Joachim Oelßner - Großfamilien-Bande

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Das Buch erzählt von Kongolesinnen und Kongolesen, von Traditionen und der Macht der Großfamilie. Ihr wird Individualität, auch die Ehe, untergeordnet. Die Kurzgeschichten zeigen zugleich, wie sich Frauen wehren.
Der Weg nach Europa erscheint nicht nur als Flucht vor Armut, er stellt ebenso eine Abkehr von überlebten Sitten und Gebräuchen dar.

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Als sie von Lydias Tod erfuhr, ging Erika direkt zur Parzelle von Lydias Eltern und wartete dort auf Theo; irgendwann musste er ihnen die schreckliche Nachricht überbringen. Lange musste sie nicht warten. Sein Gang und seine Haltung sprachen von seinem Schmerz. Bei den Eltern der Verstorbenen blieb er nicht lange, und es schien Erika, dass Theo, als er Mutter und Vater der Verstorbenen verließ, noch deprimierter war als bei seinem Kommen. Irgendwie tat er ihr leid. Sie teilte die harte Haltung von Makombi nicht, auch wenn Lydias Tod das Vorstellbare überstieg.

Entschlossen trat Erika Theo in den Weg. Sie teilte ihm mit, dass Lydias Freundinnen einen Nganga-Nkisi befragt hätten und dieser davon ausgehe, dass nur ein Ndoki für den Tod der drei Frauen verantwort­lich sein könne, ein Mann, der vertrauensvolle Bezie­hungen zu ihnen gehabt habe. „Wir werden sie rächen, alles ist vorbereitet.“

Die Flucht

Im ersten Augenblick verstand Theo nicht, was diese Frau von ihm wollte. Er war seelisch und körper­lich am Ende; erst der Verlust seiner ersten beiden Frauen und nun auch noch der seiner geliebten Lydia.

Erst zu Hause wurde ihm klar, dass Lydias Freundinnen davon ausgingen, dass er verantwortlich für den Tod seiner drei Frauen war, dass er der Ndoki sei. Dabei hatte er jede von ihnen aufrichtig geliebt, er konnte sein Unglück nicht fassen. Jetzt bedrohten sie ihn sogar als vermeintlichen Übeltäter! Ihn! In all diesem Elend und Trauer auch noch das.

Theo war bewusst, dass die Frauen keinem ver­nünftigen Argument zugänglich waren, und er begriff die Worte von Erika als eine Warnung. Er besann sich, raffte schnell sein wichtigstes Handwerkzeug zusam­men, die Nähmaschine band er sich auf den Rücken und kehrte seinem Heim und der Schneiderwerkstatt den Rücken. Er verließ das Haus und schlich, die Hauptstraßen meidend, über kleine Pfade zwischen den Hütten davon. Sein Ziel war der Busbahnhof, nur weg von hier. In einer anderen Stadt würde er einen Neubeginn wagen.

Eine Handvoll Sand

„Hast du es gehört? Radio Trottoir trug die traurige Nachricht zu mir. Ein Bruder der Erstfrau ist ver­storben, Gott hat ihn heimgerufen, und jetzt befindet er sich auf dem Weg zu ihm. Meines Wissens wird er ab morgen auf dem Familiengrundstück auf­gebahrt, wo alle von ihm Abschied nehmen“, infor­mierte Mateya ihre Mutter Sapela.

Sapela schaute skeptisch drein. Sie verstand sehr wohl, was ihre Tochter sagen wollte, doch sie hatte große Vorbehalte gegenüber dem Gatten ihrer Tochter, seinen Frauen und ihren Familien. Besonders seine Hauptfrau, die schon aus Selbsterhaltungstrieb stets ihre Position gegen die anderen Frauen ihres Mannes verteidigte, stand im Mittelpunkt ihrer Befangenheit. „Du willst also deine Trauer bekunden und der Erstfrau dein Beileid aussprechen. Was versprichst du dir davon? Hast du jemals mit dem Verstorbenen ge­sprochen? Vergiss es! Die Erstfrau wird dich niemals akzeptieren!“

„Vielleicht bietet sich während der Trauerfeier eine Möglichkeit, das Verhältnis zu ihr ein wenig zu verbessern. Ob gewollt oder nicht, wir sind ja eine Familie. Bisher habe ich sie immer nur zufällig getroffen und höchstens ein paar Höflichkeitsfloskeln mit ihr gewechselt. Und auf einer solchen Feier sind sowieso stets viele Menschen zugegen, eingeladen oder nicht. Mein Mann wird sicherlich dort sein.“

Die Zuversicht ihrer Tochter löste bei Sapela eher eine gegenteilige Reaktion aus: Ihre Skepsis wuchs. „Mateya, du kennst diese Familie nicht. Pflegen sie noch die alten Bräuche? Ich habe mich davon verab­schiedet, das ist Vergangenheit!“ Zum Erstaunen ihrer Tochter war ihr skeptischer Tonfall Entschlossenheit gewichen.

