1 ...7 8 9 11 12 13 ...17 „Der König will erlauben · ihr sollt zu Hofe gehn,
Seine Schwester soll euch grüßen · die Ehre soll euch geschehn.“
Der Rede ward der Degen · in seinem Mut erfreut:
Er trug in seinem Herzen · Freude sonder Leid,
Daß er der schönen Ute · Tochter sollte sehn.
In minniglichen Züchten · empfing sie Siegfrieden schön.
Als sie den Hochgemuten · vor sich stehen sah,
Seine Farbe ward entzündet · die Schöne sagte da:
„Willkommen, Herr Siegfried · ein edler Ritter gut.“
Da ward ihm von dem Gruße · gar wohl erhoben der Mut.
Er neigte sich ihr eifrig · sie faßte ihn bei der Hand.
In minniglicher Anmut · er bei der Fürstin stand.
Mit liebem Blick der Augen · sahn einander an
Der Held und auch das Mägdlein · das ward verstohlen getan.
Ward da etwa zärtlich · gedrückt weiße Hand
In herzlicher Minne · das ist mir unbekannt.
Doch kann ich auch nicht glauben · daß es unterblieb:
Sie ließ gar bald ihn merken · daß er ihr war von Herzen lieb.
Zu des Sommers Zeiten · und in des Maien Tagen
Durft’ er in seinem Herzen · nimmer wieder tragen
So viel hoher Wonne · als er da gewann,
Da die ihm an der Hand ging · die der Held zu minnen sann.
Da gedachte mancher Recke · „Hei! wär’ mir so geschehn,
Daß ich so bei ihr ginge · wie ich ihn gesehn,
Oder bei ihr läge! · das nähm’ ich willig hin.“
Es diente nie ein Recke · so gut noch einer Königin.
Aus welchen Königs Landen · ein Gast gekommen war,
Er nahm im ganzen Saale · nur dieser beiden wahr.
Ihr ward erlaubt zu küssen · den waidlichen Mann:
Ihm ward in seinem Leben · nie so Liebes getan.
Von Dänemark der König · hub an und sprach zur Stund:
„Des hohen Grußes willen · liegt gar mancher wund,
Wie ich wohl hier gewahre · von Siegfriedens Hand:
Gott laß ihn nimmer wieder · kommen in der Dänen Land!“
Da hieß man allenthalben · weichen aus den Wegen
Kriemhild der schönen · manchen kühnen Degen
Sah man wohlgezogen · mit ihr zur Kirche gehn.
Bald ward von ihr geschieden · dieser Degen ausersehn.
Da ging sie zu dem Münster · und mit ihr viel der Fraun.
Da war in solcher Zierde · die Königin zu schaun,
Daß da hoher Wünsche · mancher ward verloren;
Sie war zur Augenweide · viel der Recken auserkoren.
Kaum erharrte Siegfried · bis schloß der Meßgesang;
Er mochte seinem Heile · des immer sagen Dank,
Daß ihm so gewogen war · die er im Herzen trug:
Auch war er der Schönen · nach Verdiensten hold genug.
Als sie aus dem Münster · nach der Messe kam,
Lud man wieder zu ihr · den Helden lobesam.
Da begann ihm erst zu danken · die minnigliche Maid,
Daß er vor allen Recken · so kühn gefochten im Streit.
„Nun lohn’ euch Gott, Herr Siegfried!“ · sprach das schöne Kind,
„Daß ihr das verdientet · daß euch die Recken sind
So hold mit ganzer Treue · wie sie zumal gestehn.“
Da begann er Frau Kriemhilden · minniglich anzusehn.
„Stets will ich ihnen dienen“ · sprach Siegfried der Degen,
„Und will mein Haupt nicht eher · zur Ruhe niederlegen,
Bis ihr Wunsch geschehen · so lang mein Leben währt:
Das tu’ ich, Frau Kriemhild · daß ihr mir Minne gewährt.“
Innerhalb zwölf Tagen · so oft es neu getagt,
Sah man bei dem Degen · die wonnigliche Magd,
So sie zu Hofe durfte · vor ihren Freunden gehn.
Der Dienst war dem Recken · aus großer Liebe geschehn.
Freude und Wonne · und lauten Schwerterschall
Vernahm man alle Tage · vor König Gunthers Saal,
Davor und darinnen · von manchem kühnen Mann.
Von Ortewein und Hagen · wurden Wunder viel getan.
