„Allein? Vergiss nicht, wer die Kontakte in Cheb hat und stell dich nicht so an, die paar Bilder.“
„Wenn sie dich erwischen und hochnehmen, kann ich darauf warten, wann sie bei mir vor der Tür stehen. Unsere gemeinsame Verbindung nachzuweisen ist dann das kleinste Problem. Du schrammst ständig knapp an der Insolvenz vorbei mit deiner Klitsche und hast nichts zu verlieren, lange nicht so viel wie ich.“
Mit verfinstertem Gesicht blickte er stur nach vorn. Er betätigte den rechten Blinker und fuhr in einer langgezogenen Kurve auf die Autobahn. Lange Zeit sprach niemand von ihnen, beide hingen ihren Gedanken nach. Finkenwerder ärgerte sich, dass Leuschner die einfachsten, aber wichtigsten Sicherheitsregeln missachtete. Er dachte über Alternativen nach. In einem Punkt musste er Leuschner recht geben, er besaß die Kontakte in Cheb. Bewusst hatte sich Finkenwerder in der fremden Stadt zurückgehalten und Leuschner vorgeschickt. Dieser Sicherheitspuffer war es ihm wert, dass er ständig den größeren Anteil der Kosten für ihre Fahrten übernahm. Intuitiv spürte er, dass von Ronald Leuschner eine Gefahr ausging. Er musste einen Weg finden, die Spuren der Verbindung zwischen ihnen beiden zu verwischen. Die Winterlandschaft zog unterdessen wie ein Film an den Seitenfenstern vorbei. Der Scheibenwischer quietschte, weil das hochspritzende Wasser die Scheibe nicht ausreichend benetzte.
„So ein Mist, ich habe etwas Wichtiges vergessen.“
Der Beifahrer löste sich aus seiner Lethargie und riss den Fahrer aus seinen trüben Gedanken.
„Sag nicht, du hast vergessen, deinen Kumpel zu instruieren?“
„Nein, keine Panik, der weiß Bescheid. Deine Frau kann ruhig im Hotel anrufen. Er wird ihr erzählen, dass die Herren ausgegangen sind und ruft mich dann sofort auf dem Handy an. Da bleibt genügend Zeit zum Reagieren.“
„Und wenn er gar nicht da ist, wenn sie anruft?“
„So ein Seminar geht doch mindestens bis 16.00 Uhr, oder nicht? Da wird sie nicht früher anrufen, sie könnte doch stören. Und Punkt 16.00 Uhr ist mein Kumpel an der Rezeption, jeden Tag, bis in den späten Abend. Da kann nichts schiefgehen.“
Er schaute wieder auf das Handydisplay und klopfte mit den Fingerspitzen leicht auf das dargestellte Bild.
„Ich habe kein Geschenk, nichts, überhaupt nichts. Das habe ich völlig vergessen. Fahr an der nächsten Raststätte raus, vielleicht kann ich dort noch etwas organisieren.“
„Muss das sein? Wir sind sowieso schon spät dran durch die Straßenverhältnisse.“
„Dauert nur ein paar Minuten.“
Nach weiteren zwanzig Minuten, in denen keiner von beiden sprach, ließ der Fahrer das Wohnmobil auf dem Lkw-Parkplatz einer Rastanlage ausrollen.
„Hier.“
Ronald Leuschner drückte ihm sein Handy in die Hand.
„Sieh dir solange die geilen Bilder an, das bringt dich wieder auf bessere Gedanken und du verdirbst mir nicht länger die Laune.“
Für seinen Bauchansatz sprang er erstaunlich beweglich aus dem Wagen und stiefelte mit großen Schritten auf das Gebäude zu.