Sapela schaute in das fragende Antlitz ihrer Tochter und seufzte. „Die jungen Leute haben keine Ahnung! Den Familienmitgliedern des verstorbenen Mannes, also seinen Eltern, seinen Geschwistern, den Kindern, Tanten, Onkeln und Neffen werden im Trauerfall traditionell mit einer Rasierklinge die Haare geschoren“, erklärte sie. „Seine Frau muss darüber hinaus von ihren weiblichen Familienmitgliedern von Kopf bis Fuß gewaschen werden, um sie von der Aura ihres Mannes und seiner Gefühls­welt zu befreien. Ansonsten wird sie den Rest ihres Lebens, selbst bei einem wohlhabenden neuen Mann, in seelischem Elend verbringen. Das nennt sich Mokuya-Fluch. An ihn glaubten früher alle. Ja, so war das“, schloss sie.

„Na gut, heute ist dieser Fluch Vergangenheit – oder nur sehr wenigen Menschen bekannt, zumindest in der Stadt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dies in der Familie meines Mannes noch üblich ist. Außerdem beträfe das nur die familiäre Umgebung des Bruders der Erstfrau, nicht uns.“

„Wo findet denn die Trauerzeremonie statt?“, suchte Sapela nach einem neuen Argument, ihre Tochter vom Besuch der Trauerfeier abzu­bringen. „Auf der Parzelle der Erstfrau in Ngombe, im Viertel der Reichen? Aber vielleicht wohnte ihr Bruder in einem ärmeren Stadtteil, und die Aufbahrung findet dort statt? Dann bereite dich auf etwas vor, das durchaus noch Brauch ist. Wenn eine größere Trauerzeremonie ansteht, versperren Tagediebe und Halunken die Zu­gangs­straßen, verbrennen Autoreifen, füllen die Asche in irgendwelche Metallbehälter, pinkeln hinein und drohen dir, dich mit dieser Asche zu bewerfen – oder du zahlst eine gewisse Summe an sie. Ist sie zu klein, bewerfen sie dich dennoch mit diesem ekligen Zeug.“

„Ja, davon hörte ich. Das gibt es noch“, gestand Mateya. „Die Trauer­feier findet jedoch in Ngombe statt. Dort sind solche Überraschungen ausge­schlossen. Ich würde schon gerne zu dieser Feier gehen, um diese Familie besser kennenzulernen. Doch allein will ich nicht hingehen. Es wäre mir wohler, wenn du mich begleitest. Sicherlich wird auch eine weitere Frau meines Mannes, die ebenfalls hier in Kinshasa wohnt, ihr Beileid bekunden. Das gebietet ja schon die familiäre Höflichkeit“, drang Mateya auf ihre Mutter ein.

Widerstrebend und nur aus Mutterliebe willigte Sapela schließlich in den Wunsch ihrer Tochter ein, sie am nächsten Tag zu der Trauerfeier zu begleiten. Kaum hat sie zugesagt, begann Mateya mit den Vorbe­reitungen für den folgenden Tag. Die Haare mussten neu geflochten werden, und ein schicker Boubou oder eine Libaya mit Wickelrock waren aus dem Kleiderkorb herauszusuchen und zu bügeln. Missmutig verfolgte Sapela die Aktivitäten der Tochter. Zu ihrer Zeit war das Gegenteil der Fall gewesen: Ein so trauriger Anlass wie eine Trauerfeier erforderte damals eine entsprechend erbärm­liche Kleidung. Doch heutzutage war jeder Anlass willkommen, sich heraus­zuputzen, sogar eine Trauerfeier wurde genutzt, um sich von der besten Seite zu zeigen. „Verkehrte Welt“, schlussfolgerte Sapela.

Am Folgetag begaben sich Mateya und Sapela zum Grundstück der Hauptfrau in Ngombe. Beide bekundeten der Familie des Verstorbenen ihr Beileid. Wie immer auf solchen Zeremonien waren Traurigkeit und Leid ansteckend. Bereits der Blick auf den aufgebahrten Leichnam rief den Tränenfluss hervor. Das heftige Weinen und Schluchzen der Trauernden erfüllten die Parzelle. Wie alle Gäste wurden Mateya und ihre Mutter von der Hauptfrau und den anderen Familienangehörigen mit der gebotenen Höflichkeit begrüßt.

Die Gattin des Verstorbenen war jedoch aus verständlichen Gründen nicht ansprechbar. Mateya stellte fest, dass man ihr tatsächlich die Kopf­haare geschoren hatte, alle weiteren Angehörige blieben hin­gegen verschont. „Ob man sie auch gewaschen hat?“, fragte sie sich im Stillen.

Mateya und Sapela stimmten in das Klagen der Trauernden ein, wurden wie alle anderen beköstigt und wechselten mit diesem und jenem einige Sätze, im Grunde die üblichen Phrasen der Höflichkeit. Mit ihrem Mann und mit einer weiteren Frau von ihm tauschte Mateya lediglich ein paar nichtssagende Worte.

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