„Beantwortet hast du meine Frage nicht, aber mir den Weg aufgezeigt, was ich erleben könnte …,“ zog Lolendo vorsichtig Bilanz. Sie wusste, ihre Freundin würde sich hüten, ihre Frage zu beantworten.
„Warte, ich will dir noch etwas anderes erzählen“, begann Koyeba erneut. „Eine Freundin meiner Mutter lebte in der gleichen Situation wie sie. Die Männer sind oft viel älter als ihre Frauen, jedenfalls starb ihr Mann. Die Trauerfeier fand auf der Parzelle des Mannes, also bei der Erstfrau statt. Die Freundin meiner Mutter und ihre Kinder hatten natürlich keinen Zutritt, obwohl sonst alle Welt dort war. Bei dem Trauergottesdienst in der Kirche schmuggelten sie sich heimlich unter all die Besucher. Was für eine Erniedrigung! Die Erstfrau saß, wie es sich gehört, in der ersten Reihe. Der Priester erwähnte stets nur die Erstfrau und ihre Kinder, obwohl sie auch nur traditionell mit dem Verstorbenen verbunden waren. Und dann die wiederholten Rufe des Priesters, dass in tausenden und abertausenden Jahren die Erstfrau mit dem Verstorbenen wieder vereint sein werde. Für die Zweitfrau gilt das offenbar nicht. So ist das Lolendo, das Leben einer Zweit- oder Drittfrau. Ach ja, dein Geliebter ist ein Moslem. Keine Ahnung wie es in ihrem Paradies für eine Drittfrau sein wird.“
Lolendo dankte ihre Freundin für ihre offenen Worte. Langsam ging sie nach Hause. Sie wusste, dass ihre Freundin die traurige Wahrheit sagte. Ist aber ihr Moluki auch so ein fieser Typ wie diese anderen Männer? Lolendo hatte Schwierigkeiten, sich das vorzustellen. Andererseits waren all diese Frauen auch verliebt gewesen als sie Ja zu einer Ehe als Zweit- oder Drittfrau sagten. Zumindest garantierte Moluki ihr und ihren künftigen Kindern mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Leben in materieller Sicherheit. Jetzt war sie für sich selbst Mama und Papa, hatte niemanden. Auf die Mitbewohnerin ihrer Holzhütte konnte sie jedenfalls nicht zählen. „Was passiert, wenn ich wirklich ernsthaft erkranke? Eines Tages will ich auch Kinder haben, aber besser als Zweit- oder Drittfrau eines Mannes als mit einem verschwundenen Mann.“
Lolendo prüfte in den kommenden Tagen immer wieder ihr Inneres und fragte sich, was ist richtig, was ist falsch? Sie begann auch eine völlig andere Möglichkeit abzuwägen, die immer wieder mal vage, mal stärker im Raum stand. Ein etwas undurchsichtiger Freund einer Bekannten organisiert Reisen nach Westeuropa. Viele tausend Dollar sollen sie kosten und obendrein gefährlich sein. „Eigentlich brauch ich nicht darüber nachzudenken. So eine Dollar-Summen habe ich noch nie gesehen, von besitzen will ich überhaupt nicht reden. Andererseits soll es Geschäftsleute geben, die für eine solche Reise einen Kredit gewähren. Ob es tatsächlich das Paradies ist, wie manche meinen? Einerseits spricht man davon, dass dort hart gearbeitet wird, andererseits sollen selbst Arbeitslose mit dem Auto zum Arbeitsamt fahren, um dort Geld abzuholen!“
„Wie werde ich mich entscheiden? Wie wird meine Zukunft aussehen?“, fragte sich Lolendo.
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