Wolf Schreiber (Hrsg.) - Kunst-Kurz

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Künstler*innen, Ausstellungen, Kulturorte, -szene und das «Drumherum» bieten Stoff für spannende Geschichten und literarische Auseinandersetzungen mit und über Künstler*innen, Protagonisten, Antagonisten, Visionen, Ängsten und Fragen.
Anlässlich des im Sommer 2019 zum zweiten Mal stattfindenden Kunstfestivals GIENNALE in Gießen sammelte der Künstler und Autor Wolf D. Schreiber hierzu Texte von Autor*innen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum, mit einem Schwerpunkt auf Kurzgeschichten.

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Das inkriminierte Bild mit dem Mond, vor dem sich Sarah widerwillig immer häufiger wiederfand (einfach um es zu kritisieren, dachte sie zunächst), war also ein absoluter Fremdkörper, aus einer unbegreiflichen Gnade oder Nachlässigkeit heraus hängengelassen. Aber irgendwann sollte Sarah der seltsamen Gedanke heimsuchen, es hätte da schon immer gehangen, jenseits aller Vormieter, wäre der eigentliche Bewohner, und der Rest hätte sich erst drumherum konstituiert.

Was Kendra wohl darüber dachte? Ob sie es überhaupt wahrnahm, die oh so fokussierte Kendra? Sarah hatte es nicht Affäre nennen wollen, für sich nannte sie es gegenseitige Begutachtung (körperlich und in einigen anderen Zusammenhängen), was K. vermutlich abscheulich fände, aber Sarah brauchte einen nüchternen, gewissermaßen technischen Begriff, einerseits weil es ihr ein Gefühl von abgeklärter Gegenwärtigkeit gab, andererseits wollte sie sich nicht zu nah, von romantischem Vokabular umflattert, darauf einlassen; jedenfalls war Zeit für eine Pause, und es war Kendras Idee mit dem Wohnungstausch (ein halbes Jahr plus Kontaktsperre!), und Sarah hatte zugestimmt, gerade weil es absurd war. Vielleicht hatte K. aber doch etwas gespürt, diesen – Magnetismus, diesen irgendwie ungesunden Sog, und warf Sarah bewusst einer noch unbekannten Macht zum Fraß vor. Sarah fand diesen Gedanken erregend. Sie hatte Kendra fokussiert genannt, aber gleichzeitig war sie kaputt. Auf geheimnisvolle und hübsche Weise kaputt, ein bisschen wie Jennifer Jason Leigh. Sie ließ sich auf dem etwas zu weichen, bei der sanftesten Bewegung leicht schmatzende Geräusche absondernden Ledersofa nieder, das jetzt in idealem Blickabstand zu dem Gemälde aufgestellt war, und machte sich auf die Reise. Heute würde sie vom Mond aus starten. Der Mond.

Früher hatte sie bei jeder Gelegenheit auf dieser Bank gesessen, früher, als es noch keiner übermenschlichen Anstrengung bedurfte, die Wohnung zu verlassen. Vielleicht war es der Anblick einer ersten Hummel vom Küchenfenster aus, gepaart mit dem Geruch von Spargelurin (ihrem eigenen, Nigel hatte ihr grünen vom Markt in Notting Hill mitgebracht), der ihr die Kraft gab, sich in den Frühling aufzuraffen und die Tube zum Park zu nehmen. Von hier aus konnte man mitten in der Stadt die Stadt völlig ausblenden und in ein bald pastorales Ambiente eintauchen, Kopfweiden, Schilfrohr, Schwäne, die von Zeit zu Zeit bösartige Geräusche ausstießen (ihrem Sofa nicht unähnlich), das volle Programm. Einmal hatte sie eine Schildkröte beobachtet und versucht, ihr Zeitlupendasein in sich aufzunehmen, Stunden verbrachte sie damit; ein anderes Mal hielt ihr jemand eine ziemlich große, silbrig schimmernde Muschel entgegen, die er angeblich aus dem Teich gezogen hatte. Aber ihr absoluter Favorit waren die Teichhühner, die, einem unbekannten Muster folgend, das Teichufer entlang irrlichterten (im Wasser waren sie so gut wie nie zu sehen, und wenn doch, sah es wie ein Versehen aus), irgendwie ähnelten sie Geheimnisträgern, nonchalante, verwirrte Todesengel. Sarah kam eine Geschichte in den Sinn, worin es um eine Art Hexenwettbewerb ging, und ein Zauber (es wurden wirklich erstaunliche Dinge gezaubert) bestand darin, Entenküken untergehen zu lassen. Total krank.

Krank sah auch der Typ aus, der sich jetzt der Bank näherte, ruckartige, koboldhafte Bewegungen, womöglich einem Bandscheibenleiden geschuldet, ein amateurhaft gefertigtes Batikshirt, Bermudashorts. Mein Gott, wehe, diese Kreatur spricht mich an. Aber Gott hatte ein Einsehen und ließ die Kreatur vorher abbiegen, und mit kosmischer Unbeholfenheit näherte sie sich dem Teichrand. Der Typ kniete nieder, als wollte er ein Gebet sprechen, und tunkte seinen hirnverbrannten Schädel in die entenkotgesättigte Flüssigkeit. Trank er etwa? Schnell steckte Sarah eine Salzmandel in den Mund (sie trug stets eine Tüte mit sich, etwas anderes bekam sie momentan kaum runter, na gut, der Spargel), damit ihr bei dem Gedanken nicht schlecht wurde. Oder war er Quasimodo als Narziß? Doch dann, nach längerer Beobachtung, begriff sie: Dies war eine Art Übergangsritual, von einem Element in das nächste, der Typ hatte sowas ähnliches wie ein Portal gefunden

