>> Fesselt und knebelt ihn, dann runter in die Folterkammer, wollen doch mal sehen, was das Vögelchen zu zwitschern hat. <<
Die Priester trugen den bewusstlosen Roberto, der roch wie ein Bündel angesengter Haare, in die Kammer des Schreckens, dort wo die heilige Macht schon Hunderte von Menschen zu Tode gequält hatte. Sogenannte Hexenaustreibungen waren zu der Zeit an der Tagesordnung, im Augenblick jedoch war die Kammer leer. Roberto kam in einen Käfig, in dem er lag wie eine Toastscheibe in einem Toaster, fest angekettet, keine Bewegung war möglich, sogar seinen Kopf musste er auf die Seite drehen. Der Oberste Priester wollte nichts dem Zufall überlassen, und ihm keine Chance zur Flucht geben. Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren, wurde der Oberste gerufen. Er wollte es sich nicht nehmen lassen selbst Hand anzulegen, um herauszubekommen, mit wem Roberto im Bunde stand.
>> Hey Roberto, wie geht es dir, wo sind deine Freunde, keine Hilfe? <<
>> Warte nur, auch deine Seele wird in die Hölle fahren wenn die Zeit gekommen ist. <<
Roberto hoffte, dass sein Herr und Gebieter ihn befreien würde, aber er sollte leiden.
>> Fangt an Männer. <<
Der Herr der Kammer, so nannte man den Priester, dem die Folterkammer unterstand, begriff. Er nahm sein erstes Werkzeug in die Hand und ging zu Roberto. Eine riesengroße verrostete Zange, wenn nicht durch die Zange dann würde Roberto durch eine Infektion sterben, das war klar. Er setzte die Zange an, er wollte Roberto die Fußnägel ausreißen. Es knirschte, als der erste Nagel zwischen der Zange zersplitterte, Roberto stöhnte. Die Zange wanderte Zeh um Zeh, der erste Fuß sah aus wie ein Bündel rohes Fleisch und Blut lief langsam die Eisenstäbe des Käfigs herunter. Der Oberste Priester sprach zu Roberto.
>> Wie gefällt dir das, ist deine Zunge schon gesprächig oder sollen wir weitermachen? <<
>> Ich sage gar nichts, mein Herr wird es euch allen tausendfach zurückzahlen, ihr werdet auch leiden, genau wie ich. Ahh <<
Der Oberste nickte dem Herr der Kammer zu, der sofort Verstand. Er trat vor eine Feuerschale. Im Feuer schürte er lange Nägel, sie glühten, wie die untergehende Sonne die sich auf dem Wasser spiegelt. Er zog den ersten Nagel mit der Zange aus der Glut, er qualmte. Er trat wieder vor Roberto und drückte den Nagel mit aller Kraft durch die Fußsohle, bis er auf der anderen Seite wieder austrat. Der heiße Stahl glitt durch das Fleisch wie ein Messer durch die Butter. Es roch nach verbrannter Haut, Roberto schrie. Unnachgiebig drückte er einen Nagel nach dem anderen abwechselnd durch seine Fußsohlen. Roberto krümmte sich vor Schmerzen in seinem Käfig, überall schnitt der Stahl der Käfigstanden durch die heftigen Bewegungen in seinen Körper. Roberto wurde schwarz vor Augen und sein Körper wurde ruhig, er war bewusstlos geworden. Der Oberste war noch nicht zufrieden, er wollte unbedingt herausbekommen, mit wem Roberto im Bunde stand. Es war enorm wichtig, denn die Menschheit musste weiter existieren, die dunkle Macht durfte auf keinen Fall gewinnen. Die Priester ließen Roberto eine Weile in Ruhe, damit er wieder zu sich kommen konnte.
Wir standen immer noch alle, nach der so schrecklichen Tat des Wesens mit der Kutte, wie gelähmt da. Keiner begriff so richtig, warum wir hier waren und warum Lisa sterben musste. Ich löste mich als Erstes aus der Lethargie und sprach mit Dave, der vielleicht am besten mit der Situation umgehen konnte, obwohl seine Freundin zerrissen vor uns, auf den kalten Steinen lag. Als Auftragskiller war er vielleicht solche Anblicke gewohnt.
