1 ...6 7 8 10 11 12 ...17 Durch sie war sein Wille · nach allen Ehren geschehn.
Da sprach der König Gernot · „Laßt sie jetzt hindann:
Über sechs Wochen · das kündigt ihnen an,
Sollten sie wiederkehren · zu einem Hofgelag’:
Heil ist dann wohl mancher · der jetzt schwer verwundet lag.“
Da bat auch um Urlaub · Siegfried von Niederland.
Als dem König Gunther · sein Wille ward bekannt,
Bat er ihn gar minniglich · noch bei ihm zu bestehn;
Wenn nicht um seine Schwester · so war’ es nimmer geschehn.
Dazu war er zu mächtig · daß man ihm böte Sold,
So sehr er es verdiente · Der König war ihm hold
Und all seine Freunde · die das mit angesehn,
Was da von seinen Händen · war im Streite geschehn.
Er dachte noch zu bleiben · um die schöne Maid;
Vielleicht, daß er sie sähe · Das geschah auch nach der Zeit:
Wohl nach seinem Wunsche · ward sie ihm bekannt.
Dann ritt er reich an Freuden · in König Siegmundes Land.
Der Wirt bat alle Tage · des Ritterspiels zu pflegen;
Das tat mit gutem Willen · mancher junge Degen.
Auch ließ er Sitz’ errichten · vor Worms an dem Strand
Für die da kommen sollten · in der Burgunden Land.
Nun hat auch in den Tagen · als sie sollten kommen,
Kriemhild die schöne · die Märe wohl vernommen,
Er stell’ ein Hofgelage · mit lieben Freunden an.
Da dachten schöne Frauen · mit großem Fleiße daran,
Gewand und Band zu suchen · das sie wollten tragen.
Ute die reiche · vernahm die Märe sagen
Von den stolzen Recken · die da sollten kommen:
Da wurden aus dem Einschlag · viel reiche Kleider genommen.
Ihrer Kinder halb bereiten · ließ sie Rock und Kleid,
Womit sich da zierten · viel Fraun und manche Maid
Und viele der jungen Recken · aus Burgundenland.
Sie ließ auch manchem Fremden · bereiten herrlich Gewand.
FÜNFTES ABENTEUER – WIE SIEGFRIED KRIEMHILDEN ZUERST ERSAH
Man sah die Helden täglich · nun reiten an den Rhein,
Die bei dem Hofgelage · gerne wollten sein
Und dem König zuliebe · kamen in das Land.
Man gab ihrer vielen · Roß und herrlich Gewand.
Es war auch das Gestühle · allen schon bereit,
Den Höchsten und den Besten · so hörten wir Bescheid,
Zweiunddreißig Fürsten · zu dem Hof gelag’:
Da zierten um die Wette · sich die Frauen für den Tag.
Gar geschäftig sah man · Geiselher das Kind.
Die Heimischen und Fremden · empfing er holdgesinnt
Mit Gernot seinem Bruder · und beider Mannen da.
Wohl grüßten sie die Degen · wie es nach Ehren geschah.
Viel goldroter Sättel · führten sie ins Land,
Zierliche Schilde · und herrlich Gewand
Brachten sie zu Rheine · bei dem Hofgelag’.
Mancher Ungesunde · hing der Freude wieder nach.
Die wund zu Bette liegend · vordem gelitten Not,
Die durften nun vergessen · wie bitter sei der Tod;
Die Siechen und die Kranken · vergaß man zu beklagen.
Es freute sich ein jeder · entgegen festlichen Tagen:
Wie sie da leben wollten · in gastlichem Genuß!
Wonnen ohne Maßen · der Freuden Überfluß
Hatten alle Leute · so viel man immer fand:
Da hub sich große Wonne · über Gunthers ganzes Land.
An einem Pfingstmorgen · sah man sie alle gehn
Wonniglich gekleidet · viel Degen ausersehn,
Fünftausend oder drüber · dem Hofgelag’ entgegen.
Da hub um die Wette · sich viel Kurzweil allerwegen.
Der Wirt hatt’ im Sinne · was er schon längst erkannt,
Wie von ganzem Herzen · der Held von Niederland
Seine Schwester liebe · sah er sie gleich noch nie,
Der man das Lob der Schönheit · vor allen Jungfrauen lieh.
