Schneegestöber jault durch die Wohnung,
Ein Buch nach dem anderen verheizt der Dichter,
Um nicht zu erfrieren.
Er, der jede dieser Zeilen kennt,
Wärmt sich so am Feuer
Seines einzigen Hab und Guts.
Und das geschieht wieder
Auf dem berglandschaftlichen Balkan,
In der Stadt Sarajevo,
Im zwanzigsten Jahrhundert.
Im Tausch für sein Leben,
In einer kalten Wohnung,
Verheizt ein Dichter
Sein letztes Hab und Gut.
Übersetzung: Emina Kamber
Bosnisches Original
Zovu nas izbjeglice.
Pobjegli smo od zla
koje ne razumijem.
Ja sam dječak.
Sve moje igračke, drugovi,
baba i tetke
nepovratno su daleko.
Izađem napolje i pokušavam
da prebolim.
– Ulazi u kuću!
Znaš da se gospođa Henzelovca ljuti
kada se skače po dvorištu – viče mama.
Ja uđem poslušno,
stanem kod prozora
i gledam krovove
ptice i oblake…
Da li su isti kao u Bosni?
– Makni se od prozora!
Navuci zavjese! – govori mati.
Znaš šta nam je rekla
gospođa Henzelovca.
U Bosni
u dvorište
i na prozor
ne smiješ od snajperista,
ovdje od gospođe Henzelovce.
Jebem ti život!
Telegram
Telegram majci
po ptici selici
šaljem
(odavno nema veza)
mahni joj, ptico,
prijateljice,
letiš li iznad Breza.
Živi smo, ipak,
ne plači, mila –
nada je još u Bogu.
Pozdravi sve,
molim za sve,
to je sve
što mogu.
Moja se braća
mrko pogledaše
preko svojih plotova.
Iznenada.
Smrče se nebo
i zgasnu duga iznad naših krovova.
Meni ništa ne govore
određeno
i ja pokušavam
DA RAZUMIJEM -
ako mogu.
Moja se braća,
kao tuđinci
za srca ujedoše.
Bez milosti.
Sunce se krvavo
rodi i zađe iznad naših bregova.
Meni ništa ne rekoše
određeno
i ja pokušavam
DA POMOGNEM -
ako mogu.
Moja se braća
protiv Čovjeka
i protiv Boga okrenuše.
Temeljito.
Mržnja prošiklja
i sve lijepo i sveto preplavi u našem sjećanju.
Meni ništa ne treba reći
za sva vremena.
Ja pokušavam
DA ZABORAVIM
I DA OPROSTIM.
Ako mogu.
I ovo se događa opet
na brdovitom Balkanu,
u Sarajevu gradu, u dvadesetom vijeku
književnik loži knjige
u svom studenom stanu,
u zamjenu za život - loži Biblioteku.
Napolju smrt i mržnja
napolju rat i led,
ložio sve što ima -
na knjige došao red.
A kako knjigu u peć,
sam se sa sobom bori,
kako Tolstoja gurnuti
u vatru da izgori?
Kako Andrića, Mešu, Dostojevskog i Mana,
kad je planeta riječju njihovom obasjana,
kako Hesea silnog, kako Gintera Grasa?!
Ali, oni su sada jedina slamka spasa...
Kako ložiti pamet i kolektivnu dušu?
Al' stud u kosti ušla,
zimski vjetrovi pušu,
mećava kroz stan vije
i pisac knjigu po knjigu
loži da se ogrije.
On, koji poznaje muku
svakog stvorenog retka,
grije se tako na vatri
svog jedinog imetka.
I to se događa opet
na brdovitom Balkanu,
u Sarajevu gradu,
u dvadesetom vijeku,
u zamjenu za život
u svom studenom stanu,
Književnik jedan loži
vlastitu Biblioteku.
