Bisher bedurfte es bei der Anwendung solcher Methoden erfahrener Therapeuten. Der Grund lag einerseits in den Gefahren, denen sich der Laie nicht selten durch mentale Selbstbeeinflussung aussetzt. Andererseits fehlte es an der Entwicklung einfacher Methoden, wie sie etwa im Autogenen Training oder in der Progressiven Muskelentspannung für das Entspannungstraining bereits vorliegen.
Die Arbeiten des amerikanischen Psychologen Daniel Goleman über emotionale Intelligenz führten zwar zu einem verstärkten Nachdenken über die Rolle unserer Gefühle. Golemans Bücher »Emotionale Intelligenz« und »EQ2. Der Erfolgsquotient« entwickeln jedoch wie gesagt lediglich die Anfänge einer systematischen Übung und Bewusstmachung von Gefühlen.
Bis auf wenige Ansätze fehlt in ihnen fast völlig die eigentliche »Logik der Gefühle«, d.h. ein genaueres Verständnis, welche Funktionen Gefühle in unserem Leben haben.
Mit dem EQ-Training wird erstmals eine Methode verfügbar, die Golemans Arbeit weiterführt und einerseits auf den erfolgreichen Grundeinsichten der Verhaltenstherapie und der Kognitiven Therapie beruht, aber auch auf jahrhundertealte bewährte mentale Techniken aus dem östlichen Denken zurückgreift. Allerdings werden solche traditionellen Techniken hier mit den Begriffen der rationalen westlichen Psychologie durchleuchtet und präzisiert. Dies gilt vor allem auch für die Begriffe Wert, Sinn und Gefühl.
EQ-Training nutzt zur mentalen Veränderung vor allem Positivität (das Angenehmsein) und Negativität (das Unangenehmsein) der Gefühle.
EQ-Training geht dabei weit über bloßes Entspannungstraining hinaus und ermöglicht eine allgemeine positive mentale Veränderung, ohne dazu auf mystische, religiöse oder esoterische Vorstellungen zurückzugreifen.
EQ-Training ist wie das Autogene Training auch ohne Lehrer einsetzbar, von besonders labilen und gefährdeten Personen einmal abgesehen – vorausgesetzt, es werden die Übungsregeln eingehalten und das Prinzip ist soweit verinnerlicht worden, dass der Übende mit negativen Emotionen und Gedanken umgehen kann, wie sie bei jeder mentalen Technik auftreten.
Gerade der Umgang mit solchen Gefühlen aber ist es, der im EQ-Training trainiert wird.
4 Der Wirkungsmechanismus des EQ-Trainings
Die Wirksamkeit des EQ-Trainings beruht auf einigen wenigen fundamentalen Grunderkenntnissen, deren Umsetzung in einfachen Übungen Ihnen schnellen und sichtbaren Erfolg garantiert.
EQ-Training geht von der Entdeckung aus, dass alle Menschen von demselben mentalen Hauptprinzip gesteuert werden:
– Unsere Erfahrung der Wirklichkeit ist zutiefst werthaft.
– Werterfahrung beruht im Wesentlichen auf positiven und negativen Gefühlen.
– Mentale Probleme zeigen sich einerseits auf der Gefühls- und anderseits auf der Gedankenebene.
– Mentale Probleme sind immer Probleme im Bereich der Wert- und Unwerterfahrungen und der Werturteile.
Werden solche – zum Teil sehr subtilen – Gefühle und Gedanken mit entsprechenden Techniken bewusst gemacht, dann lassen sie sich positiv beeinflussen.
Um auf jene Ebenen des Bewusstseins zu gelangen, in denen Veränderungen ohne Suggestion oder Einbildung (Placeboeffekt) wirken können, bedarf es jedoch spezieller Voraussetzungen. Es muss zunächst einmal ein Zustand relativer Ruhe und Entspannung und müheloser Zentrierung auf die eigene Mitte erreicht werden. Im Autogenen Training werden solche Bewusstseinsverfassungen als »Umschaltung« bezeichnet. Im Zen spricht man – allerdings ein wenig irreführend – von »Gedankenleere«.
Nicht wenige Menschen bezeichnen sich jedoch eher als »nervös«. Der Blick nach innen auf Gefühle und Gedanken verursacht ihnen oft Angst und Unbehagen. Die Aufmerksamkeit ist nicht in der Lage, längere Zeit bei einem Gegenstand zu verweilen. Das ruhevolle, wache Selbstbewusstsein, das jeder zumindest aus gelegentlichen positiven Lebensphasen kennt, wird überschattet von ablenkenden Gedanken und Emotionen.
