Die Botenknaben liefen · so ward es angesagt.
Da freuten sich in Liebe · die eben Leid geklagt,
Dieser frohen Märe · die ihnen war gekommen.
Da ward von edlen Frauen · großes Fragen vernommen,
Wie es den Herrn gelungen · wär’ in des Königs Heer.
Man rief der Boten einen · zu Kriemhilden her.
Das geschah verstohlen · sie durfte es wohl nicht laut:
Denn einer war darunter · dem sie längst ihr Herz vertraut.
Als sie in ihre Kammer · den Boten kommen sah,
Kriemhild die schöne · gar gütlich sprach sie da:
„Nun sag’ mir liebe Märe · so geb’ ich dir mein Gold,
Und tust du’s ohne Trügen · will ich dir immer bleiben hold.
„Wie schied aus dem Streite · mein Bruder Gernot
Und meine andern Freunde? · Blieb uns nicht mancher tot?
Wer tat da das Beste? · Das sollst du mir sagen.“
Da sprach alsbald der Bote · „Wir hatten nirgend einen Zag
„In Gefahr und Streite · ritt niemand so wohl,
Hehre Königstochter · wenn ich es sagen soll,
Als der edle Fremdling · aus dem Niederland:
Da wirkte große Wunder · des kühnen Siegfriedes Hand.
„Was von den Recken allen · im Streit da geschehn,
Dankwart und Hagen · und des Königs ganzem Lehn,
Wie wehrlich sie auch stritten · das ist doch wie ein Wind
Nur gegen Siegfrieden · König Siegmundens Kind.
„Sie haben in dem Sturme · der Helden viel erschlagen;
Doch möcht’ euch dieser Wunder · ein Ende niemand sagen,
Die da Siegfried wirkte · ritt er in den Streit.
Den Fraun an ihren Freunden · tat er mächtiges Leid.
„Auch mußte vor ihm fallen · der Friedel mancher Braut.
Seine Schläge schollen · auf Helmen also laut,
Daß sie aus Wunden brachten · das fließende Blut:
Er ist in allen Dingen · ein Ritter kühn und auch gut.
„Wieviel auch hat begangen · von Metz Herr Ortewein:
Was er nur mocht’ erlangen · mit dem Schwerte sein,
Das fiel vor ihm verwundet · oder meistens tot:
Doch schuf euer Bruder · die allergrößeste Not,
„Die jemals in Stürmen · mochte sein geschehn;
Man muß dem Auserwählten · die Wahrheit zugestehn.
Die stolze Burgunden · bestanden so die Fahrt,
Daß sie vor allen Schanden · die Ehre haben wohl bewahrt.
„Man sah von ihren Händen · der Sättel viel geleert,
Als so laut das Feld erhallte · von manchem lichten Schwert.
Die Recken vom Rheine · die ritten allezeit,
Daß ihre Feinde besser · vermieden hätten den Streit.
„Auch die kühnen Tronjer · schufen großes Leid,
Als mit Volkskräften · das Heer sich traf im Streit.
Da schlug so manchen nieder · des kühnen Hagen Hand,
Es wäre viel zu sagen · davon in der Burgunden Land.
Sindold und Hunold · in Gernotens Heer
Und Rumold der kühne · schufen so viel Beschwer,
König Lüdger mag es · beklagen allezeit,
Daß er deine Anverwandten · am Rhein berief in den Streit.
Kampf, den allerhöchsten · der irgend da geschah,
Vom ersten bis zum letzten · den jemand nur sah,
Hat Siegfried gefochten · mit wehrlicher Hand:
Er bringt reiche Geisel · her in König Gunthers Land.
Die zwang mit seinen Kräften · der streitbare Held,
Wovon der König Lüdegast · den Schaden nun behält
Und von Sachsenlande · sein Bruder Lüdeger.
Nun hört meine Märe · viel edle Königin hehr!
Gefangen hat sie beide · Siegfriedens Hand:
Nie so mancher Geisel · kam in dieses Land,
Als nun seine Kühnheit · bringt an den Rhein.“
Ihr konnten diese Mären · nicht willkommener sein.
„Man führt der Gesunden · fünfhundert oder mehr
Und der zum Sterben Wunden · wißt, Königin hehr,
Wohl achtzig blutge Bahren · her in unser Land:
Die hat zumeist verhauen · des kühnen Siegfriedes Hand.
