Da hieb ihm der Pförtner · in Stücke seines Schilds Beschlag
Mit einer Eisenstange · so litt der Degen Not.
Schier begann zu fürchten · der Held den grimmen Tod,
Als der Türhüter · so mächtig auf ihn schlug.
Dafür war ihm gewogen · sein Herre Siegfried genug.
Sie stritten so gewaltig · die Burg gab Widerhall:
Man hörte fern das Tosen · in König Niblungs Saal.
Doch zwang er den Pförtner · zuletzt, daß er ihn band;
Kund ward diese Märe · in allem Nibelungenland.
Das Streiten hatte ferne · gehört durch den Berg
Alberich der kühne · ein wildes Gezwerg.
Er waffnete sich balde · und lief hin, wo er fand
Diesen edeln Fremdling · als er den Riesen eben band.
Alberich war mutig · dazu auch stark genug.
Helm und Panzerringe · er am Leibe trug
Und eine schwere Geisel · von Gold an seiner Hand.
Da lief er hin geschwinde · wo er Siegfrieden fand.
Sieben schwere Knöpfe · hingen vorn daran,
Womit er vor der Linken · den Schild dem kühnen Mann
So bitterlich zergerbte · in Splitter ging er fast.
In Sorgen um sein Leben · geriet der herrliche Gast.
Den Schild er ganz zerbrochen · seiner Hand entschwang:
Da stieß er in die Scheide · eine Waffe, die war lang.
Seinen Kammerwärter · wollt’ er nicht schlagen tot:
Er schonte seiner Leute · wie ihm die Treue gebot.
Mit den starken Händen · Albrichen lief er an,
Und erfaßte bei dem Barte · den altgreisen Mann.
Den zuckt’ er ungefüge · der Zwerg schrie auf vor Schmerz.
Des jungen Helden Züchtigung · ging Alberichen ans Herz.
Laut rief der Kühne · „Nun laßt mir das Leben:
Und hätt’ ich einem Helden · mich nicht schon ergeben,
Dem ich schwören mußte · ich wär’ ihm Untertan,
Ich dient’ euch, bis ich stürbe“ · so sprach der listige Mann.
Er band auch Alberichen · wie den Riesen eh:
Siegfriedens Kräfte · taten ihm gar weh.
Der Zwerg begann zu fragen · „Wie seid ihr genannt?“
Er sprach: „Ich heiße Siegfried · ich wähnt’, ich wäre euch bekannt.“
„So wohl mir dieser Kunde“ · sprach da Alberich,
„An euern Heldenwerken · spürt’ ich nun sicherlich,
Daß ihr’s wohl verdientet · des Landes Herr zu sein.
Ich tu’, was ihr gebietet · laßt ihr nur mich gedeihn.“
Da sprach der Degen Siegfried · „So macht euch auf geschwind
Und bringt mir her der Besten · die in der Feste sind,
Tausend Nibelungen · die will ich vor mir sehn.
So lass’ ich euch kein Leides · an euerm Leben geschehn.“
Albrichen und den Riesen · löst’ er von dem Band.
Hin lief der Zwerg geschwinde · wo er die Recken fand.
Sorglich erweckt’ er · die in Niblungs Lehn
Und sprach: „Wohlauf, ihr Helden · ihr sollt zu Siegfrieden gehn.“
Sie sprangen von den Betten · und waren gleich bereit:
Tausend schnelle Ritter · standen im Eisenkleid.
Er brachte sie zur Stelle · wo er Siegfried fand:
Der grüßte schön die Degen · und gab manchem die Hand.
Viel Kerzen ließ man zünden · man schenkt’ ihm lautern Trank.
Daß sie so bald gekommen · des sagt’ er allen Dank.
Er sprach: „Ihr sollt von hinnen · mir folgen über Flut.“
Dazu fand er willig · diese Helden kühn und gut.
Wohl dreißig hundert Recken · kamen ungezählt:
Von denen wurden tausend · der besten auserwählt,
Man brachte ihre Helme · und ander Rüstgewand,
Da er sie führen wollte · hin zu Brunhildens Land.
Er sprach: „Ihr guten Ritter · Eins laßt euch sagen:
Ihr sollt reiche Kleider · dort am Hofe tragen,
Denn uns wird da schauen · manch minnigliches Weib:
Darum sollt ihr zieren · mit guten Kleidern den Leib.“
Eines frühen Morgens · begannen sie die Fahrt:
Was schneller Mannen hatte · da Siegfried sich geschart!
