„Ja Chef. Vielen Dank. Ich werde Sie nicht enttäuschen und verspreche, mein Bestes zu geben.“
„Was wollte denn der Chef von dir? Habt ihr einen Weg gefunden?“
„Ja, alles wird gut. Leider darf ich nicht darüber reden, tut mir leid.“
„Nora! Verena! Hier vorne spielt die Musik. Ich dachte, wir hätten uns inzwischen verstanden.“
„Du bist gemein Kassandra. Immer hackst du auf Verena rum. Sie hat ihre Strafe bekommen, also was soll das? Hättest du Maria nicht verstoßen, wäre das alles doch gar nicht passiert.“ Verena sah Nora mit aufgerissenen Augen an. Ihre Freundin war eindeutig zu weit gegangen. Kassandra war blass geworden.
„Raus! Alle beide! Verschwindet! Ich will euch heute nicht mehr sehen. Ihr habt beide Stubenarrest.“
„Das ist total unfair. Verena hat nichts gemacht. Du bist einfach nur gemein, aber du wirst schon sehen, was du davon hast.“ Wütend stand Nora auf und zog Verena hinter sich her.
„Nora, was soll ich jetzt machen? Ich wollte doch zu Maria.“
„Genau da gehen wir jetzt auch hin. Sie ist die Einzige, die Kassandra zur Vernunft bringen kann. Inzwischen geht mir das alles richtig auf den Keks. Das Ganze ist ewig her.“
„Nora, ich kann dich nicht mitnehmen. Wenn der Chef das erfährt, bekomme ich sonst wieder Ärger.“
„Quatsch, entspann dich. Jemand sollte dich begleiten. Lass uns zuerst schauen, wie wir an Maria rankommen.“
„Was, wenn sie mir nicht verzeiht? Ich meine, ich hätte sie fast getötet.
„Wenn sie dir nicht verzeiht, werden wir ihr zeigen, was du durchgemacht hast und wenn sie ist, wie in ihrem Buch, wirst du damit ihr Herz erweichen. Ich kann und will es mir nicht weiter mit ansehen, wie du dich quälst. Komm endlich, bevor der Plan schon vor dem Anfang scheitert.“
„Schau mal. Da ist sie. Das auf ihrem Schoss ist Juno. Du weißt schon. Die Juno aus dem Buch. Sie müsste jetzt sechs Jahre alt sein.“
„Was machen die denn da? Es sieht aus, als ob sie sich ein Buch ansehen würden. Lass uns rüber gehen.“
„Wir können da nicht einfach reinplatzen, Nora. Juno bekommt ja einen Schock fürs Leben. Ich glaube nicht, dass ihre Mutter es toll findet, wenn wir ihr Kind erschrecken.“
„Vielleicht hast du recht. Wie wäre es, wenn wir uns mit Juno anfreunden und so an Maria rankommen?“
„Dazu wird die Zeit leider nicht reichen. Ich habe die Kräfte nur für eine Woche und ich möchte nicht wieder was falsch machen.“
„Verena, hör endlich auf, dir selbst Vorwürfe zu machen. Wer ist denn die Kleine da?“ Nora deutete auf das Haus, aus dem ein Mädchen gerannt kam.
„Das muss Kasi sein. Scheinbar will sie was von Juno, aber die scheint keine Lust zu haben. Sie geht nach dort hinten.“
„Na los, hinterher. Wenn wir keinen Kontakt zu ihr aufnehmen, wird das nichts. Lauf schneller.“
Beide folgten Juno in den Stall und sahen dabei zu, wie sie in Windeseile ihr Pony sattelte.
„Ach Wirbelwind. Ich habe Kasi ja echt lieb, aber es kann echt anstrengend sein, wenn man eine kleine Schwester hat. Immer will sie in meiner Nähe sein. Verstehst du das?“ Das Pony schnaubte leise und knabberte an Junos Jacke. Juno schwang sich in den Sattel und galoppierte los.
„Mist, sie ist weg. Schnell, wir folgen ihr. Vielleicht ergibt sich dann eine Gelegenheit“, rief Nora. Inzwischen ritt Juno über die Felder in Richtung Wald. Sie genoss die Freiheit und den Wind in ihrem Gesicht.
„Was machen wir hier? Es ist dunkel und ziemlich kalt. Können wir uns nicht woanders verstecken?“
„Verena, hör bitte auf zu meckern. Hier in der Höhle sind wir nah dran und sie kann uns nicht sehen, das ist doch perfekt, oder hast du eine bessere Idee“, flüsterte Nora.