Die uns im Übermute · widersagten hier am Rhein,
Die müssen nun Gefangene · König Gunthers sein;
Die bringt man mit Freuden · her in dieses Land.“
Ihre lichte Farb’ erblühte · als ihr die Märe ward bekannt.
Ihr schönes Antlitz wurde · von Farbe rosenrot,
Da in Freuden war geschieden · aus so großer Not
Der waidliche Recke · Siegfried der junge Mann.
Sie war auch froh der Freunde · und tat wohl weislich daran.
Die Schöne sprach: „Du machtest · mir frohe Mär bekannt:
Ich lasse dir zum Lohne · geben reich Gewand,
Und zehn Mark von Golde · heiß’ ich dir tragen.“
Drum mag man solche Botschaft · reichen Frauen gerne sagen.
Man gab ihm zum Lohne · das Gold und auch das Kleid.
Da trat an die Fenster · manche schöne Maid
Und schaute nach der Straße · wo man reiten fand
Viel hochherz’ge Degen · in der Burgunden Land.
Da kamen die Gesunden · der Wunden Schar auch kam:
Die mochten grüßen hören · von Freunden ohne Scham.
Der Wirt ritt seinen Gästen · entgegen hocherfreut:
Mit Freuden war beendet · all sein mächtiges Leid.
Da empfing er wohl die Seinen · die Fremden auch zugleich,
Wie es nicht anders ziemte · dem Könige reich,
Als denen gütlich danken · die da waren kommen,
Daß sie den Sieg mit Ehren · im Sturme hatten genommen.
Herr Gunther ließ sich Kunde · von seinen Freunden sagen,
Wer ihm auf der Reise · zu Tode war’ erschlagen.
Da hat er nicht verloren · mehr als sechzig Mann;
Die mußte man verschmerzen · wie man noch manchen getan.
Da brachten die Gesunden · zerhauen manchen Rand
Und viel zerschlagner Helme · in König Gunthers Land.
Das Volk sprang von den Rossen · vor des Königs Saal;
Zu liebem Empfange · vernahm man fröhlichen Schall.
Da gab man Herbergen · den Recken in der Stadt.
Der König seine Gäste · wohl zu verpflegen bat:
Die Wunden ließ er hüten · und warten fleißiglich.
Wohl zeigte seine Milde · auch an seinen Feinden sich.
Er sprach zu Lüdegeren · „Nun seid mir willkommen!
Ich bin zu großem Schaden · durch eure Schuld gekommen:
Der wird mir nun vergolten · wenn ich das schaffen kann.
Gott lohne meinen Freunden · sie haben wohl an mir getan.“
„Wohl mögt ihr ihnen danken“ · sprach da Lüdeger,
„Solche hohe Geisel · gewann kein König mehr.
Um ritterlich Gewahrsam · bieten wir großes Gut
Und bitten, daß ihr gnädiglich · an euern Widersachern tut.“
„Ich will euch,“ sprach er, „beide · ledig lassen gehn;
Nur daß meine Feinde · hier bei mir bestehn,
Dafür verlang’ ich Bürgschaft · damit sie nicht mein Land
Räumen ohne Frieden“ · Darauf bot Lüdeger die Hand.
Man brachte sie zur Ruhe · wo man sie wohl verpflag,
Und bald auf guten Betten · mancher Wunde lag.
Man schenkte den Gesunden · Meth und guten Wein;
Da konnte das Gesinde · nicht wohl fröhlicher sein.
Die zerhaunen Schilde · man zum Verschlusse trug;
Blutgefärbte Sättel · sah man da genug.
Die ließ man verbergen · so weinten nicht die Fraun.
Da waren reisemüde · viel gute Ritter zu schaun.
Seiner Gäste pflegen · hieß der König wohl;
Von Heimischen und Fremden · lag das Land ihm voll:
Er ließ die Fährlichwunden · gütlich verpflegen:
Wie hart war darnieder · nun ihr Übermut gelegen!
Die Arzneikunst wußten · denen bot man reichen Sold,
Silber ungewogen · dazu das lichte Gold,
Wenn sie die Helden heilten · nach des Streites Not.
Dazu viel große Gaben · der König seinen Gästen bot.
Wer wieder heimzureisen · sann in seinem Mut,
Den bat man noch zu bleiben · wie man mit Freunden tut.
Der König ging zu Rate · wie er lohne seinem Lehn:
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