Das Schert mit seiner Schärfe · entlockte Wunden Blut;
Davon der König Lüdegast · gewann wohl traurigen Mut.
Er bat ihn um sein Leben · und bot ihm all sein Land
Und sagt’ ihm, er wäre · Lüdegast genannt.
Da kamen seine Recken · die hatten wohl gesehn,
Was da von ihnen beiden · auf der Warte war geschehn.
Er führt’ ihn gern von dannen · da ward er angerannt
Von dreißig seiner Mannen · doch wehrte seine Hand
Seinen edeln Geisel · mit ungestümen Schlägen.
Bald tat noch größern Schaden · dieser zierliche Degen.
Die Dreißig zu Tode · wehrlich er schlug;
Ihrer einen ließ er leben · der ritt da schnell genug
Und brachte hin die Märe · von dem, was hier geschehn;
Auch konnte man die Wahrheit · an seinem roten Helme sehn.
Gar leid war’s den Recken · aus dem Dänenland,
Als ihres Herrn Gefängnis · ihnen ward bekannt.
Man sagt’ es seinem Bruder · der fing zu toben an
In ungestümem Zorne · ihm war gar wehe getan.
Lüdegast der König · ward hinweggebracht
Zu Gunthers Ingesinde · von Siegfrieds Übermacht.
Er befahl ihn Hagen · als ihnen zu Ohren kam,
Es sei der fremde König · nicht allzu groß war ihr Gram
Man gebot den Burgunden · „Die Fahne bindet an.“
„Wohlauf,“ sprach da Siegfried · „hier wird noch mehr getan
Vor Abendzeit, verlier’ ich · Leben nicht und Leib:
Das betrübt im Sachsenlande · noch manches waidliche Weib.
„Ihr Helden vom Rheine · ihr sollt mein nehmen wahr:
Ich kann euch wohl geleiten · zu Lüdegers Schar.
Da seht ihr Helme hauen · von guter Helden Hand:
Eh’ wir uns wieder wenden · wird ihnen Sorge bekannt.“
Zu den Rossen sprangen Gernot · und die ihm untertan.
Die Heerfahne faßte · der kühne Spielmann,
Volker der Degen · und ritt der Schar vorauf.
Da war auch das Gesinde · zum Streite mutig und wohlauf.
Sie führten doch der Degen · nicht mehr denn tausend Mann,
Darüber zwölf Recken · Zu stieben da begann
Der Staub von den Straßen · sie ritten über Land;
Man sah von ihnen scheinen · manchen schönen Schildesrand.
Nun waren auch die Sachsen · gekommen und ihr Heer
Mit Schwertern wohlgewachsen · die Klingen schnitten sehr,
Das hab’ ich wohl vernommen · den Helden an der Hand:
Da wollten sie die Gäste · von Burgen wehren und Land.
Der Herren Scharmeister · führten das Volk heran.
Da war auch Siegfried kommen · mit samt seinen Mann,
Die er mit sich führte · aus dem Niederland.
Des Tags sah man im Sturme · manche blutige Hand.
Sindold und Hunold · und auch Gernot,
Die schlugen in dem Streite · viel der Helden tot,
Eh’ sie ihrer Kühnheit · noch selber mochten traun:
Das mußten bald beweinen · viel der waidlichen Fraun.
Volker und Hagen · und auch Ortwein
Leschten in dem Streite · manches Helmes Schein
Mit fließendem Blute · die Kühnen in der Schlacht.
Von Dankwarten wurden · viel große Wunder vollbracht.
Da versuchten auch die Dänen · waidlich ihre Hand;
Von Stößen laut erschallte · mancher Schildesrand
Und von den scharfen Schwertern · womit man Wunden schlug.
Die streitkühnen Sachsen · taten Schadens da genug.
Als die Burgunden · drangen in den Streit,
Von ihnen ward gehauen · manche Wunde weit:
Über sie Sättel fließen · sah man da das Blut;
So warben um die Ehre · diese Ritter kühn und gut.
Man hörte laut erhallen · den Helden an der Hand
Ihr scharfen Waffen · als die von Niederland
Ihrem Herrn nachdrangen · in die dichten Reihn;
Die zwölfe kamen ritterlich · zugleich mit Siegfried hinein.
Deren vom Rheine · kam ihnen niemand nach.
Man konnte fließen sehen · den blutroten Bach
Durch die lichten Helme · von Siegfriedens Hand,
Bis er Lüdegeren · vor seinen Heergesellen fand.
