1 ...8 9 10 12 13 14 ...24 Leben flirrt über die Runde. Die Korbsessel erknarren. Mit einem Einwand schafft Usa sich Gehör.
„Leo, vor Jahren begegnete mir die Hawaiianische Heilkunst, und vieles im Yoga. Kundalini steigt doch immer auf, wenn auch im Alter langsamer zu den Schwachstellen, um Daniederliegendes anzuheben, wenn der Input an Lebenserfahrung zu bindend war.“
Usa hält Leos Blick fest, und senkt ihre Tonlage.
„Das funktioniert wie ein Zugriff neuzeitlicher Schwingung und leitet aus alten Zellen Ballast aus. Mir bestätigt es sich derzeit, meinen Stil entwickelt zu haben, und darin erfährt das Wissen um uralte Heilkünste keine Entwertung. Ich wünsche mir für die vor mir liegenden Jahre, mir sollte an jeder Wegesecke etwas erotisch aufgeladene Kreativität in Reinkultur winken.“
Anton reckt sich, sein Hals knittert vor Druck.
„Leo, unerwünschte Auslöser, Impulse gegen Stagnation, gib anderswo!“
„Na!“, faucht Leo, fletscht weiß die Zähne, Riffumschiffung vergessend. Schon wippt eine ihrer roten Stiefelspitzen, will Anton stechen. „Ich Kröte tappte in eines deiner Fettnäpfchen!“
Usa stemmt die Hände an die Pluderhose, und reckt ihr Kinn.
„Anton, schau, wage den Blick in deine Zukunft, in der gar nichts Unerwünschtes steckt.“ Sie schraubt ihre Stimme tiefer. „Du wirst anfangs überrascht sein, was dir aufleuchtet, darauf kommt es an. Die Phase der Falten abverlangt eine Strategie zum Glücklichsein, von alten Sicherheiten abzulassen, von falscher Orientierung. Weil die letzten Körner in der Sanduhr rieseln!“
Um Anton eine Denkpause zu verschaffen, reckt sich Lian und ruft, beinahe außer sich:
„Frei falscher Sicherheit? Du meinst wohl nur den Klang der Luft, den Schmetterlingsschwingen hören lassen!, was Härchen am Arm bei einer leichten Brise antworten! Ich weiß um die Magie der Liebe. Es gibt sie neben allem, was Evolutionsforscher uns versuchen zu beweisen.“
„Lian, du kommentierst vom kreativem Winkel aus“, knurrt in die Stille hinein am Esstisch Margarita. „Ich eile mit Weile, vormals hieß es, Zeit ist Geld. Deshalb hatte ich es eilig mit der Liebe in der Ehe, an deren Niedergang ich älter wurde. Der Kurs ändert sich, aber wissen will ich, wo er hinführt.“
„Ja!“, bestätigt Anton, obschon er Margaritas Brummen kaum verstand. „Du und ich bezahlen für emotionale Erpressung nicht mehr mit Herzblut.“
Anton zornig anfunkelnd, blafft Usa: „Suchst du danach, wie es nicht zu sein hat, hältst du dich an den alten Vorstellungen fest. Anderssein impliziert, Eigenliebe erschafft Glücksräume!“
„Ja ja!“, funkt Anton zurück. „Du weißt, wie das geht.“
„Jetzt reicht es!“, wirft Maik ein, „du wirst verletzlich, mach Schluss damit, nimm das Gift raus, Anton, auch du, Usa!“
Maik rappelt sich hoch, stochert die Kaminglut mit ruppigen Armbewegungen auf, legt ein Scheit vom Stapel daneben hinein. Noch dahin sehend, stößt er aus:
„Entgegen Streiten wäre vorteilhafter, ihr würdet euch mal wieder liebevoll necken, und euch aushalten!“
Usa kraust die Brauen. Anderes beschwörend wispert Lian:
„Liebe Usa, du weißt um den Zauber des Erfolges aus deiner Quelle. Lass Anton gegen den Strom seiner Integration schwimmen und danach fällt ihm seine Vernetzung leichter, und wohlmöglich wird er gestärkt und in sich verständnisvoller.“
Das Knistern der Kaminflammen übertönend, ruft Leo streng:
„Wo ich herkomme und hin zurückkehre, da ertrage ich andere Gemeinheiten wie ihr. Anton wird irgendwann klar werden, warum er bockt. Mich ödet das vor mir liegende genauso an, wie Anton oder Margarita das ihrige. Ich halte mich ab jetzt hier still!“
Anton gelingt es, seine ihm durch Leos Kritik klargewordene Stagnation zu überwinden. Aber nicht allen Missmut, vorgelagert in dunkelster Tiefe. Der drängt zu Leo.
