ten doch nur dafür, dass es den Bürgern gut geht.“
Hitler schreit nochmal, aber lauter: „Wir sind Arbeiter, damit es den
Bürgern gut geht.“
Und er fügt hinzu: „Auch wenn wir wenig dafür bekommen, sollen wir doch froh sein, dass wir für die Bürger arbeiten können.“
Der Hauptredner sagt ins Mikrofon: „Wir alle bekommen nie genug und
sind gemeinsam froh, dass wir für die Bürger in der Gesellschaft in bester
Weise sorgen.“
Hitler schreit weiter: „Wir sind Arbeiter der Bürger. Dadurch helfen sie uns ja gerade, dass wir an Macht gewinnen.“
Der Hauptredner sagt: „Wir sind den Bürgern gegenüber verpflichtet. Die Bürger sind es doch gerade, die uns versichern, dass wir einen festen
Bestand an Sitzen im Parlament haben.“
Hitler ruft zu seinen Kameraden ins Podium: „In meinem körperlichen
Leben haben mir die Bürger auch geholfen. Das wisst ihr genau so gut wie ich. Und ich bin der Führer der Arbeiter und Soldaten geworden.“
Der Hauptredner sagt: „Alle die mich kennen, wissen was die Bürger für uns tun. Und ich bin der neue Anführer der Arbeiterbewegung gewor-
den. Mein Ziel ist es, dass ich auch der oberste Befehlshaber des Militärs werde.“
Hitler schreit ganz laut: „Die Bürger danken es mir noch heute.“
Der Hauptredner sagt: „Sie alle hier und alle Bürger der Gesellschaft werden es mir danken.“ Hitler schreit weiter ganz laut: „Kameraden, wir
sind Arbeiter, damit es den Bürgern gut geht.“ Der Hautredner sagt ins
Mikrophon: „Meine Damen und Herren, Sie und ich, wir wissen, wem gegenüber wir verpflichtet sind.“
Hitler schreit: „Die Macht gehört dem Staat. Der Staat bin ich. So ist es in den Gesetzen fest verankert.“
Der Hauptredner sagt: „Das Grundgesetz steht uns ständig nur im Weg. Wir müssen endlich eine Gesetzeslage schaffen, die es möglich macht,
dieses haarsträubende Grundgesetz zu umgehen. Der Staat trägt Verant- wortung.“
Hitler ruft in die Menge: „Die Zwangsarbeit muss wieder eingeführt werden.“
Der Hauptredner sagt: „Der Kündigungsschutz muss beseitigt werden. Sowie strengere Arbeitsmaßnahmen unbedingt vorherrschen müssen.“
Hitler schreit: „Die Bundesrepublik ist nur eine Notlösung. Das Dritte
Reich soll die nächsten tausend Jahre weiter felsenfest und unbesiegbar bestehen.“
Der Hauptredner sagt ins Mikrofon: „Die Bundesrepublik ist dabei, sich
zu stabilisieren und zu festigen. Wir wollen auch in den nächsten tau- send Jahren beweisen, dass wir eine Weltwirtschaftsmacht sind. Weltweit
tragen wir militärisch große Verantwortung.“
Hitler schreit weiter: „Das ist alles nur der Tatsache zu verdanken, dass wir Arbeiter für die Bürger arbeiten. Wir Arbeiter wären nichts ohne die
Bürger. Und die Bürger wären nichts ohne uns Arbeiter. So war es schon
immer. Und es wird immer so sein.“
Der Hauptredner sagt: „Die Solidarität der Arbeiter mit den Bürgern hält den Staat aufrecht. Daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern.“
Hitler schreit ganz laut: „Wir sind Arbeiter, damit es den Bürgern gut
geht.“
Der Hauptredner sagt: „Wir alle arbeiten doch nur dafür, dass es den
Bürgern gut geht.“ Hitler schreit: „Ich, der Führer und der Vorsitzende der NSDAP, der nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei, weiß
was ich euch sage. So war es schon damals und so ist es noch heute. So wird es immer sein. Wir sind Arbeiter, damit es den Bürgern gut geht.“
Der Hauptredner sagt ins Mikrofon: „Als Anführer der neuen Arbeiter- bewegung und als Verfasser des neuen Sozialhilfegesetzes weiß ich,
wovon ich rede. Die alten Probleme sind heute noch die gleichen. Daran wird sich nichts ändern. Wir alle arbeiten doch nur dafür, dass es den
Bürgern gut geht.“
Hitler schreit ganz laut: „Wir wussten es schon immer, was richtig ist.“ Der Hauptredner sagt: „Auf unseren Plänen der vergangenen Zeiten
