Katja Kauer - Queer lesen

Здесь есть возможность читать онлайн «Katja Kauer - Queer lesen» — ознакомительный отрывок электронной книги совершенно бесплатно, а после прочтения отрывка купить полную версию. В некоторых случаях можно слушать аудио, скачать через торрент в формате fb2 и присутствует краткое содержание. Жанр: unrecognised, на немецком языке. Описание произведения, (предисловие) а так же отзывы посетителей доступны на портале библиотеки ЛибКат.

Queer lesen: краткое содержание, описание и аннотация

Предлагаем к чтению аннотацию, описание, краткое содержание или предисловие (зависит от того, что написал сам автор книги «Queer lesen»). Если вы не нашли необходимую информацию о книге — напишите в комментариях, мы постараемся отыскать её.

Queer Reading ist eine Methode, die die Konstruktionen des Geschlechts und des Begehrens lesbar macht. Eine queere Lektüre öffnet etwa den Blick dafür, wie Heterosexualität als postulierte soziale Norm in Texten stetig untergraben wird, und ermöglicht die Entdeckung homoerotischer oder homosexueller Subtexte. Ziel ist allerdings nicht, im Gegenzug andere Identitäten zur Norm zu erklären oder Autor*innen und Figuren Prädikate wie homosexuell oder transsexuell zuzuschreiben. Vielmehr legt Queer Reading ein anderes Begehren offen, das nicht den Äußerungen der Figuren und unseren Erwartungen entspricht. Es erweitert so unseren Horizont und bedeutet damit eine Bereicherung jeder literaturwissenschaftlichen Arbeit. Das Studienbuch verdeutlicht anhand von Lektüren ganz unterschiedlicher Prosa, wie ein Text queer gelesen werden kann, und will seine Leser*innen ermutigen, sich Leitlinien zu erarbeiten, mit denen sie Texte selbst queer lesen können. Das Buch leistet neben der Methodendiskussion auch einen Beitrag zur Erforschung kanonisierter Autor*innen und Werke aus neuer Perspektive.

Queer lesen — читать онлайн ознакомительный отрывок

Ниже представлен текст книги, разбитый по страницам. Система сохранения места последней прочитанной страницы, позволяет с удобством читать онлайн бесплатно книгу «Queer lesen», без необходимости каждый раз заново искать на чём Вы остановились. Поставьте закладку, и сможете в любой момент перейти на страницу, на которой закончили чтение.

Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Nach der Definition von Annamarie Jargose ist eine Begriffsbestimmung von ‚ queer ‘ unmöglich, ja gerade die Unbestimmtheit des Begriffs sei für die Theorie wesentlich.6 Diese Aussage einem Einführungsbuch voranzustellen, mag einige Leser*innen bereits jetzt abschrecken. Dass Begriffe niemals völlig eindeutig sein können, ist zwar eine sprachphilosophische Prämisse, um jedoch als Wissenschaftlerin mit einem Begriff erfolgreich arbeiten zu können, ist der Hinweis auf die Elastizität seines semantischen Gehaltes nicht ausreichend. Jargoses vage Definition wird uns allerdings bei aller Mühe um Präzision wieder einholen. Sie meint damit, dass ‚ queer ‘ eher als eine kritische Denkbewegung denn als ein festes Konzept zu verstehen ist. Diesen Befund müssen wir akzeptieren.

Widersetzt sich dieser Befund der Aussicht, Queer Studies erfolgreich in die akademischen Disziplinen zu integrieren? Wenn wir den Begriff ‚ queer ‘ bibliographieren, bleiben wir nicht ohne Ergebnisse. Ja mehr noch, es gibt bereits Publikationen, die eine bildungswissenschaftliche Bestandsaufnahme des Forschungsfeldes darstellen.7 Queertheoretische Forschung ist demnach kein Phantasma, sondern hat Eingang in akademische Praxis gefunden, aber aus dem Blickwinkel des Studierenden lässt sich diese Forschungsrichtung schwer systematisieren. Bezogen auf unseren spezifischen Gegenstand stellt sich die Frage: Wie können wir Texte queeren ?

