette Licht, und auch die Flügel mancher Käfer und Nachtfalter oder manche Raupen sind ultraviolett gefärbt. Doch die Vögel würden Insekten auch enttarnen, ohne ultraviolett zu sehen, weil sie durch ihr präzises Farbsehen noch geringste Unregelmäßigkeiten aufspüren.

Das Sehvermögen von Vögeln und Säugetieren hat sich bereits in der Jurazeit, vor hundertfünfzig Millionen Jahren auseinanderentwickelt. Damals spaltete sich die Abstammungslinie, die die neuzeitlichen Vögel hervorbrachte, von den Reptilien ab. Und die urzeitlichen Vögel erbten dabei von ihren Vorfahren, den Reptilien, vier Zapfen. Auch die Säugetiere haben sich aus den Reptilien entwickelt, aber ihre Linie spaltete sich früher ab als die der Vögel. Anders als Vögel verbrachten unsere Vorfahren, die Proto-Säugetiere, das Jurazeitalter als nachtaktive, spitzmausähnliche Geschöpfe – und die natürliche Zuchtwahl mit ihrem kurzsichtigen Nützlichkeitsgedanken hielt prächtige Farben bei solchen Nachtgeschöpfen offenbar für überflüssig. Zwei der vier Zapfen, die die Säugetiere von ihren Vorfahren geerbt hatten, gingen verloren: Die meisten Säugetiere besitzen bis heute nur zwei Zapfen. Lediglich einige Primaten, darunter unsere Ahnen, entwickelten später einen dritten.

Die Carolinameisen können ihr gutes Sehvermögen auch dank körperlicher Geschicklichkeit hervorragend nutzen. Mit einem einzigen Flügelschlag huscht ein Vogel von einem Ast zum nächsten. Füße umkrallen einen Zweig, schon lässt sich der Vogel fallen und hängt schaukelnd am Astende. Der Schnabel pickt, der Körper, noch immer kopfüber, dreht sich dahin und dorthin, dann öffnen sich blitzschnell die Flügel, und der Vogel fliegt zum nächsten Zweig. Nirgendwo bleibt etwas ungeprüft. Die Vögel verbringen genauso viel Zeit kopfüber und spähen unter Zweige, wie sie auf den Zweigen sitzen.

Doch trotz engagierter Suche finden die Meisen keine Beute, solange ich sie beobachte. Wie die meisten Vögel rucken Meisen beim Schlucken auffällig mit dem Köpfchen oder krallen größere Beute mit den Füßen fest, wenn sie sie mit dem Schnabel zerhacken. Der Schwarm bleibt ungefähr eine Viertelstunde in Sichtweite, ohne Nahrung zu finden. Die Meisen werden wohl auf ihre Fettreserven zurückgreifen müssen, um die Kälte zu überstehen. Im Winter sind Fettreserven lebenswichtig, und sie erlauben den Meisen zudem, die wechselhafte Winterwitterung für sich zu nutzen. Wenn es ein wenig wärmer wird oder sie ganzen Spinnenhaufen oder Beerenbüscheln begegnen, wird aus der Futterflut ein Fettpolster, das sie durch kältere und kargere Winterzeiten bringt.

Die einzelnen Meisen besitzen unterschiedlich dicke Fettpolster. Meisen gehen in hierarchischen Schwärmen auf Futtersuche, zu denen normalerweise ein dominantes Paar und mehrere Rangniedere gehören. Die dominanten Vögel können von allem fressen, was der Schwarm findet, sind also allgemein bei jeder Witterung gut genährt. Herrschermeisen besitzen einen gepflegten Körper. Niedere Vögel dagegen bekommen die volle Härte des Winters zu spüren, sie können nur zeitweilig gut fressen. Die rangniederen Vögel, häufig Jungtiere oder erfolglose Brüter, kompensieren die unregelmäßige Nahrungsaufnahme durch Fettpolster: ihre Versicherung für magere Zeiten. Doch Fettpolster haben ihren Preis. Rundliche Vögel werden leichter zur Beute von Habichten. Das Fettpolster einer Meise ist also eine reine Abwägungssache: zwischen der Bedrohung durch Hunger und der Bedrohung durch Fressfeinde.