Dreimal die Kehre · hat er nun genommen
Bis an des Heeres Ende · da war Hagen kommen:
Der half ihm wohl vollbringen · im Kampfe seinen Mut.
Es mußte heut’ ersterben · vor ihnen mancher Ritter gut.
Als der starke Lüdeger · Siegfrieden fand,
Wie er so erhaben · trug in seiner Hand
Balmung den guten · und da so manchen schlug,
Drob ward der Fürst zornig · und ingrimmig genug.
Da gab es stark Gedränge · und lauten Schwerterklang,
Wo ihr Ingesinde · aufeinander drang.
Da versuchten desto heftiger · die beiden Recken sich;
Die Scharen wichen beide · der Kämpen Haß ward fürchterlich.
Dem Vogt vom Sachsenlande · war es wohl bekannt,
Sein Bruder sei gefangen · drum war er zornentbrannt;
Nicht wüßt’ er, der’s vollbrachte · sei der Sieglindensohn.
Man zeihte des Gernoten · hernach befand er es schon.
Da schlug so starke Schläge · Lüdegers Schwert,
Siegfrieden unterm Sattel · niedersank das Pferd;
Doch bald erhob sich’s wieder · der kühne Siegfried auch
Gewann jetzt im Sturme · einen furchtbaren Brauch.
Dabei half ihm Hagen · wohl und Gernot,
Dankwart und Volker · da lagen viele tot.
Sindold und Hunold · und Ortwein der Degen
Die konnten in dem Streite · zum Tode manchen niederlegen.
Untrennbar im Kampfe · waren die Fürsten hehr.
Über die Helme fliegen · sah man manchen Speer
Durch die lichten Schilde · von der Helden Hand;
Auch ward von Blut gerötet · mancher herrliche Rand.
In dem starken Sturme · sank da mancher Mann
Von den Rossen nieder · Einander rannten an
Siegfried der kühne · und König Lüdeger;
Man sah da Schäfte fliegen · und manchen schneidigen Speer.
Der Schildbeschlag des Königs · zerstob vor Siegfrieds Hand.
Sieg zu erwerben dachte · der Held von Niederland
An den kühnen Sachsen · die waren von Wunden schwach.
Hei! was da lichte Panzer · der kühne Dankwart zerbrach!
Da hatte König Lüdeger · auf einem Schild erkannt
Eine gemalte Krone · vor Siegfriedens Hand:
Da sah er wohl, es wäre · der kraftreiche Mann.
Laut auf zu seinen Freunden · der Held zu rufen begann:
„Begebt euch des Streites · ihr all mir Untertan!
Den Sohn König Siegmunds · traf ich hier an,
Siegfried den starken · hab’ ich hier erkannt;
Den hat der üble Teufel · her zu den Sachsen gesandt.“
Er gebot die Fahnen · zu senken in dem Streit.
Friedens er begehrte · der ward ihm nach der Zeit;
Doch mußt’ er Geisel werden · in König Gunthers Land:
Das hatt’ an ihm erzwungen · des kühnen Siegfriedes Hand.
Nach allgemeinem Rate · ließ man ab vom Streit.
Viel zerschlagner Helme · und der Schilde weit
Legten sie aus Händen · so viel man deren fand,
Die waren blutgerötet · von der Burgunden Hand.
Sie fingen, wen sie wollten · sie hatten volle Macht.
Gernot und Hagen · die schnellen, hatten Acht,
Daß man die Wunden bahrte · da führten sie hindann
Gefangen nach dem Rheine · der Kühnen fünfhundert Mann.
Die sieglosen Recken · zum Dänenlande ritten.
Da hatten auch die Sachsen · so tapfer nicht gestritten,
Daß man sie loben sollte · das war den Helden leid.
Da beklagten ihre Freunde · die Gefallnen in dem Streit.
Sie ließen ihre Waffen · aufsäumen nach dem Rhein.
Es hatte wohl geworben · mit den Gefährten sein
Siegfried der Recke · und hatt’ es gut vollbracht:
Das mußt’ ihm zugestehen · König Gunthers ganze Macht.
Gen Worms sandte Boten · der König Gernot:
Daheim in seinem Lande · den Freunden er entbot,
Wie ihm gelungen wäre · und all seinem Lehn:
Es war da von den Kühnen · nach allen Ehren geschehn.
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