An dieser Stelle soll versucht werden, die deutsche Forschungsdiskussion um Queer Studies in Hinsicht auf einen literaturwissenschaftlichen Anspruch, den wir mit ihnen stellen können, zu umreißen. Dieser Einblick in die Forschungsdiskussion kann keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben. Ähnlich wie der Begriff selbst ist auch seine Diskussion elastisch. In diesem Studienbuch sollen Angebote gemacht werden, wie wir als Literaturwissenschaftler*innen mit queer praktisch etwas anfangen können. Die Frage, wie wir Texte queeren , soll in dieser Einführung daher nicht theoretisch beantwortet, sondern an Textbeispielen vorgeführt werden. Aus diesem Grunde entwickle ich auch die Forschungsdiskussion aus der Perspektive einer Literaturwissenschaftlerin, die literarische Texte queer lesen möchte.

In den Sozialwissenschaften haben die Queer Studies einen größeren Einfluss als in den Philologien. Es gibt ein Bewusstsein für das Theoriefeld des Queeren . Soziolog*innen wie Sabine Hark haben sich darum verdient gemacht, den Begriff im deutschen Kontext zu etablieren.8 Eine sozialwissenschaftliche Einführung wurde von Nina Degele bereits 2008 vorgelegt.9 Sie ist informativ, bietet für die Arbeit an literarischen Texten allerdings keine Perspektiven. Queer Studies stellen eine Analysemethode dar, die wir als eine transatlantische Disziplin verstehen müssen, das heißt die Ursprünge der Forschungsrichtung liegen im angloamerikanischen Bereich. Die Texte, die die Basis für diese Theorie schaffen, sind, bis auf wenige Ausnahmen, englischsprachig. Einige dieser Texte sind noch nicht aus dem Englischen übersetzt. Die Auseinandersetzung im deutschen Sprachraum beginnt daher meist mit einer Umschreibung von Konzepten, die Wissenschaftler*innen im angloamerikanischen Raum entwickelt haben. Es wäre unzulässig zu behaupten, dass soziologische Auseinandersetzungen mit der englischsprachigen Theoriewurzel nur im Wiederkäuen bestünden, doch oft vermittelt sich der Eindruck eines Mangels an Originalität. Jargoses Einführung ist eines der ersten deutschen Bücher, die den Begriff ‚ queer ‘ explizit im Titel verwenden. Auch hier handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Englischen. Der Band kam bereits 1996 in der Originalsprache heraus, wurde daraufhin 2001 ins Deutsche übertragen und erschien 2017 in der 3. Auflage.

Die Autorin ist Professorin in Neuseeland und eine anerkannte LGBT-Aktivistin. Queer Studies stammen zwar aus den Queer Politics , müssen jedoch nicht nur von Aktivist*innen dieser Szene betrieben werden. Es lässt sich allerdings auch für Deutschland konstatieren, dass queeres Denken im Kontext der LGBT-Bewegung aufkam und Wissenschaftler*innen, die sich dafür einsetzten, dieser Szene zugeordnet werden.10 ‚LGBT‘ wird im politischen Kontext verwendet, um die monolithische Bezeichnung ‚homosexuell‘ abzulösen. Genau diese Entwicklung können wir in den letzten beiden Jahrzehnten feststellen. Unter LGBT verstehen wir lesbian (lesbische), gay (schwule), bisexuelle und Transgenderidentitäten. Es gibt in Deutschland auch die Abkürzung LSBTTIQ oder LSBTTIQPA+, die transsexuelle, transgender, intersexuelle und queere Identitäten mit benennen möchte und sogleich durch die absurde Länge der Buchstabenreihung das Konzept von Identitätslogik verwirft, indem sie queere Identitäten multipliziert. Die Theorie bietet eine Möglichkeit, sexuelle Orientierung und das Körpergeschlecht zu hinterfragen. Der Impuls, sich mit der Queertheorie auseinanderzusetzen, beruht bei vielen prominenten Vertreter*innen auf einem politischen Kampf um Akzeptanz für diverse sexuelle Identitäten. Insofern ist es kein Wunder, dass gerade die Gesellschaftswissenschaften Queertheorie erfolgreich in ihr Curriculum integriert zu haben scheinen. Queere Begriffskritik wurde aus einem gesellschaftskritischen Anspruch heraus geboren, Akzeptanz für Personen zu schaffen, die sich im Modell der Zweigeschlechtlichkeit nicht repräsentiert fühlen. Bedingung für die Auseinandersetzung mit dieser Theorie ist jedoch keineswegs eine Identifikation mit den in der Abkürzung benannten Identitäten. Warum auch? Da das Queere gerade den Reiz des Unbestimmten hat, darf sich jeder Mensch in diesem Konzept repräsentiert fühlen. Queer ist ein Begriff, mit dem sich „fächerübergreifend das Themenfeld Sexualität und Geschlechterverhältnisse theoretisch bearbeiten [lässt].“11 Er bezeichnet somit eine Denkbewegung, eine kritische Haltung zum vorherrschenden Geschlechtssystem. Diese Kritik setzt nicht voraus, dass der oder diejenige, welche/r die Kritik übt, das vorherrschende System für sich persönlich als unerträglich begreift. Menschen, die glücklich heterosexuell leben, sind ebenso befähigt wie berechtigt, „das Themenfeld Sexualität und Geschlechterverhältnisse“ umfassend zu kritisieren. Die eigene Geschlechtsidentität bestmöglich und auffällig als queer lesbar zu machen, ist nicht Bedingung für die Auseinandersetzung. Queerforschung ist inklusiv, nicht exklusiv. Um queer zu denken, muss die Denkende in ihren persönlichen Ausdrucksformen nicht mit allen Vorstellungen von Geschlecht brechen, nach denen gelebt wird. Gebrochen werden muss jedoch mit dem Vorurteil, dass bestimmte geschlechtliche Identitäten und sexuelle Präferenzen auf fragloser Basis die Norm bilden und dass andere Vorstellungen, die dieser Normativität widersprechen, abgegrenzt oder gar für unnatürlich erklärt werden dürfen. Insofern wäre es falsch zu behaupten, dass der queer denkende Mensch nicht von den Grenzen, die unsere Geschlechtsnorm setzt, tangiert werden müsse oder gar dürfe, um Queer Studies betreiben zu können, denn diese Grenzen sind universell bedeutsam und gültig. Jedes Subjekt, egal wie es sich nennt und versteht, ist davon betroffen. Die Norm beherrscht uns alle, weshalb auch die Kritik dieser Norm jede Person etwas angeht.

