Ernst von Wegen - Maiglöckchen-Blues

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Der IT-Experte Odo Blume glaubt nach 20 Jahren als Fremder in seine Geburtsstadt zurückkehren zu können. Doch Holzminden ist zu klein für Anonymität…
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Häufig, wenn Odo Auto fuhr, fiel ihm plötzlich etwas ins Auge - ein Haus, ein Baum, ein Berg, eine Brücke oder sonst was - in einem ganz bestimmten Licht - und wusste noch im selben Augenblick: das musste er so fotografieren, von dieser Perspektive, zu dieser Jahreszeit, bei diesem Wetter und in diesem Licht! Weil er schon zu viele solche „optischen Geschenke“, wie er sie nannte, nicht eingelöst hatte, notierte er mittlerweile Zeit, Ort und Motiv, um irgendwann den Shot zu machen. Dennoch konnte er nur wenige solcher Schüsse tatsächlich verwirklichen, weil er beispielsweise nicht wieder in diese Gegend kam oder Zeit, Licht und Stimmung nicht mehr passten. In seltenen Fällen fand er die Stelle einfach nicht mehr.

Die beiden Bäume im Morgennebel draußen vor der Stadt hatten allerdings nicht mehr gekostet, als früh genug aufzustehen. Und das war kein Problem. Blume unterteilte sein Leben nicht, wie andere Leute, in Tag und Nacht, Arbeit oder Freizeit, Sonn- oder Wochentag. Er arbeitete, wann er Lust hatte, also fast immer, und er schlief wenn er müde war, also selten vor Mitternacht und kaum länger als fünf, sechs Stunden.

Nun hatte er im Kasten, was er hatte einfangen wollen, sogar noch einige kleine Zugaben, eine gute Ausbeute, doch der Tag war einfach zu jung und das Licht zu klar, um nach Hause zu gehen. Er klappte das Stativ nur zu, warf es auf die Schulter und überlegte, wo er fußläufig die besten Motive in dieser Tageszeit finden könnte.

I - 2

Ausgerechnet am Tag der Arbeit wurde nicht gearbeitet - Burkhardt Mahlmann fand das kurios, schon immer. Für ihn persönlich hieß das nichts weiter, als dass er an diesem Donnerstag keine Zeitungen auszutragen hatte. Nach alter Gewohnheit stand er trotzdem genauso früh auf wie immer. Das lautstarke Amselkonzert vor seinem Fenster ließ ihn ohnehin nicht mehr schlafen. Entgegen alter Gewohnheit rasierte er sich noch, ehe er aus dem Hause ging. So machte er den Donnerstag zum Feiertag. Das Frühstück verkniff er sich noch, die Vorfreude war schließlich genauso schön, wie das Frühstück selber. Sein scharfes Rasierwasser prickelte auf der geröteten Haut. Der kühle Ostwind verstärkte die wohltuende Frische. Ein Ziehen in der linken Hüfte kündigte einen Wetterumschwung an. Sein verschlissenes Gelenk war verlässlicher als manche Vorhersage von den Wetterfröschen im Fernsehen.

Von der Gaststätte Allersheimer Tor, in deren Dachgeschoss er eine winzige Wohnung hatte, radelte er gemütlich stadtauswärts, sein kleiner Anhänger, in dem sonst die Stapel mit den Tageszeitungen lagen, hoppelte über die Unebenheiten im Radweg. Die Wurzeln der Alleebäume drückten immer wieder den Asphalt hoch. Mahlmann kannte jeden Riss und jeden Huckel und steuerte sein Fahrrad durch dieses graue Wellenmeer wie ein erfahrender Kapitän. Nach dem Blauen Würfel, wie das Schulzentrum genannt wurde, bog er rechts ab in die Liebigstraße und nach der Baumschule fuhr er links rein, die Heusingerstraße entlang. Das war sein Lieblingsweg: an den Schrebergärten und am Reitstall vorbei, dann mitten durch die Feldmark mit Blick auf den sanften Bergrücken des Solling, dessen Waldrand von Äckern und einem Truppenübungsgelände der Bundeswehr nach oben gedrängt wurde. Im „grünen Halbjahr“ begann er seine Zeitungstour in der Dr. Jasper-Straße und arbeitete sich über den Grimmenstein bis zur Liebigstraße vor, um dann, wenn er die letzte Zeitung im Kasten der Baumschule versenkt hatte, eben jenen Abstecher durch die Felder zu machen. Die Macht der Gewohnheit zog ihn auch an diesem 1. Mai 2014 zum Briefkasten, bis er merkte, dass er heute gar nichts einzustecken hatte. Mahlmann lachte über diesen Reflex, der ihm wieder mal zeigte, dass ihm Pflichtbewusstsein noch immer über das Vergnügen ging.