„Ich höre Dominanzanspruch! Dir gebe ich kein ABO zum Tanz nach deiner Pfeife.“
Sprungbereit fortzulaufen, rutscht Leo an ihre Sesselkante, nah geht ihr der Vorwurf. Nur piepsen kann sie.
„Anton, du hast ein mieses bipolares Beziehungsmodel! Nicht zum ersten Mal rührst du herum in dem Topf!“
„Leo, sei wieder gut!“, unterbricht Lian, da sie ahnt, was sie anhören soll. „Du siehst das und bist ganz richtig, und so lieben wir dich. Sicher willst du nur anregen. Anton begreift das völlig falsch als Autoritätsanspruch, weil ihm sein Packen Vorkommnisse im Leben das seine im Jetzt erschwert.“
Nun setzt Anton zu Widerspruch an, umfasst die Armlehnen am Sessels hart. Doch, schon im Wenden zum Schrank, knurrt Usa:
„Hör auf, zügle dich, Anton!“
Bemüht, betrachtet sie ihr Werk. Weich wird ihr Blick von den nächtlichen Durchgängen in zukunftsweisende Ideen, seit sie die Schmetterlinge fand und mit ihnen flog wie ein zufriedenes, fröhliches Kind. Tief ausatmend, wendet Usa sich in der Runde hingefletzter Grauhaariger einfühlsam an Antons dunkle Augen.
„Dein Missverständnis beende. Absorbiere nicht deine faden Kaugummis irgendwelcher Bewertungen unter der Schuhsohle.“
Leo prustet los, absolvierte längst einen ähnlichen Abgang.
„Mit diesem bunten Berliner Stempel lebe ich so gut wie ein Paradiesvogel nur könnte.“
„Kannst du dir auch vorstellen, Anton eine PC-Nachhilfe zu geben? Vermutlich profitiert er mental von deiner Routine, und findet danach hinaus zur Katastrophe im Garten.“
„Ups!“, ruft Anton. „Usa, ich neige mein Haupt in den Staub vor deinen Schuhen, du gebietest über hohen Starrsinn und doch schaukelt dein Pferdchen.“ Für Leo fügt er an, ebenso zynisch:
„Arm wäre ich ohne dich. Flirten wir also am PC. Fein!“
„Und freundlich, längs eurer Rollen.“ Usa lächelt gelassen.
„Murkse Leo nicht ab für ihren kreativen Reichtum, oder ihre uralten Fangarme. Sie wählt das Richtige für ihre Sicherheit.“
„Bei Sicherheit fällt mir das im Sportstudio mit Gewichten trainierende junge Gemüse ein, das weiß nichts von Arthrose im Ellbogen.“ Leo hört am Gestöhne in der Runde am Kamin, was sie angerichtet hat. Sie schwenkt auf ein anderes Gebiet um. „Diese Pannen an uns, besiegt demnächst die Stammzellenzüchtung!“
„Ein Ansatz von allgemeinem Interesse, doch der verpufft!“, blafft Maik Leo an. „Jeder schiebt das Altern in Würde von sich ab, keiner freut sich auf den Rollator. Zuversicht, prima Laune und Weitermachen sind die besten Pillen, meine ich, und frage mich schon, wie Schmetterlinge enden! Kurzlebigkeit und Falten nur, sind die uns gemein? Trockene Runzeln kommen sowieso, die sind das selige Ende an der Sprossenleiter zum Himmel.“
„Du und deine Endgedanken zur alten Fassade“, rügt ihn Lian ernsthaft, bedenklich an der Nase reibend. „Lass ab vom Kummer. Ich verstehe, zum Zweck ihrer Nachkommen tickt auch die Uhr der Schmetterlinge und läuft ab im Paarungsflug, nachdem sie ihren Nektar tranken. Wir trinken unser Lebenselixier noch eine ganze Weile! In mir existiert keine Zeit in meiner Seele Funken. Wie ewig frisch, altern die nicht, werden niemals alt sein.“
Lian hebt ihre Hand von der Nase, dreht den Kopf zum Tisch. Zu Margarita, deren krasse Miene sie ignoriert und ihr winkt.
„Dir töpfere ich, analog Usas Schmetterlinge, einen Stempel für deine Duftseifen. Findest du Zeit, dein Hobby zu pflegen?“
„Zeigt sich ein Luftloch, gehe ich mit dir einig.“
„Ups! Das war knapp.“
Antons Augenbrauen zucken theatralisch hoch auf die Stirn. Seine Stimme färbt er gelassen ein und bedeutungsschwer, weil Maiks Haar zwar wirr steht, doch nicht vom Raufen. Es passierte akut auch nichts mehr. Doch das zuvor Geschehene schmort noch.
„Im Sonnenschein schwärmen Falter, und ähneln uns, auch wir mögen für die vorerst letzte Etappe Wärme. Angenehm wäre dabei auch nachbarschaftliche Gegenliebe - die fehlt im Paradies. Die
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