“Wauuu - das ist ja - oh Mann, so was habe ich ja noch nie erlebt - phantastisch - das glaubt uns kein Mensch” riefen Miriam, Luna und Max.
“Hallo Freunde - hier bin ich. Schön das ihr gekommen seid. - Gestatten, Bonalibona, seines Zeichens größter Zauberer und Magier der Filigraner Märchenwelt. Willkommen im Sternstaubdorf.”
“Also das ist - ja - wir wissen einfach nicht, was wir sagen sollen. Mann oh Mann, ist das eine Überraschung. - Und du, du bist Bonalibona, der große Zauberer und Magier?” wollte Luna wissen.
“Mit Verlaub meine Freunde, bei aller Bescheidenheit, ich bin es mit Leib und Seele!”
In der kleinen alten Gasse mit den alten, windschiefen Häusern kam Miriam, Luna und Max der Zauberer Bonalibona entgegen. Auf seinem Kopf trug er einen großen Hut mit einer Feder, und um seine Schultern hatte er einen goldenen Umhang geschlungen. Aus langen weiten Ärmeln ragten die Hände heraus, deren Finger von diamantenen Ringen nur so funkelten. Um seinen Leib wand sich ein breiter Ledergürtel, in dem ein Degen befestigt war. Auf seiner Nase saß eine Brille, hinter der zwei funkelnde, fröhliche Augen blitzten.
“Du - du bist wirklich der Zauberer?” fragten die Kinder ungläubig.
“Natürlich bin ich der Zauberer Bonalibona, wer sollte ich sonst sein? Wer sonst außer mir könnte solche Dinge vollbringen? Habt ihr eine Ahnung wo wir euch hier befindet? - Nein - woher auch. So etwas lernt ihr in der Schule nicht mehr - das ist nicht IN - oder so? Aber davon später. Da drüben, da steht mein Haus. Wenn ich bitten darf!”
“Was denn, in dieser Bruchbude wohnst du? Und das als Zauberer? Ist ja kaum zu glauben!” staunte Luna.
“Ach Max - ihr Menschen macht immer die gleichen Fehler. Ihr beurteilt das was ihr seht nach dem Schein und nicht nach seinem wahren Wert. - Warum falle ich auch immer wieder auf Kinder rein? - Sie sind nicht anders als ihre Eltern, kurzsichtig, überheblich und herablassend.”
“Sind wir nicht, sind wir nicht - bäh,” riefen die Kinder.
”So - und nun zeig uns dein Haus, wir wollen endlich wissen wie du wohnst. - Und noch was - wieso siehst du aus wie ein Fuchs?” fragte Max
“Wie ein Fuchs - ich sehe aus wie ein Fuchs? Ja - ja - ja das hat mir noch niemand gesagt. Das ist doch...”
“Rege dich bloß nicht schon wieder auf, wir mögen Füchse, weil sie schlau sind und sehr viele Tricks kennen. Außerdem siehst du sehr gut aus in deiner Kleidung” rief Miriam.
“Ach - wirklich - ich sehe gut aus? - Natürlich sehe ich gut aus, was habt ihr denn gedacht. Füchse haben Eleganz, Flair und diese natürliche Erhabenheit, die nur uns zu eigen ist. - Aber das mit den Tricks, das vergesst ganz schnell. Ich übe keine Tricks aus, sondern beste Zauberei. Ich habe Prüfungen abgelegt vor den höchsten Herren - und immer bestanden. - So - und nun tretet ein in mein bescheidenes Zuhause.”
Knarrend öffnete sich in dem alten windschiefen Haus die eichene Tür, vor dessen Eingang die Spinnweben im Dutzend herunter hingen.
“Entschuldigt, aber meine Haushilfe hat einen längeren Urlaub genommen. Die Gute steht seit dreihundertfünfundsiebzig Jahren in meinen Diensten. Da sind ein paar freie Tage durchaus gerecht."
"Hier und da ein wenig Staub gewischt, ein Fenster geöffnet, ein paar Blumen, und schon sieht die Welt wieder ganz anders aus. - Nehmt Platz meine Freunde, setzt euch und schließt für einen Augenblick die Augen. - So ist es recht. Aber nicht schummeln.”
Bonalibona holte aus seinem goldenen Mantel einen silbernen Stab heraus, zog ihn sachte dreimal durch die Luft und rief dann laut
“Salamanka - balanka - Karamanka”
Im gleichen Augenblick wurde aus dem alten windschiefen Haus mit den verstaubten Möbeln und schmutzigen Fenstern ein stattliches Anwesen, in dem es nur so blitzte und funkelte. An einem großen Tisch saßen Miriam, Luna und Max gemeinsam mit dem großen Zauberer Bonalibona, der wie ein König auf seinem Sessel thronte und sich über die Gesellschaft der Kinder freute.
