Und er wird es noch immer. Um in einer fragmentierten Welt mit volatilen Lebensentwürfen besser bestehen zu können, erscheint es nicht ganz unangebracht, über mehr Durchblick in den wichtigsten Fragen des Lebens zu verfügen. In diesem Universal-Ratgeber können Sie nachschlagen und erhalten konkrete Antworten.
Bedenken Sie: Wenn Sie einen Sonnenaufgang erleben wollen, müssen Sie in der Nacht aufstehen! Das ist unbequem, aber es lohnt sich, von der Dunkelheit zum Licht zu gelangen. Ich weiß nicht, was Sie sich wünschen, aber ich wünsche mir, Ihnen ein paar nützliche Ideen zu vermitteln, die Ihnen den Weg zu mehr Lebensart und Ihrem ICH zu mehr Realitätssinn ebenen.
2. Kapitel: Was will ich erreichen?
„Es ist nichts als die Tätigkeit nach einem bestimmten Ziel,
was das Leben erträglich macht.“ (Friedrich von Schiller 1759-1805)
Warum ist die Beantwortung der Frage, was Sie in ihrem Leben erreichen wollen, so überaus wichtig? Ganz einfach: Wer seinen eigenen Weg geht, dem wachsen Flügel. Wenn Sie kein Ziel haben, kennen Sie die Richtung des Weges nicht. Dann ist jeder Weg zu weit. Sie werden zu viele Umwege gehen und vermutlich niemals ankommen. Viele Menschen werden sich erst am Ende ihres Lebens dieser Tatsache bewusst. Sie glauben dann, etwas versäumt zu haben, ihre Chancen nicht genutzt zu haben. Doch zu dem Zeitpunkt als sie die Gelegenheit rückblickend vermeintlich hatten, war vermutlich die notwendige Einsicht noch gar nicht vorhanden.
Von Mitte zwanzig bis Ende dreißig haben wir ein ganzes Bündel wichtiger Entscheidungen über ganz unterschiedliche Themen zu treffen: eine feste Beziehung, die berufliche Karriere, den Wohnungskauf oder Hausbau, Kinder. Sind wir wirklich auf alle diese komplexen Herausforderungen vorbereitet? Oder sollten wir sie, wie heute vielfach üblich, in die Zukunft verschieben? Können wir Probleme, wenn wir älter sind, besser lösen?
Wir können nur sehen, was wir sind und vergangene Situationen nur ungenau aus der Perspektive der Gegenwart beurteilen, weil sich vieles inzwischen verändert hat. Genauso wie wir die Zukunft zwar vorhersagen können, was heute auf sämtlichen Gebieten auch ständig getan wird, aber die Prognosen stimmen wegen des rasanten Wandels in unserer Welt der vielfältiger Umbrüche immer weniger mit der Wirklichkeit überein. Es gibt Tage, da werden Lebensplanungen tatsächlich zur Makulatur. Beispielsweise wenn wir verlassen oder entlassen werden. Klug ist folglich, wer beizeiten mit Bewusstsein und Gelassenheit zwischen dem Wünschenswerten und dem Machbaren wechseln kann.
Jeder bestimmt für sich selbst, was ihm im Leben wichtig ist. Wenn Sie nicht wenigstens einigermaßen genau wissen, wo Sie eigentlich hin wollen, können Sie ihr Verhalten nicht bestimmen und auch nicht korrigieren. Die verbreitete Ansicht, ihr Weg wäre vorbestimmt, ist ebenso bequem wie falsch. Es würde jeder Logik entbehren, zu lernen und sich anzustrengen, wenn ohnehin alles programmiert wäre. Jungsein ist keine Frage des Alters, genauso wie Glück keine Frage des Zufalls ist. Im Zeitalter des konstanten Kontakts über audiovisuelle Medien und Telekommunikation ist es allerdings schwierig geworden, eigene Gedanken und kreative Fantasien selbst zu entwickeln. Die Stille zu finden, um Neues zu erfinden, ist durch die Reizüberflutung von außen zunehmend gestört. Im eigenen Kopf zu denken, ohne sich durch Töne und Bilder anderer abzulenken oder ablenken zu lassen, diese Konzentration auf das Wesentliche, scheint vielfach verloren gegangen zu sein. Abschalten ist nicht verkehrt, sondern macht frei, das Denken anzuschalten!
Je genauer Sie ihr persönliches Lebensziel definieren können, umso besser.
Ich kenne selbstverständlich Ihre Möglichkeiten und Vorstellungen nicht, kann Ihnen also nur globale Ziele beschreiben. Diese allgemein gültigen, übergeordneten Ziele bilden jedoch eine solide und wertvolle Grundlage für Ihre ganz speziellen Ziele. Sie können auf Ihrem Weg zur Verwirklichung Ihrer individuellen Ziele immer wieder auf diese allgemein formulierte Basis zurückgreifen und die besten Ideen für sich nutzen!
