Joachim Oelßner - Großfamilien-Bande

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Das Buch erzählt von Kongolesinnen und Kongolesen, von Traditionen und der Macht der Großfamilie. Ihr wird Individualität, auch die Ehe, untergeordnet. Die Kurzgeschichten zeigen zugleich, wie sich Frauen wehren.
Der Weg nach Europa erscheint nicht nur als Flucht vor Armut, er stellt ebenso eine Abkehr von überlebten Sitten und Gebräuchen dar.

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Wieder dachte Lolendo an ihre Mutter und an ihre Kindheit. Ihr Vater hatte Mutter sogar in einem guten Stadtviertel ein Haus gebaut, aber dann kam er immer seltener, bis er sich überhaupt nicht mehr sehen ließ. Vater stellte sogar seine Zuwendungen an seine Frau ein, er akzeptierte nur noch mich, seine Tochter, für Geldüberweisungen. Zum Leidwesen aller anderen in der Großfamilie schickte er nur mir Geld, das ich getreulich bei Mutter ablieferte. Bei allen anderen war er geizig. Ihr Neid war ständig zu spüren. Jedenfalls war Mutter allein mit ihren drei Kindern. Sicherlich gab es Tanten und Onkels, doch sie waren kein Ersatz für ihren Mann. Andere Männer wollte sie nicht, schon eine solche Idee lehnte sie ab. Dann wurde Mutter im Kopf krank, möglicherweise infolge der Zurückweisung durch ihren Mann. Die Behandlung war teuer, jedenfalls für unsere Verhältnisse. Als eines Tages überhaupt weder Geld noch Nahrung im Hause waren, wollte sie tatsächlich mit uns sterben. Sie verschloss alle Türen und Fenster; wir durften nicht hinaus, auf Klopfen reagierte sie nicht. Nur albtraumhaft dachte Lolendo an diesen Vorfall: „Sie hielt mir den Mund zu, wenn jemand vor der Tür nach uns rief. Ich hörte sogar meine Großmutter und die Tante! Die Geschwister waren zu klein, um das zu verstehen. Nach zwei oder drei Tagen gelang es mir, mich durch einen Spalt im Fenster zu zwängen und Hilfe zu holen. Damals war ich so dürr, dass die Flucht gelang. Dabei liebte Mutter ihre Kinder über alles.“

All dieses Elend hatte sich tief in Lolendos Seele eingegraben. Dabei war Mutter zum Zeitpunkt der Hochzeit, so hatte sie es wiederholt kundgetan, die glücklichste Frau der Welt! Doch dann holte sie die Realität des Lebens ein. „Bin ich auf dem besten Weg, in die gleiche Falle wie meine Mutter zu laufen?“, fragte sich Lolendo.

Sie kannte viele Freundinnen aus polygamen Familien, aber an welche Bekannte konnte sie sich wirklich fragen? Sie wollte jedenfalls nicht jeder Freundin ihr Verhältnis zu einem reichen Geschäfts­mann offenbaren. Ihre Gefährtin, mit der sie die Holzhütte bewohnte, war mehr oder weniger von ihrer Familie verstoßen worden als ihre Eltern starben. Sie verbrachte als Straßenkind eine schwierige Kindheit. Die in dieser Zeit zum Selbstschutz angeeigneten ag­gres­siven Instinkte, kamen noch heute mitunter bei ihr durch. Bozwi konnte sie auf keinem Fall fragen, die Angst vor einer Zukunft ohne Lolendo hätten mög­licher­weise sofort unbedachte Handlungen bei ihr aus­gelöst.

„Freundin Koyeba“, fiel Lolendo ein, „mit ihr werde ich sprechen! Sie kommt ebenfalls aus einer polygamen Familie, hielt sich aber stets bedeckt, was ihre Kindheit oder die Mutter anging. Sie könnte mir einen Rat geben!“

Sie lief einige Geschäftsstraßen entlang, bog in die Avenue Lumumba ein, suchte und fand die kleine Seitenstraße, von der eine noch schmalere Gasse zu einer Parzelle führte. Dort wohnte Koyeba neben einem würdigen Steinhaus in einem Unterschlupf aus Stein und Holz. Sie säuberte bei einigen Familien die Wohnung, erledigte kleinere Aufträge für sie, mitunter half sie den Kindern bei ihren Hausaufgaben. Lolendo hatte Glück, Koyeba war zu Hause, hatte sogar Zeit für sie. Koyebas Unterkunft sah von außen ziemlich trost­los aus, innen hatte sie es sich gut eingerichtet. Sicher­lich bescheiden, aber mit Geschmack und Liebe, wie Lolendo für sich konstatierte.

„Schick hast du es hier“, meinte Lolendo be­wundernd.

„Manchmal fällt etwas bei den Leuten ab, wo ich arbeite. Nach dem Tod meiner Mutter habe ich schnell ein paar kleine Möbelstücke mitgehen lassen, bevor die Familie meines Vaters alles abholt. Um dieses kleine Schränkchen gab es mächtigen Streit“, lachte sie. „Mein Vater wollte es aus irgendeinem Grunde zurück, aber es war nicht mehr da. Ich wusste auch nicht, wer es abtransportiert haben könnte. Keine Ahnung! Meine Geschwister haben andere Dinge mitgenommen. Warum auch nicht! Wir hätten alles weggetragen, leider fehlte die Zeit. Für die Beerdigung meiner Mutter rückte dieser Geizkragen keinen einzigen Franc heraus! Dabei liebte meine Mutter ihn bis zum Ende ihrer Tage“, schloss sie. Nach einem Moment kurzer Be­sinnung fragte sie Lolendo, was sie eigentlich zu ihr führe.