“Wauuu - das ist ein Ding, so was habe ich ja noch nie gesehen. Das ist ja richtige Zauberei. Wie machst du das nur - komm - erzähle uns wie du Zaubern gelernt hast!”
baten die Freunde Miriam, Luna und Max den Zauberer Bonalibona.
“Hm - ihr wollt von mir wissen, wie ich zaubern gelernt habe? - Ich glaube, diesen Wunsch kann ich euch nicht erfüllen, denn das ist eines der geheimsten Geheimnisse aller Zauberer. Wer das preisgibt, verliert all seine Zauberkräfte und bleibt zeitlebens ein Ausgestoßener. Aber ich kann euch eine Geschichte oder zwei oder drei erzählen, und wenn ihr genau acht gebt, dann könnt ihr euch vielleicht vorstellen, wie zaubern geht. - Das ist alles, was ich euch dazu anbieten kann."
"Aber jetzt greift zu meine Freunde, esst und trinkt und lasst es euch gut gehen. Auf unsere Freundschaft. Möge sie für immer bestehen und niemals in Vergessenheit geraten.”
Die Freunde aßen und tranken, und als sie keinen Bissen und keinen Schluck mehr herunter bekamen, stand Bonalibona auf und nahm neben dem Kamin in einem großen Sessel Platz.
“Nach solch einem Festmahl rauche ich immer die Pfeife. Dann fallen mir ständig neue Geschichten ein, die ich meinen Freunden in unserer Gasse erzähle. Bald wird es Abend, dann werden die Laternen entzündet und aus den Häusern ertönt leise Musik oder der Gesang der Kinder, die ein Schlaflied singen. Kommt zu mir, ich will euch eine Geschichte erzählen, die Geschichte dieser Gasse und der alten Häuser. Ihr sollt erfahren, wie alles angefangen hat, damals, vor vielen hundert Jahren, als undurchdringlicher Urwald das Land bedeckte und die Sonne nur selten bis auf den Waldboden fiel. Hier an diesem Ort, wo heute die Häuser stehen, erhoben sich einst die Könige des Waldes, riesige Eichen, die mit ihren Kronen den Himmel berührten. Durch die Wälder streiften gewaltige Tiere, und in den Höhlen und Schluchten hausten furchterregende Drachen. - Ja - ja, so war das damals!”
Miriam, Luna und Max rückten ganz dicht zusammen und lauschten den Worten des großen Zauberers Bonalibona, aus dessen Pfeife dichter weißer Rauch stieg und das ganze Haus mit seinem Duft erfüllte.
“Und weiter - was war noch in diesen Wäldern?” flüsterten Miriam, Luna und Max.
“Was noch in den Wäldern war möchtet ihr wissen? - Dann passt gut auf, ich werde es euch erzählen. Und später werdet ihr alles vergessen und euch trotzdem daran erinnern, so wahr ich Bonalibona, der große Zauberer und Magier bin.”
Bonalibona lehnte sich in seinen Sessel zurück, nahm einen tiefen Zug aus seiner Pfeife und schloss langsam die Augen. Es wurde ganz still um Miriam, Luna und Max. Nur das Ticken der großen Standuhr hallte wie silbernes Plätschern durch den Raum.
“Vor langer, langer Zeit gab es hier nur Wald. So weit das Auge reichte bedeckten endlose Wälder den Boden der Welt. Wollten die Menschen den Himmel sehen, dann mussten sie an den Bäumen hinauf klettern bis in höchste Höhen. Dort brauste der Wind und riesige Adler bauten ihre Nester in die Äste der Urwaldriesen. Von Zeit zu Zeit stürzte ein Baum um, sei es aus Alter oder weil ihn der Blitz traf. Dann öffnete sich über dem dunklen Grund ein Fenster, durch das helles, leuchtendes Sonnenlicht bis in die Erde drang. An einem solchen Tage, als wieder einmal ein Sturm tobte und die Gewitter wie Wellen eines Meeres über die Welt jagten, da geschah es - plötzlich - furchtbar - gewaltig!!”
Miriam, Luna und Max zuckten zusammen und drückten sich so dicht aneinander, dass jeder des anderen Herz klopfen hörte.
“Wa - wa - was geschah denn - denn - so furchtbares?” stotterte Luna.
Bonalibona schmauchte den Tabak seiner Pfeife, fuhr leicht mit der Hand durch die Luft und legte seinen Mantel zurecht.
“Aus der Wolken tiefschwarzer Seele fuhr ein ungeheurer Blitz zur Erde nieder, heller und brennender als alle Blitze der Welt zusammen. Wie ein feuriges Schwert jagte sein flammender Atem durch die Luft - und dann -”
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