Dicke Adern waren an seinem Hals hervorgetreten und eine tiefe Zornesfalte zeigte sich zwischen seinen Augenbrauen.
Wie zur Abwehr, gerade so, als erwarte er jeden Augenblick einen Übergriff des Lords, hatte Sharukh seine Hände erhoben. Unverhohlener Hass funkelte in seinen Augen und die Muskulatur über seinen Wangenknochen spannte sich.
»Sie mögen mich in dadurch ja in der Hand haben, Mylord«, gestand Sharukh ein und fügte drohend hinzu: »Aber vergessen Sie nicht: Ich Sie auch!« Feindselig sah er Lord Dwerryhouse an. »Wenn Sie wollen, wir können uns ja gegenseitig bei Scotland Yard verpfeifen! Fragt sich, wer besser aus dieser Nummer herauskommt.« Seine Augen funkelten böse. »Sie sollten sich hier nicht als Unschuldsengel hinstellen!«
Lord Dwerryhouse öffnete den Mund. Er wollte los-brüllen, aber seine Stimme ließ ihn im Stich. Er zögerte. Dann presste er seine Lippen fest aufeinander. Mit stierem Blick starrte er Sharukh an.
»Seit acht Jahren geht das nun schon! Seit acht Jahren lebe ich in der Hölle!«, sagte er, jetzt bedeutend ruhiger. »Du weißt das genau, Sharukh! Und du weißt ...«
Er verschluckte den Rest. Wieder schrillte die Hausglocke. Wie von einem harten Schlag getroffen, zuckte er zusammen.
»Das gibt es doch gar nicht!«, stieß er aus. »Wenn das schon wieder dieser vermaledeite Chief Inspector ist, dann lasse ihn nicht herein!« Er ließ sich in einen der Sessel sinken. »Ich will ihn nicht mehr sehen«, fügte er hinzu. »Es gibt keine Veranlassung ihn wieder einzulassen. Du kannst ihm ausrichten, ich hätte mich zurückgezogen, weil ich müde sei.«
Sharukh nickte und ging zur Tür. Allerdings hörte der Lord nicht, dass er auch öffnete. Stattdessen kam sein Diener direkt zurück. Er hielt einen Briefumschlag in der Hand, den er an ihn weiterreichte.
»Den hat jemand unter der Tür durchgeschoben«, erklärte Sharukh. »Es steht nichts darauf.«
Mit zitternden Händen riss Lord Dwerryhouse das Kuvert auf und holte das gefaltete Papier heraus. Darauf war ein Totenkopf und einige Zeilen:

Sie sind erkannt, Lord Dwerryhouse!
Sie haben Jordan Harris umgebracht und nun auch Meagan Sandford.
Wir wissen es und können es beweisen!
Scheiden Sie aus dieser Welt! Hören Sie?
Sie können nicht mehr leben.
Nicht mehr leben … nicht … mehr … leben …!
Mit einem fragenden Blick reichte er den Computerausdruck seinem Diener und wartete.
»Ein Ausdruck. Den kann jeder gemacht haben«, konstatierte Sharukh. »Nicht gerade ein beruhigender Text, aber doch wohl so gewollt. Scotland Yard können Sie das Papier schlecht zeigen. Doch mal ganz ehrlich, wenn diejenigen wirklich etwas gegen Sie in der Hand hätten, wäre es da nicht einfacher gewesen die Fakten direkt an die Polizei zu geben, anstatt Sie zum Selbstmord aufzufordern?«
Lord Dwerryhouse zeigte ein leichtes zustimmendes Nicken.
»Wir werden uns vorbereiten müssen, Sharukh«, meinte er leise. »Wie es aussieht, spitzt sich die Lage zu. Etwas kommt auf uns zu, und ich denke, wir müssen das alleine klären. Wir müssen Ruhe bewahren. Noch ist nichts weiter passiert. Und letztlich kann alles auch ein großer Bluff sein!« Aufmunternd sah er seinen Diener an. »Wir sind doch keine feigen Hunde, oder? Denk doch nur an unsere Abenteuer in Indien. Da haben wir uns ja auch nicht kleinkriegen lassen.«
Sharukh grinste.
Der Lord erhob sich wieder. Nachdenklich lief er auf und ab.
»Nein, nein, Sharukh!«, fuhr er fort. »Das haben wir nicht! Wie immer wird uns der Zufall zur Hilfe kommen. Und würzt der Zufall nicht das Leben? Alles andere wäre doch fade. Waren wir jemals fade, Sharukh?«
»Nein, Sir, niemals!«
»Dann bleibt es dabei«, hielt Lord Dwerryhouse fest. »Wir müssen die Nerven behalten. Auf keinen Fall dürfen wir nervös werden und überreagieren.« Er strich sich über das Kinn. »Gewiss, die aktuellen Ereignisse haben uns gefordert, aber eines sage ich dir, Sharukh, ... Und ich sage es dir auf Ehre und Gewissen. Ich habe Meagan Sandford nicht ermordet! Und die anderen ebenso wenig!«
»Ich glaube Ihnen, Mylord«, sagte Sharukh. »Die Frage ist, ob Sie es hätten tun können?«
Seine Lordschaft blieb die Antwort schuldig. Während er darüber nachdachte, ob er sie wirklich hätte töten können, schritt er die Treppe zu seinem Schlafzimmer empor. Hätte er sie tatsächlich umbringen können? Er wusste darauf keine Antwort. Wenn er es aber nicht war, so musste es jemand anders getan haben. Und diese Person versuchte es ihm unterzuschieben. Er fragte sich auch, wo die Leiche jetzt war. Aber auch darauf hatte er keine Antwort, ebenso wenig wie auf die Frage, ob ihn Scotland Yard schon am Morgen wegen Mordes in Gewahrsam nehmen würde.
Er versuchte sich zu beruhigen. Im Augenblick konnte er nichts tun. Er würde abwarten müssen. Bislang war immer alles gut ausgegangen. Jetzt also nur nicht die Nerven verlieren. Er würde sich nur verdächtig machen.
Er schloss die Knöpfe seines Pyjamas und legte sich ins Bett. Sein Schlaf war unruhig und er wälzte sich unruhig umher. Doch als erneut irres Gelächter unmittelbar unter seinem Schlafzimmerfenster ertönte, registrierte er es nicht. In seinem Kopf herrschte ein wildes Chaos an Vermutungen und Ideen. Sollten sie ruhig kommen. Er, Sir William Dwerryhouse, würde ihnen erhobenen Hauptes entgegentreten.

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