Bekannte Techniken, um mehr innere Ruhe zu erreichen, sind das Autogene Training, die Progressive Muskelentspannung, aber auch viele Meditationstechniken östlicher Prägung wie z.B. Meditation auf den Atem, Zen oder Transzendentale Meditation.
Von solchen Techniken wissenschaftlich am besten untersucht sind das Autogene Training und die Transzendentale Meditation (TM). Für beide Methoden liegt eine solche Fülle von Untersuchungen über positive seelische, geistige und körperliche Effekte vor, dass an ihrem Wert kaum noch zu zweifeln ist.
Konzentrative Verfahren wie das Autogene Training führen jedoch besonders in der Anfangsphase bei vielen Übenden leicht zu (oft unbewussten) Muskelanspannungen und unangenehmen Körpergefühlen der Anstrengung und Erschöpfung oder zu anderen negativen Wahrnehmungen.
Eine der Schwierigkeiten, das Autogene Training zu erlernen, beruht darauf, dass Menschen, die nervös sind und an Konzentrationsschwierigkeiten leiden, konzentrativ gegen ihre Nervosität ankämpfen sollen, um Techniken wie Armschwere und Körperwärme zu üben.
Das mindert den Wert solcher Methoden zwar nicht grundsätzlich – Autogenes Training gehört sicher zu den erfolgreichsten Entspannungsübungen –, doch die Belastung, die in der Erfahrung negativer Gefühle liegt, wird auf diese Weise zunächst einmal noch erhöht, ehe dann mit den Übungen Linderung eintritt.
Um die Spannung der konzentrativen Hinwendung zu mindern, reicht es manchmal auch nicht aus, durch begleitende Formeln – wie etwa auf den Atem: »Es atmet mich« – der Anspannung entgegenzuarbeiten. So erklärt selbst J. H. Schultz, der Begründer des Autogenen Trainings, dass es sehr nervösen Menschen unter Umständen unmöglich ist, die Technik zu erlernen.
In der klassischen Form der Mantrameditation, wie sie unter anderem im Yoga und in der Transzendentalen Meditation praktiziert wird, muss zwischen konzentrativen und nicht-konzentrativen Methoden unterschieden werden. (Was unter »nicht-konzentrative« zu verstehen ist, wird weiter unten erläutert.)
Die Aufmerksamkeit wendet sich in der Wortklangmeditation eine Zeitlang wiederholt einem Mantra zu – das ist ein Wortklang ohne Bedeutung –, und dieses Verfahren führt in der Regel zu tiefer Entspannung, zu innerer Zentriertheit der Aufmerksamkeit und Beruhigung der Gedanken und Gefühle.
Wer von der Anwendung eines Wortklangs zur Gesundung und persönlichen Entwicklung hört, wird leicht dem naheliegenden Vorurteil erliegen, hierbei handele es sich um irgendeine Art von esoterischem Humbug, um Einbildung oder religiöse, wenn nicht sogar okkulte Praktiken, die womöglich in die seelische Abhängigkeit zu einem Guru führen.
Mantras können jedoch völlig neutral eingesetzt werden. Dann wirken sie rein mechanisch auf der psychologischen und physiologischen – und eben nicht auf der weltanschaulichen oder suggestiven Ebene – durch die bloße Anwendung ihrer Regeln.
Transzendentale Meditation kann als ein Prototyp der nicht-konzentrativen Mantrameditation angesehen werden. Ihre vielfältigen gesundheitlichen Wirkungen sind inzwischen weitgehend anerkannt.
Doch wird diese Art der Meditation innerhalb eines religiösen Systems gelehrt, das aus der sogenannten vedischen Tradition Indiens stammt. Ein großer Teil des gedanklichen Hintergrundes, soweit es sich nicht um neuere Interpretationen des indischen Gurus Maharishi Mahesh Yogi handelt, der die Technik im Westen populär machte, stammt aus zum Teil für das kritische westliche Denken recht spekulativen philosophischen und religiösen Überlegungen.
TM kann zwar wie jede Mantrameditation auch weitgehend unabhängig von weltanschaulichen Voraussetzungen ausgeübt werden. Deshalb empfiehlt selbst die Stiftung Warentest, die gewiss nicht im Verdacht steht, religiöses Denken zu propagieren, TM unter anderem als wirksames Mittel gegen zu hohen Blutdruck. Doch in der Praxis wird der Übende mit Thesen aus der philosophisch-religiösen Gedankenwelt der alten vedischen Philosophie und des Yoga konfrontiert.
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