1 ...8 9 10 12 13 14 ...21 »158318002. Wie gesagt, ich habe ein gutes Gedächtnis«, gab sie ihm gehässig zurück.
Ohne weiter auf ihre Stimmung einzugehen, tippte Eric den Code komplett ein. Ein leises Klicken war zu hören, dann sprang die Tür des Safes einige Millimeter auf.
»Bingo!«, jubelte Monja und schob Eric zur Seite.
»Bitte, gerne gemacht!«, sagte er und ging einige Schritte zurück. Sammy kam zu ihm.
»Deine Freundin ist ja …«
»Das ist nicht meine Freundin, Sammy«, stellte Eric klar. In wenigen Worten erklärte er ihm, was vor einigen Minuten passiert war. Als Eric fertig berichtet hatte, klopfte sein Freund ihm fest auf die Schulter.
»Wenn schon verrückt, dann aber richtig, oder?«, meinte er schmunzelnd.
»Schatz, schau mal. Wer auch immer hier wohnt, er hat dasselbe Bild hängen wie mein Bruder«, rief Ines, die vor dem Bild von Paris stand.
»Dasselbe? Ich dachte, dein Bruder malt selber?«, fragte Sammy nach.
Monja drehte sich zu ihnen um, in der Hand eine Mappe mit unzähligen Zetteln und Bildern.
»Das nennt sich Malen nach Zahlen. Die Motive sind vorgegeben, aber man malt es selber aus, wobei eine Zahl in dem Feld die Farbe angibt«, begann Monja einen Vortrag zu halten. Ines hob ihre Hand.
»Danke, Süße, ich kenne mich schon aus. Aber irgendetwas ist an diesem Bild anders, bilde ich mir jedenfalls ein« Sie studierte weiter das Bild.
»Das habe ich mir auch schon gedacht …«, meinte Monja leise. Sie war immer noch aufgewühlt, durcheinander und wusste nicht, was sie von Erics Freunden halten sollte.
Eric blickte zu Monja, die in der Mappe blätterte.
»Und? Hast Du etwas Interessantes gefunden? Etwas, das diesen Angriff erklären würde?«
Monja zog ein Blatt hervor, auf dem das Abzeichen der beiden Männer abgebildet war.
»Ja, hier, zum Beispiel. Ein Brief von einem Salvatore Barbier-Mueller. Er schreibt, dass diese sogenannte Bruderschaft nichts anderes, als eine große, gut organisierte und geheime Sekte ist. Ihre Grundideen von einem Paradies auf einem anderen Planeten sind nicht neu, diese Sekte hat sich auf den Mars eingeschworen. Hier steht auch, dass er die Anstecknadel untersucht hat und der kleine Stein, der eingefasst ist, einige seltsame Merkmale aufweist. Er wird ihn weiter überprüfen lassen und sich dann wieder melden. Er hofft, dass dein Vater ihn in Barcelona besuchen kommt.
Bezüglich der Obsidiansteine verläuft die Spur im Sand, aber er müsse noch Erkundigungen einholen, inwieweit Antoni Gaudi mit dem Franzosen Victor Cuvier zu tun hatte. Hier ist seine Visitenkarte, ich werde ihn nachher anrufen und erzählen, dass mein Vater … dass er nicht mehr lebt.«
Sie stöberte weiter in der Mappe. Eric kam zu ihr, doch sein Blick ging zum geöffneten Safe.
»Monja hast Du dir den Inhalt des Safes genauer angesehen?«, fragte er verwundert. Abgelenkt von den vielen Unterlagen meinte sie nur: »Noch nicht, ich schaue mir gerade …«
Eric packte sie an der Schulter und drehte sie in Richtung der offenen Tür.
»Hey, was soll das? Lass mich … Was ist denn?«, fluchte sie, aber als sie noch einmal in den Safe blickte, verstummte sie.
Sie hatte nur die Mappe aus dem oberen Fach herausgenommen, das zweite Fach hatte sie nicht beachtet. Dort lagen bündelweise Geldscheine. Eric nahm einige heraus.
»Ein Bündel mit fünfzig 500 Euro Scheinen, das sind … 25.000 Euro! Und das ist nur ein Bündel von vielen hier drinnen.«
Er nahm noch mehrere heraus. Neben den 500er-Scheinen waren auch Bündel mit 100 und 50 Euro Scheinen dabei.
»Dein Vater war ein reicher Mann, Süße«, stellte Sammy fest, »Wenn Du Hilfe mit dem Geld brauchst …«
»Sorry, nein. Das überlass schön mir, okay?«, blockte sie sofort ab. Sammy grinste Eric kurz an, wich einige Schritte zurück und reichte ihr eine Stofftasche, in die Monja die Bündel verstaute.