(Foto: Hussein Al Zaher)
Hussam Al Zaher: Geschichte des Menschen, der ein Flüchtling sein musste oder: Wir sind keine Dämonen und die Deutschen keine Engel
Ich bin ein Mensch auf der Welt, aber leider bin ich auch ein Flüchtling, und auf Deutsch gibt es nur einen Flüchtling (männlich), nicht eine Flüchtlingin (weiblich), ich weiß nicht warum, aber auf Deutsch muss der Flüchtling ein Mann sein. Eine Freundin hat mir gesagt: „Seit sehr langer Zeit gibt es alle Worte mit ling am Ende nur als männliches Substantiv. Es bezeichnet damit aber kein bestimmtes Geschlecht - beim Säugling sind es ja auch männliche und weibliche Säuglinge.“
Kritik am Suffix „ling“: Es verdinglicht! Als wäre es ein „Geflüchteter“, und ich glaube, wenn das Wort einen männlichen Artikel hat, dann bedeutet das „Mann“ und nicht „man“. Männlicher Artikel, das bedeutet, die deutsche Sprache hat keine Gleichberechtigung, wie alle anderen Sprachen. Und ich bin ein Mann, und viele Deutsche haben gefragt, warum sind die meisten Geflüchteten Männer?
Ich sage, weil unsere Frauen Angst vor dem Meere haben. Zu Hause konnten sie nicht mit dem Boot auf dem Meer fahren, und sie mussten nicht zur Armee gehen, und sie blieben bei unseren Kindern, und wir fuhren mit dem Boot auf das Meer, und danach sollten unsere Familien mit dem Flugzeug kommen, weil die Geflüchteten das Recht auf die Zusammenführung hätten. Aber fast einer Million Geflüchteter wurde dieses Recht von der Regierung verwehrt.
Ich komme aus der Zivilisation. Aber das war in unserer Geschichte vor 500 Jahren. Jetzt komme ich aus dem Krieg in Syrien. Mein Land ist die Wiege der Zivilisation. Dort wurde die erste Zivilisation der Menschheit geboren, und seither hat Syrien viele Zivilisationen erlebt, von den Hyksos, den Pharaonen, dem Königreich Aram Damaskus, über das assyrische Reich, die babylonische Kultur, byzantinische Zivilisation bis zu den islamischen Zivilisationen. Und weil alle unsere Namen eine Bedeutung haben: „Der Name Syrien kommt aus dem Griechischen, das wahrscheinlich den alten Namen Assur übernommen hat. Nach Ansicht einiger Forscher ist der Name hingegen nicht von Assyria abgeleitet, sondern von Tyros (Sūr). In der Antike und im Mittelalter bezeichnete Syrien ein erheblich größeres Gebiet als den heutigen Staat, nämlich in etwa die Region zwischen Mittelmeer, Taurus, Arabien und Mesopotamien. Die syrische Sprache, das Ostaramäische, war sogar noch weiter verbreitet.“ (Wikipedia)
Oder „Syrien“ kommt aus dem Sanskrit. Das bezeichnet die verschiedenen Varietäten des Alt-Indischen. Die älteste Form ist die Sprache der Veden, einer Sammlung religiöser mündlicher Überlieferungen im Hinduismus. Ihre Entstehung wird auf 1200 v. Chr. datiert (laut Wikipeda). Und „Syrien“ bedeutet im Sanskrit „die Sommer“, das meint, ein tolles Wetter, fast immer warm, aber leider gibt es nicht so viel Regen wie in Hamburg, der Stadt des Regens.
In Syrien gibt es alles, was es hier in Deutschland gibt, also Syrien ist ein Land wie Deutschland, dort werden Autos gebaut, man hat Rundfunksender und Verlage, aber wir haben keine Freiheit. Wir haben Tritte, eine Diktatur. Eine Diktatur unserer Präsidenten und unserer Religion und unserer Traditionen. Ich weiß nicht, wer der erste Diktator war, aber immer benutzten unsere Herrscher die Religion, um für immer auf unserer Brust zu bleiben.
Auch heutzutage unterstützt unsere Religion die Regierung. Wir wurden vom Politiksystem, der Religion und den Traditionen in das Gefängnis des Dreiecks gesteckt. Weil wir die Freiheit gefordert und dafür gebetet haben, ist uns der Krieg von unserer Regierung aufgezwungen worden. Unsere Religion hat zwei unterschiedliche Meinungen dazu, ein Teil der Religionsführer, die auf Seiten der Regierung stehen, hat bestimmt: „Gott und der Prophet haben gesagt, dass wir zu unserer Regierung halten und sie unterstützten.“ Aber der andere Teil der Religionsführer hat bestimmt: „Gott und der Prophet haben gesagt, dass wir gegen unsere Regierung aufstehen und kämpfen müssen.“
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