Was man zu üben wünschte · dazu sah man bereit
In völligem Maße · die Degen kühn im Streit.
Da machten vor den Gästen · die Recken sich bekannt;
Es war eine Zierde · König Gunthers ganzem Land,
Die lange wund gelegen · wagten sich an den Wind:
Sie wollten kurzweilen · mit des Königs Ingesind,
Schirmen mit den Schilden · und schießen manchen Schaft.
Des halfen ihnen viele · sie hatten größliche Kraft.
Bei dem Hofgelage · ließ sie der Wirt verpflegen
Mit der besten Speise · es durfte sich nicht regen
Nur der kleinste Tadel · der Fürsten mag entstehn;
Man sah ihn jetzo freundlich · hin zu seinen Gästen gehn.
Er sprach: „Ihr guten Recken · bevor ihr reitet hin,
So nehmt meine Gaben · also steht mein Sinn,
Ich will euch immer danken · verschmäht nicht mein Gut:
Es unter euch zu teilen · hab’ ich willigen Mut.“
Die vom Dänenlande · sprachen gleich zur Hand:
„Bevor wir wieder reiten · heim in unser Land,
Gewährt uns steten Frieden · das ist uns Recken not;
Uns sind von euern Degen · viel der lieben Freunde tot.“
Genesen von den Wunden · war Lüdegast derweil;
Der Vogt des Sachsenlandes · war bald vom Kampfe heil.
Etliche Tote · ließen sie im Land.
Da ging der König Gunther · hin, wo er Siegfrieden fand.
Er sprach zu dem Recken · „Nun rat mir, wie ich tu’.
Unsre Gäste wollen · reiten morgen früh
Und gehn um stete Sühne · mich und die Meinen an:
Nun rat, Degen Siegfried · was dich dünke wohlgetan.
„Was mir die Herren bieten · das will ich dir sagen:
Was fünfhundert Mähren · an Gold mögen tragen,
Das bieten sie mir gerne · für ihre Freiheit an.“
Da sprach der starke Siegfried · „Das wär gar übel getan.
„Ihr sollt sie beide ledig · von hinnen lassen ziehn;
Nur daß die edeln Recken · sich hüten fürderhin
Vor feindlichem Reiten · her in euer Land,
Laßt euch zu Pfände geben · der beiden Könige Hand.“
„Dem Rate will ich folgen“ · So gingen sie hindann.
Seinen Widersachern · ward es kundgetan,
Des Golds begehre niemand · das sie geboten eh’.
Daheim den lieben Freunden · war nach den Heermüden weh.
Viel Schilde schatzbeladen · trug man da herbei:
Das teilt’ er ungewogen · seinen Freunden frei,
An fünfhundert Marken · und manchem wohl noch mehr;
Gernot riet es Gunthern · dieser Degen kühn und hehr.
Um Urlaub baten alle · sie wollten nun hindann,
Da kamen die Gäste · vor Kriemhild heran
Und dahin auch, wo Frau Ute · saß, die Königin.
Es zogen nie mehr Degen · so wohl beurlaubt dahin.
Die Herbergen leerten sich · als sie von dannen ritten.
Doch verblieb im Lande · mit herrlichen Sitten
Der König mit den Seinen · und mancher edle Mann:
Die gingen alle Tage · zu Frau Kriemhild heran.
Da wollt’ auch Urlaub nehmen · Siegfried der gute Held,
Verzweifelnd, zu erwerben · worauf sein Sinn gestellt.
Der König hörte sagen · er wolle nun hindann:
Geiselher der junge · ihn von der Reise gewann.
„Wohin, edler Siegfried · wohin reitet ihr?
Hört meine Bitte · bleibt bei den Recken hier,
Bei Gunther, dem König · und bei seinem Lehn:
Hier sind viel schöne Frauen · die läßt man euch gerne sehn.“
Da sprach der starke Siegfried · „So laßt die Rosse stehn.
Von hinnen wollt’ ich reiten · das laß ich mir vergehn.
Tragt auch hinweg die Schilde · wohl wollt’ ich in mein Land:
Davon hat mich Herr Geiselher · mit großen Treuen gewandt.“
So verblieb der Kühne · dem Freund zuliebe dort.
Auch war’ ihm in den Landen · an keinem andern Ort
So wohl als hier geworden · daher es nun geschah,
Daß er alle Tage · die schöne Kriemhild ersah.
Ihrer hohen Schönheit willen · der Degen da verblieb.
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