1 ...7 8 9 11 12 13 ...23 „Wir haben zu reden!“ Holster faltete die Hände und stellte sie unter sein Kinn. Ohne, dass er ihm einen Stuhl anbot, fuhr der Kardinal fort. „Haben Sie heute schon Zeitung gelesen?“
„Nein das habe ich noch nicht.“
Er konnte diesen Mann auf den Tod nicht leiden, aber er musste sich mit ihm abgeben, er hatte keine andere Wahl, so wie sie alle keine andere Wahl hatten. Trotz seiner Einfältigkeit hatte es Kardinal Holster wohl gelernt seine Seele, seine Gedanken und seine Emotionen zu schützen, Cale fühlte nur noch Leere.
„Dann sollten Sie jetzt einmal einen Blick hineinwerfen.“ Er schmiss Caleb eine Tageszeitung über den Tisch und tippte mit dem Finger auf die Titelseite:
Kunstmörder haben wieder zugeschlagen junge Frau bangte um ihr Leben! Gestern Abend wurde einer unserer Reporter Zeuge eines der bisher wohl grausamsten Überfälle der Kunstmörder. Sie stürmten die groß angelegte Präsentation des Kunstmäzens Jean LeValet und veranstalteten ein regelrechtes Blutbad. Die Eindringlinge verwüsteten die Räumlichkeiten und verletzten den bedeutendsten Kunsthändler und Sammler, Europas schwer. Lesen Sie auf Seite zwei, was unser Mann am Ort des Geschehens beobachtet hat und was für grauenvolle Dinge sich im Arbeitszimmer abgespielt haben, deren Zeuge eine junge Frau wurde, die versteckt alles mit ansehen musste.
Caleb schlug die zweite Seite auf und überflog den Artikel. Der Reporter, der eigentlich über die Ausstellung berichten wollte, hatte ein Gespräch zwischen einer Frau und einem Polizisten mit angehört. Sie hatte erzählt, was sie während des Überfalls und dem Angriff auf Monsieur LeValet mitbekommen hatte. Der Reporter gab beinahe jede kleine Einzelheit wieder, die sich ereignet hatte, natürlich mit einer gehörigen Portion Sensationsjournalismus. Er war nun bemüht eine Stellungnahme der Polizei zu bekommen und ein Interview mit der Frau.
Caleb schaute von der Zeitung auf, er wusste, er hatte einen Fehler gemacht, er hätte sie töten sollen.
„So etwas darf nicht passieren!“ Kardinal Holsters Gesicht war rot vor Zorn, eine Ader auf seiner Stirn trat hervor. „Sie werden die Konsequenz zu tragen haben!“
„Kardinal“, Pater Nathan meldete sich zu Wort, „ich denke, dass sich Caleb etwas dabei gedacht hat, als er die Frau am Leben gelassen hat. Geben Sie ihm die Möglichkeit seinen Fehler wieder gut zu machen, bisher hat er hervorragende Dienste geleistet.“
Wieso sprach Nathan für ihn? Wieso war er hier, hatte die Kirche denn immer noch nicht verstanden? Der Kardinal schaute ihn eine Weile an und schien zu überlegen, dann räusperte er sich. „Nun gut, der Pater hat recht. Immerhin haben wir es Ihnen zu verdanken, dass ein Teil der Gegenstände, die uns gestohlen wurden, in unseren Besitz zurückgekehrt sind. Auch sonst haben Sie sich, soweit ich weiß, immer korrekt verhalten, Sie bekommen Ihre Chance. Verhindern Sie, dass man auf Sie und uns aufmerksam wird.“ „Ich werde diese Frau finden und tun, was getan werden muss.“
Caleb musste sich bemühen seine Wut unter Kontrolle zu halten. Was fiel diesem einfältigen Mann ein so mit ihm zu reden, er hätte ihn am liebsten den Hals umgedreht. Seine Augen glühten bedrohlich, was den Kardinal jedoch in keiner Weise beeindruckte. Was wollte er denn tun? Ihn töten? Und dann?
„Das will ich Ihnen auch raten! Gehen Sie!“ Der Kardinal wandte sich von den beiden ab.
Als Caleb und Nathan den Flur vor dem Büro betraten und die Tür hinter ihnen geschlossen war, sprach sein Freund leise zu ihm. „Gabriel du musst vorsichtig sein! Unsere Zeit wird kommen, aber mache jetzt keine Fehler, bitte!“
Sie gingen die Treppe hinunter zum Ausgang.
„Wie willst du die Frau finden?“
„Ich habe sie schon gefunden.“ Calebs Augen funkelten böse.