Sie führten gute Rosse · und herrlich Gewand:
Sie kamen stolz gezogen · hin zu Brunhildens Land.
Da stand in den Zinnen · manch minnigliches Kind.
Da sprach die Königstochter · „Weiß jemand, wer die sind,
Die ich dort fließen sehe · so fern auf der See?
Sie führen reiche Segel · sie sind noch weißer als der Schnee.“
Da sprach der König vom Rheine · „Es ist mein Heergeleit,
Das ich auf der Reise · verließ von hier nicht weit:
Ich habe sie besendet · nun sind sie, Frau, gekommen.“
Der herrlichen Gäste · ward mit Züchten wahrgenommen.
Da sah man Siegfrieden · im Schiffe stehn voran
In herrlichem Gewande · mit manchem andern Mann.
Da sprach die Königstochter · „Herr König, wollt mir sagen:
Soll ich die Gäste grüßen · oder ihnen Gruß versagen?“
Er sprach: „Ihr sollt entgegen · ihnen vor den Pallas gehn,
Ob ihr sie gerne sehet · daß sie das wohl verstehn.“
Da tat die Königstochter · wie ihr der König riet;
Siegfrieden mit dem Gruße · sie von den andern unterschied.
Herberge gab man ihnen · und wahrt’ ihr Gewand.
Da waren so viel Gäste · gekommen in das Land,
Daß sie sich allenthalben · drängten mit den Scharen:
Da wollten heim die Kühnen · zu den Burgunden fahren.
Da sprach die Königstochter · „Dem blieb ich immer hold,
Der zu verteilen wüßte · mein Silber und mein Gold
Meinen Gästen und des Königs · des ich so viel gewann.“
Zur Antwort gab ihr Dankwart · des kühnen Geiselher Mann:
„Viel edle Königstochter · laßt mich der Schlüssel pflegen;
Ich will es so verteilen“ · sprach der kühne Degen,
„Wenn ich mir Schand’ erwerbe · die treffe mich allein.“
Daß er milde wäre · das leuchtete da wohl ein.
Als sich Hagens Bruder · der Schlüssel unterwand,
So manche reiche Gabe · bot des Helden Hand:
Wer eine Mark begehrte · dem ward so viel gegeben,
Daß die Armen alle · da in Freuden mochten leben.
Wohl mit hundert Pfunden · gab er ohne Wahl.
Da ging in reichem Kleide · mancher aus dem Saal,
Der nie zuvor im Leben · so hehr Gewand noch trug.
Die Königin erfuhr es · da war es ihr leid genug.
Sie sprach zu dem König · „Des hätt’ ich gerne Rat,
Daß nichts mir soll verbleiben · von meinem Kleiderstaat
Vor euerm Kämmerlinge · er verschwendet all mein Gold.
Wer dem noch widerstände · dem wollt’ ich immer bleiben hold
„Er gibt so reiche Gaben · der Degen wähnet eben,
Ich habe nach dem Tode · gesandt: ich will noch leben
Und kann wohl selbst verschwenden · meines Vaters Gut.“
Nie hatt’ einer Königin · Kämmerer so milden Mut.
Da sprach von Tronje Hagen · „Frau, euch sei bekannt:
Der König vom Rheine · hat Gold und Gewand
Zu geben solche Fülle · daß es nicht Not ihm tut,
Von hier hinweg zu führen · einen Teil von Brunhilds Gut.“
„Nein, wenn ihr mich liebet“ · sprach sie zu dem Herrn,
„Zwanzig Reiseschreine · füllt’ ich mir gern
Mit Gold und mit Seide · das soll meine Hand
Verteilen, so wir kommen · hinüber in Burgunden Land.“
Da lud man ihr die Kisten · mit edelm Gestein.
Der Frauen Kämmerlinge · mußten zugegen sein:
Sie wollt’ es nicht vertrauen · Geiselhers Untertan.
Gunther und Hagen · darob zu lachen begann.
Da sprach die Königstochter · „Wem lass’ ich nun mein Land?
Das soll hier erst bestimmen · mein und eure Hand.“
Da sprach der edle König · „So rufet wen herbei,
Der euch dazu gefalle · daß er zum Vogt geordnet sei.“
Ihrer nächsten Freunden einen · die Jungfrau bei sich sah;
Es war ihr Mutterbruder · zu dem begann sie da:
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