Für eine Sekunde schloss Sarah die Augen. Sofort erschien die vertraute unheimliche Landschaft, wie hatte sie sie bloß jemals heiter nennen können, und sie begann sich zu kräuseln wie der Teich, und warum nicht auch einfach mal den Kopf hineintunken? Ein auf unangenehme Weise süßlicher Geruch breitete sich aus. Als Sarah die Augen wieder öffnete, war der Priester verschwunden und die Wasseroberfläche völlig glatt, wie eine Leinwand, bereit für den nächsten aufsehenerregenden Wasservogelstart. Sarah würde nie wieder in ihren Park zurückkehren. Auf der Rückfahrt in der U-Bahn saß ihr ein Inder mit einem übergroßen, freundlichen Gesicht gegenüber. Er schaute sie an, als würde er sie kennen, nur als jemand anderen.

Vor ihrer Haustür auf dem Trottoir erwartete sie eine obszöne Zeichnung, mit blauer Pastellkreide ausgeführt; wobei, von den Dimensionen her war die Zeichnung eher für die Augen von Göttern als die von Menschen bestimmt, erst vom zweiten Stock aus erkannte Sarah, was es darstellte. Vielleicht mögen die Götter ja das Obszöne, falls sie es erkennen.

Man hätte nichts merken müssen, und die meisten merkten auch nichts. Sarah funktionierte, sie applaudierte irgendwelchen Filmchen in den sozialen Netzwerken und reichte sie brav weiter. Es war für sie nicht ungewöhnlich, sich mehrere Wochen nicht blicken zu lassen, und ihre Freunde waren feinfühlig genug, eine verlängerte Winterdepression zu respektieren. Einmal hatte sie Gareth auf eine kleine Party in Islington mitgenommen, und Sarah kam sich sogar einigermaßen geistreich vor, obwohl sie sich fühlte, als müsste sie jede Bemerkung aus einem hunderte Meter tiefen Brunnen hervorholen. Sie brauchte eine Woche, um sich davon zu erholen. Es hätte sie nicht weiter gewundert, ein angegammeltes Kaninchen in ihrer Handtasche vorzufinden. Aber Kaninchen können auch Wegweiser sein. Es gibt fraglos Situationen, in denen nur noch ein Tier weiterhelfen kann, darum ist ihnen in dieser Geschichte ein Platz zugewiesen worden.

Die Exkursionen in das, was sie früher arglos ein Gemälde genannt hatte, als Obsession zu bezeichnen, hätte noch zuviel Platz für eine Distanziertheit gelassen. Gerade betrachtete sie die, wie es schien, einzige menschliche Gestalt in der ganzen Veranstaltung: einen Sikh mit, wie auch anders, verschränkten Armen und kunstvoll gestaltetem Turban, der vor der Mauer, die das gesamte Bild durchzog, postiert war wie ein Türsteher; allerdings konnte Sarah beim besten Willen keine Tür erkennen, sie hatte es aus quasi allen Perspektiven ausprobiert. Fast war sie froh: der Gedanke an eine Tür in der Mauer wäre zuviel für sie gewesen, bei all der Permissivität, die auch ohne Tür schon zu Tage trat. Jedes Mal, wenn ihr Blick den des Sikh traf, wendete sie sich ab. Ein Fleck auf dem Mauerwerk, von Glyzinien umrahmt, den sie früher übersehen hatte und der auf den ersten Blick als abstrakte, der Gesamtkomposition geschuldete Farbsprengsel durchgehen konnte, stellte sich als psychedelisches Plakat heraus, mit menschlichen Köpfen und angeberisch verschwurbelten Schriftzügen, eine Werbung eventuell für ein Event jenseits der Mauer? Und der gestrenge Sikh würde tatsächlich den Eingang kontrollieren? Würde Sarah vor seinen Augen Gnade finden?

Irgendwann fiel Sarah auf, dass sie sich noch nie gefragt hatte, wer der Urheber war. Immerhin handelte es sich um ein Original eines zwar deutlich epigonenhaften, aber doch handwerklich und gestalterisch begabten Künstlers. An manchen Stellen quoll einem die Farbe förmlich entgegen. Auch der versierte Nigel, der an mittelgroßen Auktionen mitarbeitete und sich eine lustlose Expertise abgerungen hatte (er hatte es, strangely enough, ein »Seestück« genannt, Sarah hatte da nicht nachgehakt), wollte diesbezüglich nicht spekulieren. Rechts unten, wo man die Signatur vermuten durfte, war zunächst nichts zu sehen; eine genauere Untersuchung brachte ein paar krümelartige Zeichen hervor, gewissermaßen im Unterholz verborgen, irgendwas zwischen Runen und Termiten. Reine Kaffeesatzleserei, daraus Initialen zu basteln. EAP? HPL? GKC? HGW? RLS? Nein, es waren nur zwei Zeichen... Das erste, da war Sarah sich jetzt sicher, konnte nur ein K sein, das zweite... Moment... es wäre zu grotesk... Fast schien es, als wäre das Zeichen lebendig geworden und würde sich heimtückisch zu dem Buchstaben formen, den Sarah am wenigsten sehen wollte, nicht sehen wollte, einfach um einen fernen absurden Verdacht zu zerstreuen, der aber gewissermaßen durch den Akt des Zerstreuenwollens erst entstanden war. Kein S. Kein S. Kein S.

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