Natascha fuhr mit Tom zum Potsdamer Platz in die Räume von LeValet. Es war ihr gar nicht wohl als sie sie wieder betrat, sie musste erst einmal tief durchatmen. Spezialisten waren bemüht, die Exponate zu ordnen und zu verpacken. Sie sollten erst einmal in ein Museum gebracht und dort verwahrt werden. Alles wurde katalogisiert und in Luftpolsterfolie gewickelt in Holzkisten mit Holzwolle gelegt. Tascha half so gut sie konnte und war traurig darüber wie beschädigt die Objekte waren. Es tat ihr im Herzen weh, aber so konnte sie sich einen ersten Überblick verschaffen, welche Teile gestohlen worden waren.
Sie hielt gerade das Buch Diavolis , oder das, was von ihm übrig war, in den Händen als Tom an sie herantrat.
„Was ist mit dem Ding geschehen?“ Er schaute auf die Fetzen in ihren Fingern.
„Sieht fast so aus als hätten sie Säure darüber gekippt, es ist total zerstört, unwiderruflich vernichtet. Warum haben diese Kerle es nicht einfach mitgenommen, warum mussten sie es kaputtmachen?“
Tom zuckte mit den Schultern und Natascha legte die übrig gebliebenen Reste in eine durchsichtige Tüte und verschloss sie mit einem Klebestreifen.
„Es ist furchtbar!“, Natascha schaute von ihrem Salat auf, den sie sich in dem kleinen italienischen Lokal bestellt hatte, in dem sie und Tom zu Mittag aßen.
„Sie haben so viel kaputtgemacht.“
Sie griff zu ihrem Glas mit Cola und trank einen Schluck. Tom kaute an einem großen Stück Salamipizza. Sie wusste, dass ihn die Exponate nur sehr wenig interessierten, wichtiger war ihm die Klärung dieses Falls.
„Ist eigentlich etwas bei der Schließfach Sache herausgekommen? Was hat LeValet dort aufbewahrt?“
„Keine Ahnung, es wurden sofort Leute losgeschickt. Ein paar sind bei der Bank und behalten sie im Auge und zwei Beamte sind zu der Adresse des Direktors gefahren. Wie sich aber herausgestellt hat, ist der im Urlaub und wird erst heute im Laufe des Tages zurück erwartet. Seine Stellvertreterin ist nicht aufzutreiben. Sie steht kurz vor ihrer Hochzeit und ist bestimmt mit den Vorbereitungen beschäftigt. Wir versuchen nun über die Wachfirma in die Bank zu kommen, um uns das Schließfach anzuschauen. Die Bank ist heute geschlossen, ist eine ganz feine Bank, nur für erlesene Personen mit dickem Konto.“
Er schob sich ein weiteres Stück Pizza in den Mund, als sein Handy klingelte.
Es war etwa 13.00 Uhr als Tom und Natascha das Büro betraten. Ryan hatte sich vor den anwesenden Beamten aufgebaut und hob die Hand zum Zeichen, dass er Ruhe haben wollte.
„Also ich möchte euch mitteilen, dass der Bankdirektor seinen Urlaub beendet hat und uns sofort Zugang zu dem Raum mit dem Schließfach von Monsieur LeValet verschafft hat. Zu unserem Erstaunen war aber schon jemand dort. Seine Stellvertreterin Frau Seidler lag gefesselt im Tresorraum.“ Ein Raunen ging durch die Beamten.
„Das Schließfach war leer. Frau Seidler erzählte, dass sie gestern, spät abends den Club in dem sie ihren Junggesellenabschied gefeiert hat, mit einem Mann verlassen hat. Dieser hatte behauptete ihr Auto beschädigt zu haben. Auf dem Parkplatz wurde sie überwältigt und in einen Wagen gezogen. Man zwang sie den Tresorraum in dem sich die Fächer befinden zu öffnen, dann ließen die Kerle sie dort zurück. Leider konnte sie keinen der Männer beschreiben und auch ihre Freundinnen, die mit ihr im Club gefeiert haben, konnten sich nicht an das Aussehen des Mannes erinnern. Sie wussten nur, dass er recht groß war und gut aussehend. Als Frau Seidler nicht zurückkehrte, dachten die Freundinnen das gehöre zu der Feier, so ähnlich wie eine Brautentführung. Sie amüsierten sich noch eine Weile und gingen nach Hause, niemand machte sich Gedanken. Die Beamten, die wir vor der Bank postiert hatten, haben nicht bemerkt, dass sie jemand betreten hat, auch sonst niemand hat irgendetwas beobachtet. Wir sind also genauso beschissen dran wie vorher. Leute, wir brauchen Ergebnisse, so kann es nicht weiter gehen. Da halten uns ein paar Kriminelle zum Narren und ich weiß nicht, wie sie das alles anstellen, außerdem sind sie Polizistenmörder!“
Читать дальше