Dani Merati - Liebe mich ... unendlich

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Eine Liebe, stärker als der Tod … bis in die Unendlichkeit!
Job weg.
Freunde weg.
Stolz und Würde in den Dreck getreten. Nach einem misslungenen Einsatz ist der Polizist Lukas Berger am Ende – körperlich und seelisch.
Ein Umzug von Berlin in eine beschauliche Ortschaft im Hochsauerland soll ihm wieder auf die Beine helfen. Doch in dem baufälligen Haus, das er gekauft hat, geschehen kurz nach dem Einzug mysteriöse Dinge, die ihn zunächst an seinem Verstand zweifeln lassen.
Bald darauf jedoch steckt er mitten in einem mehr als dreißig Jahre alten Kriminalfall, an dessen Aufklärung niemand im Ort Interesse zu haben scheint …

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Plötzlich brach die Mutter ihr Schweigen.

„Ich habe übrigens gestern Mona getroffen. Wie es aussieht, hat sie das Haus des alten Willner endlich an den Mann gebracht. Ein Lukas Berger ist der neue Besitzer. Soll Kriminalbeamter in Berlin gewesen sein“, informierte Charlotte ihren Ehemann.

Lautes Scheppern schreckte die Töchter auf. Der Vater hatte seine Kaffeetasse sehr unsanft auf der Untertasse abgestellt und verließ nun überhastet den Raum. Verwundert schauten Mutter und Zwillinge ihm hinterher. Das war noch nie vorgekommen. Die Mahlzeiten im Hause Denning unterlagen einem strengen Reglement und niemand stand auf, ehe auch der Letzte fertig war.

Die Mädchen sahen fragend zu Charlotte. Diese seufzte leise. „Ihr dürft aufstehen. In fünfzehn Minuten erwarte ich euch in der Halle.“ „Ja, Mama“, ertönte es zweistimmig.

Nachdem ihre Töchter das Esszimmer verlassen hatten, sackte die Hausherrin in sich zusammen. Sie hätte die Nachricht vom Verkauf des Hauses nicht so lapidar nebenbei erwähnen dürfen. Nach all den Jahren war ihrem Mann alles, was mit den Willners zu hatte, immer noch ein Dorn im Auge.

Resigniert erhob sie sich. Vermutlich würde sich das auch niemals ändern. Konnte es nicht, denn das Geheimnis, welches sie hüteten, mussten sie bis an ihr Lebensende bewahren. Zum Wohle der ganzen Stadt.

***

Völlig fertig stieg ich die beiden Stufen zu meiner Veranda hoch. Mann- oh-Mann, Christa war eine 1a-Sadistin. Was sie mit mir abgezogen hatte ... unglaublich. Dabei war sie ein ziemlich winziges Persönchen, einen Kopf kleiner als ich und wog höchstens fünfzig Kilo. Doch sie hatte mich herummanövriert, als wäre ich das Leichtgewicht. Ein Gutes hatte die Plackerei aber gehabt - ich war erfolgreich vom Grübeln abgelenkt gewesen.

Was sich nun schlagartig wieder änderte, als ich in den Flur trat. Wie auf Knopfdruck hüllte mich sofort die düstere bedrückende Aura des Hauses ein. Resigniert schlurfte ich in die Küche, nahm mir eine Flasche Wasser und plumpste auf einen Küchenstuhl.

Dabei fiel mir Hannas Brief ins Auge, den ich heute Morgen unbeachtet liegengelassen hatte. Wütend griff ich danach, riss den Umschlag auf, zog das einzelne Blatt Papier heraus und begann zu lesen. Dann ein zweites Mal. Und ein drittes Mal. Schließlich starrte ich nur noch auf die enggeschriebenen Zeilen, die plötzlich vor mir verschwammen.

Eigentlich müsste ich nun Erleichterung spüren, da Hanna mir praktisch einen Freifahrtschein ausgestellt hatte. Sie schrieb, dass sie im Moment ziemlich unter Druck stünde und um diese Zeit im Jahr - Amits Todestag rückte näher - immer ein wenig neben sich wäre. Sie hätte sich hinreißen lassen und versucht, mit einer Schauergeschichte mein Interesse am Schicksal ihres Freundes zu wecken. Natürlich würde es in meinem Haus nicht spuken. Des Weiteren bedankte sie sich fürs Zuhören und schloss mit den Worten, dass sie hoffe, mich bald wieder als Gast im ‚Le petit mort‘ zu begrüßen.

Ich ließ das Blatt sinken, wusste nicht wirklich, was ich von ihrem Brief halten sollte. Obwohl - oder gerade weil - das Gegenteil von dem darin stand, was sie mir im Café erzählt hatte, hegte ich starke Zweifel, dass sie die Wahrheit schrieb.