Finkenwerder starrte ihm genervt nach. Für ihn war Ronny nicht mehr als ein nützlicher Idiot. Er betrachtete die Bilder im Handy. Die Kleine war tatsächlich nicht schlecht, sehr schlank mit heller Haut und einem unverdorbenen Gesicht. Der Fotograf schien sie überredet zu haben, gymnastische Übungen zu machen und sie war mit Eifer dabei und spreizte die Beine so weit sie konnte. Solange keine zweite Person auftauchte, wirkten die Bilder einigermaßen unverfänglich. Er musste daran denken, wie er seinen Begleiter bei einem dieser trockenen Berufsseminare kennenlernt hatte. Plötzlich lag eine Zeitschrift über Freikörperkultur auf dem Tisch. Auf der Titelseite ein kaum zehnjähriges Mädchen, unbekleidet. Er konnte sich bei dem Anblick nicht zurückhalten und hatte zugeschnappt wie ein Fisch bei einem Köder. So dauerte es nicht lange, bis sie sicher waren, einen Gleichgesinnten vor sich sitzen zu haben. Er befeuchtete seine Lippen. Seine schlechte Laune besserte sich, er spürte, wie sich die Vorfreude auf die kommenden Tage in Erregung verwandelte. Diese Fahrt sollte ein letzter Baustein in seinem Plan sein. Finkenwerder war ein nüchterner, rational denkender Mensch, der es nicht zuließ, dass seine Lust unkontrolliert die Oberhand über sein Tun übernahm. Ronny dagegen war eher romantisch veranlagt. Er bildete sich ein, er würde den Mädchen mit seinen Geschenken eine Freude bereiten und sie würden sich ihm deshalb mit Lust hingeben. Der gealterte Liebhaber, der ein junges Mädchen in die Freuden der Liebe einführt. Lächerlich. Als würde eine Achtjährige Lust empfinden. Sie funktionierten, weil sie sonst von ihren Zuhältern verprügelt würden. Warum sollte man also nicht selbst auch ein wenig Hand anlegen? Wie sehr es ihn erregte, einen dieser kleinen Körper mit dem Gürtel zu bearbeiten.
Er war noch ganz in das Anstarren der Abbildungen und in seine Phantasievorstellungen vertieft, dass er nicht mitbekam, wie Ronny zum Wohnmobil zurückkehrte. Ertappt gab er ihm das Handy zurück.
„Nicht schlecht.“
„Sag ich doch und deine Laune ist auch gleich besser. So eine wie die Kleine müssten wir bekommen. Wie die die Beine bewegen kann. Die hat noch gar keine Haare. Aber die Taube vom letzten Mal war auch nicht schlecht. Die wäre auch wieder in Ordnung.“
„Ich weiß nicht, die war ganz in Ordnung, aber sie müsste jetzt bald zehn sein. Wenn sich die ersten Tittchen abzeichnen, interessieren sie mich nicht mehr. Aber schön gejammert hat sie, als ich sie mir mal richtig vorgenommen habe. Und. Hast du etwas bekommen?“
„Ja, hier.“
Mit einem breiten Grinsen ließ er aus seiner geschlossenen Faust eine Kette aus billigen, roten Plastikperlen gleiten, bis sie an seinem Zeigefinger hängenblieb und hin und her schaukelte.
„Wenn ich einer Kleinen diese Kette um den Hals lege, wird sie viel geschmeidiger, wie Wachs in meinen Händen. Sogar die Kleinsten sind schon scharf auf Klunker. Kaum zu glauben, mit welchem Schrott man die kleinen Biester zufriedenstellen kann.“
„Aber nur die ganz Kleinen, die etwas Größeren wissen genau, was los ist. Da bin ich lieber für die harte Tour, dann wissen alle, wo es langgeht.“
Finkenwerder lachte schallend. Das Wohnmobil setzte sich wieder in Bewegung.
„Siehst du hinter meinem Sitz die kleine, schwarze Tasche?“, fragte Finkenwerder gutgelaunt und deutete mit dem Kopf nach hinten.
„Zieh sie mal zu dir ran und wirf einen Blick hinein.“
Neugierig geworden drehte sich Ronald Leuschner auf seinem Sitz herum. Er beugte sich vor und angelte mit der linken Hand nach der beschriebenen Tasche, bis er sie auf seinem Schoß abstellen konnte. Umständlich öffnete er zwei Verschlussclips, klappte den Deckel hoch und hielt gleich darauf einen digitalen Camcorder in der Hand.
„Die neueste Generation, super Auflösung und eine riesige Festplatte.“
Leuschner pfiff anerkennend durch die Zähne.
„Und hier?“
Daumen und Zeigefinger machten eine reibende Bewegung.
„Für einen Tausender bekommst du den nicht, aber dafür hast du eine astreine Bildqualität, fast wie im Fernsehen.“
Der sich immer mehr verbessernde Gemütszustand seines Kumpels schien Leuschner sofort auf seine Weise nutzen zu wollen.
„Du Jürgen, ich bin ein bisschen klamm. Kannst du mir mit ein paar Scheinen aushelfen?“
Der Angesprochene drehte seinen Kopf und schaute lange, viel zu lange zur Seite.
„Kommt nicht infrage, Ronny. Du schuldest mir immer noch einen Teil von unserer letzten Fahrt. Ich miete jedes Mal das Wohnmobil und zahle die Spritkosten. Fährst du immer noch deinen Riesenschlitten? Sieh zu, dass du den Wagen los wirst.“
„Den will doch keiner haben, hab ich doch schon versucht.“
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