Worte im Munde des maltesischen Erzählers s. die
beiden Stellen im Texte der Maltes. Studien 50, 32
und 51, 36. Genau betrachtet ist dies für den genannten
Zweck aber doch kaum beweiskräftig, denn man
kann derartige, rein aus italienischem Sprachgute zusammengefügte
Sätze gelegentlich in der gewöhnlichen
Rede – ausserhalb des Märchenvortrags – zu
hören bekommen.
8 Wir zählen hier die sich in den Prosastücken unserer
Sammlung vorfindenden P e r s o n e n n a m e n
auf; wie wir schon vor. S. Anm. 1 bemerkten, bedienen
wir uns dabei im allgemeinen der italienischen
Schreibweise.
N a m e n m ä n n l i c h e r P e r s o n e n :
S e p p i ( Z e p p i , G i u s e p p i , G i ù s oder die
schriftgemässe Form G i u s e p p e ), T i l l u (Karitativ
von Domitillo); G u t t u (K.v. Agosto); G i a n n i
(K.v. Giovanni); bemerke hier auch P e z z o l a t o
(bezw. P e z z u l a t u ), den Helden von Gedicht 22
(die Bedeutung des Namens ist: »der in kleine Stücke
Zerschnittene.«) Ferner: Faratsch in XXI (bed. »Zeitvertreib
«), B o c c i a (bed. »Kugel«, d.h. speziell
»Spielkugel«, und ist – s. Märchen I – mit »Kugel-
chen« übersetzt worden), Graf (von) E r f e s c h (mit
deutschem sch; der Malteser würde C o n t e t a
G h e r f e x schreiben; der Bedeutung nach ist Gherfex
wohl der Imperativ Singularis eines heute nicht
mehr gebräuchlichen Verbs und bedeutet »Wühlerecht
«), Q a m a r (in maltes. Orthographie; es bedeutet
»Mond« und wird so von uns in Märchen II und
XIII übersetzt) und endlich G i a h a n (wir ziehen
hier vor, Dschahan zu schreiben; über den Namen s.
schon Anm. 2 auf S. VII und den Text dazu).
N a m e n w e i b l i c h e r P e r s o n e n : M a r -
g h e r i t a , A n g i o l i n a , C a t e r i n a , G i a n -
n i n a , V i t t o r i a und namentlich M a r i a (zum
Namen in der gegebenen Fassung und in der Form
M á r i oder M á r ü i siehe, wie zum Namen G i u -
s e p p i - S e p p i , noch speziell Anm. 1 der nächsten
Seite und die Stellen im Texte dazu); ferner D i a -
m a n t i n a (»die Diamantene«), L e i l a (»Nacht«),
K e i l a (wir zogen deutsches k dem ital. ch vor;
K e i l a ist augenscheinlich nur Reimform zu
L e i l a ; es handelt sich um Märchen VIII),
S c h e m s c h (»Sonne«; sch wie im Deutschen) und
S b u l i d - d e h e b (wie man in der konventionellen
Orthographie des Maltes. schreiben würde; Bedeutung:
»Goldähre«, wie wir auch in dem betr., dem
VII. Märchen, übersetzen).
Die Namen P e z z o l a t o , B o c c i a ,
E r f e s c h , Q a m a r , D i a m a n t i n a , L e i l a
nebst K e i l a , S c h e m s c h und S b u l i d -
d e h e b sind natürlich reine Phantasienamen bezw.
Agnomina.
9 Die Namen haben in diesem Gebrauche fast immer
die Formen S é p p i und M á r i (od. M á r ü i ).
10 In Nordafrika wird ein dem Rufenden unbekannter
Mann (wenn er augenscheinlich Muslim ist) meistens
mit dem Namen Mh.
ámmed angerufen, – vielleicht
auch sonst im Orient.
11 Wir sehen hier davon ab, dass wir oben S. VI Z. 1
die Erzählung Nr. XXX (um die es sich hier handelt)
als auf ein wahres Vorkommnis zurückgehend bezeichnet
haben; wir haben diese Charakterisierung der
Erzählung a.a.O. auch nicht als die einzig mögliche
hingestellt.
12 J o h n K o c h , Die Siebenschläferlegende, ihr
Ursprung und ihre Verbreitung. Leipzig 1883.
13 F o r m e l h a f t e S c h l ü s s e i m V o l k s -
m ä r c h e n von R o b e r t P e t s c h . Berlin, Weidmann'sche
Buchhandlung 1900. – Vgl. dazu Literar.