Bis hin zu den Schrebergärten standen Wahlplakate. Europa-Wahl, Holzminden wählte zusätzlich noch den Bürgermeister, diesmal vielleicht sogar eine Bürgermeisterin. Eine Kanzlerin haben wir schon, eine Landrätin auch, irgendwann ist alles in Weiberhand, dachte er, der eingefleischte Junggeselle. Aber gut, wenn sie es denn besser machten als die Kerle, warum nicht? Im Zuge des Wahlkampfs kündigte ein Plakat prominenten Besuch aus Berlin an: ein Spitzenmann der Linken wollte am Tag der Arbeit in Holzminden sprechen. ‚Reden können die alle gut‘, dachte Mahlmann, ‚aber eine richtige Arbeit hat mir das bis heute nicht gebracht‘.

Buck - so nannten ihn alle, das spielte auf seinen Sprachfehler an - Buck Mahlmann hatte immer gerne gearbeitet. Viele Jahre lang war er Faktotum in der nahen Brauerei Sollinggold gewesen. Bis die Brauerei vor zehn Jahren den Besitzer gewechselt hatte. Der neue Besitzer brauchte kein Faktotum mehr. Auch niemand sonst in der Gegend brauchte einen ungelernten Fünfzigjährigen, der lispelte, Konsonanten zwischen den Lippen zerquetschte und in Erregung auch noch stotterte. Nur die Tageszeitung hatte Verwendung für ihn. Ein dickes Lob zum Dienstjubiläum: Immer pünktlich gewesen! Nicht einmal krank gewesen in den zehn Jahren, Respekt! In Burkhardts Augen war das Austragen von Zeitungen gar keine richtige Arbeit, es machte ja nicht müde. Aber gebraucht zu werden, war schön. Kein pflichtbewusster Mensch kann ganz ohne Aufgabe und völlig nutzlos in den Tag hineinleben. Da wird einer doch rammdösig bei, oder nicht?

Von Montag bis Sonnabend holte er seinen Stapel direkt beim „Holzmindener Anzeiger“ in der Bülte, warf ihn in seinen Fahrradanhänger und mäanderte - im „grauen Halbjahr“ - von der Liebigstraße über den halben Grimmenstein, Fröbelstraße, Braunschweiger Straße, usw. bis zur Dr. Jasper-Straße. Im „grünen Halbjahr“ aus erwähnten Gründen andersrum.

Die Felder hinter der Baumschule und dem Liebigstadion waren noch größtenteils kahl, während drüben unterm Beveraner Burgberg schon die Rapsfelder leuchteten als verfügten sie über eine eigene Lichtquelle. Eine Amsel flog aus dem Gebüsch und flatterte zeternd vor ihm her. Weiter hinten, gut versteckt, antwortete eine Singdrossel vielstimmig-melodiös. Die unscheinbaren Amseln mit ihrem schlichten Geschrei hüpfen einem immer vor den Augen herum. So wollen die Vögel mögliche Feinde vom nahen Nest weglocken. Ihre begabte Kollegin, die Singdrossel dagegen bekommt man kaum zu Gesicht. Scheues Künstlervolk, das gibt’s also auch bei den Vögeln. Weit oben flog ein Reiher von der Weser her, vermutlich ins Hasselbachtal zum Frühstück. Links, hoch über den Feldern schmetterte eine einsame Lerche ihre Sehnsüchte nach einem Partner in den glasklaren Morgenhimmel - es ist so wenig, was die Lebenden treibt, doch das Wenige ist stark und mächtig: der leere Magen und der volle Sack, sie alleine schreiben uns all die schönen Lieder und Geschichten. Ja, Burkhardt Mahlmann kannte das Leben und deshalb fürchtete er es nicht.

