Das soll bereiten helfen · eure edle Hand.
Laßt eure Mägdlein sorgen · daß es uns herrlich steht,
Da man uns diese Reise · doch vergebens widerrät.“
Da begann die Jungfrau · „Nun hört, was ich sage.
Ich habe selber Seide · befehlt, daß man uns trage
Gestein auf den Schilden · so schaffen wir das Kleid.“
Dazu waren Gunther · und auch Siegfried bereit.
„Wer sind die Gesellen“ · sprach die Königin,
„Die mit euch gekleider · zu Hofe sollen ziehn?“
„Das bin ich selbvierter · noch zwei aus meinem Lehn,
Dankwart und Hagen · sollen mit uns zu Hofe gehn.
„Merket wohl, Schwester · was wir euch nun sagen:
Daß wir viere sollen · zu vier Tagen tragen
Je der Kleider dreierlei · und also gut Gewand,
Daß wir ohne Schande · räumen Brunhildens Land.“
Mit gutem Urlaube · schieden die Herren hin.
Da berief der Jungfraun · Kriemhild die Königin
Aus ihrer Kemenate · dreißig Mägdelein,
Die gar sinnreich mochten · zu solcher Kunstübung sein.
In arabische Seide · so weiß als der Schnee,
Und gute Zazamanker · so grün als der Klee,
Legten sie Gesteine · das gab ein gut Gewand;
Kriemhild die schöne · schnitt’s mit eigener Hand,
Von seltner Fische Häuten · Bezüge wohlgetan,
Zu schauen fremd den Leuten · so viel man nur gewann,
Bedeckten sie mit Seide · wie’s Brauch war sie zu tragen.
Nun höret große Wunder · von den lichten Kleidern sagen.
Aus dem Land Marokko · und auch von Libya
Der allerbesten Seide · die man jemals sah
Königskinder tragen · der hatten sie genug.
Wohl ließ sie Kriemhild schauen · wie sie Liebe für sie trug.
Da sie so teure Kleider · begehrt zu ihrer Fahrt,
Hermelinfelle · wurden nicht gespart,
Darauf von Kohlenschwärze · mancher Flecken lag:
Das trügen schnelle Helden · noch gern bei einem Hofgelag’.
Aus arabischem Golde · glänzte mancher Stein;
Der Frauen Unmuße · war nicht zu klein.
Sie schufen die Gewände · in sieben Wochen Zeit;
Da war auch ihr Gewaffen · den guten Degen bereit.
Als sie gerüstet standen · sah man auf dem Rhein
Fleißiglich gezimmert · ein starkes Schiffelein,
Das sie da tragen sollte · hernieder an die See.
Den edeln Jungfrauen · war von Arbeiten weh.
Da sagte man den Recken · es sei für sie zur Hand,
Das sie tragen sollten · das zierliche Gewand.
Was sie erbeten hatten · das war nun geschehn:
Da wollten sie nicht länger · mehr am Rheine bestehn.
Zu den Heergesellen · ein Bote ward gesandt,
Ob sie schauen wollten · ihr neues Gewand,
Ob es den Helden wäre · zu kurz oder lang.
Es war von rechtem Maße · des sagten sie den Frauen Dank.
Vor wen sie immer kamen · die mußten all gestehn,
Sie hätten nie auf Erden · schöner Gewand gesehn.
Drum mochten sie es gerne · da zu Hofe tragen:
Von besserm Ritterstaate · wußte niemand mehr zu sagen.
Den edeln Maiden wurde · höchlich Dank gesagt.
Da baten um Urlaub · die Recken unverzagt;
In ritterlichen Züchten · taten die Herren das.
Da wurden lichte Augen · getrübt von Weinen und naß.
Sie sprach: „Viel lieber Bruder · ihr bliebet besser hier
Und würbt andre Frauen · klüger schien’ es mir,
Wo ihr nicht wagen müßtet · Leben und Leib.
Ihr fändet in der Nähe · wohl ein so hochgeboren Weib.“
Sie ahnte wohl im Herzen · ihr künftig Ungemach.
Sie mußten alle weinen · was da auch einer sprach.
Das Gold vor ihren Brüsten · ward von Tränen fahl:
Die fielen ihnen dichte · von den Augen zutal.
Da sprach sie: „Herr Siegfried · laßt euch befohlen sein
Auf Treu und auf Gnade · den lieben Bruder mein,
Daß ihn nichts gefährde · in Brunhildens Land.“
Das versprach der Kühne · Frau Kriemhilden in die Hand.