Centralblatt, 1901, Sp. 81 f.
14 Von den Gedichten sind die Nummern 1–26 von
der S. IX, Anna. 1 erwähnten, Mischdialekt sprechen-
den Frau und die Nummern 27–30 von einem gleichfalls
Mischdialekt redenden alten Soldaten überliefert
worden; Nr. 31–34 stammten aus Dingli, Nr. 35 und
36 aus Balzan, Nr. 37–39 aus Città Vecchia und Nr.
40–45 aus Musta. – Vgl. Maltes. Studien, S. 2.
15 S. meine »Tunisischen Märchen und Gedichte«,
Leipzig (J.C. Hinrichs'sche Buchhandlung) 1893;
speziell Band II, S. 143 ff.
A. Märchen.
I. Kugelchen.
Es war einmal ein Mann, der Holzhacker war. Er
hatte eine Frau und zehn Jungen; der älteste war zehn,
der jüngste fünf Jahre alt. Die Leute waren sehr arm,
und da sie diese Jungen hatten, konnten niemals alle
satt zu essen bekommen. Der jüngste war eigentlich
ein ganz winziges Stückchen Mensch; und weil er, als
er geboren wurde, wie eine Kugel aussah, nannten sie
ihn »Kugelchen«. So klein er aber war, ein so
schlechter Kerl war er; weil er aber den schlechten
Kerl nicht zeigte, hielt ihn jedermann für einfältig.
In einem Jahre nun trat eine so grosse Hungersnot
ein, dass der Mann einst, als die Jungen schliefen, mit
seiner Frau übereinkam, die Jungen in den Wald zu
schaffen, damit diese dort verloren gingen und sie sie
so loswürden. Doch die Mutter wollte es nicht haben,
denn sie hatte die Jungen sehr lieb; doch als sie einsah,
dass es besser sei, die Jungen nicht leiden zu
sehen, liess sie ihrem Manne schliesslich seinen Willen.
Unser Kugelchen aber war, als er hörte, dass die
Eltern von ihren Jungen sprachen, ganz, ganz leise
aus seinem Bette gestiegen und hatte sich unter dem
Sitzbänkchen seiner Mutter versteckt und so alles ver-
nommen, was ihm am nächsten Morgen bevorstehen
sollte. Was tat er nun? Er stand zeitig auf, begab sich
ans Ufer des Meeres, füllte seine Taschen ganz mit
kleinen Kieselsteinen an und kehrte wieder nach
Hause zurück. Als es Morgen geworden war und man
aufgebrochen war, sagte Kugelchen seinen Brüdern
nichts von dem, was er gehört hatte; und nun ging es
in einen grossen Wald. Der Mann begann seine Holzhackerarbeit,
und die Jungen sammelten Thymian. Als
die Eltern sahen, dass die Jungen ihren Sinn bloss auf
ihre Beschäftigung gerichtet hielten, machten sie sich
ganz leise davon und liessen die Kinder im Walde allein.
Als letztere merkten, dass sie allein waren, begannen
sie laut zu weinen; doch Kugelchen wusste,
welchen Weg er einzuschlagen hatte, um nach Hause
zu gelangen; denn während er mitmarschierte, hatte er
auf dem Wege immer einen Kiesel nach dem anderen
hingepflanzt, – vom Aufbruche von daheim an bis zur
Ankunft im Walde. Nachdem er also seine Brüder
eine Zeitlang hatte weinen lassen, sprach er zu ihnen:
»Höret, Brüder! Martert euch nicht! Mutter und Vater
haben uns hier gelassen; aber ich werde euch wieder
nach Hause führen. Geht nur hinter mir her!« Seine
Brüder machten es denn auch so: sie folgten ihm, und
einen Kiesel nach dem andern fand er auf dem Wege;
und so gelangten sie nach Hause.
Unterdessen hatte, während der Mann und die Frau
nach Hause gekommen waren, ihr Arbeitsherr zu
ihnen geschickt und ihnen die Arbeit für ein Jahr bezahlt.
Als sie sich nun im Besitze so vielen Geldes
sahen, wurde die Frau, weil sie ihre Jungen im Walde
gelassen hatten, so bös, dass sie laut zu weinen anfing.
Ihr Mann verlor die Geduld, nahm einen Knüttel
und rannte hinter ihr her, um sie durchzuprügeln.
Doch sie begann nur umsomehr zu weinen und zu
schreien: »Wer weiss, was aus unseren Kindern geworden
ist?« Die Jungen, die noch – frisch angekommen,
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