Lolendo erzählte ihr die Geschichte mit ihrem Liebhaber und ging auf sein Heiratsangebot ein. „Ich habe immer meine Mutter vor Augen und nie, wirklich nie, wollte ich die Zweit- oder Drittfrau von irgendeinem Mann werden. Doch mein Liebhaber ist ein reicher Geschäftsmann, er kann sicherlich drei Frauen und ihre Kinder unterhalten. Er ist Moslem und ihre Religion schreibt wohl vor, jeder Ehefrau die gleichen Lebensbedingungen zu garantieren.“

„Wenn ich jetzt sage, folge deinem Herzen, bist du wahrscheinlich auch nicht schlauer“, meinte Koyeba. „Einige Männer boten mir die Hochzeit an, traditionell versteht sich. Zwei von ihnen sagten wenigstens, dass sie bereits verheiratet wären. Auf einen Dritten wäre ich fast hereingefallen. Er beteuerte, dass er ledig sei, dabei hatte er schon zwei Frauen, die ihn ernährten – nicht umgekehrt! Ich habe hier mein Auskommen, wenn das Glück mir zufällig einen Mann beschert, dann denke ich über eine Hochzeit nach. Vorher werde ich aber prüfen, ob er die Wahrheit sagt oder schon eine mehr oder weniger Glückliche an seiner Seite hat. Ich sehe schon im Falle einer Hochzeit meinen werten Vater dem Brautgeld entgegenhecheln. Aber Drittfrau von irgendeinem Moslem werden? Nein danke!“

Koyeba stutzte einen Moment und lachte auf einmal schallend auf. „Das muss ich dir erzählen! Ich war mal kurz mit einem Moslem liiert, das war unglaublich! Wir wollten uns lieben, wir waren in den Kostümen, wie der Schöpfer uns geschaffen hat, er war ganz offensichtlich bereit – und dann? Du glaubst es nicht – nichts. Mein lieber Moslem erschrak und meinte, dass sein Fetisch ihm verboten habe, heute eine Frau zu lieben! Sprachs und stieg wieder in seine Hose. Ich zog danach einen Schlussstrich unter diese Affäre. Wenn ich heute daran denke, weiß ich noch immer nicht, ob ich heulen oder lachen soll! Lasse dich überraschen von deinem Moslem.“

„Na du hast seltsame Erlebnisse“, erwiderte kopfschüttelnd Lolendo. „Aber etwas anderes“, fuhr sie fort. „kennst du eigentlich Familien, wo Männer mit ihren Frauen einigermaßen in Frieden und Eintracht leben?“, fragte Lolendo ihre Freundin.

„Vielleicht auf dem Dorf, weit weg von den Städten, dort sind die Lebensbedingungen anders als hier. Offen gestanden bezweifle ich dennoch, dass dort alle in Frieden und Eintracht leben. Man kann sich auch um kleinste Dinge trefflich streiten! Und hier in Bukavu? Schaut man genauer hin, herrscht überall Eifer­sucht, Streit um materielle Zuwendungen, mit­unter heißer Krieg, öfter jedoch ein nervender Klein­krieg. Bei einigen Familien, wo ich die Wohnung säubere, hat der Mann eine Zweitfrau oder ein zweites Büro, die Erstfrau versucht das wegzustecken, aber es gelingt nicht auf Dauer. Irgendwann bricht sich die Erniedrigung Bahn und manifestiert sich. Dann ist Bürgerkrieg! Obwohl ich das Geld brauche, kündigte ich bei einer Familie. Das war nicht auszuhalten! Bei einer anderen Familie gab es fortwährend nur Auseinander­setzungen. Ich muss sagen, da hat die Frau dem Mann das Leben zur Hölle gemacht. Er wollte sich scheiden lassen, gab es aber auf. Ständig Streit mit der eigenen Großfamilie und die der Frau, mir tat dieser Mann wirklich leid. Letztendlich nahm er sich eine Zweitfrau und lebt bei ihr. Auch das gibt es.“

„Koyeba, deine Mutter war doch, wenn ich mich recht entsinne, Zweitfrau. Wie war das bei Euch? Stellte dein Vater auch irgendwann die Unterstützung für deine Mutter ein? Gab es überhaupt Probleme?“, wollte Lolendo wissen.

„Ob es Probleme gab?“, lachte Koyeba. „Die ganze Situation war ein einziges Problem! Fünf Tage in der Woche war Vater bei der Erstfrau, zwei Tage bei meiner Mutter. Während dieser zwei Tage war meine Mutter die liebste und netteste Frau der Welt. Die anderen fünf Tage war sie, liebe Mutter verzeih, ein Drachen! Bei jeder Kleinigkeit setzte es Schläge, gab es unendliche Schimpftiraden. Wir Geschwister gehen heute davon aus, dass dies aus einem Gefühl des steten Zurückgesetztseins entsprang. Eifersucht nagte fort­während an ihr und belastete uns alle. Mein Vater lebte mit seiner Erstfrau und ihren Kindern in einem schicken Steinhaus, wir in einem zugigen Holzhaus. Seine Kinder studierten, bei uns reichte das Geld nicht. Dabei war mein Abitur deutlich besser als das der Kinder der Erstfrau. Ich spreche von denen, die es überhaupt bis dahin schafften. Du merkst Lolendo, ich werde sar­kastisch. Es gab damals keine Beziehungen zwischen den Kindern der Erstfrau und uns. Auf uns schauten sie herab. Einbildung war eben ihre Bildung. Und heute? Einige haben bereits gut bezahlte Posten, andere studieren, ich bin Putzfrau. Entschuldige Lolendo, deine Frage hat mich wieder aufgewühlt. Eigentlich habe ich das alles in mir beerdigt, eine Frage reicht und es kommt wieder hoch.“

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