Ich muss noch träumen, so etwas gibt es nicht. Im Hof wurde es rasch dunkler, und das schnelle Ergrauen der Umgebung erweckte bei Lisa den Anschein, als ob alle Farben aus den Dingen gesaugt würden. Nach und nach verblassten sie zu einem stumpfen Grauton. Es war wieder Nacht geworden.
Wie schnell die Zeit verflieg! Unheimlich! Die Geräusche verebbten zu dem konstanten Rauschen, bis es mit demselben blubbernden Gurgeln endete, das auch Robert Lang im selben Augenblick hörte. Lisa verharrte einen kurzen Moment im Dunkeln. Dann stolperte sie ins Schlafzimmer und kroch unter die Bettdecke, nachdem sie die Kerze auf ihrem Nachtkästchen in Brand gesetzt hatte. Ihre Müdigkeit war wie weggeblasen. Tausend Dinge gingen ihr durch den Kopf. Vor allem aber hatte sie Angst. Angst davor einzuschlafen, während sich die Welt um sie herum zu einem noch unfreundlicheren Ort verwandeln konnte, als er ohnehin schon war. Angst davor, welche Überraschungen noch auf sie warteten. Sie fühlte sich wieder wie das kleine Mädchen, das bei einem Gewitter zu den Eltern unter die Bettdecke kroch. So sehr sie das Tageslicht herbeisehnte, fürchtete sie sich gleichermaßen vor den Entdeckungen, die sie auf ihrer Erkundungsfahrt durch die Stadt machen würde. So lag sie im Bett und erwartete sehnsüchtig den Tagesanbruch, doch die restliche Zeit zog sich unbarmherzig in die Länge wie ein alter, zähelastischer Kaugummi. Die Nacht wollte einfach nicht zu Ende gehen. Lisa nahm ein Buch zur Hand und begann darin zu lesen, doch sie schweifte mit ihren Gedanken immer wieder ab, sodass sie gar nichts von dem Text mitbekam, den ihre Augen überflogen. Sie musste immer wieder von neuem beginnen. Schließlich kapitulierte sie und legte das Buch wieder weg.
Doch jede Nacht muss irgendwann einmal dem Tag weichen, und so ging auch diese zu Ende. Im Morgengrauen schleppte sie ihre müden Knochen ins Badezimmer und half ihrem Kreislauf durch eine kalte Dusche auf die Sprünge. Es war zwar nicht gerade die angenehmste Art und Weise, sich auf die kommenden Ereignisse vorzubereiten, doch die wirkungsvollste und momentan einzige Alternative, die sich bot.
Auch wenn sie sich lieber wieder in ihrem Bett verkrochen hätte, wusste sie, dass das keine Lösung war. Sie musste unbedingt herausfinden, was geschehen war und wer die Signale abgegeben hatte. Sie musste andere Menschen finden!
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