Für mich war es eher ein erneuter Hilferuf, dessen sie sich vermutlich gar nicht bewusst war und der mich in einen Gewissenskonflikt stürzte. Meine Instinkte liefen auf Hochtouren, ich brannte darauf, den Fall des Jungen aufzuklären, doch mein Verstand hielt energisch dagegen. Ich schaffte es ja nicht einmal, mich meinen eigenen Dämonen zu stellen. Nein, ich war zu kaputt, um mich mit dem Schicksal von Amit Willner zu beschäftigen. Und das schlechte Gewissen gegenüber Hanna schob ich einfach beiseite. Sie würde es verschmerzen. Menschen waren eben so. Wenn man sie brauchte, ließen sie einen im Stich. Wer wusste das besser als ich.

***

Angestrengt versuchte er, sich zu konzentrieren. Der wunderschöne schwarze Kater mit dem weißen Fleck genau über der Schnauze und den gestiefelten Pfoten hockte auf dem unteren Treppenabsatz, fixierte ihn gebannt mit bernsteinfarbenen Iriden. Das Tier spürte ihn also. Sah es ihn auch? Ob das half, den Besitzer erneut auf sich aufmerksam zu machen?

Seine gestrige Aktion war nämlich ziemlich dämlich gewesen, aber zu seiner Verteidigung konnte er anführen, dass er nur selten die Kontrolle über seine nichtstoffliche Form besaß. Es verbrauchte unheimliche Energie, sie überhaupt zu manifestieren, geschweige denn durch das Haus zu schweben.

Er erinnerte sich nur zu gut, wie verzweifelt er immer versucht hatte, seinen Vater zu erreichen, doch es war ihm nie gelungen. Dabei war unmerklich die Zeit verstrichen, plötzlich waren da silbergraue Strähnen in den Haaren seines Dads zu sehen und er schien über Nacht gealtert. Und dann war er einfach nicht mehr da gewesen. Von einem Moment auf den anderen.

Viele fremde Leute waren gekommen, hatten ihn weggebracht und er hatte begriffen, dass sein Dad tot war. So tot wie er. Neben unendlicher Trauer war er von Hoffnung erfüllt gewesen, jetzt nicht mehr allein sein zu müssen, aber sie war grausam zerstört worden. Sein Vater war nicht wie er hier im Haus eingesperrt geblieben, er war ganz woanders.

Die Erkenntnis für alle Ewigkeit in dieser grauen Welt gefangen zu sein, in der er von Trostlosigkeit erstickt wurde, hatte einen Tobsuchtsanfall in ihm ausgelöst. Zum ersten Mal war er stofflich geworden und als er seine eigene garstige Erscheinung im Badezimmerspiegel sah, hatte er ihn mit der bloßen Hand zertrümmert. Und danach die restlichen Spiegel ebenfalls.

Der Rest verschwand in einem zähen Nebel, manchmal schien er zu schlafen, dann wiederum träumte er von seinem vergangenen Leben. Doch das wurde im Laufe der Zeit, die er nicht mehr bestimmen konnte, immer weniger und bald erinnerte er sich kaum noch an etwas - bis auf die Nacht, in der er starb. Die durchlebte er in einer Endlosschleife quälend wieder und wieder.

Deshalb musste er die Aufmerksamkeit des schönen gequälten Fremden in seinem Haus irgendwie auf sich lenken. Instinktiv fühlte er, dass dieser Mann die Erlösung war, auf die er seit Ewigkeiten wartete. Er musste es einfach sein, denn eine zweite Chance bekam er garantiert nicht ...

‚Bitte, bitte, fremder Mann, sehe mich. Hör‘ mir zu, ich flehe dich an ...‘

Eisige Kälte überkam ihn schlagartig und erschrocken spürte er den Sog, der ihn manchmal aus ihm unbekannten Gründen erfasste. Dann wurde er immer in ein absolutes Nichts gezogen und wenn er wieder zu sich kam, war er ... irgendwie weniger als vorher. Weniger Erinnerungen, weniger er selbst. Das durfte nicht wieder geschehen. Nicht jetzt. Neeeiiin!

Niemand hörte seinen Hilfeschrei, bis auf einen schwarzen Kater, der plötzlich mit einem mächtigen Satz die Treppe heraufsprang, wütend fauchte und mit einer Pfote nach einem imaginären Gegner schlug.

5. Unausweichlich

Ich legte den Spatel beiseite, rieb mir den Schweiß von der Stirn und betrachtete mein Werk. Ich war stolz auf mich. Drei Wochen harte Arbeit zahlten sich allmählich aus. Sah es anfangs danach aus, dass es kein Vorwärtskommen gäbe, kristallisierte sich peu à peu heraus, dass die Substanz des Hauses besser als erwartet war. Demnach war ich in der glücklichen Lage vieles wie erhofft selber machen zu können - im Schneckentempo zwar, aber es funktionierte.

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