Die Geschlechternorm, die das sexuelle Begehren zwischen Mann und Frau privilegiert und sich dabei auf patriarchalisch generierte Vorstellungen von ‚Männlichkeit‘ und ‚Weiblichkeit‘ beruft, wird als ‚Heteronormativität‘ bezeichnet. Sie steht im Fokus der Kritik. Die Kritik der Heteronormativität ist ein philosophischer Anspruch, den wir als neukantianisch bezeichnen können. Sie fordert unsere Geschlechterlogik heraus und erforscht den Geltungsbereich von Theorien über ‚Geschlecht‘ und ‚Sexualität‘ kritisch. Bei der Queertheorie geht es darum, die verborgenen Kräfte und Vorstellungen zu hinterfragen, die Geschlechtsidentität bedingen. Geschlechtsidentität und sexuelles Begehren beruhen auf Denkmustern und Dynamiken, die keineswegs selbstgewählt sind, sondern in die wir uns, mehr oder minder erfolgreich, einfügen. Die Freiheit, auch die geschlechtliche Freiheit, eines Menschen kann nur darin bestehen, sich über die Bedingungen seiner Weltorientierung, und in diesem Fall seiner sexuellen Orientierung, klar zu werden. Das, was wir authentisch zu begehren glauben, ist eingebunden in eine Geschichte und zwar in eine, die Heterosexuelle seit Langem dazu ermächtigt, sich als ‚normaler‘ zu empfinden als Menschen, die andere Begehrensformen ausleben oder deren Geschlechtsidentität nicht eindeutig ist. Diese Privilegierung allerdings beruht auf einer Ausblendung der Vielgestaltigkeit des Geschlechtlichen und des Begehrens. Zu glauben, dass Toleranz und intellektuelle Offenheit uns davon abhalten, von dem heteronormativen System geprägt zu sein, wäre naiv.

Читать дальше
Тёмная тема
Сбросить

Интервал:

Закладка:

Сделать

Похожие книги на «Queer lesen»

Представляем Вашему вниманию похожие книги на «Queer lesen» списком для выбора. Мы отобрали схожую по названию и смыслу литературу в надежде предоставить читателям больше вариантов отыскать новые, интересные, ещё непрочитанные произведения.


Отзывы о книге «Queer lesen»

Обсуждение, отзывы о книге «Queer lesen» и просто собственные мнения читателей. Оставьте ваши комментарии, напишите, что Вы думаете о произведении, его смысле или главных героях. Укажите что конкретно понравилось, а что нет, и почему Вы так считаете.

x