basiert die Zukunft.“ Hitler schreit: „Kameraden, gestern ist morgen.“
Der Hauptredner sagt: „Die Zukunft das sind wir. Wir alle. So wie wir es schon immer waren. Wir.“ Hitler schreit wieder zu den Kameraden: „Wir sind Arbeiter, damit es den Bürgern gut geht.“
Der Hauptredner sagt: „Wir alle arbeiten doch nur dafür, dass es den
Bürgern gut geht.“
Hitler schreit noch lauter: „Kameraden, lasst uns erneut beginnen, auf das Beste für das Wohl der Bürger zu arbeiten und zu kämpfen!“
Der Hauptredner wendet sich an das Publikum: „Freunde, lasst uns
gemeinsam und stark für das Wohlergehen der Bürger kämpfen!“ Hitler: „Für ein unerschütterliches tausendjähriges Reich!“
Hauptredner: „Für weltweite, vorherrschende Wirtschaftsmacht
Deutschlands.“
Hitler stimmt singend die ersten Worte und Töne der Nationalhymne an: „Deutschland. Deutschland über alles....“ Seine Kameraden stehen
wieder alle auf und singen weinerlich mit, wie in der Kirche bei einer
Trauerfeier. So als wollten sie einen Kranz niederlegen.
Der Hauptredner ruft ins Publikum, wie nach einem gewonnenen
Fußballspiel: „Deutschland. Deutschland. Deutschland...“ Die deutschen
Minister schließen sich ihm im Chor an.
Die ausländischen Minister schweigen jedoch dabei wie Gräber.
Der Vorredner, der noch immer neben seiner Frau steht, und nun auch nur Zuhörer war, ergreift wieder das Wort als die Deutschland-Rufe
wieder abklingen und der Applaus der Deutschen leise wird: „Meine
Damen und Herren, wir bedanken uns herzlichst bei diesem jungen, so viel Hoffnung für die Zukunft erweckenden, geistreichen Hauptredner.
Somit erwarten wir auch schon den viel bewunderten Abschlussredner,
der sogleich hier in Erscheinung treten wird. Ach, da ist er ja schon. Grüße Sie.“
Ein Arzt im weißen Kittel tritt jetzt aus der Seitentüre hervor. Ein Arzt mit einer großen Horn-Brille auf der Nase. Er hat einen schwarzen
Schlapphut auf. Auch er hat eine braune Ledertasche dabei. Aus ihr entnimmt er ein in durchsichtiges Plastik gegossenes Gesicht einer
Leiche.
Nein, das darf nicht wahr sein. Jetzt könnte ich aber wirklich böse werden. Ach, wenn ich doch als Geist noch böse werden könnte, denke
ich nur noch. So gerne will ich diesem Arzt hier nun etwas antun.
Denn es ist mein Gesicht, das er da gerade aus seiner Tasche gezogen hat und dem Publikum vorführt. Ja, mein Gesicht. Vormittag wurde ich
erschossen. Und nun nachmittags, muss ich hier bei einer Tagung mitansehen, wie sie mein Gesicht schon in glasklares Plastik gegossen
haben und es als Anschauungsmaterial verwenden. Gleichzeitig weiß ich
nicht mehr, wie ich jetzt meinem Verlobten noch helfen soll, der gerade neben mir einen totalen Nervenzusammenbruch bekommt.
Die Minister klatschen und applaudieren auch noch dabei, als dieser
Arzt mein Gesicht aus seiner Tasche zieht, es ihnen demonstrativ ins
Publikum entgegen hält und im selben Moment sagt: „Guten Tag, meine
Damen und Herren. Wir begrüßen Sie.“ Was soll auch noch dieses ´wir`
heißen, denke ich voller Wut. Dieser verrückte Arzt meint wohl, dass das
Gesicht meiner Leiche die Minister hier mit ihm zusammen grüßen will. Mein Verlobter ist aufgesprungen. Er hat sich die Hände vor sein eigenes
Gesicht gehalten.
Der Minister hat ihn, über den Geist des Alten hinweg, von hinten gepackt und ihn wieder auf den Sitz zurück gezogen. Mein Liebster ist
nieder gesunken und hat krampfartig zu weinen begonnen. Er hält sich noch immer sein Gesicht mit den Händen bedeckt, so als habe er eben
etwas gesehen das er nie habe sehen wollen. In seine Hände hinein weinend sitzt mein Verlobter nun hier.
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