Mein schnelles schlagendes Herz, ordne ich den Umständen zu. Das hat ebenfalls nichts mit ihm zu tun. Am besten ist es, wenn ich mir immer wieder ins Gedächtnis rufe, wie ungerechtfertigt er Lennox attackiert hat. In dem Moment hat der Kerl sein wahres Gesicht gezeigt. Eine schöne Fassade ändert nichts an dem schwarzen Kern im Inneren. Wenn ich mir das bewusst mache, bin ich immun gegen ihn.
>> Bist du soweit? << fragt er mit hochgezogener Augenbraue. Anscheinend hat er mich bereits gefragt, doch das habe ich nicht registriert. Nicht in der Lage mich zu artikulieren, nicke ich und folge ihm und Tamara, die an der Treppe auf uns wartet, die Stufen nach unten.
Sobald wir die letzte Treppenstufe erreicht haben, wird das Stimmengewirr aus Tenor, Bariton und Bass immer lauter und ich fühle mich, wie ein Lamm auf dem Weg zur Schlachtbank. Jetzt gibt es keinen Weg mehr zurück, jetzt werde ich erfahren, was hier vor sich geht. Das habe ich schließlich gewollt, oder?
Die Wahrheit.
Verunsichert, ob ich wirklich den Raum betreten will der vor mir liegt, bleibe ich stehen. Tamara, die mitbekommen hat, dass ich ihnen nicht mehr folge, wirft mir einen unsicheren Blick zu.
>> Kommst du? <<
Nervös wandern meine Augen zwischen ihr, der offenen Tür und dem Flur, der mich zur Haustür bringt, hin und her. Was diese Menschen mir auch immer sagen wollen, ich bin mir sicher, dass es nichts ist, was ich hören möchte. Es kann einfach nicht Gutes sein, warum sonst würden sie so ein Brimborium darum machen.
Positive Nachrichten werden nicht so geheimnisvoll mitgeteilt. Das kennt man doch schon aus den einfachsten Filmen. Es sind immer nur die Schlechten, die einem eine Gänsehaut verursachen und die einen mit zusammengeschlagenen Händen über den Kopf, die Flucht ergreifen lassen.
Tamara scheint zu ahnen was in mir vorgeht. Sie kommt die wenigen Schritte, die zwischen uns waren zu mir zurück und zieht mich sanft weiter. Während ich mich die letzten Schritte von ihr leiten lasse, wiederholen sich in meinem Kopf aus dem nichts, Worte, an die ich nicht gedacht habe.
>> Du bist Sophie Leonore Summert, du bist stark, du hast keine Furcht, dein Wille ist nicht zu zähmen. <<
Die Stimmen im Zimmer verstummen, als sie mich wahrnehmen und sich ihre Blicke auf mich richten. Es ist mir äußerst unangenehm, so im Mittelpunkt zu stehen und so senke ich den Kopf. Die Selbstsicherheit, die mich gerade noch erfasst hatte, verpufft schlagartig. Kurz hege ich die Hoffnung, ein Loch würde sich auftun in dem ich untertauchen kann, doch natürlich lässt das scheiß Loch auf sich warten.
Tamara erkennt anscheinend als Einzige die Problematik, der Situation und zieht mich in Richtung Sofa auf dem Nummer 7 und 8 gerade noch gefläzt haben. Sie sind aufgesprungen, ohne dass sie auch nur ein Wort, hatte aussprechen müssen.
Keiner scheint den Anfang mache zu wollen, alle schauen mich an, als wäre ich das 8. Weltwunder, was die Situation nicht gerade verbessert.
Unsicher, ob es klug ist den Anfang zu machen, wage ich einen Vorstoß und würge unter größter Anstrengung ein >> Hallo. << hervor. Schweigend sitzen wir im Kreis und die Zeit scheint stillzustehen. Mir wird speiübel und meine Gedanken schweifen wieder zur Haustür. Vielleicht hätte ich doch besser die Flucht ergreifen sollen, statt mich angaffen zulassen.
Meine Unsicherheit schlägt allmählich in Zorn um und nach weiteren Minuten, die ohne jegliche Reaktion der Anwesenden vergehen, bricht es aus mir heraus.
>> Es wäre echt nett, wenn ihr euch vorstellen würdet. Wer ich bin scheinen ja alle zu wissen. Zudem fände ich es toll, wenn mir mal jemand erklären würde, woher ihr das wisst und was das hier soll. << fordere ich die Runde auf, die außer Tamara komplett aus Jungs besteht.
Die Gesichter der Anwesenden zeigen entweder erstaunen oder entsetzen, doch weiterhin scheint keiner antworten zu wollen.