»Hier in der Mappe steht eine Notiz in der Handschrift meines Vaters. `Die Bilder zeigen den Weg.´ Was soll denn das bedeuten?«
»Dein Vater litt unter Verfolgungswahn, ich glaube, deshalb hat er die Wohnung auch als Versteck gewählt und hier seine Nachforschungen betrieben. Ob er diese selbstgemalten Bilder meint?«, überlegte Eric laut. Ines kam seiner Überlegung zuvor und nahm das Bild von Paris herunter.
»Schön gemalt, er hatte scheinbar eine recht ruhige Hand«, meinte sie und hielt das große Bild vor sich. Es war ungefähr einen Meter breit.
Was Ines nicht sah, dafür aber alle anderen in dem Raum, war eine kleine Postkarte, die auf der Rückseite eingeklemmt war. Eric nahm sie heraus und zeigte sie Monja.
»Der Eiffelturm auf einer ziemlich alten Ansichtskarte. Kannst Du Französisch?«, fragte er sie. Monja schüttelte den Kopf und wendete die Karte, aber die Rückseite war leer. »Okay, das alles ist mir eindeutig zu hoch, zu verkorkst, fast schon zu verrückt. Ich glaube, wir sollten jetzt einmal die Polizei …« Weiter kam sie nicht, denn in diesem Moment zerbarsten die Fenster im Wohnzimmer. Zwei brennende Flaschen wurden hereingeworfen. Eine landete auf der Couch und setzte diese sofort in Flammen. Die zweite Flasche zerbrach am Boden, die brennende Flüssigkeit verteilte sich in Richtung Buchregal. Monja kreischte erschrocken auf und wich vom Feuer zurück. Eric packte sie fest am Arm und zog sie mit sich. »Raus hier, alle, schnell!«, schrie er. Sammy sah sich kurz um, schnappte sich dann das Bild von Mexiko und rannte mit seiner Freundin los. Ines hielt ebenfalls ihr Gemälde noch immer in der Hand. Bei der Eingangstür schnappte sie sich die Tasche mit den Geldbündeln. Kaum erreichten sie die Tür, hörten sie, wie ein weiterer Brandsatz in die Wohnung landete. »Die zwei …«, fiel Monja ein. »Was sollen wir tun? Zurückgehen und sie aufwecken?«, fuhr Sammy sie an und schob sie weiter. Monja griff noch einmal in den Safe und zog eine Mappe heraus, die sie fest an sich klammerte. Als sie draußen waren, schlug Eric die Tür hinter sich zu. Sie rannten ins Freie und sahen noch, wie ein Wagen davon raste. Es war derselbe, der Eric schon vorher aufgefallen war. Aus dem Fenster der Wohnung schlugen Flammen und Rauch auf die Straße. »Caramba, Coño! Was geht denn hier vor? Zuerst der Unfall mit dem Wagen, jetzt wird die Wohnung in Brand gesetzt. Dein Vater muss mitten in ein Wespennest gestochen haben, Monja.« »Reden können wir später auch, unser Wagen steht um die Ecke. Kommt mit, wir fahren zu uns«, forderte Sammy sie auf und zog sie weiter. Um die nächste Hausecke stand der Wagen von Sammy. Sofort sprangen sie alle hinein und Sammy warf sich hinter das Steuer. Er fuhr los und lenkte den Wagen weg von dem brennenden Haus. Erst einige Minuten später traute sich wieder jemand, in dem Wagen zu sprechen. Es war Ines, die sich zu Eric und Monja umdrehte. Beiden war der Schock im Gesicht anzusehen. »Wir fahren jetzt zu uns heim und dann werden wir uns in aller Ruhe diese ganzen Unterlagen ansehen. Ihr müsst da etwas Hochbrisantes in Händen halten, wenn diese Verrückten sogar ihre eigenen Leute opfern.« »Ich verstehe das alles nicht. Mein Vater war Wissenschaftler. Noch dazu jemand, der sich mit solchen Fantastereien, wie Außerirdischen beschäftigt hat. Wer sollte denn so einen Mann umbringen wollen?« Monja zitterte am ganzen Körper. »Wir sind gleich bei uns daheim, dann kriegst Du etwas zur Beruhigung, Süße«, versprach Sammy ihr, während Eric sie an sich drückte und versuchte, sie etwas zur Ruhe zu bringen.
Sammy Beruhigung war ein Glas Whiskey, das Monja in einem Zug leerte. Den zweiten trank sie etwas langsamer.
Vor ihnen lag die Mappe, die Monja aus der Wohnung gerettet hatte. Außer diesen Unterlagen hatten sie noch die zwei Bilder mitgenommen. In den Nachrichten war schon von dem Brand gesprochen worden. Die Feuerwehr konnte nichts mehr aus der Wohnung retten, die Identität der zwei Leichen war nicht geklärt worden.
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