Da sprach der edle Degen · „So lang’ mein Leben währt,
So bleibt von allen Sorgen · Herrin, unbeschwert:
Ich bring’ ihn euch geborgen · wieder an den Rhein.
Des seiet ihr versichert“ · Da dankt ihm schön das Mägdelein.
Die goldroten Schilde · trug man an den Strand
Und schaffte hin zu ihnen · all ihr Rüstgewand;
Ihre Rosse ließ man bringen · sie wollten nun hindann.
Wie da von schönen Frauen · so großes Weinen begann!
Da stellte sich ins Fenster · manch minnigliches Kind.
Das Schiff mit seinem Segel · ergriff ein hoher Wind.
Die stolzen Heergesellen · saßen auf dem Rhein;
Da sprach der König Gunther · „Wer soll nun Schiffmeister sein?“
„Das will ich,“ sprach Siegfried · „ich kann euch auf der Flut
Wohl von hinnen führen · das wißt, Helden gut;
Die rechten Wasserstraßen · sind mir wohl bekannt.“
So schieden sie mit Freuden · aus der Burgunden Land.
Eine Ruderstange · Siegfried ergriff:
Vom Gestade schob er · kräftig das Schiff.
Gunther der kühne · ein Ruder selber nahm.
Da huben sich vom Lande · die schnellen Ritter lobesam.
Sie führten reichlich Speise · dazu guten Wein,
Den besten, den sie finden · mochten um den Rhein.
Ihre Rosse standen · still in guter Ruh;
Das Schiff ging so eben · kein Ungemach stieß ihnen zu.
Ihre starken Segelseile · streckte die Luft mit Macht:
Sie fuhren zwanzig Meilen · eh’ niedersank die Nacht,
Mit günstigem Winde · nieder nach der See;
Ihr starkes Arbeiten · tat einst noch den Beherzten weh.
An dem zwölften Morgen · wie wir hören sagen,
Da hatten sie die Winde · weit hinweggetragen
Nach Isenstein der Feste · in Brunhildens Land,
Das war ihrer keinem · außer Siegfried bekannt.
Als der König Gunther · so viel der Burgen sah
Und auch der weiten Marken · wie bald sprach er da:
„Nun sagt mir, Freund Siegfried · ist euch das bekannt?
Wem sind diese Burgen · und wem das herrliche Land?“
Zur Antwort gab ihm Siegfried · „Das ist mir wohl bekannt:
Das ist Brunhilden · Volk und auch Land
Und Isenstein die Feste · glaubt mir fürwahr:
Da mögt ihr heute schauen · schöner Frauen große Schar.
„Ich will euch Helden raten · seid all von einem Mut
Und sprecht in gleichem Sinne · so dünkt es mich gut.
Denn wenn wir heute · vor Brunhilden gehn,
So müssen wir in Sorgen · vor der Königstochter stehn.
„Wenn wir die Minnigliche · bei ihren Leuten sehn,
Sollt ihr erlauchte Helden · nur einer Rede stehn:
Gunther sei mein Lehnsherr · und ich ihm Untertan;
So wird ihm sein Verlangen · nach seinem Wunsche getan.“
Sie waren all willfährig · zu tun, wie er sie hieß:
In seinem Übermute · es auch nicht einer ließ,
Sie sprachen, wie er wollte · wohl frommt’ es ihnen da,
Als der König Gunther · die schöne Brunhild ersah.
„Wohl tu’ ich’s nicht so gerne · dir zu lieb allein,
Als um deine Schwester · das schöne Mägdelein.
Die ist mir wie die Seele · und wie mein eigner Leib;
Ich will es gern verdienen · daß sie werde mein Weib.“
SIEBENTES ABENTEUER – WIE GUNTHER BRUNHILDEN GEWANN
Ihr Schifflein unterdessen · war auf dem Meer
Zur Burg heran geflossen · da sah der König hehr
Oben in den Fenstern · manche schöne Maid.
Daß er sie nicht erkannte · das war in Wahrheit ihm leid.
Er fragte Siegfrieden · den Gesellen sein:
„Hättet ihr wohl Kunde · um diese Mägdelein,
Die dort hernieder schauen · nach uns auf die Flut?
Wie ihr Herr auch heiße · so tragen sie hohen Mut.“
Da sprach der kühne Siegfried · „Nun sollt ihr heimlich spähn
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