Im Glück nicht jubeln, im Leid nicht klagen,

das Unvermeidliche mit Würde tragen.

Das hatte ihm sein Vater ins Poesiealbum geschrieben. Da war Bucki zehn gewesen. Das hatte er sich gemerkt, bis heute. Das Leben gab ihm wenige Möglichkeiten zu jubeln. Grund zu klagen hatte er keinen. Ein wahrhaft würdevolles Leben führte er.

An der Brücke, die den Wirtschaftsweg über die Umgehungsstraße führte, stoppte Buck und stieg vom Rad. ‚Das müsste Wolfgang sehen‘, dachte er, ‚das würde er malen wollen‘. Mahlmann bewunderte die Hobby-Maler der Gegend und besuchte jede Ausstellung des Kunstkreises Holzminden. Die Abstrakten sagten ihm nichts, aber die Landschaftsmalereien liebte er. Buck hätte gerne selber gemalt, allein, ihm fehlte das Talent. Er hatte es versucht - für sich im stillen Kämmerlein und in Zeichenkursen der Volkshochschule, doch seine groben Pranken gehorchten ihm nicht. Arbeiterpranken eben. Muss man mit leben. Dennoch sah er die schönen Seiten der Welt durchaus mit dem Blick eines Malers und gab den Begabteren gerne Hinweise auf schöne Motive. Was Buck an diesem ersten Mai an dieser Stelle so gefiel, war der Weißdornbusch, der seine schneeflockengleichen Blüten in das knallige Gelb des Rapsfeldes auf der anderen Straßenseite hineinstreckte. Er sog den herben Rapsblütenduft ein, den der leichte Ostwind ihm direkt in die Nase trieb. Roch ein bisschen wie Schweißfüße, der Raps, sagte er immer, aber der wunderschöne Anblick tröstete über den Geruch hinweg. Der verschwenderische Frühling trägt eben gerne dick auf. Kurz überlegte Mahlmann, geradeaus weiter zu fahren, entschloss sich aber, wie immer links runter den Radweg zu nehmen, der in einigem Abstand zur Umgehungsstraße durch die Büsche führte. Weiter unten dann der offene Blick zur Brauerei Sollinggold. War über 25 Jahre lang sein zweites Zuhause gewesen, der Laden. Alles hatte er gemacht, ohne zu murren, ohne auf Überstunden zu achten. Leider zählt heute nur noch, was mit dem Rechenstift erfassbar ist. Die gute Seele eines Betriebes erfasst der Rechenstift nicht. Bucks versöhnliches Wesen, das so manchen Streit geschlichtet hatte, erfasste er auch nicht; seinen unerschütterlichen Optimismus, der so manchem Morgenmuffel auf die Sprünge half, erfasste der Rechenstift nicht. Auch nicht seine Hilfsbereitschaft. Und auch das neue kühle Arbeitsklima und die Angst um den Arbeitsplatz, die sich mit dem Führungswechsel eingeschlichen hatten, fanden keinen Eingang in die Zahlenkolonnen. Nur die Abfindung, die man ihm als Trostpflaster über die Seelenwunde geklebt hatte, die drei Monatsgehälter extra, die fanden sich als soziales Feigenblatt in den Büchern wieder und als Großzügigkeit in den Köpfen der neuen Geschäftsleitung.

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