„Nein, aber trotzdem gefällt es mir hier nicht. Wir können ja nicht aus der Höhle springen und sie ansprechen, dann fällt sie vor Schreck vom Pony und Maria wird mich für immer hassen.“
„Niemand hasst dich. OK, Kassandra schon, aber das wird sich ändern, wenn Maria deine Entschuldigung angenommen hat. Lass uns hier erst mal rauslaufen.“ In dem Moment ertönte ein lauter Knall.
„Verdammt, was war das? Wo kam das her?“ Nora, sah schuldbewusst auf ihre Schuhspitzen.
„Es tut mir leid. Ich hatte Knallfrösche in meiner Tasche und einer ist rausgefallen. Es tut mir leid. Bitte entschuldige.“ Ein Schrei lenkte sie von ihrem Gespräch ab, Sie schauten hinaus und sahen, wie Wirbelwind scheute und Juno in hohem Bogen abgeworfen wurde. Bewusstlos blieb das Mädchen liegen. Verena wollten sofort zu ihr laufen, aber Nora hielt sie zurück.
„Warte. Wenn wir hier entdeckt werden, ist die Hölle los. Schau, da ist Aurora, ihr Schutzengel. Stell dir vor, sie hätte uns gesehen. Wir müssen hier verschwinden. Lass es uns bei der anderen Tochter versuchen.“
„Aber nicht mehr heute. Wir müssen zurück, sonst gibt es wieder Theater. Vergiss nicht, eigentlich haben wir Stubenarrest. Ich hoffe nur, dass Juno nichts passiert ist.“
„Papa, ich bin wieder da.“ Juno kuschelte sich in die Arme ihres Vaters.
„Können wir gleich losgehen und die Zäune ansehen? Ich möchte nicht, dass einem unserer Tiere etwas passiert.“
„Engelchen, ich möchte, dass wir zuerst Frühstücken und dann gehen wir los.“
„Ach bitte, Papa! Wir können uns ja ein paar Brote für unterwegs einpacken und dann später essen. Ich mache mir wirklich Sorgen.“ Johannes sah seine Tochter stolz an. Immer dachte sie an alle anderen zuerst. Das hatte sie eindeutig von seiner Frau. Er holte seinen Wanderrucksack und packte das Frühstück ein.
„Von mir aus können wir los, Juno. Bist du dir sicher, dass du solch einen Ausflug schaffst?“
„Klar Papa, kein Problem, mir geht es wieder richtig gut, ehrlich. Wenn ich nicht, mehr kann, machen wir eben eine Pause. Als erstes sollten wir an die Stelle gehen, an der Wirbelwind mich abgeschmissen hat. Ich denke, dort werden wir am schnellsten Hinweise finden.“ Johannes stieg ins Auto und fuhr mit seiner Tochter an den Waldrand.
„Weißt du, wo genau du gestürzt bist?“ Juno nahm ihren Vater an die Hand und führte ihn an die Stelle.
„Genau hier war es. Da bin ich mir sicher und der Knall kam von da drüben.“ Sie deutete in die Richtung der Höhle. Johannes nahm sie auf den Arm und lief mit ihr dort hin. Als sie vor dem Eingang standen, stellte er seine Tochter wieder auf die Füße.
„Ich möchte, dass du hier draußen wartest. Ich werde mich da drin umsehen.“ Er holte die Taschenlampe aus seinem Rucksack. Juno hielt ihn am Arm fest.
„Papa, bitte lass mich nicht allein hier draußen.“ In ihrer Stimme hörte er Panik.
„Also gut, aber du bleibst direkt neben mir.“ Johannes leuchtete in den Gang und tastete sich vorsichtig einen Schritt nach dem anderen voran.
„Papa, warum habe ich die Höhle noch nie zuvor gesehen? Sie gehört doch zu unserem Grundstück.“
„Ich kenne sie auch noch nicht. Schau, da drüben sind einige kleine Felsen. Langsam näherten sie sich.“
„Papa, was ist das?“ Juno deutete auf einen weißen Schnipsel, der auf dem Boden lag. Johannes ging näher ran und nahm ihn in die Hand.
„Das ist ein Knallfrosch. Vermutlich war es das, was du gehört hast. Durch den Hall klang es wie ein Schuss.“
„Das bedeutet, dass jemand hier war. Aber wer? Und warum? Lass uns bitte die Zäune kontrollieren. Irgendwie muss die Person ja hierhergekommen sein.“ Als Juno und Johannes einige Stunden später nach Hause kamen, wurden sie von Maria schon erwartet.
„Habt ihr was gefunden?“, fragte sie gespannt, während sie ihrer Tochter aus ihrer Jacke half.
„Allerdings. Wir haben das ganze Gelände überprüft und nirgendwo ist auch nur das kleinste Loch im Zaun. Dafür haben wir in einer Höhle die Überreste eines Knallfrosches entdeckt.“
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