Bedenken Sie: Man ist nur so frei, wie man sich machen kann! Wir leben, was wir glauben.
Ihre Kunst zu leben und Ihre Weisheit, nicht mit Ihrem Schicksal zu hadern, beruhen auf Ihrem Wissen über die gesetzmäßigen Zusammenhänge zwischen Erleben und Verhalten. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Es kommt zu aller erst einmal auf Sie selbst an! Wenn Sie zu einem resilienten Persönlichkeitstyp werden wollen, also seelisch widerstandsfähiger sein wollen als der Durchschnitt ihrer Zeitgenossen, dann ist es eine gute Idee, sich zu informieren, wie Sie dieses im wahrsten Sinne des Wortes lebenswichtige Ziel erreichen können. Jeder Mensch hat das Recht, zu erreichen, was im möglich ist. Strenggenommenen sogar die Pflicht. Nicht nur kulturell assimilierte Migranten, auch Einheimische, müssen heute der großen Gefahr der sozialen Ausgrenzung aus der eigenen Kultur und Gesellschaft massiv und rechtzeitig entgegenwirken.
Wenn heute so viel von der Bildungskatastrophe gesprochen wird, dann sollte sich auch klar gemacht werden, welche Ursachen sie hat. Die kulturell prägenden Gruppen waren einmal die Oberschicht und die obere Mittelschicht, während es heute mehrheitlich eher die untere Mittelschicht und Teile der Unterschicht sind. Unsere Gesellschaft hat der Vulgarität in allen Bereichen Tür und Tor geöffnet und die Gebildeten haben mehr oder weniger lustvoll resigniert. Den Begriff Vulgarität hat der Philosoph Adorno als „das Einverstanden sein mit der eigenen Erniedrigung“ definiert. Wir haben die Entwicklung einer medialen Klassengesellschaft zugelassen, die sich immer weiter auseinander bewegt und deren Mitglieder sich untereinander nicht mehr verstehen können, weil sie völlig andere Wertvorstellungen und Perspektiven haben. Wer als Kind und Jugendlicher in der Freizeit ausschließlich vulgären Schund konsumiert, was heute multimedial gerade in den unteren Schichten wegen fehlender Ganztagsbetreuung gang und gäbe ist, wird kaum soziale Fähigkeiten erwerben und sich in der Realität zurechtfinden.
Nutzen Sie Ihre Potentiale!
Das Wort „Potential“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Vermögen, Kraft. Sie haben eine ganze Reihe von Potentialen, also Stärken. Intellektuelle, berufliche, seelische, künstlerische, soziale, körperliche Fähigkeiten. Sie müssen allerdings einzuschätzen lernen, was konkret ihre Stärken sind und wie sie sich weiterentwickeln lassen. Begehen Sie nicht den Fehler, sich zu sehr auf die Schwächen zu konzentrieren, denn die werden Sie alleine kaum korrigieren können. Einfach deshalb nicht, weil der Mensch sie teilweise verdrängt. Sonst brauchte es ja keine Lehrer und Trainer zu geben, die einem die Augen öffnen.
Mit Ihrem Wissen steigt Ihre Lebenszuversicht!
Wissen schadet keinesfalls, vorausgesetzt, Sie konzentrieren sich nicht nur auf die unheilvollen Botschaften aus aller Welt und aus ihrer Umgebung. Sondern schwerpunktmäßig auf Informationen, die Ihnen bei der Gestaltung Ihres eigenen Umfeldes und Ihres persönlichen Verhaltens nützen. Jedes Ich hat eine positive und eine negative Seite. Um zu einer integrierten Persönlichkeit zu reifen, müssen Sie bereit sein, diese Tatsache anzuerkennen. Es gibt nun mal kein Erwachsenenleben ohne Schuld, vollkommen gleichgültig, ob es sich dabei um ein eher berechtigtes oder abwegiges Gefühl handelt. Sie sind nicht im Besitz der alleinigen Wahrheit. Sobald Sie annehmen, Sie hätten in jedem Fall immer oder zumindest vorwiegend Recht, würden Sie sich automatisch im Stadium der Wahrnehmungsverweigerung befinden, was eine erfreuliche Ich-Entwicklung wirksam verhindert.
„Alle Gelegenheit, glücklich zu werden, hilft nichts, wer den Verstand nicht hat, sie zu benutzen“, wusste schon der Dichter Johann Peter Hebel, der seit 1791 Lehrer am Gymnasium in Karlsruhe war. Sich glücklich zu schätzen, ist eben nicht nur die Folge von Zufällen, sondern auch von Wissen. Dies hat der Philosoph Immanuel Kant eindrucksvoll mit dem berühmten Satz: „Jederzeit selbst denken!“ unterstrichen und mit der Erläuterung: „Die Natur hat gewollt, dass der Mensch keiner anderen Glückseligkeit oder Vollkommenheit teilhaftig werde, als die er sich selbst, frei vom Instinkt durch eigene Vernunft verschafft hat.“
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