»Tja, ohne Geld kommt man heutzutage nicht mehr weit. Gefällt es euch in Stuttgart?«
»Ja, aber ob wir dort auch endgültig bleiben werden, wissen wir noch nicht. Das hängt davon ab, wo wir eine gute Anstellung finden. Friedrich ist Ingenieur und ich will nach der Promotion auch nicht einfach zu Hause herumsitzen.«
»Klar. Wie hast du ihn denn kennengelernt?«
»Auf einer Party. Ich wurde von Freunden zu einer Party eingeladen und er war auch dort. Da haben wir uns kennengelernt.«
»Wusstest du dann gleich, dass er der Richtige ist?«
»Wie soll ich das sagen. Wir haben uns den ganzen Abend gut unterhalten. Stundenlang. Und dann sind wir nach Hause gegangen. Wie es bei Ihm war weiß ich nicht, aber bei mir kam das dann später, so zwei bis drei Wochen später. Wir haben uns während dieser Zeit nicht mehr gesehen. Aber irgendwie fühlte ich mich zu Ihm hingezogen. Ich dachte sehr viel an ihn. Und, ich weiß nicht, wie ich das sagen soll, aber ich hatte auch immer das Gefühl, dass er an mich denkt. Du denkst, du hast einen Schluckauf, aber das ist es nicht, es denkt jemand ganz fest an dich. Und zwar im Guten. Ja, dann habe ich ihn zufällig in einem Supermarkt wieder getroffen, und da hat es dann gefunkt. Dann haben wir uns regelmäßig verabredet, tja, und jetzt sind wir zusammen.«
»Das ist schön. Mein Glückwunsch. Ich glaube den richtigen Partner zu finden ist das größte Glück auf Erden. Eine Familie, Kinder, das muss schön sein.«
»Ja, Geld ist nicht so wichtig. Und man muss sich auch nicht gleich in Liebeserklärungen verlieren. Man fühlt, dass man geliebt wird, man weiß es regelrecht, ohne dass es der andere sagt.«
»Das glaube ich auch. Aber Menschen machen halt auch Fehler. Und man muss halt auch jemanden finden, der einem so nimmt wie man ist.«
»Es gibt Menschen, die sagen: Liebe heißt, jemanden so nehmen wie man ist. Aber das ist nicht ganz richtig.«
»Warum nicht?«
»Ich glaube, es trifft eher zu wenn man sagt: Wer geliebt werden will muss lieben.«
»Wo ist da der Unterschied?«
»Wenn du jemanden liebst, und der andere besteht darauf, dass du ihn nimmst wie er ist, kann er sich mit der Zeit in ein Monster verwandeln. Und er bildet sich dann immer noch ein, wenn du ihn liebst, musst du alles ertragen und erdulden. Er kann dich schlagen, demütigen und beleidigen und erwartet von dir weiterhin, dass du ihn liebst. Das ist doch nicht richtig. Wenn er von dir geliebt werden will, muss er dich lieben, und zwar so, wie du es dir vorstellst. Und das ganze muss auf Gegenseitigkeit beruhen. Ich meine, dann funktioniert's.«
»Stimmt. Da hast du recht«, sagte Verena und sie ritten eine Weile schweigend nebeneinander her.
»Auf der Party wo ich war, also, bei denen hat das mit der Liebe auch etwas länger gedauert, obwohl sie vom ersten Tag an ineinander verliebt waren.«
»Wie denn das?«
»Die waren etwas schüchtern und haben sich nicht gleich offenbart. Aber da sie fühlten, dass sie zueinander Zuneigung hatten, war auch keine Eile geboten. In einem solchen Fall kann niemand dritter dazwischen funken. So haben sie es zumindest an diesem Abend erzählt. Über ein halbes Jahr hat es gedauert, bis sie sich ihre Liebe eingestanden haben. Und jetzt sind sie seit vier Jahren verheiratet und haben zwei süße kleine Kinder.«
»Ich glaube auch, dass, wenn man sich liebt, dass das der andere ohne viele Worte erkennen kann. Vielleicht ist das so eine Art der Telepathie.«
»Wer weiß, was sich da abspielt. Ich glaube, wenn Friedrich sich einer anderen Frau zuwenden würde, würde ich das fühlen, ohne dass ich da irgendwie Beweise bräuchte. Und ich glaube, ihm würde es genau so gehen. Seltsam.«
Verena und Nicole ritten langsam nebeneinander her und Nero rannte voraus, machte kehrt, und kam wieder zurück. So tollte er einige Male herum, bis er wieder im Gleichschritt neben den beiden Pferden herlief, obwohl ihm das Tempo eindeutig zu langsam war.