Meisen runden ihr Fettpolster zudem durch Insekten und Körner ab, die sie als Vorrat unter Rindenschuppen stopfen. Die Carolinameisen verstecken ihr Futter gern in den Unterseiten dünner Äste, vermutlich um es vor diebischen, aber weniger wendigen Vogelarten zu schützen. Dennoch sind ihre Verstecke vor Plünderern nicht sicher, weshalb die Meisenschwärme im Wald ihr Winterrevier rigoros gegen Eindringlinge verteidigen. In anderen Gegenden der Welt leben Meisen, die keine Vorräte anlegen, längst nicht so territorial gebunden.

Im Winter gesellen sich zu den Schwärmen der Carolinameisen häufig größere Vogelarten. Heute sucht ein Dunenspecht erst trommelnd nach Larven im Eichenstamm, dann schließt er sich den Meisen an und saust mit ihnen ostwärts. Auch eine Indianermeise fliegt dem Schwarm hinterher. Indianermeisen schwirren wie Carolinameisen durch die Zweige, sind dabei aber weniger geschickt: Sie hocken vor allem auf den Zweigen und hängen nicht kopfüber. Alle Vögel im Schwarm rufen unentwegt, um den Trupp zusammenzuhalten. Carolina- und Indianermeisen pfeifen und zwitschern, der Specht lässt hohe pik -Laute ertönen. Im Schwarm sind die Vögel besser vor Habichten geschützt: Viele Augen sehen mehr als zwei. Doch die Carolinameisen müssen für die Sicherheit in der Menge bezahlen. Die Indianermeisen sind doppelt so schwer wie sie und beherrschen das Feld: Sie schubsen die Carolinameisen von toten Ästen, hohen Zweigen und anderen beliebten Futterplätzen. Der winzige Ortswechsel verringert die Futterchancen der Carolinameisen beträchtlich. In Schwärmen ohne Indianermeisen sind Carolinameisen besser genährt. Das Überleben im Wintermandala erfordert also nicht nur exzellente körperliche Fähigkeiten, sondern auch geschickte soziale Verhandlungen.

Langsam schwindet das Tageslicht. Ich recke und strecke meine ausgekühlten Gliedmaßen, befreie meine Augen von Eiskrusten und mache mich auf den Heimweg. Die Vögel werden noch ein paar Minuten nach Futter suchen und sich dann zu ihrem Schlafplatz begeben. Wenn das Licht nachlässt und es kühler wird, sammeln sich die Carolinameisen in Astlöchern, wo sie vor der wärmezehrenden Macht des Windes geschützt sind. Dort drängen sie sich zusammen, und die einnickende Vogelkugel, mit großem Volumen und relativ kleiner Oberfläche, bestätigt die Bergmann’sche Regel. In der Nacht wird die Körpertemperatur der Meisen um zehn Grad sinken: Sie verfallen in eine energiesparende Winterstarre. Weil die Vögel Verhalten und Physiologie der Witterung angepasst haben, bieten sie dem Winter nicht nur tagsüber Paroli. Winterstarre und Vogelkugel halbieren ihren Energiebedarf in der Nacht.

Die Anpassung der Carolinameisen an die klirrende Kälte ist beeindruckend, aber dennoch nicht unbedingt ausreichend: Morgen werden weniger Meisen als heute den Wald beleben. Väterchen Frost wird zahllose Meisen hinabziehen und in eine noch erschreckendere Leere stoßen als die, die ich in der Kälte erlebt habe. Nur die Hälfte der Meisen, die im herbstlichen Blätterwald nach Futter gesucht hat, wird im Frühling die Eichenknospen aufspringen sehen. Nächte wie diese sind die Hauptursache der hohen Wintersterblichkeit der Vögel.

Die frostigen Temperaturen werden nur wenige Tage anhalten, aber die erhöhte Vogelsterblichkeit wird sich noch das ganze Jahr bemerkbar machen. Der kalte Wintertod drängt die Meisenpopulation zurück und verringert sie um alle Vögel, deren Bedarf die knappe Futterversorgung übersteigt. Jede Carolinameise benötigt zu ihrem Selbsterhalt drei und mehr Hektar Wald. Das nur ein Quadratmeter große Mandala kann also lediglich ein paar Hunderttausendstel einer Meise ernähren. Die heutige Nacht wird mit kalter Hand alle überzähligen Meisen aussortieren.

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