Da sprach zu dem Könige · von Metz Herr Ortewein:
„Soll dieses Hofgelage · mit vollen Ehren sein,
So laßt eure Gäste · die schönen Kinder sehn,
Denen so viel Ehren · in Burgundenland geschehn.
„Was wäre Mannes Wonne · was freut’ er sich zu schaun,
Wenn nicht schöne Mägdlein · und herrliche Fraun?
Drum laßt eure Schwester · vor die Gäste gehn.“
Der Rat war manchem Helden · zu hoher Freude geschehn.
„Dem will ich gerne folgen“ · der König sprach da so.
Alle, die’s erfuhren · waren darüber froh.
Er entbot es Frauen Uten · und ihrer Tochter schön,
Daß sie mit ihren Maiden · hin zu Hofe sollten gehn.
Da ward aus den Schreinen · gesucht gut Gewand,
So viel man eingeschlagen · der lichten Kleider fand,
Der Borten und der Spangen · des lag genug bereit.
Da zierte sich voll Eifers · manche waidliche Maid.
Mancher junge Recke · wünschte heut so sehr,
Daß er Wohlgefallen · möchte den Frauen hehr,
Daß er dafür nicht nähme · ein reiches Königsland:
Sie sahen die gar gerne · die sie nie zuvor gekannt.
Da ließ der reiche König · mit seiner Schwester gehn
Hundert seiner Recken · zu ihrem Dienst ersehn,
Aus ihren Anverwandten · die Schwerter in der Hand:
Das war das Hofgesinde · in der Burgunden Land.
Ute die reiche · sah man mit ihr kommen,
Die hatte schöner Frauen · sich zum Geleit genommen
Hundert oder drüber · geschmückt mit reichem Kleid.
Auch folgte Kriemhilden · manche waidliche Maid.
Aus einer Kemenate · sah man sie alle gehn:
Da mußte heftig Drängen · von Helden bald geschehn,
Die alle harrend standen · ob es möchte sein,
Daß sie da fröhlich sähen · dieses edle Mägdelein.
Da kam die Minnigliche · wie das Morgenrot
Tritt aus trüben Wolken · Da schied von mancher Not,
Der sie im Herzen hegte · was lange war geschehn.
Er sah die Minnigliche · nun gar herrlich vor sich stehn.
Von ihrem Kleide leuchtete · mancher edle Stein.
Ihre rosenrote Farbe · gab wonniglichen Schein.
Was jemand wünschen mochte · er mußte doch gestehn,
Daß er hier auf Erden · noch nicht so Schönes gesehn.
Wie der lichte Vollmond · vor den Sternen schwebt,
Des Schein so hell und lauter · sich aus den Wolken hebt,
So glänzte sie in Wahrheit · vor andern Frauen gut:
Das mochte wohl erhöhen · den zieren Helden den Mut.
Die reichen Kämmerlinge · schritten vor ihr her;
Die hochgemuten Degen · ließen es nicht mehr:
Sie drängten, daß sie sähen · die minnigliche Maid.
Siegfried dem Degen · war es lieb und wieder leid.
Er sann in seinem Sinne · „Wie dacht’ ich je daran,
Daß ich dich minnen sollte? · das ist ein eitler Wahn;
Soll ich dich aber meiden · so wär’ ich sanfter tot.“
Er ward von den Gedanken · oft bleich und oft wieder rot.
Da sah man den Sieglindensohn · so minniglich da stehn,
Als war’ er entworfen · auf einem Pergamen
Von guten Meisters Händen · gern man ihm zugestand,
Daß man nie im Leben · so schönen Helden noch fand.
Die mit Kriemhilden gingen · die hießen aus den Wegen
Allenthalben weichen · dem folgte mancher Degen.
Die hochgetragnen Herzen · freute man sich zu schaun:
Man sah in hohen Züchten · viel der herrlichen Fraun.
Da sprach von Burgunden · der König Gernot:
„Dem Helden, der so gütlich · euch seine Dienste bot,
Gunther, lieber Bruder · dem bietet hier den Lohn
Vor allen diesen Recken · des Rates spricht man mir nicht Hohn.
„Heißet Siegfrieden · zu meiner Schwester kommen,
Daß ihn das Mägdlein grüßte · das bringt uns immer Frommen:
Die niemals Recken grüße · soll sein mit Grüßen pflegen,
Daß wir uns so gewinnen · diesen zierlichen Degen.“
Des Wirtes Freunde gingen · dahin wo man ihn fand;
Sie sprachen zu dem Recken · aus dem Niederland:
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