>> Dave hinter dem Altar liegt ein Laken, lass es uns holen und Lisa damit bedecken, mehr können wir für die Arme nicht tun. <<
>> Jim, du hast recht. <<
Dave ging hinter den Altar, nahm die Decke und schüttelte sie erst einmal ordentlich aus, denn der Staub von Jahrhunderten klebte an ihr. Dann ging er zu Lisa, bückte sich, gab ihr zärtlich einen letzten Kuss auf die Wange, und deckte sie mit dem Laken zu. Dann stand er auf, wischte sich eine Träne aus dem Gesicht und trat vor uns.
>> Wir sollten versuchen hier zu verschwinden, wir müssen hier raus.
Wer weiß, wann er wiederkommt und sich den Nächsten holt. Tom, was meinst Du? <<
>> Ja du hast recht, wir müssen nach einem Ausgang suchen, wollen wir uns aufteilen oder lieber zusammenbleiben? <<
>> Ich denke, wir gehen zusammen, vielleicht überleben wir so länger.
Los Leute, wir gehen. <<
Sie sahen uns mit starren, furchterfüllten Augen an und setzten sich schließlich in Bewegung. Wir, die letzten sieben suchten nach einem Ausweg, schlichen vorsichtig durch die zahllosen alten Gänge und Säle, die staubig, und wohl ewig nicht betreten waren. Es kam uns vor wie ein Labyrinth, aber es gab keine Stufen, die nach oben führten, sondern es ging immer tiefer nach unten. Überall brannten Fackeln, nur mit deren Hilfe konnten wir uns einigermaßen orientieren.
>> Jim, <<
Tom flüsterte mir zu:
>> Weißt du noch damals in Rom? Es kommt mir alles viel größer vor, meinst du wirklich, dass wir unter dem Vatikan sind. <<
>> Ich weiß es nicht, vieles kommt mir bekannt vor, aber 8000 Meilen von Amerika nach Italien in einigen Minuten zurückzulegen, halte ich schon für unmöglich. <<
Die anderen bekamen mit, worüber wir sprachen und schauten uns vorwurfsvoll an. Luzie warf ein:
>> Das kann doch nicht euer ernst sein, uns nichts davon zu erzählen, ihr glaubt doch nicht im ernst, dass wir in Italien sind. Wie bitte schön soll das denn gehen? <<
>> Ich weiß es nicht, wir sind uns ja auch nicht sicher. Damals, als wir bei den Ausgrabungen für den Vatikan in Italien waren, sind wir in verschiedenen Katakomben gewesen, und die sahen eben genauso aus wie diese. <<
>> Und wie erklärt ihr euch das? <<
>> Vielleicht hat es was mit den Amuletten zu tun, die wir tragen, warum haben wir alle eins, sind wir Opfer? <<
>> Ich habe mir auch schon so meine Gedanken gemacht, es kann nur mit den Amuletten zu tun haben, aber wer ist das Wesen mit der Kutte? <<
Kopfschütteln, keiner wusste zu diesem Zeitpunkt eine Antwort. Wir gingen weiter durch einen kleinen Gang bis zu einer Weggabelung.
>> Links oder rechts Jim? <<
>> Mh keine Ahnung, ach was solls, links. <<
Wie im Entenmarsch marschierten wir vorwärts, Dave ging vorweg, denn er war der Einzige, der bewaffnet war. Am Ende des Ganges traten wir in einen großen Saal, der nicht so verstaubt war wie die anderen, hier musste öfter Bewegung gewesen sein. Wandteppiche mit Fratzengesichtern, Staturen mit Hörnern und einige alte Tierfelle zierten den Raum. In der Mitte auf dem Fußboden sahen wir mit schrecken, ein aus Mosaiksteinen gefertigtes Bild von Luzifer. Muskulös, mit einem widerlichen Gesichtsausdruck und Hörnern am Kopf. Wir hatten schon häufiger bei Ausgrabungen Fundstücke mit ähnlichen Bildern gesehen. Sollten wir.....
Plötzlich hörten wir ein knurren, und schreckten auf. Instinktiv liefen wir aufeinander zu und schlossen uns zu einer Traube zusammen, so wie wir es schon einige Male zuvor getan hatten. Aus den Wänden kam etwas Glitzerndes, Flimmerndes. Zuerst konnten wir es nicht richtig erkennen, doch dann sahen wir plötzlich, dass es die Monster aus dem Wald waren. Alle sieben kamen auf uns zu und umzingelten uns. Sie waren schrecklich anzusehen aber nicht richtig klar, sie verschwanden immer wieder für einige Sekunden wurden hell und dunkel und standen dann wieder vor uns. Aus ihren Mäulern lief Geifer und ihre Klauen wollten nach uns greifen, aber irgendetwas hielt sie fern von uns.
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