»Gehst du als abends weg?«, fragte Nicole, um Verena nicht direkt fragen zu müssen, ob sich eine Beziehung anbahnt.
»Selten. Ab und zu mal mit Kollegen, aber sonst eigentlich nicht. Ich mag nicht alleine irgendwo hingehen. Und weggehen, um gezielt nach jemanden Ausschau zu halten, davon halte ich auch nichts.«
»Mit Kollegen ist das immer doof. Das ist eine geschlossene Gesellschaft. Das beste sind wirklich private Partys.«
»Naja, was soll's, mal abwarten.«
Und sie ritten schweigsam weiter. Die Sonne hatte an diesem Maitag die Luft angenehm erwärmt und der erfrischende Duft der Bäume und Blüten lag wie ein angenehmer Schleier in der Luft.
»Die Pferde fehlen mir als sehr«, sagte Nicole. »Beim Reiten kann ich mich so schön entspannen. Das macht mir den Kopf richtig frei.«
»Mir geht es genauso. Aber nach einer Weile hänge ich dann doch wieder meinen Gedanken hinterher. So richtig abschalten kann ich gar nicht.«
»Ich kann das ganz gut. Wenn du die ganze Zeit in der Bibliothek verbringst, da raucht dir abends der Kopf. Ich freue mich dann richtig darauf, wenn ich dann wieder hierher kommen kann. Ein Wochenende hier ist für mich wie zwei Wochen Urlaub. Da kriege ich die Birne wieder richtig frei.«
Sabine kam ihnen entgegen geritten, wendete knapp vor ihnen und rief:
«Habt ihr 'nen Ackergaul unterm Hintern? Na los, gebt mal etwas Gas. Die Tiere wollen ja auch ihren Spaß haben.«
Und die drei ritten im flotten Galopp den Wirtschaftsweg entlang bis sie schließlich in einen angrenzenden Wald kamen. Und auch Nero scheint an diesem Tempo seine Freude gehabt zu haben. Er rannte nebenher, dann überholte er die Pferde und tobte sich auf den umliegenden Wiesen aus. Der Wald war sehr licht und Nero verschwand ab und zu im Wald, um dann weiter vorne wieder völlig unerwartet aufzutauchen. Nero kannte diese Gegend sehr gut, da er beim täglichen Ausritt von Nicoles Eltern immer mit dabei war.
Es war fast sieben Uhr als die drei zusammen mit Nero wieder zu Hause bei Nicole ankamen.
»Das hat mir jetzt richtig gut getan«, sagte Sabine.
»Sollen wir heute Abend noch was unternehmen, wenn wir schon mal hier sind? Wer weiß, wann sich die Gelegenheit mal wieder ergibt«, sagte Nicole.
Verena und Sabine stimmten zu und so trafen sie sich gegen neun Uhr wieder bei Nicole, um an diesem Abend etwas gemeinsam zu unternehmen. Sie ließen dann den Abend in einem Tanzlokal gemütlich ausklingen und fühlten sich in die gute alte Zeit zurückversetzt.
Конец ознакомительного фрагмента.
Текст предоставлен ООО «ЛитРес».
Прочитайте эту книгу целиком, купив полную легальную версию на ЛитРес.
Безопасно оплатить книгу можно банковской картой Visa, MasterCard, Maestro, со счета мобильного телефона, с платежного терминала, в салоне МТС или Связной, через PayPal, WebMoney, Яндекс.Деньги, QIWI Кошелек, бонусными картами или другим удобным Вам способом.