>> Also das hätte ich mir denken können, dass du nicht aufgepasst hast. Jeder von ihnen wurde in der Schule vorgestellt. << flüstert meine Freundin, doch ich zucke entschuldigend mit den Schultern.
Nun scheint der Bann gebrochen zu sein und Maxwell ist der Nächste, der zu sprechen beginnt. Er übernimmt die Vorstellungsrunde und zeigt reihum auf die Jungs.
Der jeweils angesprochene, hebt kurz den Kopf oder nickt mir zu. Somit weiß ich, dass ich die Namen auch tatsächlich dem Richtigen zuordne.
Bisher war es noch nie ein Problem für mich Gesichter mit Namen zu verbinden und als ich so von einem zum anderen schaue, überkommt mich wieder das Gefühl, den Jungs schon einmal begegnet zu sein. Unwillig schüttle ich mich, um es wieder los zu werden, doch es hält weiter an mir fest wie eine Klette.
In Wirklichkeit heißt der Typ, der im Apple mit Ella geknutscht hat, Ian und der andere schweigsame, hört auf den Namen Henderson.
Mir fällt auf, dass Max Akira ausgelassen hat und mechanisch drehe ich mich zu ihm. Das war keine gute Idee. Er mustert mich schweigend und sofort spüre ich, wie sein intensiver Blick Besitz von mir ergreifen will.
Japsend schließe ich die Augen und mir ist vollkommen egal, wie psychopathisch das auf die anderen wirken muss. Ich kann nicht zulassen, dass sich das noch einmal wiederholt. Er ist ein Arsch, ein arroganter Mistkerl und meiner nicht würdig.
Momentmal, meiner nicht würdig? Ist das wirklich einer meiner Gedanken? Solche Worte benutze ich für gewöhnlich nicht. Wieso denke ich sie?
Diese Knoten in meinem Hirn lassen mich vergessen, warum ich meine Augen geschlossen habe und ich öffne sie wieder, nur um Akira’s Gesicht vor mir zu haben.
>> Also? Warum das alles? << frage ich lauter als beabsichtigt.
>> Es ist wichtig, dass du uns vertraust. Wir wollen nicht, dass du wieder verschwindest. Wir wissen jedoch nicht genau, wie wir am behutsamsten mit der ganzen Geschichte beginnen sollen. <<
Haha und das sagt ausgerechnet er.
Ich hebe eine Augenbraue, als ich mich ihm wieder zuwende und mein Kopf erinnert mich kurz daran, dass die Alien-Geschichte noch nicht aus der Welt ist.
>> Meine Oma hat immer gesagt, am besten man beginnt am Anfang. Also würde ich sagen, der Anfang wäre ideal.<< antworte ich gereizt auf sein Weichspüler Geschwätz, das unterdrückte Lachen neben mir ignorierend. Von wegen vertrauen. Wie sollte ich ihm vertrauen? Ich habe noch immer nicht den blassesten Schimmer von dem, was hier vor sich geht.
>> Also vom Anfang an, ja? << kommt der nächste Satz von Rutherford, statt von meinem Gegenüber und ich nicke.
>> Na gut. <<
Er verändert seine Position ein wenig, um bequemer zu sitzen, dann beginnt er mit seiner Geschichte.
>> Erst einmal, um eins klarzustellen. Wir kennen dich nicht. Nicht wirklich. Wir haben dich so zu sagen nur im Auge behalten, genauso wie 3 andere Mädchen, die auf der weiten Welt verstreut sind. Du bist allerdings die letzte logische Möglichkeit, daher sind wir hier. <<
Ich verstehe nur Bahnhof und gebe ein äußerst stilvolles
>> Hä? << von mir.
Ruthi, wie ich insgeheim seinen Namen abkürze, übergeht meinen Einwurf und fährt fort.
>> Akira war bei allen 4 potenziellen Mädchen und hat sich in deren Umgebung blicken lassen, doch keine hat auf ihn reagiert. Keine außer dir. Aus diesem Grund wissen wir, dass du die Richtige bist und wir sind hier, um ihn zu unterstützen. << endet er seine, für mich wenig aufschlussreiche Erzählung.
>> Da hattest du ja einiges zu tun, was? << wende ich mich Akira zu, doch lasse ihn nicht zu Wort kommen.
>> Wie meinst du das, auf ihn reagiert? Nimm es mir nicht übel, aber bisher hast du mir nicht wirklich was verraten. Von der Sache, dass er 4 Mädchen gleichzeitig stalkt, mal abgesehen und ich weiß nicht, ob man damit hausieren gehen sollte. << spreche ich mit Ruthi weiter, der mich amüsiert ansieht.
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